Bass Rock, eine unbewohnte Felseninsel vor der schottischen Küste, wirft seit Jahrhunderten ihren Schatten auf das Festland und seine Bewohner. Neu unter ihnen: Ruth Hamilton, die in den Jahren nach dem Krieg mit ihrem Mann und zwei Stiefsöhnen in ein zugiges Landhaus an der Küste zieht. Sie zum ersten Mal schwanger und zunehmend auf sich allein gestellt: die Stiefkinder im Internat, der Mann für Wochen in seiner Londoner Kanzlei. Als Großstädterin hadert Ruth mit der Abgeschiedenheit und auch mit den sonderbaren Gebräuchen der einheimischen Gesellschaft. Ein Strandpicknick mitten im Winter? Die eigenartig kostümierten Frauen? Ruth passt sich an, ein wenig. Bis sie begreift: Das hier passiert nicht nur ihr. Es ist ein altes Spiel. Sie wird es nicht gewinnen. Ein halbes Jahrhundert später, das Anwesen vor Bass Rock steht zum Verkauf, kommt wieder eine junge Frau in den Norden. Viv hadert mit ihrem Single-Dasein, aber auch mit den Gelegenheiten, es zu beenden. Außerdem schläft sie schlecht, in jedem der Betten in dem alten Haus. Ihr ist, als würde sie heimgesucht von dunklen alten Geschichten. Geschichten von aufsässigen Frauen, von Frauen in Bedrängnis. Und ihre Stiefgroßmutter Ruth ist nur eine davon. Evie Wylds «Die Frauen» ist eine feministische Ghost Story, ein mitreißender Gesellschaftsroman. Im Ton mal elegant, mal drastisch und voller Wut über eine Welt, die den Männern allein gehört. Ein kämpferisches Buch von einer besonderen Brillanz und Bandbreite.
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Die Gespenster der Vergangenheit
Bewertung am 11.08.2021
Bewertungsnummer: 1548018
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Drei Schicksale von Frauen die alle verbunden sind mit einem Ort;
Bass Rock.
Egal in welcher Zeitebene sind alle Frauen getrieben von den Zwängen der Männer, die ihr Leben regulieren.
Voller Wut, Dunkelheit, Freundschaft, Grausamkeit, Zusammenhalt und Mut spielen die Zeiten der Frauen ineinander und bedingen das Schicksal der Anderen.
Ein wirklich einzigartiger Schreibstil, der ehrlich und trotzdem in lyrischer Sprache der Grausamkeit eine Gestalt gibt, der die drei Frauen zu entkommen versuchen.
Im Schatten des Bass Rock
hasirasi2 aus Dresden am 03.07.2021
Bewertungsnummer: 1522420
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Bedrohlich und düster thront der Bass Rock im Meer über North Berwick vor Küste Schottlands und genau so scheint auch das Leben der Frauen im Ort.
„Ich bin hier, weil Du mich hergebracht hast, damit ich mich um deine Kinder kümmere, während du dich aufführst, als hättest du eigentlich gar keine Familie.“ (S. 215) Nach dem Krieg zieht Ruth Hamilton mit ihrem Mann Peter und den beiden Stiefsöhnen ans Meer. Die Jungs werden aufs Internat geschickt, damit man dort richtige Männer aus ihnen macht, und Peter fährt immer öfter nach London in seine Kanzlei. Ruth lebt allein in dem alten großen Haus, fühlt sich einsam und verlassen. Außerdem hat sie Angst vor dem Geist des kleinen Mädchens, der überall im Haus auftaucht. Doch ihre Mutter und auch ihr Mann machen ihr klar, dass sie froh und dankbar sein muss, als „alte Jungfer“ überhaupt noch einen Mann abbekommen zu haben. Man hat gewisse Erwartungen an sie. Sie soll still sein, duldsam, ja nicht aufmüpfig und ohne eine eigene Meinung, sich ein harmloses Hobby suchen und mit den anderen Frauen anfreunden, sich in die Gemeinschaft einfügen – so wie Peters erste Frau. Und schwanger sollte sie natürlich möglichst bald werden.
50 Jahre später soll sich Viv, eine Nachfahrin der Hamiltons, um den Verkauf des Hauses kümmern. Sie ist Single, depressiv und psychisch labil seit dem Tod ihres Vaters. Viv unterhält eine lose Beziehung zu einem Mann, den sie nicht mal mag – aber schließlich mag er ja sie und das ist schließlich die Hauptsache. Sie hat von klein auf gelernt zu machen, was Männer von ihr erwarten, ihnen zu geben, was ihnen ihrer Meinung nach „zusteht“, auch Sex, wenn sie es eigentlich nicht will – weil sie genauso erzogen wurde wie ihre Mutter und Großmütter und deren Wertvorstellungen und Ansichten übernommen hat ohne sie zu hinterfragen.
Dieses Buch lässt mich sehr zwiegespalten zurück und ich haben mehrfach überlegt, es abzubrechen. Eins vorweg, die Sprache ist phantastisch. Evie Wyld schreibt sehr fesselnd und kann die düstere, traurige, trostlose und deprimierende Stimmung und die Ängste der Frauen die ganze Zeit über heraufbeschwören. Auch der mystische Aspekt fügt sich gut in die Handlung ein. Sie klagt die jahrhundertelange Ausnutzung und Abhängigkeit von Frauen und Kindern an.
Aber, jetzt kommt eine Triggerwarnung, es geht auch um (sexuelle) Gewalt gegen Frauen und Kinder die mir extrem nahe gegangen ist. Davor wäre ich gern gewarnt oder zumindest darauf vorbereitet worden. Nicht nur innerhalb der Haupthandlung, sondern auch in völlig losgelösten Kapiteln werden Mädchen und Frau misshandelt, missbraucht, vergewaltigt und / oder umgebracht. Mir ist klar, dass die Autorin damit verdeutlichen will, wie vielseitig die (sexuelle) Gewalt gegen Frauen und Kinder aussehen kann, aber für mich war das auch ohne diese Einschübe klar, weil sie das in der eigentlichen Handlung bereits deutlich genug geschildert hat.
Meinung aus der Buchhandlung
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Drei Frauenschicksale mit einander verknüpft, obwohl gelebt zu unterschiedlichen Zeiten...sie und auch deren Kinder eint die Unterdrückung, Abhängigkeit und Gewalt in patriachalen Strukturen. Bewegend, erschreckend und abgründig, eine Familiengeschichte mit Female Gothic Elementen, was den Roman umso dichter macht. Unbedingte Leseempfehlung!
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