Was heißt es, aus einem Land zu kommen, das es nicht mehr gibt?
Die Fotografin Billy Bana ist eine moderne Nomadin, die ihre Herkunft scheinbar hinter sich gelassen hat. Als ihr Vater stirbt, wird Billy von der Vergangenheit eingeholt, ihrem Aufwachsen als Gastarbeiterkind in Wien: Was wurde aus den Träumen ihrer Eltern? Warum kam es zum Bruch mit ihrer Familie? Und wie konnte ihr kleiner Bruder bloß spurlos verschwinden?
Ein brillant erzählter Familienroman über Freiheit und Verantwortung, Liebe und Verlust, Herkunft und Selbstbestimmung.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
bolie
aus Langscheid
5/5
07.12.2020
eBook (ePUB 3)
Zitat aus dem Buch „Zorn und…
Zitat aus dem Buch „Zorn und Stille“: „Alles, was wir machen, absolut alles, tun wir nur, um glücklicher zu werden. Selbst derjenige, der sich umbringt, tut das, weil er glaubt, im Tod glücklicher zu sein.“ Als die Fotografin Billy Bana zur Beisetzung ihres Vaters fliegt, muss sie eine Weile am Flughafen warten. Dabei kehrt sie zurück in die Vergangenheit, denkt an Kindheit und Jugend sowie die Zeit, welche sie von den Eltern getrennt war. Sie denkt an ihren Bruder, von dem es bereits seit Jahren kein Lebenszeichen mehr gab. „Zorn und Stille“ ist in vier Kapitel unterteilt. Zwei gehören der Tochter Biljanen, die sich den Künstlernamen Billy gab und die als Ich-Erzählerin agiert. Die beiden anderen sind jeweils der Mutter und dem Vater vorbehalten und wurden in dritter Person geschrieben. Das komplette Buch ist tatsächlich zeitweise zornig und dann wieder still. Beeindruckend für mich waren die Schilderungen über das untergegangene Jugoslawien. Hier lebten die Eltern Billys bis zu ihrer Ausreise nach Wien. Auch die Kleine war hier zuhause. Jedoch kann sie sich nicht mehr daran erinnern und weiß mit dem Begriff „Heimat“ nichts anzufangen. Sie denkt an den Strom der Flüchtlinge im Jahr 2015 und einem Satz Orbans: „Es gibt kein Grundrecht auf ein besseres Leben.“ Wie mag es den Menschen damals ergangen sein als der Krieg in Jugoslawien tobte? Ihre Städte und Dörfer zerbombt wurden und sie die Verheerung in den Nachrichten anschauten? Der Hass, oft von außen geschürt, zwischen Serben und Kroaten. Die Völkermorde und der Selbstmord vor laufender Kamera in Den Haag sind ebenfalls Ereignisse, die in dem Buch „Zorn und Stille“ thematisiert wurden. In Wien gingen die Menschen zum Protestieren auf die Straße und auch der Herr Haider lebte noch. Sprachlich gefiel mir das Buch sehr gut und das Thema ließ mich nachdenklich zurück. Es gibt so viele Menschen, die aus einem anderen Land kamen. Wie geht es ihnen damit und welche Ängste und Sorgen schleppen sie mit sich herum? Haben sie Kriegstraumen, die sie nicht artikulieren können und wie kommen sie mit der Sprache und der Kultur des Einreiselandes zurecht? Ich gebe gute fünf Sterne und eine Leseempfehlung. Ja, und ganz besonders denen, die sich immer wieder über die „Flüchtlingsströme“ aufregen.
Circlestones Books Blog
5/5
20.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein vielschichtiger Generationenroman
„Wenn du mittendrin in einer Geschichte steckst, ist es noch keine Geschichte, mehr ein Getöse, ein Rauschen. Es beginnt erst eine Geschichte zu werden, wenn du sie jemandem erzählst. (Zitat Pos. 49)
Inhalt
Biljana Banadinović, Künstlername Billy Bana, ist vierzig Jahre alt und eine bekannte Fotografin. Im Grunde hasst sie das Reisen, hält es jedoch nie lange an einem Ort aus. Als Kind einer Gastarbeiterfamilie wächst sie in Wien auf. Schon seit sie siebzehn Jahre alt ist, führt sie ihr eigenes Leben und hat wenig Kontakt zu ihrer Familie. Nun ist der Vater verstorben und seine Anordnungen sind klar: er will in seinem alten Heimat in Serbien begraben werden. Die Reise nach Belgrad wird für Billy eine Erinnerungsreise in die Vergangenheit, denn ihr jüngerer Bruder Jonas Neven ist 2003 während einer Reise durch die neuen Länder Jugoslawiens spurlos verschwunden.
