Prag, Mai 1942: An einem sonnigen Morgen detoniert eine Handgranate neben der Limousine Reinhard Heydrichs. Als der „Henker von Prag“ acht Tage später seinen Verletzungen erliegt, plant das NS-Regime bereits blutige Rache an der tschechischen Bevölkerung. Gestapo-Kommissar Pannwitz wird mit den Ermittlungen zu dem Anschlag betraut. Er kämpft darum, die wahren Täter zu finden, um Tausende Unschuldige vor den barbarischen Vergeltungsmaßnahmen der Nazis zu retten, doch der Fall führt ihn an die Grenzen seiner eigenen Menschlichkeit.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
PMelittaM
aus Köln
5/5
20.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Thema und Protagonist sehr gelungen umgesetzt
Am 27.05.1942 wird in Prag ein Attentat auf Reinhard Heydrich verübt, dem er später erliegt. Heinz Pannwitz wird zum Leiter der Sonderkommission der Gestapo und setzt alles daran, die Täter zu finden, bevor es zu ernsthaften Racheaktionen gegen die tschechische Bevölkerung des Protektorats Böhmen und Mähren kommt.
Ich bin im wesentlichen gut informiert über die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, der Roman nimmt allerdings ein Thema auf, das mir weniger geläufig ist. Die Autorin hat dies interessant aufbereitet, und wie man ihrem Nachwort entnehmen kann, sich größtenteils auch an die Fakten gehalten, ganz ohne Fiktion geht es bei einer Romanerzählung naturgemäß nicht, zumal sie den Protagonisten, Heinz Pannwitz, in Ich-Form erzählen lässt, was mir im übrigen sehr gut gefällt, und was auch wunderbar passt, denn Pannwitz ist zwar angepasst, aber im Inneren noch menschlich.
Meiner Meinung nach sollte man die historischen Hintergründe zumindest etwas kennen, ebenso die einzelnen Nationalsozialisten, die hier genannt werden. Es erleichtert einfach das Verständnis. Ein Personenverzeichnis wäre schön gewesen, mancher hat vielleicht auch Probleme mit den vielen tschechischen Namen, aber wer einigermaßen aufmerksam liest, sollte klar kommen.
Laura Nolls Erzählstil hat mir gut gefallen, er ist sehr bildlich, atmosphärisch und sie spart nicht mit Sarkasmen, die durch das, bereits erwähnte, Erzählen aus Sicht des Protagonisten besonders gut wirken. Einige der Verbrechen, die damals begangen wurden, werden angedeutet, andere explizit erwähnt, wie etwa die Vernichtung des Dorfes Lidice – und zwar sehr eindringlich, auch hier wirkt sich die Erzählperspektive positiv aus. Teilweise kann man im Nachhinein noch froh sein, dass nicht alles umgesetzt wurde, was angedacht war.
Heinz Pannwitz, den es wirklich gab, kommt dem Leser, natürlich auch durch die Erzählperspektive sehr nahe, man erfährt auch einiges über seine persönlichen Hintergründe, er ist ein interessanter, teilweise ambivalenter Charakter und von der Autorin sehr gut ausgearbeitet.
Der Roman ist absolut empfehlenswert und lässt diese dunkle Zeit einmal im Rahmen eines etwas weniger bekannten Settings lebendig werden. Dazu ist er interessant zu lesen, hat seine ganz eigene Spannung und einen interessanten Protagonisten. Ich vergebe sehr gerne volle Punktzahl.
Bewertung
aus Oranienburg
3/5
22.09.2020
Buch (Taschenbuch)
zu viel in die Handlung gepackt
Prag ist 1942 fest in deutscher Hand. Doch der Widerstand der Tschechen ist noch nicht gebrochen. Als der Reichsprotektor Reinhard Heydrich, genannt der Henker von Prag, Opfer eines Bombenanschlags wird, wird Kriminalrat Pannwitz mit der Ausklärung des Falls beauftragt. Eine Aufgabe, die ihn an seine Grenzen bringt. Denn nur ein schneller Ermittlungserfolg kann die Rache-Rufe aus Berlin verhindern. Hitler will alle Deutschen aus Prag evakuieren und die Einheimischen rigoros vernichten. Bei dieser Aufgabe muss Pannwitz nicht nur schnell sein, sondern auch sein ganzes Verhandlungsgeschick einsetzen und gerät dabei bis an seine Grenzen…
Denn Pannwitz ist nicht nur Deutscher, sondern in erster Linie Mensch. Er sieht in allem was er tut auch den Menschen dahinter und um so schwerer ist für ihn diese Aufgabe. In meinen Augen ist es der Autorin gut gelungen Pannwitz’s starke Persönlichkeit herauszuarbeiten. Er ist ein Meister im Umgang mit Worten, die gerade unter der NS-Diktatur geschickt ausgewählt werden mussten, um nicht in Ungnade zu fallen und selbst Opfer der Diktatur zu werden. Dabei nutzt Pannwitz die Schwächen der arroganten deutschen Besetzer, weiß sie geschickt zu manipulieren, um schlussendlich sein Ziel zu erreichen. Im Gegensatz zu den anderen Deutschen in Prag sieht er in den Tschechen den heimatverbundenen, traditionsbewussten Menschen.
