Ein zwölfjähriges Mädchen entdeckt nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste im Foyer des Theaters eine kleine Holztür, öffnet sie und gerät wie Alice im Wunderland in eine Märchenwelt, in der viele Freunde warten: die Prinzessin Li Si, Kater Mikesch, Lukas, der Lokomotivführer und viele andere. Vor allem aber trifft es dort Hatü, die Frau, die einst mit ihrem Vater all diese Marionettenfiguren geschnitzt und gebaut hatte und die eine große Geschichte zu erzählen hat: die Geschichte dieses einmaligen Theaters und der Familie, die es erfunden, gegründet und berühmt gemacht hat. Es ist die Geschichte eines deutschen Kultur-Mythos, die weit zurückreicht in die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs, als Walter Oehmichen, ein Schauspieler des Augsburger Theaters, im Lazarett einen Puppenschnitzer kennenlernt ...
Valery Tscheplanowa studierte Tanz und Puppenspiel, bevor sie zur Schauspielerei fand. Zusammen mit Christian Brückner wird sie die Augsburger Puppenkiste so zauberhaft wie fesselnd zum Leben erwecken.
Nach einer Aufführung in der Augsburger Puppenkiste erkundet ein neugieriges Mädchen das Gebäude, öffnet eine geheime Tür und gelangt so auf den Dachboden, wo die Marionetten aufbewahrt werden. Dort geschieht Magisches. Das Mädchen schrumpft auf Größe der Puppen, diese werden lebendig und unterhalten sich mit ihr. Dann kommt auch noch eine altmodisch gekleidete Dame dazu, die sich als „Hatü“ vorstellt. Es ist Hannelore, die Tochter des Gründers des Puppentheaters und Schnitzerin der meisten Figuren. Sie erzählt von ihrer Familie, von den Anfängen des Theaters, von der Zerstörung im II. Weltkrieg, vom Wiederaufbau und vom endgültigen Erfolg bis hin zu den ersten Aufführungen im Fernsehen …
Thomas Hettche, geb. 1964 in Treis, Ldkr. Gießen, ist ein deutscher Schriftsteller und Essayist. Nach seinem Schulabschluss studierte er von 1984 bis 1991 Germanistik, Filmwissenschaft und Philosophie in Frankfurt/Main und war danach als Dozent, Lehrbeauftragter, künstlerischer Gast und Honorarprofessor an verschiedenen Universitäten. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war er auch journalistisch tätig. Hettche hat zwei Töchter und lebt heute, nach längeren Aufenthalten in Venedig, Krakau, Rom und Los Angeles, als freier Schriftsteller in Berlin und im Vogelsberg.
Wer kennt sie nicht die legendär gewordenen Figuren, Urmel aus dem Eis, Jim Knopf, Kater Mikesch, Lukas der Lokomotivführer oder Kalle Wirsch – Figuren, die die Generation unserer Eltern und auch uns in unserer Kindheit erfreut und begeistert haben? In seinem Roman „Herzfaden“ (2020, Kiepenheuer & Witsch) bietet uns der Autor Thomas Hettche einen liebevollen Blick hinter die Kulissen der Augsburger Puppenkiste mit seinen hölzernen Marionetten und lässt gleichzeitig das Leben von Hannelore Marschall-Oehmichen, genannt „Hatü“, der Tochter des Gründers Walter Oehmichen, Revue passieren. Beide Handlungsstränge lassen sich auch sehr gut getrennt lesen, da sie in unterschiedlichen Farben gedruckt sind, die Geschichte der Familie Oehmichen in Blau und die märchenhaften Erlebnisse des Mädchens auf dem Dachboden in Rot. Beide Teile sind chronologisch aufgebaut und in dem beinahe magisch zu nennenden Schreibstil des Autors sehr gut lesbar. Hettche scheut sich auch nicht, auf Missstände im Dritten Reich, auf Judenverfolgung, traumatisierte Kriegsversehrte, Hunger und Elend in der Nachkriegszeit hinzuweisen, sodass eine lehrreiche, vielschichtige Geschichte von 1939 bis in die 60er-Jahre entstanden ist.
Fazit: Ein Buch, das ich jedem Fan der Augsburger Puppenkiste und seiner Marionetten wärmstens empfehlen möchte!
Bewertung
5/5
04.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mehr als ein Roman
"Herzfaden" ist tiefgründige und tiefgehende Literatur: Thomas Hettche wählt dafür zwei ineinander verwobene Erzählebenen: Die eine ist einer Parabel gleich - die andere zeigt die Entstehungsgeschichte der Augsburger Puppenkiste, die Menschen hinter der Bühne, die Macher des Puppentheaters mit samt ihren Wünschen und Träumen vor dem Hintergrund der erschreckenden und bewegenden Geschehnisse im 20. Jahrhundert. Die Frage sei erlaubt: Hat sich jetzt der Blick auf die Figuren der Augsburger Puppenkiste verändert - auf Hänsel und Gretel, auf den gestiefelten Kater, auf Jim Knopf, auf das Urmel, ... ? Hat nun alles eine neue, andere Bedeutung bekommen?
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
In dieses Buch habe ich mich einfach verliebt. Es sind zwei ganz unterschiedliche Handlungsstränge. Der eine führt uns in die dunkle Zeit der Nazidiktatur, ihrer Traumata und die Sehnsucht nach einer neuen Zeit. Der andere nimmt uns mit auf einen geheimnisvollen Dachboden, wo Marionetten lebendig werden und zu einem Mädchen, das auf eine gefährliche Suche nach einer dämonischen Kasperlfigur geschickt wird. Dies alles verbindet sich zu einer Ode an die Kraft der Fantasie, die zu allen Zeiten das Sehnen der Menschen nach einem besseren Leben und einer besseren Welt wiederspiegelt. Zeitgeschichte und Märchen zugleich - wunderbar!
Bewertung
5/5
23.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Herzfaden" erzählt die Geschichte...
"Herzfaden" erzählt die Geschichte der Augsburger Puppenkiste und die derer Menschen, die fest mit ihr verbunden sind.
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