Thema und Genre
In diesem Familien- und Generationenroman geht es um Heimat, Herkunft, Identität, Kindheitserinnerungen, um die Problematik, in mehreren Ländern zu Hause und gerade deshalb nicht wirklich zu Hause zu sein, um Verlust, Trauer, um Familie und Beziehungen und um die Suche nach dem eigenen Platz in diesem Gefüge. Themen sind auch die Situation der frühen Gastarbeiterfamilien und der Zerfall des ehemaligen Staates Jugoslawien.
Charaktere
Als der Vater Billy seine Leica schenkt, weiß sie, dass sie Fotografin werden will. Sie sieht Momente und Situationen immer in Bildern, nicht alle fotografiert sie, sondern speichert sie in ihren Erinnerungen. In einer lockeren Beziehung mit der Galeristin Ira Goldfarb, ist Billy eine rastlos Reisende, die nie sesshaft wurde und von sich selbst vermutet, immer gerade dort glücklich zu sein, wo sie nicht ist. Eine gerade wegen ihrer Ecken und Kanten sehr sympathische Hauptfigur.
Handlung und Schreibstil
Die Geschichte wird in vier großen Abschnitten erzählt, wobei Billy in Teil I und IV die Ich-Erzählerin ist, während in Teil II ihre Mutter Azra im Mittelpunkt steht und in Teil III ihr Vater Sima. Die jeweils aktuellen Handlungsstränge umfassen unterschiedliche Zeitpunkte, Billy 2016 und 2018, Azra 2008 und Sima 1999 und werden nochmals von Erinnerungen unterbrochen und durch Rückblicke ergänzt. Der Prolog am Anfang des Buches schließt den Kreis in die Jetztzeit. Durch diese Schreibweise ergibt sich eine interessante, abwechslungsreiche und vielschichtige Familiengeschichte, die man gespannt miterlebt. Die in diesen Jahren wichtigen Ereignisse und die politischen Hintergründe ergänzen die Handlung. Die Sprache beschreibt lebhaft, schildert einfühlsam, die Bilder vor Billys Augen haben auch wir beim Lesen sofort vor Augen.
Fazit
Ein intensiver, großartig erzählter Roman einer Familie, der die wichtigen Fragen der heutigen Zeit aufgreift, die Träume jeder Generation und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Ein beeindruckendes Leseerlebnis, das mich begeistert hat.
Circlestonesbooks.blog
5/5
20.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein vielschichtiger Generation…
Ein vielschichtiger Generationenroman „Wenn du mittendrin in einer Geschichte steckst, ist es noch keine Geschichte, mehr ein Getöse, ein Rauschen. Es beginnt erst eine Geschichte zu werden, wenn du sie jemandem erzählst. (Zitat Pos. 49) Inhalt Biljana Banadinović, Künstlername Billy Bana, ist vierzig Jahre alt und eine bekannte Fotografin. Im Grunde hasst sie das Reisen, hält es jedoch nie lange an einem Ort aus. Als Kind einer Gastarbeiterfamilie wächst sie in Wien auf. Schon seit sie siebzehn Jahre alt ist, führt sie ihr eigenes Leben und hat wenig Kontakt zu ihrer Familie. Nun ist der Vater verstorben und seine Anordnungen sind klar: er will in seinem alten Heimat in Serbien begraben werden. Die Reise nach Belgrad wird für Billy eine Erinnerungsreise in die Vergangenheit, denn ihr jüngerer Bruder Jonas Neven ist 2003 während einer Reise durch die neuen Länder Jugoslawiens spurlos verschwunden. Thema und Genre In diesem Familien- und Generationenroman geht es um Heimat, Herkunft, Identität, Kindheitserinnerungen, um die Problematik, in mehreren Ländern zu Hause und gerade deshalb nicht wirklich zu Hause zu sein, um Verlust, Trauer, um Familie und Beziehungen und um die Suche nach dem eigenen Platz in diesem Gefüge. Themen sind auch die Situation der frühen Gastarbeiterfamilien und der Zerfall des ehemaligen Staates Jugoslawien. Charaktere Als der Vater Billy seine Leica schenkt, weiß sie, dass sie Fotografin werden will. Sie sieht Momente und Situationen immer in Bildern, nicht alle fotografiert sie, sondern speichert sie in ihren Erinnerungen. In einer lockeren Beziehung mit der Galeristin Ira Goldfarb, ist Billy eine rastlos Reisende, die nie sesshaft wurde und von sich