London 1754: Die junge Bess Bright, die in bitterer Armut, im Schlamm und Dreck des Londoner Hafens aufgewachsen ist, findet sich von einem Moment zum anderen in einem Alptraum wieder. Vor sechs Jahren musste sie ihre gerade zur Welt gekommene Tochter Clara ins Waisenhaus geben, außerstande, sie zu ernähren. Jetzt, da sie Clara endlich zu sich holen kann, sagt man Bess, dass ihre Tochter schon längst abgeholt wurde. Aber von wem? Im Kampf um Clara muss Bess die gesellschaftlichen Schranken ihrer Zeit überwinden ... um durch Stärke und Liebe schließlich zu sich selbst zu finden.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
aus Altdorf
5/5
14.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine unglaublich berührende und spannende Geschichte
Hier habe ich mich sofort in das wunderschöne Cover verliebt und habe mich sehr gefreut, dass mich auch die Geschichte sehr begeistern konnte.
Das Buch ist in vier Abschnitte aufgeteilt und wird abwechselnd zwischen Bess und Alexandra erzählt.
Ich konnte mich in beide Protagonistinnen hineinversetzen und hatte großes Mitleid mit ihnen.
Wie schwer musste es für Bess gewesen sein, ihr Kind gleich nach der Geburt wegzugeben, jahrelang zu sparen um sein Kind wieder zurückzuholen, nur um dann erfahren zu müssen, dass es längst von einer anderen Mutter abgeholt wurde.
Auch Alexandra tat mir sehr leid, die in ihren Zwangsvorstellungen gefangen ist und nicht aus ihrer Haut kann.
Voller Spannung habe ich das Leben der beiden verfolgt und mitgebangt ob Bess ihre Tochter wieder ausfindig machen kann.
Die Grundstimmung im Buch ist eher düster, zwischendrin aber voller Hoffnung.
Die Autorin beschreibt die damalige Zeit sehr authentisch und hat auch wunderbare Nebencharaktere erschaffen, die die Geschichte sehr aufwerten.
Fazit: Eine unglaublich berührende und spannende Geschichte, ganz nach dem Motto "Immer wenn Du meinst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her".
Für dieses ganz besondere Leseerlebnis vergebe ich sehr gerne 5/5 Sterne und eine große Leseempfehlung.
https://lieslos.blog/
5/5
17.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unterhaltsamer historischer Roman in schöner Sprache.
Mit Aufklappen des Buches wird der Leser in eine sehr bewegende Szene im Jahr 1747 hineingeworfen:
Die 18-jährige Bess bringt ihr Neugeborenes Ende November ins Londoner Findelhaus „Foundling Hospital“ (das es tatsächlich gab!) und hofft, dass es dort aufgenommen wird. Sicher ist das keineswegs, denn es gibt nicht Platz für alle Babies und wenn die nicht kerngesund sind, dürfen sie ohnehin nicht bleiben.
Bess hat Glück. Sie ergattert einen Platz für ihre Clara, die sie eigentlich am liebsten behalten würde, aber ihre Armut macht es schlicht unmöglich.
Stattdessen schwört Bess sich, dass sie ihr Mädchen eines Tages wieder abholen wird.
Bess lebt mit ihrem um drei Jahre älteren Bruder Ned, einem Straßenkehrer und mit ihrem Vater Abe, einem Krabbenhändler, in einer kärglichen Behausung.
Ihre Mutter verstarb, als sie 8 Jahre alt war.
Bess hilft ihrem Vater dabei, die Meeresfrüchte auf dem Londoner Fischmarkt und in der Stadt zu verkaufen. Sie ist das „Krabbenmädchen“.
Der Leser bekommt auf den nächsten Seiten einen wunderbaren Einblick in den Alltag der Protagonistin. Er spürt die Kälte über der Stadt, riecht denn Gestank auf dem Fischmarkt, hört die Marktschreier, sieht die Kutschen auf den matschigen oder steinigen Straßen vor seinem geistigen Auge und kann sich die jämmerliche Behausung vorstellen, in der Bess mit Vater und Bruder lebt.
Nach den ersten beiden Kapiteln, in denen man bereits durch die Eindrücklichkeit und Intensität der Beschreibungen gefesselt wird, machen wir einen Zeitsprung ins Jahr 1754.
