Eine Geschichte, die anderen nützt, vielleicht noch in ferner Zukunft, mehr soll ihr Bericht gar nicht sein, sagt Angela del Moro am Schluss. Da ist sie dreiund- zwanzig und hat mehr hinter sich als andere im doppelten Alter. Schon mit sechzehn hat sie es zu etwas gebracht, als Kurtisane, der einzige Beruf, in dem sie Geld verdienen, ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Der Absturz beginnt mit einem Nein: Sie wagt es, einen Stammkunden wegzuschicken, und die Rache des Abgewiesenen ist mörderisch. Andere überleben so etwas nicht, aber Angela will kein Opfer sein. Ihr Wiederaufstieg ist eine Sensation. Das kann nicht nur gut gehen. Lea Singer erzählt die historisch verbürgten Erlebnisse einer jungen Frau, La Zaffetta genannt, im Venedig der Renaissance, und offenbart, wie nebenbei, die Abgründe der Serenissima in der Zeit eines Tizian oder Aretino. Sie spricht durch die Person einer jungen Frau, die einen Skandal auslöste, weil sie sich das Recht nahm, ihre Wünsche zu leben. Und die zum Kult wurde auf einem der berühmtesten Bilder der Welt: Tizians Venus von Urbino.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
5/5
20.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Frauenschicksal im Venedig der Renaissance
Für “La Zafetta”, schon als 13-Jährige missbraucht, ist ihre Würde und Selbstachtung zu bewahren ihr höchstes Gut. Im Venedig der Renaissance kann das für eine junge Frau bedeuten Edel-Kurtisane zu werden und auch einen einflussreichen Freier abzulehnen – mit allen Konsequenzen. Es ist die historisch verbürgte Geschichte der Angela del Moro, ihr tiefer Fall und strahlender Wiederaufstieg und ihre Verewigung als Venus von Urbino von Tizian. Ein Kleinod von einem Roman über das Vendig der Renaissance, seine Künstler und eitlen Mächtigen.
Bewertung
aus Hamburg
5/5
21.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Geniestreich
Grandios – mitreißend, aufrüttelnd aktuell und zu Herzen gehend – dieser Roman wird Furore machen.
Als Leser haben wir es mit einem gewaltigen Thema zu tun, mit Macht und deren Missbrauch, von der öffentlichen Bühne bis in die Gefängnisse, mit und ohne Mauern, von der Kanzel über den Markt, der Eitelkeiten, Intrigen und Heucheleien, bis ins Schlafzimmer.
Aus dem Venedig der Renaissance erfahren wir von der Wiedergeburt einer außerordentlichen und gezeichneten Frau: Bekannt als la Zaffetta, da ihr Vater vom Schreiber zum Spitzel avanciert war, ein Zaffo, während die Tochter sich selber Angela nennt, Angela del Moro. Als sie sich sechzehnjährig, vielbegehrt und wählerisch, einem der mächtigsten Männer aus dem Adel der Stadt verweigert, wird ihr das Schlimmste angetan, das kaum jemand überlebt. Sie wird rituell vergewaltigt – der Brauch heißt Trentuno, also einunddreißig. Das Opfer, nicht der rachsüchtige Täter wird in dieser verkehrten Welt an den Pranger gestellt – „Die Zaffetta trieb es mit allen“. Ihre Existenz ist vernichtet.
Leser und Leserinnen beschreiben, daß sie mit dieser Heldin der besonderen Art bangen und fiebern als wären wir dabei, wie sie es fertig bringt, sich der Opferrolle entgegenzustemmen, zu wüten, zu trauern, um Würde und Selbstachtung, ja Lebensfreude zu behalten. Es gelingt, sie hat wieder Zukunft, und was für eine, wie die verbürgten und inzwischen erforschten Fakten ihrer Biographie beweisen.
