Palais Heiligendamm, 1922: Während der Währungskrise kämpft Elisabeth erneut um das Überleben des frisch renovierten Palais. Erst als ein berühmter Regisseur in der schönen Kulisse des Hotels einen Film dreht, gibt es neue Hoffnung. Während der berufliche Erfolg zum Greifen nah ist, steht Elisabeths Liebe zu Julius unter keinem guten Stern. Auch ihr Bruder Paul muss Abschied von seinen Träumen nehmen. Er ist zutiefst unglücklich. Als er in den Dunstkreis der NSDAP gerät, trifft er eine Entscheidung, die die ganze Familie in Gefahr bringt ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Bewertung
aus Stadthagen
5/5
29.06.2021
eBook (ePUB)
Spannende Fortsetzung
Passend zum Titel geht es im Palais Heiligendamm in diesem Band stürmisch zu. Mit Rezession, Wirtschaftskrise, der Weimarer Republik und deren Untergang sind die Rahmenbedingungen schon für sich genommen sehr dramatisch, aber auch die Entwicklung der einzelnen Mitglieder der Familie Kuhlmann ist nicht weniger aufregend. Mitreißend und spannend bis zum Schluss!
Gertie G.
aus Wien
5/5
21.06.2021
eBook (ePUB)
Eine gelungene Fortsetzung
Dieser zweite Teil der Trilogie rund um das Hotel Palais Heiligendamm beschäftigt sich mit der Zeit zwischen 1922 und 1933, also der Weimarer Republik bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Nach einem langsamen Aufschwung bremst die Weltwirtschaftskrise den Höhenflug des Hotels erneut.
Hoteldirektorin Elisabeth Kuhlmann muss abermals um die Existenz des Hotels fürchten. Doch dann scheint ein Lichtschimmer am Horizont auf: das Hotel wird zur Filmkulisse. Während sich zahlreiche Schauspiellegenden aufhalten, braut sich in der Weltgeschichte neues Unheil zusammen: der Aufstieg der Nationalsozialisten. Paul, in der unglücklichen Ehe mit Helene gefangen, verliebt sich in den SA-Mann Carl, tritt der Partei bei und bringt damit seine Schwester Johanna und ihren Mann, der Jude ist, in höchste Gefahr. Als er erkennt, dass er
von Carl ausgenützt und betrogen wird, ist es fast zu spät.
Dass die SA nicht unbedingt die elitäre Gruppe ist, für die sie sich hält, sieht man daran, wen sie als Mitglied aufnimmt. So gibt es ein Wiedersehen mit Konrad, dem ehemaligen Bediensteten des Hotels, der seinerzeit Minna beinahe vergewaltigt hat und deswegen entlassen wurde. Endlich kann er, als SA-Mitglied, Rache an Minna und den Kuhlmanns üben.
Meine Meinung:
Auch mit diesem zweiten Teil ist Michaela Grünig ein wundervoller historischer Roman gelungen, der dem ersten in nichts nachsteht! Sie schafft es, den Leser voll und ganz in die Goldenen Zwanziger Jahre mitzunehmen, die so golden gar nicht waren. Geschickt flicht die Autorin die politischen Verhältnisse in den Roman ein. Der Kampf der Sozialisten und Kommunisten gegen Monarchisten und Nationalsozialisten wird glaubwürdig dargestellt. Der Antisemitismus, bisher nur verhalten gelebt, kriecht aus allen Löchern. Kaum glaubt man als Leser, endlich ginge es wieder aufwärts, kommt der nächste Dämpfer.
Die Charaktere dürfen sich entwickeln. Nachdem Elisabeth mit den Nazis nichts zu tun haben will, wird Paul Hoteldirektor und macht seine Sache nicht ganz so schlecht wie befürchtet.
Gut gefällt mir, dass der Fokus nicht nur auf Elisabeth und Julius, also auf die Chefetage, liegt, sondern auch die Angestellten wie Minna genügend Platz bekommen.
Fazit:
Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe. Gespannt warte ich auf den dritten und letzten Teil, der ein endgültiges Ende des Hotels befürchten lässt.
brauneye29
aus Wachtendonk
5/5
11.06.2021
eBook (ePUB)
Ich fand das Buch toll
Zum Inhalt:
Erneut muss Elisabeth um ihr Hotel kämpfen, denn die Währungskrise setzt allen enorm zu Als im Palais ein Film gedreht werden soll geht es langsam wieder aufwärts. Aber der aufziehende Nationalsozialismus lässt schon bald wieder erahnen, dass es auch ganz schnell wieder bergab gehen kann. Paul, der in Bannkreis der NSDAP gerät weil er sich verliebt hat, bringt mit seinen Entscheidungen die ganze Familie in Gefahr.
