Menschen des Mittelalters erfuhren und erlebten ihren Glauben oft durch Darstellungen in und an Kirchen. Sie waren in der Lage, Darstellungen an den Portalen der romanischen und gotischen Kirchen zu lesen, das heißt, sie sich anzueignen, und auf ihr persönliches Leben zu beziehen. Bei Menschen des 21. Jahrhunderts ist oft viel religiöses Wissen verloren gegangen, und die Bilder bleiben behauener Stein. Dieses Buch möchte in die Bildersprache der „Steinernen Bibel“ einführen, sie verständlich machen und damit auch eine spirituelle Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben ermöglichen.
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3.0/5.0
VolkerM
3/5
26.07.2026
Buch (Taschenbuch)
Schwerpunkt Theologie und Glaubensbotschaften
Kirchenportale sind seit dem Altertum genutzt worden, um Bildwelten der Bibel darzustellen und den des Lesens unkundigen Pilgern theologische Inhalte nahezubringen. Diese „steinernen Bibeln“ beschränken sich nicht auf den Jakobsweg, sondern finden sich in ganz Europa. Insofern lässt sich das, was Klaus Schäfer in seinem Buch für den Jakobsweg dokumentiert hat, beliebig übertragen.
Der Autor erklärt zunächst die architektonische Nomenklatur und bringt die Leser auf einen gemeinsamen Stand, um sich dann den Elementen der kirchlichen Ikonografie zu widmen. Die Zuweisung von Attributen an bestimmte Heilige und die christliche Symbolik folgt bestimmten Regeln, die historischen Pilgern noch bekannt waren, die wir aber erst wieder lernen müssen. Andere Szenen sind direkt aus den Geschichten des Alten und Neuen Testaments entnommen oder illustrieren Aberglauben und Alltägliches, das die Steinmetze teilweise sehr ungezwungen in ihre Darstellungen einfließen ließen.
Der zweite Teil des Buches ist geografisch strukturiert, beginnend mit der französischen Seite des Camino, um dann auf die spanische zu wechseln. Die Orientierung ist dabei nicht leicht, da der Autor auf eine Karte verzichtet hat und alle vier Hauptwege des Camino inhaltlich mischt. Man muss sich schon auskennen, wenn man den Weg in Gedanken nachvollziehen möchte. Die Kapitel behandeln jeweils einen Ort mit seinen Kirchen, illustriert durch Übersichts- und Detailfotos und ergänzt durch einen Text, der sich sehr stark auf die Bibelinhalte stützt. Im Fokus stehen die den jeweiligen Darstellungen zugehörigen Bibelstellen, die etwa 3/4 des Textes ausmachen. Der Autor beleuchtet die kunstgeschichtlichen Aspekte der Bildwerke höchstens am Rande, oft auch gar nicht, was bei mir ein Gefühl der Enttäuschung zurückließ, denn die teilweise sehr qualitätsvollen Steinmetzarbeiten bieten weitaus mehr, als nur salbungsvoll theologische Erbauungsfragen daraus abzuleiten. Man hätte z. B. die Lebenswelt mittelalterlicher Pilger und ihre Weltbilder untersuchen, die Stileinflüsse aus Arabien, Irland und Frankreich aufschlüsseln, Steinmetztechniken oder auch die Organisation der Bauhütten erklären können, oder ganz einfach den aktuellen Stand zur Datierung der jeweiligen Bildwerke, aber auf mich wirkte der Text stattdessen eher wie eine etwas zu trocken geratene Predigt.
Zugutehalten muss man dem Autor, dass er sich der Mängel offenbar bewusst war und die renommierte Archäologin Jutta Desken-Weiland um eine größere Überarbeitung gebeten hat (der Band erschien mit einigen Jahren Verzögerung), aber auch sie konnte offenbar nicht viel retten, ohne das Buch gleich selber zu schreiben.
Inhaltlich ist „Steinerne Bibel“ leider zu eindimensional auf Theologie und Glaubensinhalte reduziert, um mich als Sachbuch zu überzeugen. In dem Thema steckte definitiv mehr drin.
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