Lea Singer gibt sogar ihre Quellen preis und selbst wenn man diese vorweg liest, bleiben die ungesühnten Verbrechensakte offen in all ihrer Dramatik für heutige Zeugen.
Wie gelingt es der erfahrenen Autorin, die hohe Suggestionskraft dieser fiktiven Autobiographie zu erzeugen?
Durch einen Geniestreich in der Welt des authentischen Ausdrucks; sie lässt die Protagonistin für sich selbst sprechen. Sieben Jahre nach der Katastrophe blickt Angela auf die Ereignisse zurück und findet ihre Sprache in Wahrheit und Gefühl wieder.
Die Ich-Erzählung bringt von sich aus Intimität mit sich, wie wenn uns etwas gestanden wird. Ich zu sagen, hat einen unmittelbaren Realitätseffekt. Der ist bei einer Protagonistin wie Angela alias Zaffetta entscheidend. Von deren doppelter Identität in der Dritten Person zu erzählen, wäre in diesem Fall eine Distanzierung gewesen, die an Verrat grenzte.
Rang wird von oben herab zugewiesen. Nicht zu vergessen – diese prominente Heldin ist eine gezeichnete Frau, real und symbolisch, durch die Farbe Gelb.
Kurtisanen, Prostituierte und Juden waren in Venedig per Gesetz verpflichtet, in der Öffentlichkeit etwas Gelbes zu tragen, so sichtbar, dass man auf Anhieb erkannte, wen man vor sich hatte. Angela nennt es ein Brandzeichen. Tizian hat sie im Auftrag eines interessierten Bewunderers als adlige Dame gemalt und zum Schluss ein Detail verändert, indem er die Strähne ihres Haares mit einem zarten gelben Schleier verdeckt hat und erwartet ihre Reaktion. Die macht ihr zu schaffen, dennoch sagt sie ihm, gemäß ihrem Lebensmotto von Wahrheit, „Wenigstens die Käuflichen sollten unbestechlich sein und unabhängig“ – Danke.
Dies ist für mich eine Schlüsselszene des ganzen Buches, das voll von Aperçus und einem Sprachreichtum ist, der alle Sinne in Anspruch nimmt, vom Geruch der Armut bis in die Opulenz der Tafel, Szenen der erotischen Lust, die Atmosphäre schweigender Gewalt und immer wieder, wie die einfachen Freuden des Alltags genossen werden.
Die Nachwelt bewundert diese unvergessliche Frau, unter fremdem Namen ist sie unsterblich geworden durch die Macht der Kunst: Tizians ‚Venus von Urbino‘.
Die Dimensionen dieser Lebensgeschichte übersteigen, auch kraft der immensen Darstellungskunst, das Maß eines Einzelschicksals, sie nehmen geradezu mythologische Züge an. Der Titel ruft nicht umsonst den Mythos des Phönix aus der Asche auf in all seiner Dramatik des ewigen Stirb und Werde im kreatürlichen Leben.
Anders als in den meisten Sprachen ist der Phönix in der italienischen weiblich – la fenice.
Das Buch La Fenice hebt die Größe des Mythos selbst aus der Asche, die aus Banalität und Gewalt, Niedergeschlagenheit und Größenwahn in und um uns entsteht. Denn Phönix ist nicht Ikarus, der aus dem Himmel sich zu Tode stürzt. Der poetische Furor dieses Werkes ist geeignet, auch in uns und anderen den Elan eines Phönix zu erwecken.