Endlich ist es soweit:
Bess meint, genug gespart zu haben, um ihre Tochter Clara aus dem Findelhaus abzuholen und Platz gibt es in ihrer bescheidenen Unterkunft jetzt auch, weil ihr Bruder ausgezogen ist.
Bess ist voller Vorfreude, aber auch voller Angst.
Was, wenn Clara nicht mehr am Leben ist?
Ihre Freundin Keziah beruhigt sie: „Bess, sie wird dort sein, und du wirst wieder eine Mutter sein. Du hast so lange darauf gewartet, und sie ist jetzt außer Gefahr. Sie ist kein Baby mehr; sie ist bereit, nach Hause zu kommen, mit dir zu arbeiten und von Dir geliebt zu werden. Alles, was sie braucht, ist hier.“ (S. 48)
Im Findelhaus angekommen, erhält Bess eine schockierende Nachricht: „Das Kind mit der Nummer 627 wurde bereits vor vielen Jahren von seiner Mutter abgeholt.“ (S. 61)
Clara wurde anscheinend einen Tag nachdem sie damals abgegeben wurde, von einer Frau abgeholt, die sich als Bess ausgegeben hat… was für ein Schock!
In Rückblicken erfahren wir vom bereits verstorbenen Kindsvater Daniel, einem Walknochenhändler, in den sich das „Krabbenmädchen“ Bess unsterblich verliebt hatte.
Wir erleben mit, wie Bess sich als Eliza mit Hilfe von Dr. Mead, dem freundlichen Arzt des Findelhauses, auf die Suche nach ihrer Tochter macht und Erstaunliches entdeckt…
Nachdem wir im ersten Teil von Bess und ihrer Geschichte gelesen haben, lernen wir im zweiten Teil Alexandra kennen, die Frau, die sich als Mutter von Clara, inzwischen Charlotte genannt, bezeichnet.
Ich werde nun nichts mehr über den Inhalt verraten, um niemandem den Lesespaß zu verderben.
Nur so viel:
Wir tauchen in eine überraschende, originelle, packende, berührende und stimmige Geschichte ein, die nie kitschig, aber letztlich doch was fürs Herz ist.
Die bildliche und schöne Sprache hat neben der packenden Handlung die Lesefreude erhöht.
Einige Beispiele möchte ich erwähnen:
„Dann waren da noch die Ehefrauen mit ihren fleischigen roten Händen und ausladenden Brüsten, mit denen sie wie ein Schiffsbug durch das Gedränge pflügten und daher wie Möwen kreischten.“ (S. 36f.)
„Meine Welt war auf die Größe einer Nuss geschrumpft. Und dann kam Daniel … und knackte ihre Schale.“ (S. 168)
Ich habe den Eindruck, dass Stacey Halls gut recherchiert hat.
Sie hat eine glaubhafte Geschichte erfunden, die wunderbare Einblicke in die harten Lebensbedingungen, die verheerende Zustände der armen Leute der damaligen Zeit und die Unterschiede zwischen den Gesellschaftsschichten gibt.
„Die Verlorenen“ ist der 2. Roman von Stacey Halls.
Ihr Debüt „The familiars“ erschien im Herbst 2019 im englischen Original. Die Autorin gewann damit den Betty Trask Award.
Anfang nächsten Jahres wird dieses Buch als „Die Vertraute“ bei Piper in deutscher Sprache erscheinen.
Darauf freue ich mich schon sehr!
Bewertung
5/5
04.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Schicksal zweier Frauen
Bess, eine junge Dame, wird von einem jungen Mann verführt und wird überraschend schwanger. Am Tag der Geburt muss sie ihre Tochter jedoch schon im Findelhaus abgeben, da sie selbst sich nicht um das Kind kümmern kann. Doch als sie nach sechs Jahren ihre Tochter wiederholen möchte, ist sie weg.
