Durch Zufall treffen sie sich, in einer Hotelbar in einer kleinen englischen Stadt: ein Mann und eine Frau in ihren Sechzigern, zwei Fremde, die einander ihre Geschichten erzählen. Sie ist einsam, ihr Leben ist voller unerfüllter Träume, ihre Tage verlaufen stets gleich, einzig bei der Arbeit im Garten findet sie zu sich. Er ist ehemaliger Schauspieler, und seine Geschichte ist die einer endlosen Suche nach jemandem, den er verloren hat. Seit Jahrzehnten führt er ein haltloses Leben im Dazwischen: Wann immer er eine Tür öffnet, droht er, in eine neue Existenz hineinkatapultiert zu werden. Hunderte Leben hat er berührt, niemand ist ihm geblieben. Doch diese Begegnung wird sie beide verändern - und einen Neuanfang bedeuten.
¿Die Jahre ohne uns¿ wirft Fragen auf, die uns alle beschäftigen: Warum verletzen wir die Menschen, die wir lieben? Wie machen wir unseren Frieden mit den Entscheidungen, die wir bereuen? Und was passiert, wenn wir die Geister der Vergangenheit wieder in unser Leben lassen? Barney Norris ist ein fesselnder Roman über Liebe, Verlust und die einzigartige Kraft des Geschichtenerzählens gelungen.
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Eine Reise durch Erinnerungen, die den Verlust umkreisen, bis, so ersehnt wie unerwartet, eine Zukunft doch möglich scheint.
Gertrud am 07.04.2021
Bewertungsnummer: 1452668
Bewertet: eBook (ePUB)
Das Buch "Die Jahre ohne uns" kam als Hardcover mit Schutzumschlag zu mir. Es liegt gut in der Hand. Unter dem leicht rosa überhauchten Grau des Schutzumschlags, lugt der rote Papierteinband des Buches wie ein Lichtblick hervor. Dazu passend ist ein rotes Lesebändchen zwischen den Seiten eingeklemmt.
Das Cover ist einfach gestaltet und lädt gerade darum immer wieder zum Hinschauen ein. Der Titel in blau konturierten Großbuchstaben wirkt, als würde er vom roten, kursiven Autorennamen am Platz gehalten, als müsse er ohne diesen aufsteigen. Erst unter den baumelnden Füßen des sitzenden Paares, das nur bis zur Körpermitte zu sehen ist, würde es verharren. Dieses Cover passt perfekt zur erzählten Geschichte, in der vieles unter der Oberfläche passiert.
Die Geschichte wird in drei Teilen erzählt.
Die Geschichte der Frau spielt sich in inneren Monologen, Erinnerungen, Auszügen aus einer nie vollendeten Enzyklopädie und kurzen Augenblicken in der Gegenwart ab. Die Fragmente sind dabei deutlich unterschiedlich lang. Die Zeitformen wechseln beständig, was für mich ein verwirrendes Gefühl erzeugt, als würde die Zeit keine Rolle spielen. Ein langes Leben wird erzählt. Der Verlust des Uns wird dabei so nebensächlich erwähnt, dass es eigentlich nur durch sein beinahe vollständiges Fehlen auffällt. Die enzyklopädisch angehauchten Einschübe sind für mich dabei die Elemente, die am stärksten wirken. Diese persönliche Auseinandersetzung mit Begriffen ermöglicht einen so neuen Zugang zu den Empfindungen eines Menschen und bewahrt gleichzeitig die Distanz. Jedes Gefühl wird auf Abstand gehalten.
Die Geschichte des Mannes wirkt so unglaublich und surreal, dass ich das Buch an manchen Stellen kurz weglegte, nur um es gleich darauf wieder aufzuschlagen und weiterzulesen. Die Episoden und Szenen entsprechen der aktuellen Überflutung durch Nachrichten in Zeitung und Fernsehen, dem Internet und all den anderen Medien, die wir in unseren Smarten Geräten mit uns herumtragen. Das Gefühl des Verlorenseins im Zuschauen bei dem, was anderen zustößt, geht mir unter die Haut. Am Schluss halte ich es doch tatsächlich für möglich, was er meint, das ihm zugestoßen sei.
Doch die Geschichte geht weiter. Der dritte Teil ist kurz. Ich sehe das schon, bevor ich es lese. Denn unter dem Lesebändchen sind nicht mehr viele Seiten übrig. Hier sortieren sich für mich die Möglichkeiten und Wahrnehmungen zu dem, was wirklich passiert sein könnte. Das Uns wird sichtbar und bricht in das Leben der Beiden ein. Unvermittelt gibt es ein Zurück und eine Zukunft.
Dieses Buch ist emotional auf eine so rationale Art, dass ich, entgegen meiner Annahme, kein Taschentuch benötigte. Das überrascht mich auch im Nachhinein enorm. Es spricht für die Perfektion in der Darstellung dieser beider Leben, die, so will es mir vorkommen, nach dem Uns irgendwie nur halb gelebt worden sind.
Ich wollte mir Zeit nehmen für dieses Buch, es in Abschnitten lesen und nicht verschlingen. Doch als ich es begonnen hatte zu lesen, konnte ich es nicht weglegen. Wenn ich es zuschlug, nahm ich es gleich darauf wieder auf, weil mich die Geschichte gepackt hatte. Ich habe mich mitreißen lassen, noch die nächste Seite zu lesen und die danach und die nächste. Letztendlich habe ich es an dem Tag ausgelesen, an dem es mir der Postbote verpackt auf die Treppe gelegt hatte.
Wie fühlt sich das Leben an, das...
Bewertung am 27.03.2021
Bewertungsnummer: 504576
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie fühlt sich das Leben an, das nicht gelebt wurde?
Was passiert wenn wir die Geister der Vergangenheit wieder in unser Leben lassen?
Warum verletzen wir Menschen die wir lieben?
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