selbst vermutet, immer gerade dort glücklich zu sein, wo sie nicht ist. Eine gerade wegen ihrer Ecken und Kanten sehr sympathische Hauptfigur. Handlung und Schreibstil Die Geschichte wird in vier großen Abschnitten erzählt, wobei Billy in Teil I und IV die Ich-Erzählerin ist, während in Teil II ihre Mutter Azra im Mittelpunkt steht und in Teil III ihr Vater Sima. Die jeweils aktuellen Handlungsstränge umfassen unterschiedliche Zeitpunkte, Billy 2016 und 2018, Azra 2008 und Sima 1999 und werden nochmals von Erinnerungen unterbrochen und durch Rückblicke ergänzt. Der Prolog am Anfang des Buches schließt den Kreis in die Jetztzeit. Durch diese Schreibweise ergibt sich eine interessante, abwechslungsreiche und vielschichtige Familiengeschichte, die man gespannt miterlebt. Die in diesen Jahren wichtigen Ereignisse und die politischen Hintergründe ergänzen die Handlung. Die Sprache beschreibt lebhaft, schildert einfühlsam, die Bilder vor Billys Augen haben auch wir beim Lesen sofort vor Augen. Fazit Ein intensiver, großartig erzählter Roman einer Familie, der die wichtigen Fragen der heutigen Zeit aufgreift, die Träume jeder Generation und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Ein beeindruckendes Leseerlebnis, das mich begeistert hat.
Sharon Baker
aus Mönchengladbach
5/5
20.09.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Intensiv kompakte Generationsgesichte und eine geballte Ladung Gefühle ...
Billy Bana ist Fotografin und ist auf der ganzen Welt unterwegs, das macht sie somit zu einer Nomadin. Früh hat sie ihr Elternhaus hinter sich gelassen, ausbrechen wollte sie und diese Enge hinter sich lassen. Nun erreicht sie ein Anruf, dass ihr Vater verstorben ist, und sie muss sich der Vergangenheit stellen. Somit kehrt sie in die Heimat ihres Vaters zurück, die er selber hinter sich, aber wohl nie los gelassen hat. Als Gastarbeiter ist er nach Wien gegangen, um es für seine Familie besser zu machen. Aber so richtig glücklich ist die Familie nicht geworden. Warum sind die Eltern damals ausgewandert? Warum wollte die Tochter so schnell weg von alldem? Und wo ist ihr Bruder hinverschwunden?
Als ich das Buch in der Vorschau entdeckt hatte, war ganz klar Wien ein großer Grund für mein Interesse. Aber auch die Suche nach dem eigenen Platz im Leben und was das Wort Heimat eigentlich wirklich bedeutet. Somit war ganz klar, dass ich es lesen wollte, immerhin ist mir der Begriff heimatlos nicht ganz unbekannt, wenn sich alles auf einmal auflöst, verändert und manches in der geschichtlichen Vergangenheit verschwindet. In Wien habe ich mit dem Buch begonnen, zu Hause habe ich es beendet und nun erzähle ich euch davon, ob es mir gefallen hat.
In dieser Geschichte bekommt nicht nur Billy eine Stimme, nein, auch die Eltern dürfen einen Teil dazu beitragen, aber Billy darf zuerst. Eigentlich heißt sie Biljana Banadinowic und wurde in damaligen Jugoslawien geboren. Ihre Eltern wollten eine besser Zukunft, sie hatten Träume von einem besseren Leben und sind somit nach Wien gegangen, wo zu dieser Zeit Gastarbeiter gesucht wurden. Aber dort bestand das Leben aus viel Arbeit. So wurde Biljana dazu erzogen, still zu sein, die Enge auszuhalten und mit der Umgebung zu verschmelzen. Eine Familie nach Zeitplan, wann, wo und wie alles abzulaufen hat. Durch die vielen Jobs hatten die Eltern wenig Zeit und so musste die Tochter später auch auf dem Bruder aufpassen. Billy kann es kaum noch aushalten und bricht mit 17 Jahren in ihr eigenes Leben auf, ohne zurück zuschauen. Aber so ganz wird sie die Schatten nicht los und so kreuzen sich die Familienwege immer mal wieder. Das ist der erste große Teil des Romans, darauf folgen Mutter und Vater mit ihrer Geschichte, mit ihren Einblicken, ihren Träumen und Lebensentscheidungen. Somit bekommt Billys Bild über die Eltern risse und man entwickelt ein anderes Verständnis für die Familie.
