Produktbild: Das digitale Kapital

Das digitale Kapital Zur Kritik der politischen Ökonomie des 21. Jahrhunderts

Aus der Reihe kritik & utopie
1

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Paperback

Erscheinungsdatum

01.04.2021

Verlag

Mandelbaum verlag eG

Seitenzahl

288

Maße (L/B/H)

16,7/12/2,7 cm

Gewicht

265 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-85476-900-2

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Paperback

Erscheinungsdatum

01.04.2021

Verlag

Mandelbaum verlag eG

Seitenzahl

288

Maße (L/B/H)

16,7/12/2,7 cm

Gewicht

265 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-85476-900-2

Herstelleradresse

mandelbaum verlag eG
Wipplinger Straße 23
1010 Wien
AT

Email: office@mandelbaum.at

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Wie man auf die Idee kommt,…

Anton aus München am 02.02.2022

Bewertungsnummer: 2809291

Bewertet: Buch (Paperback)

Wie man auf die Idee kommt, ausgerechnet den anspruchsvollsten Titel zu wählen, den ein Buch im 21. Jahrhundert tragen kann, um dann etwas völlig anderes vorzulegen, ist mir ein Rätsel. Die einzige interessante polit-ökonomische Überlegung war diejenige, dass das verarbeitungslastige deutsche Kapital den Fetischismus rund um den Begriff der "Industrie 4.0" ankurbelt, um die Lohnstückkosten zu senken und die sektorale Profitrate der allgemeinen anzupassen. Ansonsten handelt es sich hier um eine eklektische Sammlung, die weitgehend auf den Zusammenhang mit dem Buchtitel verzichtet. Der Autor scheint der Meinung zu sein, Marxismus bestehe darin, inflationär die Worte »Dialektik«, »Krise« und »widersprüchlich« aneinanderzureihen — was insofern verwunderlich ist, als die groben Erklärungen mancher Aspekte des Hegelschen Denkens insgesamt zutreffend sind. Dass es sich hier um ein dezidiert kommunikationswissenschaftliches Buch handelt, merkt man leider zu spät. Als gelernter Polittheoretiker habe ich kein Problem mit Politischer Theorie an sich, welche hier ebenfalls weite Teile einnimmt, das zentrale Duo Negri/Hardt wirkt allerdings deplatziert. Verwunderlich ist der Umstand, dass Fuchs zwar massenhaft Marx zitiert (wenn auch umständlich im Harvard-Stil, statt die MEW-Ausgabe zu nennen), sich in der Vorgehensweise dennoch so stark von Marx unterscheidet. Kurios ist, dass die vorliegende Marx-Exegese ignoriert, dass es durchaus Unterschiede zwischen dem jungen, naiven, philosophischen Marx und dem reifen, kritischen, ökonomischen Marx gibt (so werden die Zitate aus MEW01 bis 03 nicht relativiert, was sich in der unkritischen Verwendung der Begriffe Entfremdung, Arbeitsteilung und Humanismus widerspiegelt). Während Das Kapital eine zwar polemische, aber doch nüchterne Analyse ist, liegt hier eher ein utopistisches Pamphlet vor. Ärgerlich ist die Oberflächlichkeit, in der Marx bspw. zum Erfinder des Internets erklärt wird, weil manche seiner Prognosen der Produktivkraftentwicklung sich oberflächlich wie eine Vorwegnahme einzelner Aspekte des Internets lesen. Absurd wird das Buch, wenn es sich in seinem Hang zum Namedropping dazu verleiten lässt, Martin Luther als Vertreter der Klassischen Politischen Ökonomie zu bezeichnen (ja, wirklich: vgl. S.75). Auch seitenlanges Herunterleiern unzusammenhängender Begriffe aus dem Marxismus als wissenschaftlichem Sozialismus ist nervig und beileibe nicht respekteinflößend (was es vermutlich sein sollte). Das Rumhacken auf "dem Postmodernismus" und "der Identitätspolitik" ist ebenfalls billig und nicht im Ansatz hilfreich (obwohl ich das Grundmotiv der Kritik an beiden Phänomenen teile!). Das Kapitel über die sogenannte "Coronavirus-Krankheit" raubt einem dann den letzten Nerv, da es sich um eine sinnlose Aneinanderreihung trivialster Fakten handelt. Wenn der Text es schon nicht schafft, einen zum Abbruch zu verleiten, dann schafft es der Verlag bzw. die Bindung. Die Seiten sind derart unvorteilhaft starr gebunden, dass das Bearbeiten mit Stift und Lineal zur Tortur wird. Das Problem ist nicht selten, aber hier extrem. Die Seitenzahlen an den äußeren Rand zu drucken, finde ich zwar optisch ganz ansprechend, es ist aber für Randnotizen etc. nervig. Fazit: Wer eine Einführung in den Marxischen Begriff der Maschinerie vom Maschinenfragment der Grundrisse bis zum Kapitel 13 des Kapitals sucht, mag in den ersten Kapiteln fündig werden. Wer allerdings etwas über die politische Ökonomie des digitalen Kapitalismus lernen will, sollte lieber Philipp Staab, Sabine Pfeiffer, Nick Srnicek oder auch Joseph Vogl lesen. Weitere Empfehlungen finden sich sogar im Literaturverzeichnis (Dan Schiller, Vincent Mosco; der große Evgeny Morozov fehlt leider), weshalb es umso trauriger ist, dass Fuchs nicht nur die Chance vergeben, sondern auch den Namen verbrannt hat.

