Ally, eine der ersten Ärztinnen Englands, zieht mit ihrem Mann Tom nach Cornwall, in ein kleines, weiß getünchtes Cottage mit gestreiften Vorhängen und Rosen am Gartentor. Doch nur wenige Wochen nach der Hochzeit muss sich das junge Paar wieder trennen: Tom reist nach Japan, um Leuchttürme zu bauen, Ally tritt eine Stelle in einer psychiatrischen Einrichtung für Frauen an.
Kritisch beäugt von ihren männlichen Kollegen und den misstrauischen Krankenschwestern, stürzt sie sich in die Arbeit. Während Tom versucht, sich an die so fremde wie reizvolle Kultur Japans zu gewöhnen, wird die Entfernung zwischen beiden immer größer und das Fundament ihrer jungen Ehe brüchig.
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Beeindruckend und berührend erzählt
Wuestentraum am 07.11.2016
Bewertungsnummer: 980518
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieser Roman besticht als erstes durch sein wunderschönes Cover, Kirschblüten auf weißem Untergrund, welches mir sofort ins Auge gesprungen ist.
Die Geschichte spielt im späten 19. Jahrhundert. Tom und Ally Cavendish sind frisch verheiratet. Doch nur wenige Wochen nach der Hochzeit trennen sich für ein halbes Jahr ihre Wege. Tom muss beruflich nach Japan, um dort Leuchttürme zu bauen. Ally, die ihre erste Stelle als Ärztin antritt, bleibt in Cornwall.
Es wird in wechselnden Perspektiven und kurzen Kapiteln erzählt, eine von Tom in Japan, die andere von Ally in Cornwall. Von Toms Leben in Japan wird viel und detailreich über die Kultur, Verhaltensformen und Traditionen dort berichtet, was sehr interessant und informativ war. Auf Allys Seite hingegen war es sehr emotional, gerade auch durch ihre eigenen Probleme sowie ihrer Vergangenheit, ihre Probleme mit ihrer Mutter und ihrer Arbeit in einer psychiatrischen Einrichtung. Beide Perspektiven waren sehr fesselnd und verwirrend zugleich. Auf der einen Seite die kalte Winterlandschaft von Cornwall, Allys Einsamkeit und Probleme und auf der anderen Seite die Schönheit Japans.
Es war interessant dargestellt, welche Probleme Ally hatte, zum einen damit, dass sie mit als erste weibliche Ärztin in der damaligen Zeit tätig war, welchen Vorurteilen sie begegnete und wie sie um Anerkennung kämpfen musste. Ihre Arbeit in der psychiatrischen Anstalt war sehr beeindruckend, kam doch hinzu, dass sie mit eigenen Problemen belastet war. Zum anderen wurde ihre Vergangenheit nach und nach belichtet, wie sie unter ihrer kalten und religiösen Mutter leiden musste und Liebe von dieser in keinster Weise erfuhr.
Beide erleben einzeln, jeder für sich, viele aufregende und einschneidende Dinge, die sie nicht mit dem anderen teilen können. Briefe sind wochenlang unterwegs, so bleibt die Kommunikation sehr eingeschränkt zwischen den beiden Liebenden.
Der Schreibstil war unglaublich schön, sanft und feinfühlig erzählt Sarah Moss die Geschichte von Ally und Tom, die kurze Zeit glücklich verheiratet sind, bis beide sich für Monate trennen müssen. Zwischen den Meeren ist passen gewählt, denn man hat das Gefühl, dass nach der Rückkehr von Tom ein Meer die beiden immer noch trennt.
Ein anspruchsvoller Roman voller Tiefe und Emotionen, der mich sehr beeindruckt und berührt hat.
Ein perfekt inszeniertes Porträt zweier individueller Persönlichkeiten
louella2209 am 09.09.2016
Bewertungsnummer: 970101
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Das Ehepaar Tom und Ally gehen kurz nach der Hochzeit ihre eigenen Wege um sich beruflich zu verwirklich. Tom zieht es nach Japan, um dort Leuchttürme zu bauen. Schnell verliebt er sich in dieses vielseitige Land mit der exotischen Kultur und die reizvollen Gepflogenheiten. Ally hingegen bleibt in ihrer Heimat Cornwall, um dort ihre erste Stelle als Ärztin in einer Irrenanstalt anzutreten. Mit ihrer empathischen Art und Einfühlungsvermögen gewinnt sie das Vertrauen ihrer Patientinnen. Ally will nicht nur heilen, sondern auch verstehen. Sie wird gezwungen sich vor ihren Kollegen Respekt zu verschaffen und ihren Status zu verteidigen. Sie bestreitet dabei Wege, die vor ihr noch kein Arzt gegangen ist und stößt dabei an ihre Grenzen. Die dunklen Schatten ihrer Vergangenheit und ihrer glücklosen Kindheit bei ihrer herrischen Mutter holen sie ein. Sie muss ihre eigenen Barrieren durchbrechen, um ihre berufliche Unabhängigkeit weiter zu beschreiten.
