Eine reich bebilderte, spannende Wissenschaftsgeschichte der Zoologie.
Seit Jahrhunderten ordnen Zoologen die Tierwelt und erschufen dabei Zeichnungen und Kunstwerke von außerordentlicher Schönheit.
Für naturgeschichtlich und kunsthistorisch Interessierte.
Schon lange vor Darwin waren unsere Vorfahren von den Ähnlichkeiten und Unterschieden in der Tierwelt fasziniert. Sie ahnten sehr früh, dass es eine bestimmte Ordnung in all dem Leben um uns herum geben müsse. Daraus entstanden die verschiedensten Systeme, Tiere zu kategorisieren, um diese Ordnung abzubilden.
Dieses Buch erzählt und visualisiert die faszinierende Geschichte dieser Versuche, Tiere zu «ordnen»: von Aristoteles’ Klassifikation anhand des tierischen Verhaltens bis hin zur modernen Molekulargenetik.
Die wunderbaren zoologischen Diagramme aus verschiedensten Epochen spiegeln die vorherrschenden künstlerischen Trends und wissenschaftlichen Entdeckungen wider und erzählen uns genauso viel über uns selbst wie über die abgebildeten Tierarten.
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Tiere wie wir
ausgebucht.blog am 31.01.2022
Bewertungsnummer: 1648169
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
An mir ist eine Biologin verloren gegangen. In Physik und Chemie hätte ich mir einen Strick nehmen können, Biologie hingegen fand ich faszinierend. Wie Leben zusammen hängt, sich Dinge gegenseitig beeinflussen, die Mentalität, dass es auf jede Frage eine Antwort gibt, hat mich schon immer begeistert. Womöglich kommt daher meine Vorliebe für Enzyklopädien, Lexika und Bildbände, die ich schon als Kind immer wieder durchgeblättert habe.
"Tiere ordnen" ist ein Sachbuch, und auf den ersten Blick meint man, sich einem Haufen Diagrammen und ominösen Zeichnungen mit viel Fachtext entgegen zu sehen. Zu meiner großen Freude lässt es sich durch seine übersichtliche Einteilung tadellos lesen. Aus den Texten sprüht die Begeisterung David Bainbridges für seinen Fachbereich nur so heraus, sie ist geradezu ansteckend.
Man findet allerhand Kurzbiografien zu Naturwissenschaftler/innen, beispielsweise Maria Merian, Charles Darwin und Alexander von Humboldt vor, und erhält einen guten Überblick über deren Steckenpferde. Nun war man als Wissenschaftler vor 200, 300 Jahren oder noch früher zwangsläufig auch Künstler, nicht jedes Tier konnte in der Heimat hergezeigt werden, nicht jede Pflanze getrocknet in ein Buch geklebt werden, man zeichnete alles auf. Audubons beispielsweise veröffentlichte 1838 einen Band mit über 400 Aquarellen der Vögel Amerikas in Lebensgröße. Es waren die "godfathers of illustration". Die Qualität der Kopien in diesem Buch ist unglaublich.
Das Buch bietet aber nicht bloß eine Übersicht über die naturwissenschaftlichen Errungenschaften in den vergangenen Epochen bis heute, sondern geht - und das ist total spannend - auf ihre gesellschaftlichen Auswirkungen ein. Man darf nicht vergessen, Tiere - das sind auch wir. Was bedeutete die Evolutionstheorie zum Beispiel in Hinblick auf Rassendenken und Sklavenhaltung? Die kritische Auseinandersetzung mit der Denkweise von Ernst Haeckel und anderen hat mir sehr gefallen.
In unserem Haushalt leben drei Frauen. Eine liebt Illustrationen und alles Schöne. Eine ist eine talentierte Künstlerin. Die dritte ist Forscherin. Das Buch brauche ich erstmal nicht ins Regal räumen, es wird von der Couch auf Schreibtische und in Betten geschleppt und daraus abgemalt und gelesen und gestaunt. "Wow, was ist denn das Tolles?" quietscht die 15-jährige, als ich "Tiere ordnen" enthülle. So was gäbe es kaum noch. "Na klar gibt es diese Art Bücher noch!" sage ich. Aber nicht in der Welt der Jugendlichen. Daher muss ich für diese Art von Buch noch ein flammendes Plädoyer sprechen. Wenn ein junger Mensch heute etwas wissen möchte, sucht er im Internet danach. Gelangt meist zu Wikipedia, es sei dahingestellt, wie umfassend oder korrekt die Ergebnisse sind. Aber: man muss wissen, wonach man sucht! Und das ist das Dilemma. Ich suche etwas, ich finde es. Doch nach meinem Verständnis funktioniert Lernen und Wissen ansammeln so nicht, sondern mit Büchern. Ich interessiere mich für etwas, ich nehme eine Enzyklopädie, ein Lehrbuch, ein Sachbuch zur Hand - und weiß hinterher Dinge, die wollte ich gar nicht wissen. Ist das nicht einfach wunderbar?
Lange vor Darwin und anderen…
MaWiOr aus Halle am 04.10.2021
Bewertungsnummer: 2752296
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Lange vor Darwin und anderen Naturforschern beschäftigten sich unsere Vorfahren mit den Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen den Tieren. Frühe Gelehrte ahnten bereits, dass es eine Ordnung in der Tierwelt geben müsste. Das menschliche Streben, das Leben zu klassifizieren, hinterließ ein reiches wissenschaftliches und künstlerisches Erbe. So existieren wunderbare zoologische Zeichnungen, Abbildungen und Diagramme als Versuche, die Tiere zu ordnen. Die vorliegende und reich illustrierte Neuerscheinung präsentiert die faszinierende Ge-schichte dieser Versuche in vier ausführlichen Kapiteln (Phasen). Das Anfangskapitel beleuchtet die frühen Klassifizierungen von der Antike bis 1700. Dabei wurde die Vielfalt der Tiere meist in das Korsett christlicher Weltanschauung gepresst. In der zweiten Epoche, dem 18. Jahrhundert, änderte sich der Blickwinkel. Jetzt traten bestimmbare Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Vordergrund. Das mündete in eine Flut von künstlerischen Darstellungen. In der dritten Epoche (19. Jahrhundert) beherrschten neue wissenschaftliche Erkenntnisse – wie die Evolution - die zoologische Klassifizierung. Die Erkenntnisse flossen auch in die Geologie und Anthropologie ein. Die gesamte Natur ließ sich kunstvoll in einem knorrigen Baum oder einer Tabelle zusammenfassen. Die vierte Phase ab 1900 war geprägt von weiteren Informationen (z.B. Molekulargenetik), die tiefere Einblicke in die biologischen Prozesse gestatteten. Aber auch hier spielten künstlerische Darstellungen eine wichtige Rolle. Mit zahlreichen historischen Abbildungen erzählt das Buch die Geschichte der künstlerischen Systematisierung der Tierwelt. Eine sehr ansprechende Ausstattung. Nicht nur für Zoologie-Freunde eine spannende und informationsreiche Lektüre. Sehr gut für den Schulgebrauch geeignet.
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