Shortlist Buch des Jahres des Jahres 2021 Belletristik-Couch.de
»Jörg Magenau hat einen modernen, einen klugen Künstlerroman geschrieben, einen Roman einer unruhigen Biografie in einer unruhigen Familie.« SaSa StaniSic Ein tief berührendes Buch über Abschiede und den Trost des Neubeginns. In seinem ersten Roman blickt Jörg Magenau auf das Leben eines Mannes, der erzählend zu sich selbst reist. Aus einer inneren Enge in ein weites, wildes Land. In Kanada liegt der Vater im Sterben. Die Nachricht trifft seinen Sohn in einer Krise. Hinter ihm liegt ein gescheitertes Buchprojekt. Seit Jahrzehnten hat er den fernen Vater nicht gesehen, nun überquert er Atlantik und Rocky Mountains, um ihn hoffentlich noch lebend anzutreffen. Doch was ist überhaupt ein Leben? Was weiß man von einem fremd gebliebenen Vater, von der Liebe der anderen und der eigenen? Und wie schreibt man darüber? Die Fahrt durch die kanadische Nacht führt den Erzähler immer tiefer in die eigene Herkunft und hinaus ins Offene. Als er den Vater erreicht, geht etwas zu Ende, aber etwas Neues beginnt auch: die Suche nach dem, was trotz aller Vergänglichkeit bleibt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
06.10.2021
eBook (ePUB 3)
"Hinter mir lag ein schlechtes Ende und vor mir ein Abschied." Was für ein erster Satz! Ein schon nicht mehr ganz junger Mann fährt nach Kanada um Abschied vom sterbenden Vater zu nehmen. Ein Vater, den er Jahre nicht gesehen hat. Auf der langen Reise dorthin erfahren wir mehr über das Leben des Schreibenden und zugleich auch mehr über das Leben überhaupt. Was ist Liebe? Was weiß man eigentlich von denen, die man Familie nennt? Was weiß man überhaupt über sich selbst? Jörg Magenau ist ein wunderbar kluges und tiefgreifendes Buch über Abschied, Herkunft und Aufbruch gelungen. Bitte lesen.
Kristall86
aus an der Nordseeküste
5/5
20.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aus dem Ende entsteht ein Anfang
!ein Lesehighlight 2021!
Klappentext:
„In Kanada liegt der Vater im Sterben. Die Nachricht trifft seinen Sohn in einer Krise. Hinter ihm liegt ein gescheitertes Buchprojekt. Seit Jahrzehnten hat er den fernen Vater nicht gesehen, nun überquert er Atlantik und Rocky Mountains, um ihn hoffentlich noch lebend anzutreffen. Doch was ist überhaupt ein Leben? Was weiß man von einem fremd gebliebenen Vater, von der Liebe der anderen und der eigenen? Und wie schreibt man darüber? Die Fahrt durch die kanadische Nacht führt den Erzähler immer tiefer in die eigene Herkunft und hinaus ins Offene. Als er den Vater erreicht, geht etwas zu Ende, aber etwas Neues beginnt auch: die Suche nach dem, was trotz aller Vergänglichkeit bleibt.“
Die Reise des Sohnes zu seinem sterbenden Vater ist eigentlich der Hauptteil dieses Buches. Autor Jörg Magenau nimmt den Leser auf eine ganz ruhige Reise mit über den großen Teich. Seine Worte wählt er für seinen Protagonisten mit Bedacht und größter Sorgfalt aus. Laute und kräftige Wörter wären bei diesem Schritt im Leben sowieso der falsche Weg. Hier stimmt alles! Wir begleiten den Sohn mit dem Mietwagen in den USA auf den Weg zu seinem Vater und wir erleben dabei, wie er sich selbst reflektiert. Er geht in sein tiefes Inneres und erlebt vor dem geistigen Auge nochmal seine Kindheit, seine Jugend, schöne und weniger schöne Erinnerungen. Er erinnert sich an seinen Vater, seine Familie. Es ist eine sehr intensive Selbstreflexion, die man nur macht, wenn der Tot nah ist. Ich fand Magenaus Worte und Gedanken von seinem Protagonisten unheimlich tiefgründig und feinfühlig. Die Auseinandersetzung mit Leben und Tot ist ein wichtiges Thema, welches niemals untergraben werden sollte oder sogar auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Das der Sohn es hoffentlich noch zu seinem Vater schafft, ist der eigentliche Spannungsbogen. Haben sie sich doch lange nicht gesehen, aber wenigstens der Abschied soll sie nochmal zueinander führen - ein letztes Mal die Verbindung halten - hoffentlich...
Magenau hat mit diesem Buch einen ganz besonderen philosophischen Nerv bei mir getroffen und ich bin sehr tief beeindruckt von diesem zarten Büchlein. Es enthält so viel geballten Nachklang, das einem fast schwindelig wird, wenn man sich darauf einlässt.
Ich fand dieses Buch großartig und kann es nur empfehlen und vergebe deshalb 5 von 5 Sterne!
