Träume aus Seide. Hamburg, 1948: Obwohl es an allem mangelt, ist Paula fest entschlossen, die Schönheit in ihr Leben zurückzuholen – das Trümmergrau soll endlich Farbe weichen. Mit ihrem Gespür für Mode wird Paula die rechte Hand eines Strumpffabrikanten und kämpft gegen alle Hürden der Nachkriegszeit darum, den Frauen ihre heißbegehrten Nylons zu verschaffen. Schon bald erreicht sie viel – und kann dennoch nicht vergessen, dass sie im Krieg ihre große Liebe verloren hat. Dann begegnet sie einem britischen Offizier, doch der scheint nur die Geschäfte ihres Chefs kontrollieren zu wollen. Eine junge Frau, die im Nachkriegsdeutschland die Welt der Mode neu erfindet. Der neue Roman von der Autorin des Nummer-1-Bestsellers "Frida Kahlo und die Farben des Lebens"
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wenn Frauen zu kämpfen haben, aber auch zu Maschenmillionärinnen werden können
Elke Seifried aus Gundelfingen am 02.09.2020
Bewertungsnummer: 1372121
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Als Paula auf der Suche nach Arbeit durch die Trümmer der Stadt stapft, fällt ihr Blick auf eine gut gekleidete Frau und sofort ist ein Wunsch in ihr entfacht, „Paula wollte sich endlich wieder einmal zurechtmachen, mit guter Kleidung und den richtigen Accessoires betonen, was sie an sich mochte – sich schön fühlen. Sie wollte vor den Schaufenstern am Jungfernstieg entlangflanieren und davon träumen, sich einen schicken Stoff oder ein Kleid zu kaufen. Und sie wusste, dass es vielen Frauen so ging wie ihr.“ Der Krieg hat ihr so viel genommen, auch ihre große Liebe, aber das muss ein Zeichen dafür sein, dass es auch wieder bergauf gehen muss. Und tatsächlich fällt ihr Blick wenig später auf die Anzeige, „Vertrauenswürdige Person mit Englischkenntnissen und technischem Verständnis ab sofort gesucht. Gute Bezahlung. Interessenten melden sich bitte im 1. Stock bei Röbcke.“ und schon steht sie vor ihrem neuen Chef, der überzeugt von sich und seiner Geschäftsidee ist. „Achtzehn Millionen Frauen in den Westzonen gehen barfuß, weil es in ganz Deutschland keine Firma mehr gibt, die Strümpfe herstellen kann. Die haben immer in Sachsen gestanden, und die wenigen Strumpffabriken, die noch produzieren dürfen, verkaufen nicht in den Westen, um ein Druckmittel gegen die Amerikaner und die Briten in Händen zu haben.« Er schnaubte. »Die Frauen wollen Strümpfe, und ich werde sie ihnen verkaufen. Wer, wenn nicht ich?“
Als Leser lernt man Paula bei der Arbeitssuche kennen und wird dann Zeuge, wie sie Wilhelm Röbcke, trotz seiner Bedenken einer Frau gegenüber, als Angestellte, schnell mit ihren pfiffigen Ideen und ihrer Schlagfertigkeit um den Finger wickelt und so die Stelle ergattert. Während man sich nun mit ihr mit Feuereifer in die Arbeit stürzt, gemeinsam mit dem in Sachsen enteigneten Strumpffachmann einen Betrieb aus Nichts aus dem Boden stampft und dabei nicht nur einmal um den Erfolg des Projekts bangen muss, darf man sie auch bei ihrem spärlichen Privatleben begleiten. „Paula wohnte mit ihren beiden Schwestern in dem einen und ihre Mutter im anderen Zimmer, dazu kam eine winzige Küche, die zum Glück ein Fenster mit einer breiten Fensterbank außen hatte, wo sie jetzt im Winter ihre wenigen Lebensmittel lagern konnten. Alles war besser als die Nissenhütten an der Schwenckestraße, wo sich zwei Familien eine dieser Wellblechhütten ohne Heizung teilen mussten.“ Für Liebesdinge bleibt Paula kaum Zeit, doch eine zufällige Begegnung in der Straßenbahn bringt sie gehörig ins Wanken und auch für den britischen Major gilt, „Felix Robinson folgte ihr nachdenklich mit den Augen. Was für eine mutige Frau, dachte er. Sich einfach mit einem Offizier der Besatzungsmacht anzulegen. Und dabei ging es noch nicht einmal um sie selbst. Hübsch war sie auch, mit ein paar Pfund mehr auf den Rippen und ein paar Sorgen weniger, wäre sie eine Schönheit.“ Doch eine einfache Liebe gibt es für die beiden nicht, denn Paula hat immer noch Schuldgefühle, dass ihr geliebter Konrad ihrer Leichtsinnigkeit wegen, der Gestapo zum Opfer gefallen ist, und auch Felix kann seinen Hass auf die Deutschen kaum im Zaum halten, ganz abgesehen davon, dass ihn auch beruflich der Weg direkt zu Paula führt und das sollte doch streng vom Privaten getrennt bleiben.