Wie man auf die Idee kommt,…

Anton aus München am 02.02.2022
Bewertungsnummer: 2809291
Bewertet: Buch (Paperback)

Wie man auf die Idee kommt, ausgerechnet den anspruchsvollsten Titel zu wählen, den ein Buch im 21. Jahrhundert tragen kann, um dann etwas völlig anderes vorzulegen, ist mir ein Rätsel. Die einzige interessante polit-ökonomische Überlegung war diejenige, dass das verarbeitungslastige deutsche Kapital den Fetischismus rund um den Begriff der "Industrie 4.0" ankurbelt, um die Lohnstückkosten zu senken und die sektorale Profitrate der allgemeinen anzupassen. Ansonsten handelt es sich hier um eine eklektische Sammlung, die weitgehend auf den Zusammenhang mit dem Buchtitel verzichtet. Der Autor scheint der Meinung zu sein, Marxismus bestehe darin, inflationär die Worte »Dialektik«, »Krise« und »widersprüchlich« aneinanderzureihen — was insofern verwunderlich ist, als die groben Erklärungen mancher Aspekte des Hegelschen Denkens insgesamt zutreffend sind. Dass es sich hier um ein dezidiert kommunikationswissenschaftliches Buch handelt, merkt man leider zu spät. Als gelernter Polittheoretiker habe ich kein Problem mit Politischer Theorie an sich, welche hier ebenfalls weite Teile einnimmt, das zentrale Duo Negri/Hardt wirkt allerdings deplatziert. Verwunderlich ist der Umstand, dass Fuchs zwar massenhaft Marx zitiert (wenn auch umständlich im Harvard-Stil, statt die MEW-Ausgabe zu nennen), sich in der Vorgehensweise dennoch so stark von Marx unterscheidet. Kurios ist, dass die vorliegende Marx-Exegese ignoriert, dass es durchaus Unterschiede zwischen dem jungen, naiven, philosophischen Marx und dem reifen, kritischen, ökonomischen Marx gibt (so werden die Zitate aus MEW01 bis 03 nicht relativiert, was sich in der unkritischen Verwendung der Begriffe Entfremdung, Arbeitsteilung und Humanismus widerspiegelt). Während Das Kapital eine zwar polemische, aber doch nüchterne Analyse ist, liegt hier eher ein utopistisches Pamphlet vor. Ärgerlich ist die Oberflächlichkeit, in der Marx bspw. zum Erfinder des Internets erklärt wird, weil manche seiner Prognosen der Produktivkraftentwicklung sich oberflächlich wie eine Vorwegnahme einzelner Aspekte des Internets lesen. Absurd wird das Buch, wenn es sich in seinem Hang zum Namedropping dazu verleiten lässt, Martin Luther als Vertreter der Klassischen Politischen Ökonomie zu bezeichnen (ja, wirklich: vgl. S.75). Auch seitenlanges Herunterleiern unzusammenhängender Begriffe aus dem Marxismus als wissenschaftlichem Sozialismus ist nervig und beileibe nicht respekteinflößend (was es vermutlich sein sollte). Das Rumhacken auf "dem Postmodernismus" und "der Identitätspolitik" ist ebenfalls billig und nicht im Ansatz hilfreich (obwohl ich das Grundmotiv der Kritik an beiden Phänomenen teile!). Das Kapitel über die sogenannte "Coronavirus-Krankheit" raubt einem dann den letzten Nerv, da es sich um eine sinnlose Aneinanderreihung trivialster Fakten handelt. Wenn der Text es schon nicht schafft, einen zum Abbruch zu verleiten, dann schafft es der Verlag bzw. die Bindung. Die Seiten sind derart unvorteilhaft starr gebunden, dass das Bearbeiten mit Stift und Lineal zur Tortur wird. Das Problem ist nicht selten, aber hier extrem. Die Seitenzahlen an den äußeren Rand zu drucken, finde ich zwar optisch ganz ansprechend, es ist aber für Randnotizen etc. nervig. Fazit: Wer eine Einführung in den Marxischen Begriff der Maschinerie vom Maschinenfragment der Grundrisse bis zum Kapitel 13 des Kapitals sucht, mag in den ersten Kapiteln fündig werden. Wer allerdings etwas über die politische Ökonomie des digitalen Kapitalismus lernen will, sollte lieber Philipp Staab, Sabine Pfeiffer, Nick Srnicek oder auch Joseph Vogl lesen. Weitere Empfehlungen finden sich sogar im Literaturverzeichnis (Dan Schiller, Vincent Mosco; der große Evgeny Morozov fehlt leider), weshalb es umso trauriger ist, dass Fuchs nicht nur die Chance vergeben, sondern auch den Namen verbrannt hat.

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Das digitale Kapital

von Christian Fuchs

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