"Ombra" erzählt die Geschichte einer Wiederkehr aus großer Todesnähe: Im Sommer 2019 wird bei Hanns-Josef Ortheil eine schwere Herzinsuffizienz festgestellt. Die anschließende Operation verläuft nicht ohne Komplikationen, es folgt der lange Aufenthalt in einer Rehaklinik. Das Leben des höchst produktiven Autors, der sich selten schont, steht am Scheideweg – der Körper hat die Herrschaft übernommen und lässt nicht mit sich verhandeln. Doch in das Gefühl der Ohnmacht und Angst hinein kehrt allmählich das Schreiben zurück. Stück für Stück setzt Hanns-Josef Ortheil in seinem wohl persönlichsten Buch aus Wahrnehmungen, Erinnerungen und Reflexionen sein Leben neu zusammen. Wer ist er gewesen vor der Krankheit? Und wer kann er danach einmal sein?
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
5/5
12.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Kampf, zurück ins Leben, in sein Leben mit dem geschriebenen Wort
Hanns-Josef Ortheil ist ein renommierter deutschsprachiger Schriftsteller, ein Mann, der mit und für das Wort lebt, für den Sprache ein ganz entscheidender Bestandteil seines Lebens ist. Und sein Leben war voll, prall gefühlt mit Literatur und auch mit der Musik. Bis zu dem Tag, der ihn zu einer schweren Herzoperation zwang, mit vielen Wochen auf der Intensivstation, teilweise im Koma.
Dieses Buch nun ist die Geschichte, seine Geschichte zurück, zurück ins Leben, in eine Gegenwart, eine Existenz, die er so erst einmal schwer akzeptieren kann. Er ist traumatisiert von dieser Zeit, in der er schon um sein Leben kämpfen musste und er hat 'Einbußen' erlitten. Alles ist schwer, physisch und psychisch. Jeder Schritt muss bedacht sein. Alle Leichtigkeit, die Selbstverständlichkeit, ist verloren und die Fähigkeit zu schreiben, ganz real mit einem Stift einen Text aufs Papier zu bringen, sie ist ihm vorerst zumindest genommen. Er begibt sich in eine Rehaklinik. Jeden Morgen kommt er mit dem Zug, sein Zuhause ist nicht weit und er lernt, bekommt Gedankenanstöße, kommuniziert, ersetzt das Schreiben durch Bilder und ein Diktiergerät, ist das ein oder andere Mal fassungslos und gleichzeitig auch irgendwie fasziniert, was er nun ist und wer er (wieder) werden könnte.
Persönlicher kann ein Roman nicht sein, dieser Roman einer Wiedergeburt und vielleicht gerade deshalb löst er bei seinen Lesern etwas aus. Man will dabei sein, den Gedanken des Autors folgen, seine Empfindungen verstehen, Freude haben, wenn er selbst beginnt, wieder solche Gefühle zu entwickeln und sehr wohlwollend zu verfolgen, wenn er in seinen Gesprächen doch wieder mit dem Wort arbeitet, damit spielt und so seinem Gegenüber auch neue Erfahrungen bietet und manchmal auch eine Herausforderung.
Dieses Buch überrascht, gerade weil es einen nicht mehr loslässt und das ist schon irgendwie ein wenig faszinierend und sehr positiv besonders.
Ich kann es nur empfehlen.
Bewertung
aus Darmstadt
5/5
08.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Reha mit Humor
Der Dichter beschreibt seine Erlebnisse in einer Reha und die ihm dort begegnenden Ärzte und Pflegekräfte mit trockenem Humor und unverwechselbarer Komik. Seine stille Art und die gefühlvolle Schilderung seiner Rekonvaleszenz liest sich von sensiblen Lesern jedes Alters mit höchstem Genuss.
Der Leser wird in eine Welt voller Emotionen und Reflexionen versetzt, von der er nicht nur blendend unterhalten wird, sondern auch für sein eigenes Gefühlsleben profitieren kann.
Bücherfreundin
5/5
11.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Absolute Leseempfehlung!
