Die göttinliche Ordnung, nach der nur Frauen Magie besitzen und über die schwächeren Männer gebieten, droht, ins Wanken zu geraten: Es ist den Rebellen gelungen, einem Jungen Magie zu verschaffen.
Berauscht von seiner neuen Macht fiebert Kolja nun einem Kampf entgegen, der alles verändern könnte. Einem Kampf, den seine Mutter Helena um jeden Preis verhindern will. Denn, obwohl sie von der Goldenen Frau, der mächtigsten Frau des Reiches, verstoßen und ihrer Magie beraubt wurde, glaubt Helena noch immer an das Vorrecht der Frauen.
Und während Rebellenanführer Adrian versucht, eine friedliche Lösung für ein gleichwertiges Zusammenleben der Geschlechter zu finden, schmiedet Helena einen eigenen Plan.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
annlu
5/5
24.11.2020
eBook (ePUB)
hier steckt so viel mehr dahinter - schon allein wegen der Betrachtungen zu den Geschlechterrollen lohnt sich die Lektüre
Frauen besitzen Magie, Männer nicht. Das macht die Frauen zum starken Geschlecht und zu den Bestimmerinnen nicht nur an der Spitze des Reichs, sondern auch im eigenen Haushalt. Eine Gruppe von Rebellinnen (nicht nur Frauen!) hat sich zum Ziel gesetzt, die Gleichberechtigung von allen einzufordern. Unter ihnen findet sich auch Helena mit ihrem Sohn Kolja wieder. Plötzlich kämpft sie für eine Sache, von der sie nicht überzeugt ist und der sie eigentlich widerspricht.
Nachdem der letzte Band von Kolja bestritten wurde übernimmt hier wieder seine Mutter Helena. Von der Goldenen bestraft wurde sie ihrer Magie beraubt und schon in jungen Jahren zur Großmutter gemacht. Damit gehört sie nun der Gruppe Menschen an, die keine Magie wirken können (Männer, Fräuleins, Großmütter und Frauen, die sich nicht haben erwecken lassen). Das könnte ein Grund für sie sein, für die Sache der Rebellinnen zu stehen. Allerdings ist dem nicht so. Widerwillig steht sie dem Gedankengut gegenüber für das die Rebellinnen stehen. Da sie selbst es ist, die die Geschichte erzählt, bekommt die Leserin einen direkten Einblick in ihr Hadern und ihre Zweifel. Als Kämpferin will sie etwas tun, ist leicht aufbrausend und hat so gar nichts für die geplanten Friedensverhandlungen übrig. Dabei kommt es zu Fluchtiraden, Selbstmitleid und Langeweile. Das könnte abschreckend wirken, bekommt die Leserin ja alles hautnah mit. Es passt aber sosehr zu ihrem Charakter, dass ich auch ihre dunkelsten Momente gerne gelesen habe.
Dadurch, dass Helena eigentlich nicht an die Sache der Rebellinnen glaubt, bekommt man als Leser auch einen Blick auf die Einstellungen, die im Reich herrschen. Es klingt witzig, wenn sie die Männer als das schwache Geschlecht herabstuft und ihnen vieles nicht zutraut (z.B. das Reiten auf Pferden – viel zu schwache sind ihre Knochen, da haben sie es in der Kutsche doch feiner).
Besonders ist und bleibt der Schreibstil der Geschichte. Alleine dafür sollte man sie (oder die Reihe) gelesen haben. Konsequent wird die weibliche Form durchgezogen. So sind nicht nur mit Rebellinnen alle – auch Männer – gemeint und immer wieder wird von „eine jede“ gesprochen. Auch bei Detailbezeichnungen und Begriffen wird die weibliche Form verwendet. War ich es noch gewohnt von der Göttin oder der Mondin zu lesen (das kennt man vielleicht aus anderen Büchern), so bin ich über andere Wörter gestolpert. Fachfraulich oder „Oh Frauo“ liest man doch nicht so oft. Dabei wurde mir erst einmal richtig bewusst, wie viele männliche Begriffe für alle stehen.
Ein sehr ernstes Thema birgt die angesprochene häusliche Gewalt, die von Frauen an den eigenen Ehemännern ausgeübt wird. Von psychischer Unterdrückung bis zu Verstümmelungen als Schönheitssymbol wird durch die Umkehrung der Geschlechter unserer Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten. Dadurch, dass es hier die Männer sind, denen dies widerfährt, wird häusliche Gewalt gegen jegliches Geschlecht angeprangert.