Meine Meinung:
Das Buch war so gut. Ich habe so was von mitgefiebert. Ich fand auch die Stimmung in dem Buch so richtig gut, irgendwie spürte man schon frühzeitig so latent eine Gefahr aufziehen. Für den ein oder anderen Protagonisten kann man sich freuen, manche werden eher ein schweres Schicksal erleiden. Aber eben genau dieses unterschiedliche Erleben macht das Buch auch so spannend. Mir wurde auch hier nochmal sehr deutlich bewusst, wie früh vor Kriegsbeginn eigentlich die Weichen schon gestellt wurden.
Fazit:
Ich fand das Buch toll
Bewertung
5/5
11.06.2021
eBook (ePUB)
Stürmische Zeiten
Selten habe ich einer Fortsetzung so entgegengefiebert wie dem zweiten Band der Reihe "Palais Heiligendamm". Nach den dramatischen Ereignissen im Deutschen Kaiserreich entführt Michaela Grünig ihre LeserInnen in die von vielen Krisen geschüttelte Weimarer Republik, der ersten parlamentarischen Demokratie in Deutschland.
Palais Heiligendamm, 1922: Während der Währungskrise kämpft Elisabeth erneut um das Überleben des frisch renovierten Palais. Erst als ein berühmter Regisseur in der schönen Kulisse des Hotels einen Film dreht, gibt es neue Hoffnung. Während der berufliche Erfolg zum Greifen nah ist, steht Elisabeths Liebe zu Julius unter keinem guten Stern. Auch ihr Bruder Paul muss Abschied von seinen Träumen nehmen. Er ist zutiefst unglücklich. Als er in den Dunstkreis der NSDAP gerät, trifft er eine Entscheidung, die die ganze Familie in Gefahr bringt ...
Das hübsche Cover zeigt eine schmale Frauengestalt, die - tief in ihre Gedanken versunken - den wolkenverhangenen Himmel betrachtet. Für die wilden Zwanziger Jahre ist sie sehr konservativ gekleidet, sie erfüllt alle Erwartungen, die an eine junge Frau aus einer guten Familie gestellt werden. Man darf mutmaßen, dass hier Elisabeth portraitiert werden sollte, eine kluge, starke Frauengestalt, die im Zentrum dieser Reihe steht.
Der historische Roman "Palais Heiligendamm" pendelt zwischen zwei zentralen Schauplätzen, nämlich Berlin und Bad Doberan, an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. Hier ist der Sitz des Palais Heiligendamm, des Luxushotels, das von der Familie betrieben wird.
Das Wiedersehen mit den vertrauten Protagonisten macht großen Spaß. Im Laufe der Zeit haben alle Charaktere eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich gebracht, die man ihnen im ersten Band der Familiensaga gar nicht zugetraut hätte. Wer hätte gedacht, dass Elisabeth sich zu einer selbstbewussten Geschäftsfrau und liebevollen Mutter mausern würde? Sie passt sich den modernen Zeiten an und trennt sich von alten Zöpfen (im wahrsten Sinne des Wortes). Sie pflegt eine freundschaftliche Beziehung zu Julius, dem Vater ihrer einzigen Tochter, dem sie sich nach wie vor eng verbunden fühlt, und hat ihr Leben im Griff, ganz im Gegensatz zu ihrem homosexuell veranlagten Bruder Paul. Nach der "Vernunftehe" mit seiner konservativen Ehefrau Helene stürzt er sich in eine verhängnisvolle Affäre mit einem rechtsradikalen Politiker, der um jeden Preis Karriere bei der NSDAP machen will. Sein Freund ist auf ein "makelloses" Privatleben angewiesen; eine Schein-Ehe mit Luise, der jüngsten Schwester von Paul, die nach einer gescheiterten ersten Ehe als geschiedene Frau gesellschaftlich "unten durch" ist und eine künstlerische Laufbahn als Schauspielerin anstrebt, ist für ihn die perfekte Lösung. Paul ist kein schlechter Mensch, er ringt mit seinem Gewissen, doch er lässt sich ausnutzen - von Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen.