Ich finde die Geschichte von Bess und Clara sehr rührend. Da alles im 18. Jahrhundert stattfindet, stellt es ein ganz anderes Leben da, als es heute ist. Mir gefällt der Schreibstil sehr gut, weil alles genau geschildert wird und man es verstehen kann, obwohl es in einem anderen Jahrhundert spielt. Die Macht der Worte wurde so gebraucht, dass man jeden Satz fühlen kann und jeden Menschen mit seinem Handeln versteht: Warum lebt Mrs Callard unter diesen Umständen? Warum hat sie Clara (Charlotte) einfach als ihre Mutter aufgenommen und Bess so ihr Baby weggenommen? Warum hat Bess ihre Tochter überhaupt abgegeben? Das alles kann man fühlen und verstehen.
Das Schicksal der zwei Frauen und des Mädchens verläuft nicht einfach, aber nimmt ein gutes Ende.
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5/5
10.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegende Geschichte
Der Einstieg startet ziemlich emotional.Vor sechs Jahren, brachte die unverheiratete Elizabeth Bright ein kleines Mädchen zur Welt.
Im Foundling Waisenhaus musste , Bess ihr Baby zurück lassen.Dort werden Babys aufgenommen und versorgt. Aber nicht jedes Baby ,hat das Glück dort zu überleben.Es scheint mehr ein Glückspiel des Überlebens zu sein , wie eine Lotterie.
Eine weiße Kugel bedeutete, dass das Kind aufgenommen, eine schwarze, dass es abgewiesen wurde.Doch als Bess,ihre Tochter nach sechs Jahren abholen möchte,da sie erst dann über die finanziellen Mittel verfügt, die dort für die Unterbringung gezahlt werden müssen , ist ihr Kind ,längst abgeholt worden.Von wem?
Ich mochte die junge Bess von Anfang an. Ich habe ihre Verzweiflung gespürt. Aber auch die Person Alexandra, fand ich sehr interessant.Die Autorin konnte mir die damalige Zeit, das Leben der armen und reichen bildhaft präsentieren.
Eine tolle Handlung mit ungeahnten Wendungen im 18 Jahrhundert!!
MarGen
5/5
28.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Stimmungsvoll und packend
London, 1754: Vor sechs Jahren musste Bess Bright ihre Tochter Clara am Tag ihrer Geburt ins Waisenhaus, das Foundling Hospital, geben, zu arm, ein Kind zu ernähren. Nun will sie Clara endlich abholen und bei sich leben lassen. Doch im Waisenhaus sagt man ihr, das Mädchen sei schon längst abgeholt worden. Doch von wem? Und wo ist Clara heute?
Von Beginn an habe ich mich in „Die Verlorenen“ verliebt. Angefangen beim wunderschönen Cover, über den lesenswerten und angenehmen Schreibstil bis hin zu der wirklich tollen und stimmungsvollen Geschichte.
Stacey Halls gelingt es, eine ganz spezielle Stimmung zu erzeugen, in die ich regelrecht eingetaucht bin. Auf der einen Seite die absolute Armut, in der Bess lebt, die Kälte, der Dreck, die harte Arbeit als Krabbenverkäuferin.
Auf der anderen Seite die feinen Herrschaften der oberen Gesellschaftsschicht, für die die „Lotterie“ um die Waisenkinder ein guter Anlass ist, Champagner zu schlürfen und Häppchen zu essen. Größer könnte der Kontrast kaum sein.
Bess war mir ausgesprochen sympathisch. Beeindruckend, wie sie allen Widrigkeiten trotzt und wie eine Löwin um ihre Tochter kämpft. Und über alldem entspinnt sich eine wirklich spannende und fesselnde Geschichte, die mich richtig in ihren Bann gezogen hat.
Einzig das Ende war mir persönlich etwas weichgespült und auch ein wenig unglaubwürdig. Ein paar Fäden bzw. Handlungsstränge hätten für meinen Geschmack durchaus offen bleiben dürfen.
Trotzdem überwog das positive Gesamtbild bei weitem, so dass ich „Die Verlorenen“ auf jeden Fall gerne weiterempfehlen werde. Es hat mir ein paar tolle Lesestunden beschert!
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5/5
15.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein wunderbarer historischer Roman,...
Ein wunderbarer historischer Roman, der mich ins London des Jahres 1754 entführt hat. Sehr authentisch wird die damalige Zeit und ihre Zustände beschrieben, Bess' Schicksal und ihre Stärke waren sehr berührend. Lesenswert!
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