Kristall86
aus an der Nordsee
5/5
18.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
!ein Lesehighlight 2021!…
!ein Lesehighlight 2021! Klappentext: „In Kanada liegt der Vater im Sterben. Die Nachricht trifft seinen Sohn in einer Krise. Hinter ihm liegt ein gescheitertes Buchprojekt. Seit Jahrzehnten hat er den fernen Vater nicht gesehen, nun überquert er Atlantik und Rocky Mountains, um ihn hoffentlich noch lebend anzutreffen. Doch was ist überhaupt ein Leben? Was weiß man von einem fremd gebliebenen Vater, von der Liebe der anderen und der eigenen? Und wie schreibt man darüber? Die Fahrt durch die kanadische Nacht führt den Erzähler immer tiefer in die eigene Herkunft und hinaus ins Offene. Als er den Vater erreicht, geht etwas zu Ende, aber etwas Neues beginnt auch: die Suche nach dem, was trotz aller Vergänglichkeit bleibt.“ Die Reise des Sohnes zu seinem sterbenden Vater ist eigentlich der Hauptteil dieses Buches. Autor Jörg Magenau nimmt den Leser auf eine ganz ruhige Reise mit über den großen Teich. Seine Worte wählt er für seinen Protagonisten mit Bedacht und größter Sorgfalt aus. Laute und kräftige Wörter wären bei diesem Schritt im Leben sowieso der falsche Weg. Hier stimmt alles! Wir begleiten den Sohn mit dem Mietwagen in den USA auf den Weg zu seinem Vater und wir erleben dabei, wie er sich selbst reflektiert. Er geht in sein tiefes Inneres und erlebt vor dem geistigen Auge nochmal seine Kindheit, seine Jugend, schöne und weniger schöne Erinnerungen. Er erinnert sich an seinen Vater, seine Familie. Es ist eine sehr intensive Selbstreflexion, die man nur macht, wenn der Tot nah ist. Ich fand Magenaus Worte und Gedanken von seinem Protagonisten unheimlich tiefgründig und feinfühlig. Die Auseinandersetzung mit Leben und Tot ist ein wichtiges Thema, welches niemals untergraben werden sollte oder sogar auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Das der Sohn es hoffentlich noch zu seinem Vater schafft, ist der eigentliche Spannungsbogen. Haben sie sich doch lange nicht gesehen, aber wenigstens der Abschied soll sie nochmal zueinander führen - ein letztes Mal die Verbindung halten - hoffentlich... Magenau hat mit diesem Buch einen ganz besonderen philosophischen Nerv bei mir getroffen und ich bin sehr tief beeindruckt von diesem zarten Büchlein. Es enthält so viel geballten Nachklang, das einem fast schwindelig wird, wenn man sich darauf einlässt. Ich fand dieses Buch großartig und kann es nur empfehlen und vergebe deshalb 5 von 5 Sterne!
yellowdog
5/5
21.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
jenseits der Rocky Mountains
Jörg Magenau hat einige brillante Biografien geschrieben. Ich selbst habe 3 Stück davon. Jetzt hat er sich erstmals mit einem Roman in eine andere Position gebracht und schlägt sich nicht schlecht. Etwas einlesen muss man sich in das Buch aber.
Es ist die Reise eines Mannes, geschätzt in den fünfzigern, der nach Kanada reist, um noch einmal seinen im sterben liegenden Vater zu sehen. Seit vielen Jahren sind sie einander entfremdet.
In Calgary angekommen reist er mit einem Mietwagen weiter durch Kanada jenseits der Rocky Mountains.
Dabei kommen ihm die Erinnerungen und viele Überlegungen, die den Text bestimmen.
Er denkt über seine Kindheit und Jugend in Deutschland nach. Die Eltern trennten sich, als er Jugendlicher war. Da sein Vater mit seiner neuen Frau nach Kanada auswanderte, riss der Kontakt ab.
Ob er jetzt seinen Vater noch lebend antreffen wird, weiß er nicht.
Zudem beschäftigt ihn seine eigene, erst kürzlich erfolgte Trennung von seiner Frau und seine Probleme mit seinem aktuellen Buchprojekt über die Beziehung eines Dichters und einer Malerin.
Die Reise nimmt 2/3 des Romans ein, bis er sein Ziel erreicht und es zum Abschied kommen kann.
Es ist ein konzentriertes, gut durchdachtes Buch, das Jörg Magenau vorlegt und sicher seine Leserschaft finden wird und ich gehöre dankbar dazu.