Was die politische Gesinnung angeht, hält sein Bruder, ein renommierter Arzt an der Charité in Berlin, sich weitgehend bedeckt, während seine Frau Margot sich auf dem Gebiet der Rassenhygiene engagiert, was ihre gefährliche Nähe zur NSDAP andeutet.
Von diesen folgenschweren antidemokratischen Entwicklungen betroffen ist Johanna, die älteste Schwester von Paul, die nicht nur mit Samuel, einem tüchtigen Kinderarzt, verheiratet ist, sondern auch seinen jüdischen Glauben angenommen hat. Aufgrund der rechtsradikalen Strömungen in Berlin schwebt ihre Familie in Lebensgefahr - ihr bleibt nur die Flucht ins rettende Ausland.
Michaela Grünig erzählt nicht nur von den Reichen und Schönen, sondern gewährt auch einen klaren Einblick in das Leben von Menschen, die am unteren Ende der sozialen Hierarchie stehen. Die tüchtige Köchin Minna, welche nach ihrem Einsatz als Kindermädchen wieder das Zepter in der Küche des Palais Heiligendamm schwingen darf, träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit Albert, einem überzeugten Kommunisten. Doch ihre Wünsche werden sich kaum erfüllen. Für ein ruhiges bürgerliches Leben kann Albert sich nicht erwärmen, der politische Klassenkampf steht für ihn an erster Stelle. Eine klare Entscheidung, für die er einen hohen Preis zahlen wird.
Was für eine packende Lektüre! Michaela Grünig hat eine brillant geschriebene, faszinierende Fortsetzung vorgelegt, die mich (fast) noch mehr mitgerissen hat als der erste Band. Ihr neues Buch hat mich tief beeindruckt; ich mochte gar nicht mehr mit der Lektüre aufhören. Michaela Grünig hat die politischen Strömungen der Zeit anschaulich vermittelt; man erlebt die ständigen Wirtschaftskrisen, die hohe Arbeitslosigkeit, den politischen Terror und das mangelnde Vertrauen in die junge Demokratie hautnah mit. Während meiner Lektüre sind Fiktion und Realität miteinander verschwommen; ich habe mit allen Protagonisten gehofft, gelacht, gelitten und geweint - und fiebere dem letzten dritten Band entgegen. Kann man sich mehr von einem historischen Roman wünschen?
bolie
aus Langscheid
5/5
29.05.2021
eBook (ePUB)
Nahtlos schließt sich dieses…
Nahtlos schließt sich dieses Buch dem ersten Band an. Das Palais wurde nach den Vorstellungen Elisabeths renoviert und die kleine Tochter lebt bei ihrem Vater Julius. Bereits im Jahr 1922 stehen aber die Zeichen auf Sturm. Eine heftige Währungskrise beutelt nicht nur das Hotel. Deutschland leidet unter den Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg und Parteien der Rechten sind auf dem Vormarsch. Leider kann auch Bruder Paul sich nicht dagegen wehren. In „Palais Heiligendamm – Stürmische Zeiten“ schreibt die Autorin, wie es den Menschen mit den Wunden des Ersten Weltkriegs ging. Die waren entweder körperlich, also für jedermann sichtbar, oder psychisch. Die seelischen Schäden wurden damals noch nicht als Krankheit gesehen. Die Versorgung mit Therapien gab es nicht in dem Maße, wie heute. Viele Menschen waren arbeitslos und der Verfall der Währung konnte nicht aufgehalten werden. Ist es da verwunderlich, dass es geradezu ein vorbereiteter Boden für die Ansichten der Nationalsozialisten war? Deutlich wird in diesem Buch auch, dass der Kampf gegen Juden und Kommunisten von vielen mitgetragen wurde. Die Angst vor dem Konzentrationslager oder schmerzenden Repressalien verleitete dann auch zur Denunziation von Nachbarn oder sogar Freunden. In diesem zweiten Band werden auch die Ereignisse des ersten Buches immer wieder erwähnt. Und zwar immer dann, wenn es für den weiteren Verlauf des Geschehens wichtig ist. Aber ich empfehle trotzdem, dass Sie das erste Buch über das Palais Heiligendamm vorher lesen sollten. Es lohnt sich auf jeden Fall. Die Sprache ist lebendig und die Recherche umfangreich. Ich empfand es als sehr angenehm, dass die Autorin ihre eigene Meinung nicht äußerste. So konnte ich mir als Leser ohne Beeinflussung ein Bild der Jahre rund um die „Weimarer Republik“ und das Erstarken Hitlers machen.
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