Das einfühlsam erzählte Leben der hochbegabten Künstlerin Marie Ellenrieder, die entschlossen ihren Weg geht.
Große Authentizität durch eingearbeitete Tagebucheinträge und Briefe.
In einer Zeit, die einer Frau lediglich einen Platz an der Seite eines Mannes zugesteht, erobert die begabte und schöne Marie Ellenrieder (1791-1863) unerschrocken als erste Studentin überhaupt den Zeichensaal der Königlichen Akademie in München. Schon bald eilt die junge Künstlerin von Erfolg zu Erfolg, zunächst als Porträtmalerin, dann zunehmend im religiösen Sujet. In Rom, der Stadt ihrer künstlerischen Sehnsucht, sucht Ellenrieder das strahlende, das göttlich-goldene Licht. Sie findet ihren ganz eigenen Umgang mit der Farbe und schafft es, ihre Vorstellung einer weiblichen sakralen Kunst zu verwirklichen. Marie Ellenrieder malt das Bild ihres Lebens. Doch in ihr Glück mischen sich dunkle Schatten...
Gabriele Katz erzählt in ihrer Romanbiografie die bewegende Geschichte einer begnadeten Malerin, die sich über alle Kritik und Kränkung hinweg in der männlichen Kunstszene zu behaupten versteht und entschlossen ihren Weg geht. Marie Ellenrieder nimmt für ihren Traum viel auf sich, sie kämpft und fleht und betet. Der Preis, den sie zahlt, ist hoch. Doch sie erringt dafür ein selbstbestimmtes Leben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Lia48
4/5
22.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Für Liebhaber von Kunst & Historischen Romanen ein klares Muss!
„Es war, als hätte Marie die Tür zu einem Zimmer geöffnet, in dem sie sich souverän zwischen Farben und Formen bewegen konnte: Sie befahl dem Blau zu fliegen, dem Rot zu tanzen, ganz ohne Worte.“
INHALT:
Konstanz, 1810: Seit vier Jahren gehört die Stadt nicht mehr zu Österreich, sondern zum neuen Großherzogtum Baden.
Marie Ellenrieder, 19 Jahre alt und während der napoleonischen Kriege aufgewachsen, ist die jüngste Tochter eines fürstbischöflichen Hofuhrmachers und dessen Frau und gleichzeitig auch das Sorgenkind in der Familie. Denn Marie hat sich in den Kopf gesetzt, Künstlerin zu werden, wie bereits einige ihrer Vorfahren. Doch als Frau!? Sollte sie da nicht Kinder bekommen und sich um den Haushalt kümmern?
Seit Marie nicht mehr zur Schule geht, hilft sie ihrem Vater in der Werkstatt und bemalt Uhrenschilde mit Barockrosen. In der Welt der Farben fühlt sie sich zu Hause.
Und sie hat Glück: Der kunstbegeisterte Generalvikar Ignaz Heinrich Freiherr von Wessenberg erkennt ihr Talent und fungiert von nun an als ihr Mentor. Marie schafft es als erste Frau überhaupt, einen Platz im Zeichensaal der Königlichen Akademie in München zu bekommen.
Anfangs widmet sie sich vor allem erfolgreich der Porträtzeichnung und bekommt später große Aufträge für Altarbilder mit religiöser Kunst, die sie schließlich bis nach Rom führen.
Währenddessen wird Marie daheim in Konstanz schmerzlich vermisst. Es folgen zwei „Jahre ohne Sommer“ mit Missernten, Chaos und wenig zu Essen.