Die Autorin erzählt sehr komplex, eindringlich, gefühlvoll eine moderne Familiengeschichte, die mit den Wogen der Zeit zu kämpfen hat und dran zu zerbrechen droht. Wer wünscht sich für seine Familie nicht eine bessere Zukunft? Wer träumt nicht davon, den Weg der Kinder besser zu ebenen? Und welcher junge Mensch möchte nicht aus der eigenen Familie ausbrechen? Die Eltern waren auch randvoll mit Träumen, Energie und Vorstellungen, die aber mit der Realität kollidierten und zu Schatten des eigenen Lebens wurden. Allein für diese Beschreibung lohnt sich diese Geschichte, die detailgenau diese Gefühle wiedergibt und ein Bild einer ganzen Generation spiegelt. Von Menschen, die funktionieren müssen, die ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen, um einfach zu sagen, zu überleben. Eine Generation, die es hart getroffen hat, die sich so heute gar nicht mehr vorzustellen ist. Genau das zeigt auf, wie gut die Autorin beobachtet und solche Feinheiten sprachlich wie bildlich dem Leser näher bringt. Und dann jüngere Generation ins Spielfeld einbringt und aufeinanderprallen lässt.
Dieser Roman, so dünn, wie er erscheinen mag, hat eine geballte Ladung an Gefühlen parat und ist ein großes Bild unserer Gesellschaft. Da haben wir Zorn der Jüngern auf die Alten, weil sie sich in ihr Schicksal einfach reinfallen lassen haben. Dagegen die Stille und die Erkenntnis, dass Träume schön sind, aber nicht immer die reale Welt. Ein Lebenskampf ist nicht immer ein Siegeszug und manches lässt einen eben nicht los. Mann kann es aber auch anders interpretieren, aber der Titel ist perfekt gewählt und wiederholt sich auf so vielen Ebenen. Es ist wirklich ein Roman, der einen mitfühlen lässt, der oft melancholisch schwer auf der Seele liegt, einem viele kleine Wahrheiten eröffnet und vor Augen führt. Unglaublich stark erzählt und feinfühlig zu beobachten.
Zorn und Stille, fängt das Leben einer ganzen Generation ein und ist richtig stark erzählt. Mich konnte die Geschichte sehr berühren und tief nachfühlen lassen.
begine
aus Lemwerder
5/5
08.09.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Familiengeschichte
Die Schriftstellerin Sandra Gugic schreibt mit ihrem Roman Zorn und Stille, einen Familienroman, der seine Wurzeln in Jugoslawien hat.
Die junge Fotografin Billy Bana ist als Tochter eines Gastarbeiters in Wien aufgewachsen.
Sie entwickelt sich zu einer Nomadin.
Ihre Eltern hatten es nicht leicht. Es gehört viel dazu, in einem fremden Land glücklich zu werden.
Ihr Vater verfolgt ihr Leben aus der Presse. Das ist traurig, ich kann mir einfach nicht vorstellen, warum man mit den Eltern bricht.
Die Autorin versteht es gut die Emotionen aller Personen nach zu voll ziehen. Es hört sich richtig an.
Der Roman zeigt auch die geschichtlichen Details und was sie mit den Personen macht.
Es ist ein packendes Stück Zeitgeschichte.
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5/5
13.12.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte einer Zuwandererfamilie in Wien.
Die Eltern verließen ihre Heimat Serbien mit ihren zwei jugendlichen Kindern in der Hoffnung, dass sie in Österreich ein sicheres und glücklicheres Leben führen können. Doch die Realität sieht für die Zuwanderer ganz anders aus. Sie haben mehrere Jobs und arbeiten von morgens bis abends. Aus Sorge um ihr Bleiberecht sind sie ständig bemüht, nicht aufzufallen und sich anzupassen, weswegen es auch für die Kinder strenge Verhaltensregeln gibt. Diese sehnen sich aber nach Freiheit und Normalität. Sehr eindrucksvoll wird hier der Zerfall einer Familie geschildert.
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