Von Theresia Mestmäcker/Theresia Poll
Bewertung
5/5
18.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wahre Geschichte - wunderbar erzählt
Ein packender Roman über weibliche Klugheit, Kraft und venezianische Sinnlichkeit. Lea Singer erzählt die wahre Geschichte der Kurtisane Angela del Moro, die zum Kult wurde auf einem der berühmtesten Bilder der Welt: Tizians Venus von Urbino. Leider fiel die Veröffentlichung des Buches in die Coronazeit und es gab keine Lesungen der Autorin. Aber dieses elegant aufgemachte kleine Buch im pinkfarbenen Leineneinband hätte meiner Ansicht nach sehr viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Mir erging es wie Pia Reinacher, Kritikerin von Die Weltwoche, Zürich:“ Lea Singer erzählt rasant, so furios, dass man das Buch in einem Zug liest. Es ist, wie wenn sie mit ›La Fenice‹ ihr wichtigstes Thema gefunden hätte.
https://lieslos.blog/
5/5
09.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kann es denn so schlimm sein, „nein“ zu sagen... ja, sogar noch schlimmer!
Der Roman spielt im Venedig der Renaissance und es geht um La Zaffetta, eine junge Frau, die der italienische Maler Tizian um 1538 in einem seiner Werke verewigte, das zu einem der berühmtesten Ölgemälde der Welt wurde: Venus von Urbino.
Diese lasziv daliegende Schöne, die mit der Göttin Venus nichts zu tun hat, ist die Protagonistin des Romans, nennt sich eigentlich Angela del Moro und ist eine vielbegehrte Kurtisane, die eine unfassbar unmenschliche Bestrafung und brutale Rache erdulden musste, nachdem sie sich 16-jährig einem der mächtigsten Adeligen verweigert hat.
Nach sieben Jahren erzählt Angela, die von ihrem bisherigen Leben äußerlich und innerlich gezeichnet ist, rückblickend ihre Geschichte. Diese Ich-Perspektive und die authentische und feinfühlige Sprache machen die Geschichte zu einem höchst persönlichen und intimen Text und ermöglichen einen tiefen Einblick in das Innenleben der Protagonistin.
Man fühlt mit Angela del Moro und muss sie bewundern, weil sie es schließlich schafft, sich nach dieser Demütigung wieder eine Zukunft aufzubauen. Es ist ihr nicht nur gelungen, zu überleben, sondern auch, der Opferrolle zu entkommen und aus dem Abgrund emporzusteigen. Was einerseits ein Skandal und eine Sensation ist, kann andererseits aber nicht nur gut gehen.
Diese Lebensgeschichte hat es in sich. Es ist ein Schicksal, das andere nicht ausgehalten und überlebt hätten und an dem viele zerbrochen wären. Angela del Moro ist ein Beispiel für eine kluge und disziplinierte Frau und ein Vorbild, was, Selbstbestimmung, Widerstandskraft und Selbstbehauptung anbelangt. Umso schöner und gerechter, dass sie am Ende als Heldin triumphiert.
Die 1960 geborene Lea Singer hat mit „La Fenice“ einen brillanten, atmosphärischen und fesselnden Roman über Macht und deren Missbrauch, Gewalt, Größenphantasien, Verweigerung und Selbstbestimmung, gekränkte Eitelkeiten und Rachegelüste, Heucheleien und Intrigen geschrieben, der wie ein bildgewaltiges Sittengemälde den Zeitgeist im Venedig des 16. Jahrhunderts wunderbar einfängt. Es ist interessant, von den damaligen Gepflogenheiten, dem Alltag, der Küche und der Kunst zu lesen.
Die Autorin bezieht sich dabei auf die historisch verbürgten Erlebnisse Angela del Moros, die unter dem Namen „Venus von Urbino“ unsterblich wurde.
Aufgrund seiner übergeordneten Themen ist „La Fenice“ ein zeitloser Roman, der Mut macht, an Widerständigkeit und Selbstvertrauen appelliert und Hoffnung gibt.
Für mich ist der Roman nicht nur eine Perle, die einen dauerhaften Platz in meinem Bücherregal bekommen wird, sondern darüber hinaus ein must-reread!
Bewertung
aus Turgi
3/5
10.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die örtlichen Beschreibungen transportieren den Leser vor Ort
Lea Singer bringt das Kunststück fertig, den Leser sich vor Ort zu fühlen. Ein wahres lesevergnügen.
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