März 2020: Ein protestantischer Pfarrer in der Uckermark, der dem Tod ins Auge blickt. Eine Anästhesistin der Charité, die mit einem Rabbi zusammen in Quarantäne gerät. Ein Kunststudent, der heillos in seine Professorin verliebt ist und in eine Welt der Betäubung abdriftet. Und Selma, die Enkelin, Tochter und Schwester der Genannten, die diese Familie irgendwie zusammenhalten soll - keine leichte Aufgabe in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln, in denen Distanz zur Tugend wird und Nähe zum Problem.
Die vier auseinandergerissenen Familienmitglieder sind weniger durch Ähnlichkeit miteinander verbunden als durch eine gemeinsame Leerstelle: Holger, Pfarrerssohn, Ex-Mann und Vater der Protagonisten befindet sich nach einem Suizidversuch in einer Klinik und ist nunmehr so gut wie unerreichbar. Für jede der Figuren bedeutet er eine Lücke, einen Phantomschmerz der anderen Art. Doch Holger ist nicht der einzige Abwesende, der im Leben der Familienmitglieder viel präsenter ist, als sie es wahrhaben wollen. Die Verschwundenen - Lebende wie Tote - und die Wut- und Schuldgeschichten, die zu ihnen führen, kommen immer mehr zum Vorschein in dieser extremen, brennglasartigen Zeit.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
brauneye29
aus Wachtendonk
3/5
18.07.2021
eBook (ePUB)
Etwas verworren
Zum Inhalt:
Vier Familienmitglieder, die alle irgendwie ein Päckchen zu tragen haben. Doch wirklich verbunden sind sie durch Holger, der sich nach einem Suizidversuch in einer Klinik ist.
Meine Meinung:
So richtig warm geworden bin ich mit dem Buch nicht. Mir sind die Protagonisten seltsam fremd geblieben. Den Anfang fand ich noch sehr interessant, aber ich fand dass die Geschichte immer mehr nachließ. Auch fand ich die Geschichte ein wenig verworren, so dass mich die Geschichte ein wenig ratlos hinterließ. Was mir recht gut gefallen hat, war der Schreibstil, der recht gut lesbar war.
Fazit:
Etwas verworren
Brenda_wolf
aus Bad Berneck
5/5
12.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Wichtigste wird ausgelassen
Das Wichtigste wird ausgelassen
Richard, der protestantische Pfarrer einer kleinen Landgemeinde in der Uckermark ist schwer an Krebs erkrankt. Die Medizin kann nichts mehr für ihn tun. Austherapiert. Seine Enkeltochter Selma besucht ihn mit Frau Dr. Katrin Kuhn, einer Palliativmedizinerin der Charité und gleichzeitig engste Freundin ihrer Mutter Maria, die ebenfalls Ärztin ist, sich jedoch wegen eines Corona-Ausbruchs in der Klinik in Quarantäne befindet. Frau Dr. Kuhn soll dem alten Herrn am Ende seines Lebens mit schmerzlindernden Medikamenten zur Seite stehen.
Der Roman spielt in der Zeit des ersten Lockdowns im Jahr 2020. Wir erleben drei Generationen mit den unterschiedlichsten Lebensthemen. „Schuld erstreckt sich über all das, was man nicht getan hat.“ In dieser Familie stimmt einiges nicht. Richards Sohn Holger lebt in der Psychiatrie nach einem Suizidversuch. Selma seine Tochter hatte ihn gefunden. Zwischen ihm und Richard ist noch sehr viel offen, zumal die beiden schon seit Jahren nicht mehr miteinander sprechen. Holgers Mutter ist bei seiner Geburt gestorben, deshalb wurde Holgers Geburtstag nie gefeiert.
Richard ist mit dem Tod seiner Frau nie fertig geworden. Er sah sich als Überlebenden. Er wollte nie mehr jemanden überleben, der ihm nahesteht. So ließ er gefühlsmäßig anscheinend niemanden mehr an sich heran. Richard war der Glaube an Gott abhandengekommen. Gott hatte ihn fallengelassen. Interessant ist, dass es Morpheus, dem zugelaufenen und mickrigsten Kater weit und breit, noch kurz vor seinem Tod gelingt, Richards Einstellung zu ändern. So bangt er sogar um das Leben des kleinen Kerls, der operiert werden muss.
Von Katrin Kuhn, dem schwarzen Engel, stammt der Satz: „Es gibt zwei Arten von Sterbenden: Die Wütenden und die Schuldigen.“ Und auch: „Gestorben wird immer und für jeden ist es das erste Mal.“
Selma, die Enkeltochter Richards, ist viel zu ernst für ihr Alter, sie trägt an der Pflicht, die Familie zusammenhalten zu müssen und doch fühlt sie sich von der Familie nicht gesehen. Anders als ihr Bruder Jacob, der ewige Leichtfuß, der sich weigert Pflichten und Verantwortung zu übernehmen.
Maria, die sich einst in den Meeresbiologen Holger verliebt hatte, lebt nun von Holger getrennt, wird durch ihren Nachbarn, einem Rabi mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.
John von Düffel bietet dem Leser schwere Kost. Der Roman wirft Fragen auf. Genau wie Selma an einer Stelle feststellt, beim Leben und Sterben geht es um Betäubung, im richtigen Maß, an der richtigen Stelle und zur richtigen Stelle. Aber bestimmte Lebensthemen müssen bewältigt werden und lassen sich nicht immer nur unter den Teppich halten.
