Ein heißer Sommer in den Achtzigern. Konrad verbringt die großen Ferien zusammen mit seinem geistig leicht zurückgebliebenen Freund Holger im Freibad. Hier begegnen sie Anja, die ganz anders ist als andere Mädchen. Sie ist zuhause abgehauen, schläft in einem Versteck im Park. Konrad bringt ihr Essen, hilft ihr, gemeinsam unternehmen sie Ausflüge. Als Konrad begreift, wie eigensinnig und gefährlich Anja wirklich lebt, ist er längst in sie verliebt. Aber warum ist Anja von ihrer Familie weg? Stückweise gibt sie ihre Geschichte preis. Doch von ihr selbst darf niemand erfahren, Konrad muss immer mehr lügen, kümmert sich kaum mehr um Holger. Und er muss sich fragen, wohin er selbst eigentlich gehört.
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Wie aus dem Leben gegriffen...
Lia48 am 07.05.2020
Bewertungsnummer: 1325702
Bewertet: eBook (ePUB 3)
INHALT:
Kinder machen sich häufig lustig über Holger, welcher eine leichte geistige Behinderung hat.
Den jüngeren Konrad beschleicht irgendwann das schlechte Gewissen. „Wir lachten alle und gruselten uns. Gleichzeitig war mir unwohl. Was wir taten, war nicht so richtig gut, das wusste ich.“
Schließlich freundet „Konni“ sich mit Holger an und die beiden verbringen den Sommer gemeinsam im Freibad Floriansmühle. Gemeinsam spielen sie Verstecken und sammeln Pfandflaschen ein.
Eines Tages treffen sie am Ufer des Eisbachs auf ein Mädchen mit einem toten Specht in der Hand. Anja. Ein geheimnisvolles Mädchen, welches anders ist als die anderen, findet Konrad. Denn eigentlich dürfte Anja gar nicht hier sein...
Die drei werden Freunde. Konrad kümmert sich um Anja, bis seine Gefühle schließlich komplett durcheinandergewirbelt werden, wodurch auch ihre Freundschaft ins Wanken gerät...
MEINUNG:
Steffen Schroeder war mir bisher nur als Schauspieler bekannt. Aber nachdem ich dieses Buch gelesen habe, kann ich euch sagen: Er kann auch noch schreiben, und wie!
In seinem Roman geht es viel um Freundschaft, um das Leben als Heranwachsender und um die erste Liebe zu einem geheimnisvollen Mädchen.
All das schildert der Autor so authentisch, als hätte er jede Sequenz genau so selbst erlebt und würde auf frühere Erlebnisse zurückblicken. Das hat mich wirklich begeistert, denn (laut diversen Interviews) ist die Geschichte fiktiv! Doch der Schreibstil ist sehr bildlich und die Beobachtungen und Dialoge wirken so natürlich, wie aus dem Leben gegriffen. Dazu kommen zahlreiche Passagen die mal urkomisch, nachdenklich, oder sehr emotional geschildert sind. Zugleich machen wunderbare Wortneuschöpfungen wie „Donnerarm“ sowie einige beinahe poetisch wirkende Sätze das Buch so besonders.
Die Charaktere wirken ausgesprochen lebendig und vor allem die Freundschaft zwischen Konrad und Holger fand ich herzallerliebst dargestellt.
Mit Konrad und Holger konnte ich sehr mitfühlen. So ließen die Kinder Holger z.B. Regenwürmer essen und aus Pfützen trinken – da hätte ich am liebsten selbst eingegriffen. Oder wenn Holger Angst bekam hätte ich gerne beruhigend auf ihn eingewirkt. Und auch Konrad, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, hat mir eine ganze Achterbahn an Gefühlen präsentiert und ich habe mich mit ihm gefreut, an seiner Seite gekämpft, aber auch mit ihm gelitten.
Den Spannungsboden der Geschichte könnte sich der ein oder anderen Leser vielleicht noch etwas ausgeprägter wünschen. Doch das Buch lebt von vielen kleineren und größeren Momentaufnahmen die harmonisch zusammengeführt werden und meiner Meinung nach eine rundum gelungene Geschichte ergeben, die es sich zu lesen lohnt.
Ich schwelge noch ein bisschen in deren Erinnerung und hoffe sehr, dass dies nicht das letzte Buch von Steffen Schroeder war.
FAZIT: Ein wirklich tolles, emotionales Buch, authentisch geschrieben, wie aus dem Leben gegriffen! Von mir eine klare Leseempfehlung und ganze 5/5 Sterne!