Insgesamt betrachtet habe ich mich aber mit diesem Buch sehr schwergetan. Das lag meiner Meinung nach daran, dass zu viele Personen mit eingearbeitet wurden, diese dann auch noch mit den unterschiedlichsten Rang- und Dienstbezeichnungen zu merken waren. Hinzu kamen noch die vielen Abschweifungen in die Hintergründe zu den Personen. Das hat mir etwas die Lust am Weiterlesen genommen und Spannung habe ich gar nicht gespürt. Darum kann ich auch nur 3 Lese-Sterne vergeben.
bolie
aus Langscheid
5/5
03.10.2020
eBook (PDF)
Ist es wirklich so unvorstellb…
Ist es wirklich so unvorstellbar, dass unsere Vorfahren unbedarft waren und von den Gräueltaten der Anhänger des NS-Regimes nichts wussten? Wie sieht es denn heute aus? Gibt es nicht unzählbare Anhänger der Naziideologien, die sogar noch meinen, dass sie mit ihren Demos und lauten Parolen das deutsche Volk vor „fremden Blut“ retten können? Beim Lesen des Buches „Der Tod des Henkers“ war es nicht nur die Ungerechtigkeit, die mich aufregte. Viel häufiger fragte ich mich, ob es tatsächlich Feigheit oder Angst vor der Bestrafung durch Fanatiker war, dass intelligente Menschen dem wahnsinnigen Reichskanzler folgten. Heinz Pannwitz ist die Hauptperson in dem Buch und er berichtet in der Ich-Form von dem Attentat auf den „Henker von Prag“. Die Rede ist von Reinhard Heydrich, der unter anderem auch für die „Endlösung der Judenfrage“ verantwortlich war. Er wollte unbedingt in einem Auto gefahren werden, welches nicht durch ein „lästiges“ Dach geschützt wurde. Dass dieser Wunsch ihm das Leben kosten sollte, ahnte er wohl nicht. Im Mai 1942 war Heydrich der Statthalter Hitlers in Prag. Im Mai des gleichen Jahres wurde ein Attentat auf ihn verübt und nur wenige Tage später starb er an den Folgen. Die Autorin Laura Noll schrieb einen Roman, der spannend und zugleich berührend ist. Das Attentat auf Heydrich geschah tatsächlich und auch die unmenschlichen Vergeltungsmaßnahmen sind historische Fakten. Wie die Deutschen Machthaber in Tschechien agierten ist nicht nachzuvollziehen. Sie betrachteten die Einheimischen als minderwertig und meinten tatsächlich, dass sie allen weit überlegen seien. Der Tod von Heydrich wurde massenhaft gesühnt und der kleine Ort Lidice dem Erdboden gleich gemacht. Die Männer erschossen, Frauen in Vernichtungslager gebracht und Kinder an „arische Eltern“ verschenkt. „Der Tod des Henkers“ ist kein üblicher Kriminalroman. Er zeigt auf, wie Gestapo und SS in den besetzten Ländern agierten und die dort lebenden Menschen grundlos töteten. Keine Frage, das Buch zeigt, wie Hitlers Anhänger ihre Umgebung in Angst und Schrecken versetzten. Fünf Sterne sind eigentlich nicht genug für diesen Tatsachenbericht. Eine Leseempfehlung ist dabei für mich selbst verständlich.
Bewertung
aus Brandis
4/5
21.09.2020
eBook (ePUB)
Vom Jäger zum Gejagten
Das Attentat auf Heydrich in Prag und die daraus resultierenden Folgen für die einheimische Bevölkerung stehen im Fokus dieses Romans. Trotz der sehr interessanten Thematik habe ich mich anfänglich beim Lesen recht schwergetan. Dies ändert sich etwa nach dem ersten Drittel, in dem dann die den herrschenden Zwängen unterworfene Ermittlung des Gestapo-Kommissars Heinz Pannwitz im Vordergrund steht, beeinflusst von Kompetenz- und Machtstreitigkeiten führender Obrigkeiten.
Wie die Autorin selbst bemerkt ist es recht schwierig einen Angehörigen der SS als Verfechter für die Gerechtigkeit zu formen. Trotzdem bin ich der Meinung dies ist ihr, unter Hilfe von (Tagebuch) Aufzeichnungen sowie fiktiver Annahmen, sehr gut gelungen. Herausgekommen ist ein sehr berührendes sowie nachdenklich stimmendes Buch, welches ich gern weiter empfehle.
de.Susi
4/5
21.09.2020
eBook (ePUB)
Das Attentat auf Heydrich in…
Das Attentat auf Heydrich in Prag und die daraus resultierenden Folgen für die einheimische Bevölkerung stehen im Fokus dieses Romans. Trotz der sehr interessanten Thematik habe ich mich anfänglich beim Lesen recht schwer getan. Dies ändert sich etwa nach dem ersten Drittel, in dem dann die den herrschenden Zwängen unterworfene Ermittlung des Gestapo-Kommissars Heinz Pannwitz im Vordergrund steht, beeinflusst von Kompetenz- und Machtstreitigkeiten führender Obrigkeiten. Wie die Autorin selbst bemerkt ist es recht schwierig einen Angehörigen der SS als Verfechter für die Gerechtigkeit zu formen. Trotzdem bin ich der Meinung dies ist ihr, unter Hilfe von (Tagebuch) Aufzeichnungen sowie fiktiver Annahmen, sehr gut gelungen. Herausgekommen ist ein sehr berührendes sowie nachdenklich stimmendes Buch, welches ich gern weiter empfehle.
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