Ein oft übersehener Krieg, welcher die Vernichtung und Schrecken vorwegnahm, die Mitteleuropa noch heimsuchen sollten: der Deutsch-Französische Krieg Am 19. Juli 2020 jährt sich der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges zum 150. Mal. Obwohl dieser der erste moderne Krieg zwischen zwei hochindustrialisierten Nationen war, ist er in der heutigen Öffentlichkeit zu Unrecht nahezu vergessen. Nicht nur, dass dieser Krieg die europäische Landkarte nachhaltig veränderte, er war auch die Blaupause für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts. In einigen Belangen übertraf er sogar den Ersten Weltkrieg: Die Zahl der Gefangenen bei Sedan und Metz wurde erst wieder im Jahr 1941 an der Ostfront übertroffen. Mit Paris wurde das erste Mal in der Geschichte überhaupt eine Millionenstadt vollständig eingeschlossen. Dass die Nachkriegsgenerationen besser daran getan hätten, aus dem Deutsch-Französischen Krieg zu lernen, stellt der Autor in seinem Buch plausibel dar. Er zitiert bisher kaum beachtete Quellen und Briefe von Soldaten und zeigt in dieser Weise eindrucksvoll das Menschliche und Unmenschliche dieses ersten modernen Krieges Europas.
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geniales Werk!!
Bewertung aus Stuttgart am 03.03.2021
Bewertungsnummer: 1459755
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
schön recherchiert mit chronologischem Aufbau. Das Zeitgefühl und verschiedene Umstände sind fundiert erklärt, dabei neutral und ohne zu hetzen. Mein bester Erwerb seit langem!!!!
Die Deutsch-Französische…
ws aus Markdorf am 05.07.2020
Bewertungsnummer: 2730310
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Deutsch-Französische Freundschaft --> kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden!! „Kohl, Mitterrand und ein Foto, das Geschichte machen wird“, titelte am 24.09.1984 die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. So ist es auf der Internetseite der Konrad-Adenauer-Stiftung zu lesen. Wie wahr! Die zwei Staatsmänner Hand in Hand an den Gräbern von Verdun. Verdun, der Ort, an dem sich die Armeen beider Länder vom 21. Februar 1916 bis zum 19. Dezember 1916 einen Stellungskrieg ohne jeden 'Erfolg' für eine der beiden Seiten lieferten. Das einzige Ergebnis war eine geschätzte Zahl von täglich etwa 6.000 Menschen, die sich völlig sinnlos gegenseitig umgebracht haben. Vorläufer, mit ein Grund für die Schrecken und Grausamkeiten sowohl des Ersten als auch dessen Fortsetzung im Zweiten Weltkrieg war der 1870/71 geführte Deutsch-Französische Krieg. Den der Autor in diesem Buch ausführlich genug beschreibt. Mitsamt den Aktionen/Reaktionen von Charles Louis Napoléon Bonaparte, zeitweise als Napoleon III Kaiser der Franzosen, Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen (der "Eiserne Kanzler"), Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen, besser bekannt als Kaiser Wilhelm II. Die Schlachten von Sedan, Orléans, die Aufnahme französischer Truppen als erste breit angelegte humanitäre Aktion der Schweiz, die weltweit erste Umschliessung und Belagerung einer Millionenstadt, nämlich Paris, der Einsatz der immer weiter entwickelten Waffentechnik (Chassepotgewehr, Mitrailleuse, Krupp-Kanonen zum Beispiel) und der daraus folgende technisierte gegenseitige Massenmord - all diese Ereignisse werden von Jochen Oppermann geschildert. Bis hin zu einem der Auslöser des Deutsch-Französischen Krieges, nämlich dem Streit zwischen Frankreich und Preußen wegen der Thronfolge in Spanien, die die Abtretung eines Großteils des Elsasses und Teilen Lothringens durch Frankreich, die zum deutschen Reichsland Elsass-Lothringen wurden. Am Rande spielt auch der Deutsch-Dänische Krieg, geführt von Februar bis Oktober 1864 eine Rolle. Nach der Lektüre der 215 Seiten wird nicht nur die historisch und für die Existenz der Europäischen Union, deren absolute Notwendigkeit, auch durch das Hand-in-Hand Nebeneinanderstehen von Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Staatspräsident Francois Mitterrand in Verdun unmissverständlich klar. Ganz nebenbei wird auch klar, weswegen Straßburg als Sitz zahlreicher europäischer Einrichtungen, unter anderem Europarat, Europaparlament, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Europäischer Bürgerbeauftragter und Eurokorps so bedeutsam ist. Straßburg ist zwar keine Hauptstadt eines Staates. Aber Straßburg versteht sich völlig zu Recht als Hauptstadt Europas.
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