Emmas Ehe ist eine Katastrophe. Sie lebt in ständiger Angst vor den unvorhersehbaren Wutausbrüchen und der Aggressivität ihres Mannes Rob. Trotz der Demütigungen, denen sie und der 15-jährige Sohn Philip fast täglich ausgesetzt sind, hat sie Angst, Rob zu verlieren. Als Rob eines Tages unerwartet schwer krank wird und stirbt, scheint sie am Boden zerstört.
Kriminalhauptkommissarin Hanna Wiedemann bekommt Emmas Tagebuch in die Hand und beginnt gemeinsam mit ihrem Kollegen Piet Wurstinger zu ermitteln, denn Emma hat ein seltsames Hobby: Sie trocknet giftige Pilze.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Belm
5/5
08.03.2020
Buch (Taschenbuch)
Ein tolles Debüt
Hinter diesem eher schlichten Cover, dass ich wahrscheinlich im Laden eher nicht in die Hand genommen hätte, steckt eine geniale Geschichte! Man meint nicht, dass dies das Debüt der Autorin ist!
Im Buch geht es um Emma, die in einem goldenen Käfig gehalten wird. Die Gattin eines Chefarztes mit Privatklinik hat eigentlich alles, was Frau sich wünschen kann...auf den ersten Blick. Eine schicke Villa, ein teures Auto, nie Geldsorgen. Doch hinter der Fassade sieht es anders aus. Nicht nur, dass ihr Gatte Rob sie betrügt, er misshandelt und schlägt sie und macht nochmal vor ihrem Sohn im Teenager Alter halt. Emma hat ein Hobby. Sie sammelt gern Pilze, auch giftpilze und untersucht diese. Eines Tages wird ihr Mann vergiftet. War es Emma?
Ein außergewöhnliches Buch! Die erste Hälfte ist eher ein Familiendrama und in der zweiten Hälfte geht es in den Krimi über, immer mit der Frage: wie viel ist ein Mensch bereit zu ertragen bevor er handelt...
Das Thema Gewalt ist sehr gekonnt erzählt und auch mit welchen Tricks die Täter arbeiten, dass die Opfer nicht aus ihrer Rolle können. Ich dachte immer "wie kann man als Mutter seinem Sohn so etwas aussetzen" aber auch das wird im Buch berücksichtigt und sehr nachvollziehbar erzählt. Auch wenn es ein sehr trauriges und aufwühlendes Thema ist, finde ich es sehr gelungen dass die Autorin trotz allem "Lichtblicke" schafft. So haben zum Beispiel Mutter wie Sohn sehr gute Freunde, die ihren bei stehen. Das Buch wirkt nie "hoffnungslos und depressiv" sondern im Gegenteil hoffnungsvoll. Dies liegt auch am erfrischenden Schreibstil der Autorin. Eindrücklich und dennoch leicht zu lesen, sodass die Seiten nur so dahin fliegen.
Der zweite Teil ist wie ein Krimi aufgebaut mit der Ermittlerin Hanna. Mann denkt recht schnell "der/die wird es gewesen sein" aber die Autorin schafft es auch hier einen zu verunsichern und doch nochmal abzuwägen. Und wenn man dann denkt "ob, dies ist jetzt das gelungene Ende" setzt die Autorin nochmal einen im Epilog drauf und lässt einen fassungslos zurück! Wirklich klasse!
Die Personen sind sehr gut ausgearbeitet bis auf hanna , aber diese hat im Roman den Auftrag zu ermitteln. Da muss man nicht unbedingt etwas über das Privatleben lesen. Dafür ist das Buch "kurz und knapp" ohne unnötigen Ballast. Ob man dafür Punkte abzieht soll jeder selbst wissen, ich finde es gut so wie es ist.
Fazit: ein aussergewöhnliches Buch, ein tolles Debüt, ein besonderer Krimi
Liselottchen
aus Rankweil
5/5
19.02.2020
Buch (Taschenbuch)
Wer im Glashaus sitzt....
Emma ist in einer emotionalen Klammerung aus Hassliebe an ihren Mann Rob gefangen. Er unterdrückt sie verbal, macht sie klein, schlägt sie und sie lebt in ständiger Angst und Druck. Er demütigt sie zusätzlich, indem er sich Geliebte nimmt, was sie zu ignorieren versucht. Trotzdem liebt sie ihn, giert förmlich nach den seltenen Häppchen von Zärtlichkeit und Lob, die er ihr zukommen lässt. Auch der gemeinsame Sohn leidet unter der Dominanz des Vaters, der ihn als Nichtsnutz bezeichnet und ebenfalls grob mit ihm umgeht. Die boshafte Schwiegermutter Annegret legt noch ein Schäufelchen drauf. Trotzdem kann und will Emma sich nicht aus dieser Hölle befreien, obwohl ihre Freundin Ilona ihr beistehen würde. Emma hat ein bizarres Hobbs: Sie sammelt Pilze, auch giftige, mit denen sie sich aus Interesse beschäftigt und Gifte extrahiert.
Nach Robs unerwarteten Tod tritt die Kommissarin Hanna auf den Plan, die zusammen mit ihrem Assistenten Piet den Fall untersucht, denn Annegret belastet Emma schwer. Auch taucht ein Tagebuch auf, in dem Emma ihre Ehehölle minutiöse aufgezeichnet hat, aber reicht das als Motiv?
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Der Autorin gelingt es von Beginn an, ein grusliges Ehedrama vom Feinsten zu skizzieren. Der gewaltige Druck ist von Anfang an gegenwärtig, die Spannung greifbar auf jeder Seite und man wartet als Leser förmlich darauf, dass es Emma irgendwann zu viel wird. Sämtlliche Schikanen, die sie erduldet, sind für einen (psychisch gesunden) Menschen nicht nachvollziehbar, auch dass sie nicht einmal den Mut hat, offen für ihren Sohn einzutreten, wirft ein zweifelhaftes Bild auf ihren Charakter. Ihr schräges Hobby lässt die Gedanken schon bald in eine bestimmte Richtung schweifen – hat sie ihren Mann wirklich auf raffinierte Weise vergiftet? Die Kommissarin Hanna und ihr Assistent Piet, der mit seinen Sprüchen eine Nummer für sich ist, kümmern sich um die Sache und Schritt für Schritt wird die Wahrheit enthüllt – die mich wirklich komplett überrascht hat.-----------------------------
Die Figuren sind ausgesprochen lebendig gestaltet, Robert in seiner fiesen Brutalität, die Schwiegermutter Annegret, boshaft und widerlich, die unkende Freundin Ilona, der die Hände gebunden sind. Auch Sohn Philipp, der mit fünfzehn sich traut, gegen den Vater anzutreten, war glaubhaft.
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Eine Geschichte, die beklemmt, wütend und traurig macht. Emmas Ohnmacht, die im ersten Abschnitt aus allen Zeilen springt und die Polizeiarbeit im zweiten Teil lassen das Werk zu einem Lesegenuss werden, der noch lange in den Gedanken bleibt.
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