Die Handlung der Geschichte verläuft nicht immer actionreich. Immer wieder geht es Helena zu langsam, muss sie auf andere Rücksicht nehmen. Auch verläuft hier nicht nur das Geschlechterverhältnis in anderen Bahnen. Auch Helena ist nicht die typische Heldin und Rebellinnenkämpferin. Weder Friedensverhandlungen noch Kampf und Krieg werden hier in typischen Bahnen erzählt. Gerade das ist es aber, was mir an der Geschichte/Reihe so gut gefällt.
Fazit: Eine Rebellin, die keine sein will; ein Kampf, der keiner ist und eine Gesellschaft im Umbruch – dazu kommen die vielen wichtigen Aussagen, die hier zum Geschlechterverhältnis gemacht werden. In dem Buch/der Reihe passiert auf den ersten Blick nicht so viel – es steckt aber viel dahinter.
Bewertung
aus Warstein
5/5
06.11.2020
eBook (PDF)
Da muss Magie im Spiel sein, dass mich dieses Buch so gefesselt hat
Es ist ja bereits der dritte Hexenherzband und theoretisch könnte man sie unabhängig von einander lesen, aber praktisch ist es schöner sie in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Dann kennt man nämlich die Hexenherzwelt, die Protagonisten und die ganzen Ereignisse die vorher passiert sind schon.
Ich bin ja ein echter Fan von diesen Büchern, dementsprechend waren meine Erwartungen sehr hoch. Oft ist es ja so dass je mehr Bände erscheinen, desto flacher wird die Handlung.
Nicht so bei Hexenherz, auch dieses Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen, mich gefesselt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Da war bestimmt Magie im Spiel.
Wieder war der Schreibstil etwas ganz besonderes. Diesmal stand erneut Helena im Vordergrund, aus ihrer Sicht wurde die Geschichte als Ich-Erzählung geschrieben, so konnte ich mich in ihre Gedanken,Gefühle und Handlungen perfekt einfühlen.
Ja und dann ist da diese besondere Wortwahl, die die Hexenherzbücher so auszeichnet. Es ist ja eine von Frauen bestimmte Welt, deshalb werden männliche Wörter auch konsequent durch weibliche ersetzt. Und das sind eine Menge, da wird nicht man gesagt, sondern frau, nicht Mond sondern Mondin, nicht Schuft sondern Schuftin , usw. manchmal ist es einem gar nicht bewusst, wie viele Worte in unserer Sprache männlich sind, dann liest man einen Satz, stutzt und dann erkennt man das es eben wieder ein ausgetauschtes Wort ist. Ich bewundere die Autorin wirklich wie sie das durchzieht.
Ja und dann die Protagonisten, allen voran Helena, sie hat ja viel mitgemacht und ist jetzt schließlich bei den Rebellen, aber nicht unbedingt aus Überzeugung, denn eigentlich glaubt sie an die Weltordnung so wie sie jetzt ist, auch wenn sie nicht alles richtig findet, so ist es doch im großen und ganzen für sie vollkommen in Ordnung. Aber da ist ihr Sohn und da der sich den Rebellen anschließt begleitet sie ihn und da Helena keine halben Sachen macht unterstützt sie natürlich die Sache der Rebellen auch.
Oh ja Helena ist klasse, eine starke Frau, schon ziemlich von sich überzeugt, sie will perfekt sein, alles alleine schaffen, doch wenn es nicht klappt, ist sie schrecklich von sich enttäuscht. Es ist toll wenn man ihren inneren Zwiespalt sieht. Ihren Sohn liebt sie bedingungslos, sie würde alles für ihn tun. Helena hat einen ganz speziellen Humor, den sie auch immer wieder zeigt.
Aber Helena ist nicht die einzige tolle Protagonistin, nein in diesem Buch sind eigentlich alle mitwirkenden toll beschrieben, egal ob die sympathischen oder die diejenigen die man unsympathisch findet.
Dann die Magie, wie erfinderisch die Autorin da ist und wie detailliert sie die Arten und ihre Anwendung beschreibt. Einfach perfekt.
Und dann wie sie gewisse Missstände in der Gesellschaft aufzeigt, Dinge die bei uns Frauen erleiden, im Buch natürlich Männer, nicht eins zu eins übernommen, aber so dass man erkennt worum es geht.
Die Handlungsorte sind auch super detailliert beschrieben, es wirkt so authentisch so lebensecht, als wäre man vor Ort.
Hier passt alles, es ist spannend,es gibt die ganze Palette der Gefühle, man leidet mit, man hofft mit, man lacht und weint mit, einfach nur toll.
