Ein junges Paar kommt nach Jahren zurück in die Sächsische Schweiz. Seiner Freundin verschweigt der Erzähler, dass ihn ein Schuldgefühl gegenüber Vito treibt, dem Schulfreund, der damals beim gemeinsamen Klettern ein Bein verlor. Er sucht Vergebung und erinnert sich – an den Unfall, den öffentlichen Tadel in der Schule beim sozialistischen Fahnenappell, an den Bruch. Die Rückkehr ist schwer: Neben Apfelbäumen, Elbwiesen und Sandsteinfelsen gibt es auch das Sommercamp der Neonazis und die misstrauischen Dorfbewohner. Thilo Krause erzählt von einer fremdgewordenen Heimat, in der sich das Paar zu verlieren droht. Ungekürzte Lesung mit Nico Holonics 6 CDs | ca. 6 h 58 min
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3.3/5.0
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5/5
02.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einer, der mit dem Alten abschließt und etwas Neues beginnt.
Es geht in dem absolut lesenswerten Roman von Thilo Krause um den Reiz der Ferne und Fernweh, um Sehnsucht und Heimweh, um die romantisch verklärte Kindheit und nicht verarbeitete Erlebnisse, um Rückkehr, Heimat und Herkunft.
Thilo Krause schreibt erst sperrig, spröde und knapp, dann zunehmend poetisch, sehr feinfühlig, sinnlich und mit einem Hauch von Nostalgie darüber, wie der namenlose Ich-Erzähler nach Jahren mit seiner Frau Christina, einer Physiotherapeutin und dem gemeinsamen 4-jährigen Töchterchen in die Heimat, das Elbsandsteingebirge, zurückkehrt. Nicht genau in seinem Heimatort, sondern wenige Kilometer entfernt mietet er auf einem Berg ein heruntergekommenes Haus mit Schimmel an den Wänden.
Leider erfüllen sich seine romantischen Vorstellungen von Heimkehr nicht.
Nicht nur er, sondern auch sein Zuhause, die Sächsische Schweiz, hat sich verändert.
Und als wäre das nicht genug, führen seine intensive Suche nach was auch immer und seine obsessive Beschäftigung mit seiner Vergangenheit dazu, dass seine Frau ihn mit dem Töchterlein verlässt.
Die Lektüre, eine Art Heimatroman, ist äußerst bewegend und berührend, aber niemals kitschig oder seicht.
Ich vermute, dass der Autor darin so einiges an Autobiographischem verarbeitet hat.
Thilo Krause gelingt es mit seiner schönen und bildhaften Sprache und unaufgeregten Erzählweise, die Landschaften, Handlungsorte, Szenen und Charaktere zum Leben zu erwecken.
Wir begleiten den Ich-Erzähler auf seinen Streifzügen und Wanderungen durch die spektakuläre und bizarre Felsenwelt und meinen, die schroffen Felsen, Sandsteine und Riffs, die dicht bewaldeten Tafelberge und das schluchtenreiche Tal vor uns zu sehen.
Ausserdem lernen wir Vito und Jan kennen.
Der einbeinige Schreiner Vito ist ein früherer Freund des Ich-Erzählers, mit dem er waghalsige Klettertouren unternommen hat und mit dem ihn nicht nur diese Freundschaft, sondern auch ein tragischer Unfall und eine Art offene Rechnung verbindet.
Jan ist ein tschechischer Freund, der Führungen für Touristen anbietet und ihn in seinem Touristenbus mitnimmt.
Vito und Jan holen ihren Freund auf den Boden der Tatsachen, sprich in die Realität, zurück.
In die Realität, das heißt, zu seiner kleinen Familie und zu der Erkenntnis, dass sein Heimatdorf und dessen Bewohner nicht (mehr) das sind, was er sich vorgestellt und erhofft hat.
Statt offene Arme begegnen ihm, seiner kleinen Familie und seinen Freunden Misstrauen, Argwohn, Unfreundlichkeit, kühle Ablehnung und feindseliges Schweigen.
Der Ich-Erzähler muss vieles verarbeiten und bewältigen ... seine Fremdheitsgefühle, die Veränderung seiner Heimat, in der jetzt glatzköpfige Nazis mit Schäferhunden herumwandern, ein noch nicht verdautes traumatisches Erlebnis, Schuld- und Schamgefühle, die durch Erinnerungen an seine Kindheit aufflackern, und nicht zuletzt die Nazi-Schmierereien und -Parolen auf seinen geliebten Felsen.
Und dann, 2002, kommt auch noch die Elbe ins Spiel...bedrohlich, beängstigend, verhängnisvoll.
Dieser Roman hat mich von Anfang bis Ende gefesselt.
Bewertung
3/5
17.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fremd im eigenen Leben
Wie in dichten Nebel gehüllt nimmt man als Leser – durch die Augen des namenlosen Protagonisten – die Abgeschiedenheit der Provinz und der sie umgebenden Natur wahr, eigenartig unruhig fühlt sich das dann beinahe an, wie in ständiger Erwartung von Was-auch-immer, so, als würde in diesem Nebel irgendetwas lauern, etwas Verpasstes, etwas Verdrängtes ... Thilo Krause ist "von Haus aus" Dichter, und das merkt man seinem Romandebüt an: Er lässt den Leser an der langen Leine, lässt vieles ungesagt, und so besteht schon mal die Gefahr, sich im "poetischen Dunst" zu verirren. Trotzdem – oder gerade deswegen? – ist "Elbwärts" ein eindrucksvoll atmosphärischer und wahrlich lesenswerter Roman über Freundschaft, Heimat und das Gefühl des Fremdseins.
Bérénice
aus Jona
2/5
28.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gequälter Mann verarbeitet Kindheitstrauma
Ein junger gequälter Mann kehrt in seiner Heimat zurück, der sächsischen Schweiz, die so viele Künstler und Schriftsteller inspiriert hat. Was ihn dort erwartet ist eine komplexe Auseinandersetzung mit seiner Kindheitserinnerungen und wie er den Weg zu einer Versöhnung mit seinem damaligen Freund Vito finden kann. Frau und Tochter sind mitgezogen und erwachen zu der nüchternen Feststellung, dass der Mann und Vater mit seinem Geist zu kämpfen hat. Als schliesslich die Flut kommt, kann die Familie mit dem Kindheitsfreund in einer Art ménage à trois sich endgültig von der Vergangenheit verabschieden.
Eine sehr schöne poetische Sprache, aber den Ziel für mich klar verfehlt.
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