"Ombra - Roman einer Wiedergeburt" ist das 70. Buch des inzwischen 70 Jahre alten Schriftstellers Hanns-Josef Ortheil. Es ist sicherlich sein persönlichstes Buch und beschreibt seinen mühsamen Weg aus der Krankheit zurück ins Leben.
Um seinen Roman über die Reise des herzkranken Ernest Hemingway nach Venedig fertigstellen zu können, verschiebt Hanns-Josef Ortheil die jährliche Routineuntersuchung bei seinem Hausarzt um einige Monate. Als diese dann im Sommer 2019 durchgeführt wird, wird eine schwere Herzerkrankung diagnostiziert. Die lebensnotwendige Operation dauert 5 Stunden, es folgt ein mehrtägiges Koma.
Hanns-Josef Ortheil muss feststellen, dass ihm vieles, was vor der Krankheit so selbstverständlich war, nicht mehr möglich ist. Die Hände gehorchen ihm nicht mehr, das geliebte Klavierspielen und das für ihn so wichtige Schreiben mit der Hand sind nicht mehr möglich. Gedächtnisprobleme machen ihm zu schaffen, Störungen des Gleichgewichts verunsichern ihn. Er hat das Vertrauen in seinen Körper verloren.
Der Autor zieht in das Elternhaus in den Westerwald und unterzieht sich von dort aus täglichen, mühsamen und anstrengenden Therapien in einer nahe gelegenen Rehaklinik. Langsam, ganz langsam, zeigen sich kleine Fortschritte. Im Laufe der Monate gewinnt er dank der Hilfe von Physiotherapeuten wieder an Körperkraft. Gespräche mit einer Psychologin bewegen ihn dazu, wieder nach vorn zu sehen, Pläne für die Zukunft zu schmieden. Ein guter Freund unterstützt ihn bei den Vorbereitungen für eine bevorstehende Lesung, ein anderer Freund - sein Lektor - plant gemeinsam mit ihm ein mehrtägiges Gespräch über sein Gesamtwerk.
Hanns-Josef Ortheil lässt uns teilhaben an seinen quälenden Ängsten und Sorgen, aber auch an seinen Tagträumen, in denen er Dialoge führt mit seinen längst verstorbenen Eltern und Doktor Freud.
Der Autor hat seinen autobiografischen, mich sehr berührenden Roman wie gewohnt in dem für ihn typischen schönen und klugen Sprachstil geschrieben. Die Geschichte liest sich flüssig, bisweilen musste ich schmunzeln über einige seiner Erlebnisse in der Rehaklinik. Ich habe das Buch mit ganz viel Freude gelesen und kann es sehr empfehlen.
Von mir 5 Sterne!
Bewertung
aus Marl
4/5
12.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Kampf, zurück ins Leben,…
Der Kampf, zurück ins Leben, in sein Leben mit dem geschriebenen Wort Hanns-Josef Ortheil ist ein renommierter deutschsprachiger Schriftsteller, ein Mann, der mit und für das Wort lebt, für den Sprache ein ganz entscheidender Bestandteil seines Lebens ist. Und sein Leben war voll, prall gefühlt mit Literatur und auch mit der Musik. Bis zu dem Tag, der ihn zu einer schweren Herzoperation zwang, mit vielen Wochen auf der Intensivstation, teilweise im Koma. Dieses Buch nun ist die Geschichte, seine Geschichte zurück, zurück ins Leben, in eine Gegenwart, eine Existenz, die er so erst einmal schwer akzeptieren kann. Er ist traumatisiert von dieser Zeit, in der er schon um sein Leben kämpfen musste und er hat 'Einbußen' erlitten. Alles ist schwer, physisch und psychisch. Jeder Schritt muss bedacht sein. Alle Leichtigkeit, die Selbstverständlichkeit, ist verloren und die Fähigkeit zu schreiben, ganz real mit einem Stift einen Text aufs Papier zu bringen, sie ist ihm vorerst zumindest genommen. Er begibt sich in eine Rehaklinik. Jeden Morgen kommt er mit dem Zug, sein Zuhause ist nicht weit und er lernt, bekommt Gedankenanstöße, kommuniziert, ersetzt das Schreiben durch Bilder und ein Diktiergerät, ist das ein oder andere Mal fassungslos und gleichzeitig auch irgendwie fasziniert, was er nun ist und wer er (wieder) werden könnte. Persönlicher kann ein Roman nicht sein, dieser Roman einer Wiedergeburt und vielleicht gerade deshalb löst er bei seinen Lesern etwas aus. Man will dabei sein, den Gedanken des Autors folgen, seine Empfindungen verstehen, Freude haben, wenn er selbst beginnt, wieder solche Gefühle zu entwickeln und sehr wohlwollend zu verfolgen, wenn er in seinen Gesprächen doch wieder mit dem Wort arbeitet, damit spielt und so seinem Gegenüber auch neue Erfahrungen bietet und manchmal auch eine Herausforderung. Dieses Buch überrascht, gerade weil es einen nicht mehr loslässt und das ist schon irgendwie ein wenig faszinierend und sehr positiv besonders. Ich kann es nur empfehlen.