Auch der Schluss hat mich überzeugt, die Autorin ist nicht der Typ von süßen Happy Ends, aber es passt so wie es ist und es gibt genug Raum um weitere Geschichten zu schreiben. Ich hoffe sehr das mit diesem Teil nicht alles zu Ende ist, denn diese Welt ist zu hundertprozentig meine. Ich liebe dieses Buch und natürlich die ganze Reihe.
Mein Fazit: Müsste ich mich entscheiden welches Buch mein bisheriges Jahreshighlight ist, dann würde dieses ganz oben mit auf der Liste stehen. Ich bin total begeistert, die Protagonisten sind einfach toll, die Magie sehr interessant, der Schreibstil sowieso, es ist spannend, nicht vorhersehbar, hier passt wirklich alles zusammen. Ich kann es nur empfehlen. Wenn ich sechs Sterne geben könnte würde ich sieben geben. Und ich hoffe wirklich sehr, dass es weitere Bücher aus der Hexenherzwelt geben wird.
Bewertung
aus Uslar
4/5
21.01.2021
eBook (PDF)
Frauen regieren die Welt
Da es sich um Band drei handelt, besteht die Gefahr auf Spoiler.
Rollentausch und Einblicke in eine Welt, in der Frauen regieren und Männer das schwache Geschlecht sind. Doch die Rebellen mit Anführer Adrian wollen das ändern.
Helena selbst ist da eher zwiegespaltener Meinung, denn eigentlich finde sie das Leben so wie es ist, genau richtig. Doch ausgerechnet ihr Sohn Kolja hat sich den Rebellen angeschlossen und somit hat sie sich, trotz aller Zweifel, ebenfalls angeschlossen. Kann man für etwas kämpfen, wo man nicht wirklich hinter steht?
Es beginnt ein Kampf um Gleichberechtigung und Gleichstellung zwischen den Geschlechtern.
Meine Meinung:
Den dritten Band kann man an sich ohne Verständnisprobleme lesen, ohne die vorherigen Bände zu kennen, da Monika Loerchner immer wieder mit Rückblicken das Geschehen verständlich macht. Dennoch würde ich empfehlen der Reihe nach zu lesen. Ich persönlich hatte einfach das Gefühl, dass mir bei den Charakteren „etwas fehlt“, dass ich ihre Handlungen und Gedanken noch besser verstehen und nachempfinden könnte.
Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Dieser packt den Leser und zieht ihn in eine andere Welt. Die Story lässt sich daher ganz wunderbar lesen und mit ihrer Vielfältigkeit macht es enorm viel Spaß.
Anfangs war es etwas ungewohnt, dass Monika Loerchner wirklich alles in weiblicher Form beschreibt, wie zum Beispiel Mondin, oh meine Göttin, usw. Aber daran gewöhnt man sich schnell. Gleichzeitig hat es mich direkt zum Nachdenken angeregt wie selbstverständlich es doch ist, dass so vieles eine männliche Form besitzt. Das wird einem hier so richtig bewusst.
Die Autorin zeigt eine Welt auf, in der die Frauen das sagen und die Männer nichts zu melden haben. Hier ist es selbstverständlich, dass der Mann an den Herd gehört, sich um die Kinder kümmert, aber auch, dass die Männer unterdrückt werden und häusliche Gewalt erfahren müssen.
Die Protagonistin Helena ist ein extrem spannender Charakter, denn sie ist alles andere als 08/15. Sie trieft geradezu vor Sarkasmus und neigt hin und wieder zu Wutanfällen. Einerseits ist sie vom System überzeugt, andererseits kommt sie, besonders durch Kolja, doch immer wieder ins Grübeln. Ich kann bis jetzt nicht wirklich sagen, ob ich Helena mag oder nicht. So richtig ans Herz wachsen konnte sie mir nicht, aber sie ist definitiv sehr interessant und einen besonderen Reiz.
Im Gegensatz zu Kolja, der mit zu meinen Lieblingen der Geschichte gehört.
Jeder hat seinen ganz eigenen Charakter und ist individuell gestaltet, was mir besonders gut gefallen hat.
Wenn man das Ende der Geschichte betrachtet, muss es noch nicht das Ende gewesen sein. Lassen wir uns überraschen.
Fazit:
Ein faszinierendes Buch mit einer Gesellschaft, wo Frauen an der Macht sind. Ob das die bessere Alternative wäre? Nicht umsonst gibt es die Rebellen, die um Gleichberechtigung kämpfen. Spannend, ruhig, atmosphärisch, humorvoll und mit einer sehr eigenen Protagonistin, die der Geschichte Leben einhaucht. Sehr empfehlenswert.
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