Sollte Marie in Konstanz bleiben und ihre Familie unterstützen? Doch „ihre Farben durften nicht in der trüben, braunen Brühe untergehen, die die ganze Stadt in ihrer Existenz bedrohte.“ „Marie lebte in ihrer eigenen Welt, und man musste sie dort lassen, weil alles andere ihr Unglück wäre.“…
MEINUNG:
Tatsächlich muss ich zugeben, dass meine bisher gelesenen Historische Romane doch meistens im 20. Jahrhundert spielen und ich mich da geschichtlich sicherer fühle, weshalb ich mich selten in andere Zeiten wage. Dennoch fand ich es interessant, mich zu den Geschehnissen von 1810 bis 1825 zu begeben. Die damalige Zeit bekommt man auch durch die sprachliche Gestaltung authentisch zu spüren. Durch einige geschichtliche Daten war es für mich kein Buch für zwischendurch, ich musste ihm schon meine volle Aufmerksamkeit schenken. Trotzdem ist die Romanbiografie um Marie Ellenrieder nicht trocken, sondern wird lebendig erzählt, was mir wirklich gut gefallen hat!
Wer andere Rezensionen von mir kennt, weiß, wie sehr ich Bücher über Künstler*innen und ihre Arbeit liebe! Da freue ich mich immer, in deren Welten eintauchen zu können und Neues über sie zu erfahren. Und so war es auch hier der Fall.
Zum Beispiel war mir vorher nicht bekannt, dass damals Miniatur-Porträts auf Elfenbein gemalt, total beliebt waren! Oder, dass sonntags Handarbeiten geduldet waren, das Hantieren mit Pinsel und Stift jedoch nicht (sah zu sehr nach Arbeit aus).
Insgesamt kam gut zum Ausdruck, wie schwierig es im 19. Jahrhundert war, wenn eine Frau Künstlerin sein wollte. Sie wurde kaum ernst genommen, manche Kunden wollten erst gar nicht von einer Frau gemalt werden. Das Erschaffen von Kunstwerken durch Frauenhand galt für viele „als bloßer Zeitvertreib, Frauenkunst, also Dilettantismus zwischen Kinderbett und Strickstrumpf. Putzig, niedlich, aber nicht ernst zu nehmen (...).“ Diesen Einblick fand ich sehr eindrücklich und gleichzeitig traurig.
Das Buch ist grob in Farben (und Unterkapiteln) eingeteilt, ein Prinzip, welches mir schon bei anderen Romanen über Künstler*innen begegnet ist. Auch innerhalb der Kapitel werden viele Farben genannt, die in der jeweiligen Umgebung zu sehen sind, oder mit denen Marie malt, was ich toll fand. Selbst ihre Kleider ordnet die Künstlerin im Schrank nach Farben (kenne ich von mir selbst) - ein Detail, welches mir gefiel und Marie irgendwie authentisch wirken ließ.
Wenn man selbst künstlerische Tätigkeiten in Romanen liebt, ist das Buch hier ideal. Da kribbelt es schon mal in den Fingern und man möchte am liebsten selbst den Pinsel schwingen. Die Szenen, in denen Marie malt, habe ich besonders gerne gelesen und konnte sie mir mit allen Sinnen gut vorstellen.
Wenn ich ehrlich bin, hätte ich durch den Titel des Buches noch eine Liebesgeschichte erwartet. Da ich diese jedoch sowieso nicht so gerne lese, da sie mich nur selten abholen (zumindest, wenn sie im Mittelpunkt stehen), fand ich es nicht schlimm, hier keine vorzufinden. Es geht mehr um Maries Liebe zur Kunst und den Farben und um die Beziehung zur Familie und den Menschen, denen sie auf ihrem Weg begegnet.
Im Buch kommen viele Namen vor, wovon man sich aber die wenigsten merken muss, um der Handlung folgen zu können. Die Schilderungen wer mit wem verwandt oder bekannt ist, hätte ich mir weniger ausführlich gewünscht, das hat das Lesen bei mir etwas gebremst.
Aber ansonsten hat mir das Buch wirklich gut gefallen!
FAZIT: Wer künstlerische Tätigkeiten, Historische Romane und starke Frauenfiguren liebt, sollte sich diese Romanbiografie nicht entgehen lassen! Eine Leseempfehlung von mir und 4-4,5/5 Sterne!
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.