Das Leben in Trümmern, die Währungsreform, die Berlin-Blockade und auch der Beginn des Aufschwungs. Die Autorin entführt mit ihrem Roman gekonnt in die Nachkriegszeit und lässt dort auch die Rolle der Frau in der damaligen Gesellschaft gut nacherleben. Die Männer kehren aus dem Krieg heim, klar, dass sie Arbeitsplätze und das Sagen sofort wieder übernehmen und Frauen bei vielem wieder deren Einverständnis und Unterschriften benötigen. So hat man es nicht nur mit Paula schwer, gegen das Misstrauen Frauen gegenüber anzukämpfen und sich eine Position und vor allem auch die dazu nötige Anerkennung zu verschaffen, auch bei Schwester Gertrud heißt es, kämpfen und nicht den Weg des Hausmütterchens gehen, denn für sie gilt, »Glück brauch ich nicht, ich brauch ein dickes Fell, um diese Männer zu ertragen.« Gut versorgt, am liebsten mit einem amerikanischen Soldaten, das wäre schon eher Uschis Traum. Hamburg wird lebendig in diesem Roman und man erfährt nicht nur viele Details zu den Zerstörungen, sondern darf nach und nach auch wieder in den schönen Ecken flanieren. In der Strumpfwelt konnte ich ebenfalls dazu lernen.
Der lockere, äußerst kurzweilige Sprachstil der Autorin liest sich flüssig und ich bin geradezu durch Paulas Geschichte gerauscht. Sie beschreibt emotional, man kann mit Paula fiebern und hoffen und immer wieder darf auch geschmunzelt werden, wofür vor allem Uschis forsche Art und auch Paulas schlagfertige Antworten sorgen. So hatte ich hier mit liebenswert ausgearbeiteten Hauptdarstellern äußerst kurzweilige Unterhaltung.
Paula habe ich schnell in mein Herz geschlossen, denn so oberflächlich, dass es ihr nur ausschließlich um ein tolles Aussehen ginge, ist sie nicht, auch wenn ihr dies viel bedeutet. Richtig toll gezeichnet ist auch die burschikos, resolute Schwester Gertrud, die ihren ganz eigenen Kopf hat. Was habe ich mich gefreut, dass Paula am Ende sagen kann, »Ich bin froh, dass ich endlich den Menschen kennenlerne, der meine Schwester so glücklich macht.«. Mit der forschen Uschi, die ihr Lebensglück sucht hatte ich großes Vergnügen und so macht sie das Geschwistertrio abwechslungsreich und lebendig. Großes Glück hatte Paula sicher mit ihrem Chef Willi Röbcke mit seiner herzlichen Art. Felix ist mit seinen Bedenken und Gefühlen richtig authentisch und gelungen gezeichnet, wie auch die kleineren anderen Mitspieler.
»Als wäre mit einem Paar Strümpfe die Welt in Ordnung.« »Manchmal ist sie das. Zumindest macht es sie schöner.« »Entschuldige.« »Ich nehme an, bei dir muss es immer noch die ganz große Politik sein?« »Ich weiß, dass ich recht habe.« »Euren Leuten geht es schlechter als denen drüben, das ist unübersehbar.« »Wenn du Konsum meinst, dann stimme ich dir zu. Aber es gibt wichtigere Dinge. Gerechtigkeit. Frieden.« »Wenn man Hunger hat? Und kratzende Wollstrümpfe tragen muss, weil eine Partei meint, mit Nylons Politik machen zu müssen?« Klar mögen vielleicht Nylonstrümpfe nicht die schwerwiegendsten Themen der Nachkriegsgeschichte sein, aber auch ein Ausflug in diese Welt macht ein Geschichtsbild rund und deshalb kann ich diesen herrlich leichten, unterhaltsamen Roman nur empfehlenswerte 5 Sterne verleihen.
Empfehlenswert
J. Kaiser am 31.08.2020
Bewertungsnummer: 1370937
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Vorliegend ist ein unterhaltsamer Roman über Mode in der Nachkriegszeit entstanden. Paula Rolle ist 1948 gerade 29 Jahre alt. Ihre Mutter und die zwei jüngeren Geschwister wohnen beengt in einer kleinen Wohnung. Die Menschen erholen sich langsam und in der Wirtschaft mangelt es an den Rohstoffen. Paula erhält einen Job als Assistentin von Unternehmers Röbke. Mit verschiedenen Unterstützern kann er in Amerika eine Strumpfmaschine kaufen. Er möchte seine Alba-Strümpfe endlich produzieren und den deutschen Frauen etwas chic verpassen. Immer kreuzen sich die Wege von Paula und dem britischen Offizier Felix. Er hat sich in ihr Herz geschlichen. Und da steht plötzlich ihre grosse Liebe Konrad vor ihr. Die Geschichte überzeugt mit den lebensnahen Charakteren. Es ist hier alles vertreten was eine gute Geschichte ausmacht, Liebe, Geheimnisse und viel Spannung. Von mir eine Leseempfehlung unbedingt lesen es lohnt sich.
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