Herbstrose
aus 87772
4/5
14.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aufbruch in ein neues Leben
Was macht man und wie ist einem zumute, wenn man dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen ist? Hier erfahren wir, wie es dem Autor erging, der nach einer schweren Herz-OP mit nachfolgenden Komplikationen noch tagelang im Koma lag und nach dem Aufwachen alles, selbst die elementarsten Dinge, noch einmal lernen musste. Dass ich als Leserin mehr darüber berichte, würde zu weit führen – das sollten wir dem Autor selbst überlassen und sein Buch lesen.
Darüber erzählen kann er, wenn zunächst auch etwas widerwillig. Ortheil nimmt den Leser mit, erzählt, schweift ab, erzählt etwas anderes, um dann den Faden wieder aufzunehmen und mit dem ursprünglich Erzählten fortzufahren – einfach großartig. Wir sind mit ihm in der Reha, erleben mit, wie er sich anfangs dagegen sträubt und freuen uns mit ihm über die ersten Fortschritte. Wir erfahren auch von seinem „ersten, seinem vorigen“ Leben und sind dabei, wie er sich dieses Schritt für Schritt zurück erobert. Dass er dabei nicht immer voller Begeisterung ist, liegt wohl in der Natur des Menschen. Dass man dabei auch Verstorbene, wie z.B. die Eltern oder Siegmund Freud, zu Hilfe ruft und mit ihnen spricht, empfand ich ganz natürlich.
Zur Vita des Autors: Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln als fünfter Sohn seiner Eltern geboren. Während des Zweiten Weltkriegs und in den ersten Nachkriegsjahren starben vier der zuvor geborenen Söhne, wodurch Ortheils Mutter verstummte und auch er selbst erst im Alter von sieben Jahren zu sprechen begann. Er bekam eine pianistische Ausbildung, studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie in Göttingen, Paris und Rom und promovierte 1976 an der Universität in Mainz. Nach verschiedenen Anstellungen an deutschen Universitäten wurde er 2009 zum Direktor des neu gegründeten Instituts für Literarisches Schreiben in Hildesheim berufen. Ortheil gehört seit vielen Jahren zu den meistgelesenen deutschen Autoren der Gegenwart. Sein umfangreiches Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt. In seinem Buch Ombra – Roman einer Wiedergeburt, das im Oktober 2021 erschienen ist, verarbeitet der Autor seine Empfindungen nach der Herz-OP mit anschließenden Komplikationen und seine Erlebnisse als ambulanter Patient einer Reha-Klinik.
Ich bin bei diesem Buch vielleicht etwas zu enthusiastisch, da mein Vater vor seinem Tod einen ähnlichen Prozess durchmachte, letztendlich aber nicht so viel Glück hatte wie der Autor. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass für Hanns-Josef Ortheil bisher alles gut verlief und wir hoffentlich noch einige interessante Bücher und Romane von ihm erwarten dürfen.
Fazit: Interessantes, lesenswertes Buch – zu kritisieren wäre allenfalls, dass der Autor seiner Literatur und seinem Können bisweilen etwas zu viel Bedeutung beimisst.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.