Bewertung
aus Baden-Württemberg
4/5
10.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Abschied und Aufbruch
Der männliche Ich-Erzähler, der durchaus Gemeinsamkeiten mit dem Autor aufweist, wird ans Sterbebett seines 91-jährigen Vaters gerufen. Die beiden haben sich seit mehreren Jahrzehnten nicht gesehen, sich aus den Augen verloren, da der Vater nach Kanada ausgewandert ist und ein dortiger Besuch mehrfach scheiterte. Der Sohn landet in Calgary und muss nun mehrere Stunden mit dem Auto fahren, durch Prärielandschaft westwärts in Richtung der Rocky Mountains. Genug Zeit, um nachzudenken: Über seine Kindheit, seine Eltern und die Vaterferne; über Brüche im Leben, über ein misslungenes Buchprojekt, über sich selbst, über die Liebe und deren Vergänglichkeit, über Herkunft und Abschied. Daneben schildert er die vorbeifließende Landschaft während der Fahrt durch die immer dunkler werdende kanadische Nacht. Der Roman ist ein einziger Gedankenfluss, an dem uns der Autor teilhaben lässt. Er tut dies in unvergleichlich wohl gesetzten Worten. Immer wieder muss man innehalten, um das Gelesene zu reflektieren oder eigene Überlegungen anzustellen.
„Vergangenheit ist nichts Festes, weil sie immer von einem bestimmten, aber nie gleichen Standpunkt, immer von der flüchtigen Gegenwart aus in den Blick gerät. Schreiben heißt, mit der Vergangenheit aufzuräumen.“ (S. 23) In diesem Sinne ist auch dieser Roman zu verstehen.
Der Vater schrieb während der letzten Jahre viele Briefe und später Emails, in denen er viel von sich und seiner Herkunftsfamilie preisgab: „So war er mir zu einer Papierperson geworden…“ (S.24) Während der Fahrt resümiert der Sohn darüber. Er entdeckt Parallelen zu sich selbst. Die Eltern des Erzählers haben sich getrennt, als er noch ein Kind war, beide Elternteile fanden neue Partner. Den Vater zog es mit der Stiefmutter in die Ferne Kanadas, als der Sohn die Tradition brach und nicht in Tübingen, sondern in Berlin studierte. „Wir waren Familienflüchtlinge, jeder auf seine Weise, und hätten uns darin doch eigentlich sogar verstehen können.“ (S.30)
Trotz seines Ewigkeitsbedürfnisses gibt auch der Sohn seine Ehe nach vielen gemeinsamen Jahren auf. Er hat eine neue Frau lieben gelernt, seine Seelenverwandte A.: „Ich litt darunter, dass der Aufbruch den Wortbruch voraussetzt, dass ich meiner Frau wehtun musste, aber es konnte nicht anders sein, ich musste gehen, um – anders – weiterzuleben.“ (S. 49)
Neben diesen Familienverflechtungen beschäftigt den Ich-Erzähler ein beruflicher Rückschlag: Er wurde von einer Malerin angeheuert, um die Biografie ihres verstorbenen Mannes, der Dichter war, zu schreiben. Das Projekt hielt den Erzähler über die letzten zwei Jahre beschäftigt mit dem Ergebnis, dass die Auftraggeberin nach zahlreichen zeitintensiven Änderungswünschen das Manuskript schließlich verwarf und das endgültige Veto einlegte. Ein Vorgehen, das zunächst völliges Unverständnis bei ihm hervorruft.
Während der Fahrt ändert sich sukzessive die Sichtweise des Erzählers. Er entdeckt immer mehr Parallelen und Zusammenhänge, die nicht nur sein Verständnis für den sterbenden Vater, sondern auch für die kapriziöse Malerin und sich selbst hervorrufen. Währenddessen drängt die Zeit: Der Vater liegt dem Tode nah im Krankenhaus und es ist fraglich, ob der Sohn noch rechtzeitig ankommen wird.
Der Roman hat keinen Spannungsbogen im engeren Sinne. Dennoch sind die Gedanken des Erzählers und die Erkenntnisse, die sich daran anschließen, im Fluss und sehr lesenswert. Im Angesicht des bevorstehenden Todes eines Elternteils treiben wohl jeden Menschen ähnliche Überlegungen um – nur so brillant formulieren wie Jörg Magenau können es wohl die wenigsten.
„Meine Herkunft werde ich nicht los, weil sie mich ausmacht, egal, wohin ich fahre.“ (S.42)
„An der Geduld des Gebirges zerschellt jede menschliche Ungeduld.“ (S. 44)
„Nur wenige Dinge überleben den Tod ihrer Eigner, die ihnen Sinn und Bedeutung verliehen haben. Der Tod verwandelt sie in Gerümpel, das die Hinterbliebenen dann wegschaffen.“ (S.92)
Ich habe den Ich-Erzähler gerne auf seiner Reise durch die kanadische Nacht begleitet. Seine Reflexionen wirken durchaus nachvollziehbar, der Schreibstil gekonnt. Insgesamt hat mich die Familienhistorie stärker gefesselt als die des Künstler-Ehepaars – auch wenn die Bezüge und Parallelen schlüssig sind.
Ein literarisches Buch, bei dem man mit Sicherheit auch bei einer Zweitlektüre auf seine Kosten kommt und bei dem man auf jeder Seite wunderschön formulierte Sätze und Weisheiten entdecken kann. Sehr empfehlenswert!
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