Er ist eine Art singender Universalgelehrter, mit ihm kann man wirklich über alles reden. Zehnmal hat der Journalist Martin Scholz den Musiker Sting in den letzten zehn Jahren getroffen, ob in Stings Geburtsstadt Newcastle, in seiner Wahlheimat New York, in Aufnahmestudios oder backstage in Frankfurt, Berlin oder Paris. Immer wieder Thema: Stings wechselnde Barttracht - vielleicht Ausdruck seiner Lust, sich ständig neu zu erfinden? Kaum ein Musiker ist so wandelbar wie er. Bereits Ende der siebziger Jahre feierte er Erfolge mit der Wave-Rock-Band The Police - heute noch, sagt er, trifft er die hohen Töne in Roxanne. Als Solo-Künstler wandte er sich dem Jazz zu, sang Lieder des Renaissance-Komponisten John Dowland und von Kurt Weill, aber auch Hip-Hop-, Folk-Songs, Fusion-Nummern und Seemannslieder, nicht alles zur Freude seiner Fans. Aber Sting ist nicht nur Musiker, sondern auch Aktivist, ein engagierter Kosmopolit mit vielen Interessen: Er schimpft über den Brexit (»ein absoluter Albtraum«) und den Trumpismus, erzählt von seinem Kampf für den Schutz des brasilianischen Regenwaldes und mit ebenso viel Verve von seinem Weingut in der Toskana. Aber auch Schreibblockaden, Sinnkrisen und das älterwerden spielen eine Rolle, seine Liebe zu Berlin, »sein« Fußballverein Newcastle United, das Leben on the road ... und natürlich seine Songs.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
5/5
30.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Informativ und kurzweilig
Es muss um 1978 gewesen sein, da besuchte ich, als junger Mann, ein Konzert des deutschen Elektronik-Pioniers und Laser-Lichtkünstlers Eberhard Schoener. Nachdem die Show eine Weile gelaufen war, bat der Maestro drei Musiker zu sich auf die Bühne, eine bis dato bei uns völlig unbekannte britische Newcomer-Band: The Police! Da hatte ich mein erstes Erlebnis mit Sting. Dieses Erlebnis teile ich mit Frank Schätzing, der (allerdings an einem anderen Ort) auch ein Konzert dieser Tournee besuchte, wie ich aus dem Eröffnungsgespräch von „Message in a book“ erfahren durfte. Darin wird der Schriftsteller, ebenso wie im zweiten Gespräch Udo Lindenberg, von Martin Scholz zum Thema „Sting“ befragt, bevor die Interviews mit dem Künstler selbst wiedergegeben werden. Das Ganze ist sehr abwechslungsreich und unterhaltsam und wirft ein neues Licht auf den Musiker. Es zeigt den Familienmenschen, Umweltaktivisten, Winzer, Fußballfan und vieles mehr. Ich habe das Buch an einem Tag mit wachsendem Vergnügen gelesen und befriedigt zugeklappt. Für Fans ein Muss, aber auch alle anderen Leser dürften sich durch „Message in a book“ gut unterhalten fühlen!
Bewertung
aus Oberursel
5/5
12.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Brilliantes Portrait eines Ausnahmemusikers
Der schweizer Kampaverlag hat eine kleine, aber feine Reihe im Programm, den „Kampa Salon“, in der Künstler und Weltstars aus Musik, Theater, Literatur und Malerei portraitiert werden. Als Fan von Sting habe ich mich gefreut, dass „Message in a Book“ nun herausgekommen ist, das Buch musste ich lesen .
Das sagt der Verlag: „Die Intervies mit Sting erschienen erstmals zwischen 2009 und 2019 in der Frankfurter Rundschau, der Welt und der Welt am Sonntag und wurden für dieses Buch von Martin Scholz um etliche Passagen ergänzt (….). Die Interviews mit Frank Schätzing und Udo Lindenberg wurden eigens für dieses Buch geführt.“
Muss man eigentlich Sting noch vorstellen, bevor man dieses Buch rezensiert? Geboren 1951 als Gordon Sumner bei Newcastle war Sting ursprünglich mal Lehrer, bevor er sich der Musik zuwandte, und 1977 mit Steward Copeland und Andy Summers The Police gründete. Der Rest ist Geschichte, denke ich. Auch solo war er extremst erfolgreich, und wer Songs wie „Englishman in New York, „Roxanne“ oder „Every Breath You Take“ nicht kennt, dem ist sowieso nicht zu helfen . Also: Das hier ist ein Portrait, oder vielmehr eine Hommage an einen Ausnahmemusiker, der mit über 70 Jahren immer noch auftritt, und der immer wieder auch durch soziales Engagement aufgefallen ist.
Das Foto auf dem Cover ist natürlich schon etwas älter, aber fit und trainiert ist Sting immer noch, und das nicht nur körperlich. Die Interviews zu lesen, war auch ein intellektueller Genuss: hier ist ein Popstar, der wirklich gebildet ist, sich in vielerlei Gebieten auskennt, der sich seit den 80er Jahren in einer Stiftung zum Erhalt des Regenwalds engagiert, der profunde Literaturkenntnisse hat und nicht nur durch musikalisches Ausnahmetalent besticht.
Mit dem Journalist Martin Scholz hat er sich relativ häufig getroffen, und in diesen ausgewählten Interviews plaudern die beiden über Gott und die Welt – über politische und soziale Themen, über das Älter-werden, über Musik, und auch immer wieder über Fussball. Sting ist forever Newcastle-Fan, und damit leidensfähig . Es ist interessant, Stings Sicht der Dinge zu erfahren, und natürlich ist es spannend, wenn er über private Sachen plaudert. Wobei er da nie wirklich ins Detail geht, die Kunst – seine Kunst – steht immer im Vordergrund. Das macht wahrscheinlich auch den Unterschied zu einem Weltstar, der sich seit Jahrzehnten an der Spitze hält, im Vergleich zu schnelllebigen Reality-Helden aus…..
Ich fand die Gespräche super interessant, wobei ich Herrn Scholz manchmal (öfters) etwas krass in seiner Fragestellung fand. Andererseits fällt mir das vielleicht unter all den momentan so unsäglich weichgespülten Journalisten, die man ständig erlebt, auch nur so extrem auf? Auf jeden Fall, Herr Scholz hakt nach, stellt auch mal unbequeme Nachfragen, er lässt nicht locker, bis er alle seine Fragen beantwortet bekommen hat, und damit sticht er für mich tatsächlich hervor. Obwohl es hier ja nur um Prominenteninterviews geht und nicht um investigative Dinge. Und Sting? Der ist locker und entspannt und spielt die Bälle auch zurück. War mir ein Vergnügen, diesen Gesprächen zu lauschen!
Das Büchlein ist nur etwa 200 Seiten lang, leider, und endet mit ein paar Seiten chronologischer Biographie.
Mein Fazit: alle Daumen hoch! Und ich muss jetzt meine neuen Sting – Playlists hören – ich wusste ja gar nicht, wieviele Duette mit anderen Weltstars Sting eingesungen hat, ich hab während des Lesens echt ständig bei spotify gestöbert und ein paar geniale Songs entdeckt!
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