Meine Lieblingsromanfigur ist Kathi. Mit ihr konnte ich mich am ehesten identifizieren. Wobei John von Düffel seine Protagonisten alle sehr lebensnah gezeichnet hat.
„Das Wichtigste haben wir ausgelassen. Das Wichtigste wird nie erzählt. Es steht zwischen den Zeilen,“ ist irgendwo zu lesen. Genau dieser Satz bringt es auch in „Die Wütenden und die Schuldigen“ auf den Punkt.
Fazit: Kein Wohlfühlbuch, eher ein Buch, dass ernste Lebensthemen anreißt und zum Nachdenken auffordert.
J. Kaiser
5/5
19.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Leben mit der Pandemie
Klapptext: März 2020: Ein protestantischer Pfarrer in der Uckermark, der dem Tod ins Auge blickt. Eine Anästhesistin der Charité, die mit einem Rabbi zusammen in Quarantäne gerät. Ein Kunststudent, der heillos in seine Professorin verliebt ist und in eine Welt der Betäubung abdriftet. Und Selma, die Enkelin, Tochter und Schwester der Genannten, die diese Familie irgendwie zusammenhalten soll – keine leichte Aufgabe.
Fazit: In diesem Buch hängen die Personen miteinander zusammen. Obwohl sie nicht im Kontakt miteinander stehen. Mit den verschiedenen Umständen wird auch unterschiedlich umgegangen. Sei es mit dem Verlust von Freiheit, Quarantäne, von der grossen Liebe, oder einer Person aus der Familie, Wut und Trauer ist genauso schlimm. Die Stimmung in diesem Buch wird sehr realistisch erzählt. Es ist so wie im Leben, es ist nicht alles immer prima. Hier wird nichts unter den Teppich gekehrt, sondern ehrlich dargestellt. Ich kann das Buch sehr empfehlen.
Hermione
5/5
19.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Grandios erzählt – dicht und atmosphärisch
Deutschland in Zeiten der Corona-Pandemie 2020: Richard, ehemaliger evangelischer Pfarrer in der Uckermark hat nicht mehr lange zu leben, er hat Krebs im Endstadium. Eigentlich soll die Familie daher zusammenkommen, aber die Schwiegertochter Maria ist coronabedingt in Quarantäne, der Enkel Jakob hat Beziehungsprobleme und der Sohn ist in der Psychiatrie. So bleibt nur Enkelin Selma, die gemeinsam mit der besten Freundin der Mutter Maria, Palliativmedizinerin Kathi Kuhn zu Richard ins alte Pfarrhaus reist.
Meine Meinung:
Der neue Roman von John von Düffel hat mich direkt an das große Werk „Houwelandt“ erinnert, denn er ist auch so grandios und poetisch, gleichzeitig in einer extrem präzisen Sprache erzählt.
Das Buch hat drei große Teile, die wiederum in verschiedene Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven eingeteilt sind. So lesen wir die Geschichte aus Sicht von Richard, Maria, Selma und Jakob, was insgesamt zu einem sehr runden Bild führt. Die Kapitel sind dabei nicht zu kurz und nicht zu lang und insgesamt sehr gut und flüssig zu lesen.
Thematisch ist das Buch keine leichte Kost, denn es geht um die großen Fragen des Lebens, z.B. Schuld und Wut im Laufe des Lebens (wie der Titel schon sagt) und wie man damit dem Tod ins Auge sieht. Auch physische und psychische Krankheiten, Alkohol und Drogen spielen eine Rolle.
Letztlich geht es vor allem um eine Familie und die Interaktion über die drei Generationen hinweg, auch mit den „abwesenden“ Personen, d.h. Richards Frau, die bei der Geburt des Sohnes Holger starb, und Holger, der in der Psychiatrie ist. Hier lebt sich der Roman unglaublich kraftvoll aus (auch wenn mir keine der Personen sonderlich sympathisch war), so dass mich das Gelesene sehr zum Nachdenken gebracht hat und mich noch länger beschäftigen wird.
Fazit:
Das neue Buch von John von Düffel ist ohne Frage einer der großen Romane unserer Zeit – wieder meisterhaft konstruiert und fesselnd erzählt.
Daniela Heinen
aus Sankt Augustin
4/5
08.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Corona Roman
"Die Wütenden und die Schuldigen" ist für mich der Corona Roman.
Er spielt während des ersten Lockdowns, inmitten von Ausgangssperren und Lockdown, immer überschattet von Angst. Und in dieser Zeit betrachtet der Autor eine Familie. Den im Sterben liegenden Großvater, seine Ex-Schwiegertochter, die Ärztin in einem Krankhaus ist, ihre Freundin und deren Tochter, den Sohn des Großvaters, der nach einem Suizidversuch in der Psychiatrie ist usw. Alle diese Personen sind miteinander verbunden, die Fäden werden im Laufe der Geschichte immer deutlicher.
Der Autor schneidet in seinem Buch viele verschiedenen Themen an. Zwischendurch waren es mir eigentlich zu viele, aber dann wurde mir bewusst, dass genau das ein großes Problem des Lockdowns war: plötzlich wurden alltägliche Themen riesengroß, weil man vor ihnen einfach nicht mehr davonlaufen konnte. Dementsprechend finde ich die Geschichte doch sehr gelungen.
In meinen Augen definitiv ein gutes Buch!
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