Naturzustand und Barbarei Begründung und Kritik staatlicher Ordnung im Zeichen des Kolonialismus
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Produktdetails
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Kopierschutz
Nein
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Text-to-Speech
Nein
Erscheinungsdatum
12.04.2021
Verlag
Hamburger Edition HISSeitenzahl
552 (Printausgabe)
Dateigröße
15277 KB
Sprache
Deutsch
EAN
9783868549942
Obwohl ein enger Zusammenhang zwischen "Barbarei" und Kolonialismus besteht, ist es bemerkenswert, dass der Begriff im Alltag und in der Theorie weiter verwendet wird - wenn auch in kritischer Absicht. Im Topos der "Barbarei" vereinen sich über die Zeiten die Gegenbilder verschiedener Wertesysteme: der Vernunft, des Christentums, der Humanität, der Zivilisation, der Kultur oder der Menschenrechte. Wie fand diese theoretische und begriffsgeschichtliche Entwicklung statt?
Oliver Eberl hat mit dieser Studie die Dekolonisierung der politischen Theorie zum Ziel, die ihr Denken mit Blick auf den Staat und seine Kritik vielfach von dem Begriffspaar "Naturzustand und Barbarei" anleiten lässt. Dazu zeichnet er die Theoriegeschichte des Begriffs "Barbarei" nach. Im Zuge der neuzeitlichen Staatsbegründung wurde "Barbarei" als Vergangenheit der europäischen Staaten verstanden und Staatlichkeit vor dem Hintergrund der Gefahr des Rückfalls in den "Naturzustand" theoretisiert. Zentral ist dabei die Verknüpfung mit dem europäischen Kolonialismus, dem "Barbarei" von der Antike bis zum 20. Jahrhundert zur Abwertung der Kolonisierten diente und der das "Barbarische" als das Nichtstaatliche mit dem zu Kolonisierenden gleichsetzte.
Die seit der Aufklärung vollzogene Wende vom kolonialen zum kritischen Gebrauch sichert den theoretischen Stellenwert des Begriffs bis heute. Diese Wende hat dem Begriff "Barbarei" einen festen Platz in unserem Denken gesichert, so die These des Autors. In der Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten wurde der Begriff dann zum Platzhalter für die Kritik von Menschheitsverbrechen. Dabei wurde verdrängt, dass auch der Kolonialismus ein Menschheitsverbrechen ist und als solches kritisiert werden muss.
Eindrücklich verdeutlicht Oliver Eberl, wie fatal es für politische Theoriebildung ist, in kritischer Absicht die Wirkungsgeschichte des Kolonialismus zu verlängern.
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