Tom, hingegen, genießt seine Zeit in Japan und plant seinen Aufenthalt zu verlängern. Es scheint, als ob sich die beiden nicht nur räumlich, sondern auch innerlich, immer mehr voneinander entfernen. Eine echte Herausforderung für diese junge Ehe, dessen Liebe zu verkümmern droht.
Es wird dauern, und sie wird Geduld brauchen. Geduld hat man immer, so wie man immer Luft zum Atmen hat, einfach weil es gar keine Alternative gibt. Zitat S. 11
Meine Meinung:
Die Autorin Sarah Moss etablierte sich bereits mit ihren Romanen in dem Genre der anspruchsvollen Unterhaltungsliteratur. Mit Zwischen den Meeren führt sie fort, was sie mit dem Vorgängerroman Wo Licht ist schon begann. Sie skizziert eloquent, einfühlsam und philosophisch das Porträt der jungen Ally Moberley, die als frischgebackene Ärztin und Ehefrau, weiterhin versucht, sich aus den Fesseln ihrer Vergangenheit zu befreien.
Nicht die Geister sind schwer zu ertragen, sondern das Fehlen der Lebenden. Zitat S. 99
Wenn die Geister der Vergangenheit einem nicht folgen, erwarten sie einen in der Zukunft. Zitat S.102
Sarah Moss lässt den Leser intensiv an der Gedankenwelt der Hauptprotagonistin Ally teilhaben. Die unterschiedlichen Facetten des menschlichen Verstandes werden ausdrucksstark und sensibel dargestellt. Ally gewinnt mit der Zeit immer mehr an innerer Stärke und Selbstständigkeit, verfällt jedoch, in Gegenwart ihrer Mutter, in alte Verhaltensmuster und auch der schmerzliche Verlust ihrer Schwester macht ihr schwer zu schaffen. Sie bewegt sich auf einer unsichtbaren Linie und läuft ständig Gefahr ihre Seele an ihrer Zwanghaftigkeit zu verlieren. Dabei kann ihr niemand helfen, außer sie selbst.
Der Autorin gelingt es fortwährend den Leser durch ein Wechselbad der Gefühle zu treiben. Ally entwickelt sich zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit und der Leser schwankt ständig zwischen Bewunderung und Mitgefühl. Ihre Familienverhältnisse sind erschütternd und mit voller Intensität dargestellt.
Die Welt von Tom ist dabei ganz anders und eine willkommene Abweschslung. Man taucht ein in die vielseitige Kultur von Japan im 19. Jahrhundert und begleitet Tom bei seiner Entdeckungsreise von Land und Leute. Man spürt hin und wieder die Sehnsucht nach seiner Frau Ally, aber je länger sein Aufenthalt andauert, desto mehr rücken die Erinnerungen in den Hintergrund. Die Erfahrungen , die die beiden getrennt voneinander machen, können unterschiedlicher kaum sein. Während Tom ständig neue Eindrücke gewinnt, dreht sich Ally im Kreis und muss so manchen inneren Kampf ausfechten, ehe sie den Teufelskreis durchbricht und sich ihr ganz neue Perspektiven eröffnen. Doch die junge Liebe leidet darunter und wird wohl ständig durch die unterschiedliche Entwicklung der beiden geprägt sein.
Das erste Schiff des Morgens umrundet Pendennis Head, lehnt sich in den Wind, als es heimatliche Gewässer erreicht. All unsere Geister können den entgegengesetzten Weg nehmen, denkt Ally, fort über die Wellen, alle Stimmen, die uns hier quälen, könnten sich versammeln und in die Lüfte über das Meer erheben. Sie sieht vor ihrem geistigen Auge, eine Schar böser Geister, die über das Wasser ziehen und sich im Licht der aufgehenden Sonne auflösen. Zitat S. 318
5 Sterne für diese faszinierende Lektüre und die stilvolle Erzählkunst der Autorin.
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