Eine Geschichte mitten aus dem Leben
Aileen aus München am 16.04.2020
Bewertungsnummer: 1316805
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Handlung
Konrad ist ein ganz normaler Junge, der in den 80er Jahren im Norden Münchens aufwächst. Zusammen mit seinem geistig behinderten Freund Holger geht er regelmäßig schwimmen in der Floriansmühle und spielt verstecken. Doch plötzlich sind sie nicht mehr alleine in ihrem neusten Versteck, denn nur wenige Meter entfernt steht Anja mit einem toten Specht in der Hand. Sie ist anders als andere Mädchen, das merkt Konrad gleich. Da sie abgehauen ist und das niemand mitkriegen darf, verbringt sie von nun an Tag und Nacht in Konrads und Holgers Versteck; komplett auf sich allein gestellt. Konrad kümmert sich um sie, so sehr er kann und Anja ist von nun an immer mit dabei. Dabei werden nicht nur seine Gefühle durcheinandergebracht, sondern auch die freundschaftlichen Verhältnisse der drei Protagonisten. „Mein Sommer mit Anja“ erzählt von Freundschaft und der Frage, was im Leben wirklich zählt.
Meine Meinung
Dieser Roman ist anders als alle anderen Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Die Geschichte wirkt wie zufällig aus dem Leben gerissen – ehrlich, bodenständig und nachvollziehbar. Man könnte meinen, dass es Konrad, Holger und Anja wirklich gegeben hat; dass sie tatsächlich in den 80er Jahren im Freibad „Floriansmühle“ schwimmen gegangen sind und verstecken gespielt haben. Nichts der Geschichte hat künstlich gewirkt.
„Mein Sommer mit Anja“ ist aus der Sicht von Konrad geschrieben. Ich habe es leider nicht geschafft, eine besondere Bindung zu ihm aufzubauen, denn dafür war mir Konrad nicht emotional genug. Er beschreibt zwar, was passiert und denkt darüber auch teilweise über die anderen Figuren nach, doch nie in der Tiefe. Gefühle wie Sorge, Trauer und Freude müssen beim Leser entstehen und das hat auch gut funktioniert. Ich glaube, dass es so beabsichtigt war; dass sich jeder sein eigenes Bild machen soll. Ich hätte dennoch gerne mehr darüber erfahren, was in Anja vorgeht. Obwohl sie die wahrscheinlich stärkste Person im ganzen Roman war, ist deutlich geworden, dass ihre Gefühle unter der Oberfläche nur so gebrodelt haben.
Die Schauplätze haben mir sehr gut gefallen. Auch ich war als Kind nahezu täglich im Freibad zu finden, habe verstecken gespielt und war genau wie die drei Hauptfiguren aus „Mein Sommer mit Anja“ viel in der Natur unterwegs. Die Unbeschwertheit, wohl behütet zu sein und dennoch auf eine Gewisse Art und Weise tun und lassen zu können, was man will, hat mich an meine eigene Kindheit erinnert. Gerade deswegen konnte ich mich immer wieder gut in die Lage der Drei versetzen.
Die Stimmung in dem Freibad ist in „Mein Sommer mit Anja“ toll rübergekommen. Ich konnte die Menschenmengen förmlich herumspringen und das Wasser plätschern hören.
Die „Floriansmühle“ gab es übrigens wirklich. Genau wie im Buch wurde das Freibad vom Fluss gespeist und war somit chlorfrei. Inzwischen ist es leider geschlossen und die Natur hat sich einen großen Teil davon zurückgeholt. Obwohl die Gründe dafür sehr nachvollziehbar klingen, ist es schade, dass es das Bad nicht mehr gibt. In so ein Naturschwimmbad wäre ich gerne mal gegangen; zumal ich sogar mit dem Fahrrad hinfahren könnte. Vielleicht fahre ich trotzdem mal vorbei und schaue, ob man von außen noch die Becken erkennt. Das Buch hat mich neugierig gemacht!
Das Cover
Ich finde, dass das Cover sehr gut zum Buch passt. Tatsächlich spielt ein bedeutsamer Teil des Romans im Freibad und auch die verschwommenen Linien sind eine gute Metapher für viele Aspekte der Geschichte.
Außerdem ist es so zurückhaltend, wie die Handlung auch; eine Zeitaufnahme mitten im Leben.
Fazit
Mir hat das Buch zugesagt, weil es so anders und bodenständig war. Es hält, was der Klappentext verspricht und hat mich darüber hinaus mehrfach in meine eigene Kindheit zurückversetzt.
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