Der zweite Teil des Briefwechsels zwischen Karl May und seinen fünf jungen Verehrern – Marie und Ferdinand Hannes, Lu Fritsch, Willy Einsle und Adolf Droop – liegt vor. Er umfasst die Korrespondenz der Jahre 1910 bis 1912 und als Anhang über 50 Seiten mit Essays, Notizen und Gedichten der als „seine Kinder“ apostrophierten May-Jünger zu Leben und Werk des verehrten Autors.
Hier entfaltet sich in vollem Umfang der Einsatz der May-Enthusiasten gegen die öffentliche Hetze und Bloßstellung des großen Idols. Gleichzeitig werden aber auch erste Brüche deutlich; der Blick der fünf wird kritischer und skeptischer. Indem aus den anfangs noch sehr kindlichen Schwärmereien langsam differenziertere Ansichten junger – allesamt sehr gebildeter und reflektierter – Erwachsener werden, wird bei aller unverbrüchlichen Liebe zum „Mayster“ das Verhältnis komplizierter. Dass May sich in den öffentlichen Auseinandersetzungen um sein Werk und seine Person oft (sowohl juristisch wie publizistisch) ungeschickt verhalten hat, tritt für den heutigen Betrachter deutlich zutage. Sich darauf von seinen „Kindern“ damals aufmerksam machen lassen zu müssen, konnte der von den Fehden zermürbte Autor allerdings seinerseits nur schwer ertragen, sodass er von manchen gutgemeinten Bemühungen seiner jungen Paladine mitunter eher „genervt“ wirkt, wie wir heute sagen würden, denn beglückt.
Mit 54 SW-Abbildungen.
Als Buch (gebunden in grünem Leinen/Leinenoptik) erhältlich!
Gesammelte Werke von Karl May – die berühmten grünen Bände
- Es gibt sie noch: die grünen Bände von Karl May – die bekannten Reiseromane und Jugendbuchklassiker!
- Gleiche Ausstattung wie früher: gebundenes Buch mit dunkelgrünem Einband und farbiger Illustration auf dem Buchcover
- Alle Karl-May-Bücher sind als Hardcover mit Goldprägung und Landkarte auf dem Vorsatzpapier erhältlich, manche auch als Taschenbuch
- Karl May schuf unvergessliche Helden wie Winnetou, Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi, Old Surehand, Hadschi Halef Omar und Sam Hawkens.
- Deutschlands erster Bestseller-Autor: Karl May ist der meistgelesene Schriftsteller deutscher Sprache
Der Karl-May-Verlag Bamberg – Radebeul lädt Sie ein, die Bücher von Karl May wiederzuentdecken oder sich erstmals in seine fesselnden Geschichten zu vertiefen. Ganz gleich, ob Sie Abenteuer im Wilden Westen suchen oder lieber in die exotischen Welten des Orients eintauchen wollen – wir haben die perfekte Lektüre für Ihre Lesereise!
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Spannend, berührend, kurios
Bewertung aus Berlin am 15.07.2020
Bewertungsnummer: 1352088
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Nach sechs Jahren endlich wieder ein neuer "Karl May"! Das war an sich schon ein Grund zur Freude, die sich beim Lesen aber noch steigerte. Es ist erneut ein Band mit Briefen, leider nur wenige von Karl May, deutlich mehr von seiner Frau Klara, überwiegend aber von seinen Korrespondenzpartnern, deren Briefe sich im Nachlass Karl Mays erhalten haben.
Wie die Anführungszeichen im Titel schon andeuten, sind es nicht Karl Mays wirkliche Kinder, deren Briefe der Karl-May-Verlag hier veröffentlicht (Karl May war kinderlos), sondern mehrere junge Leser, die mit ihm in intensivem persönlichen Austausch standen: Marie und Ferdinand Hannes, Willy Einsle, Lu Fritsch und später noch Adolf Droop. Spannend ist der Briefwechsel vor allem deshalb, weil sich darin die persönliche Entwicklung der Briefeschreiber , aber auch deren Beziehung zu dem berühmten Autor abbilden: Die ersten Briefe stammen meist aus Kindheitstagen und haben einen schwärmerischen Ton ("Teurer, prachtvoller Old Shatterhand!"). Vor allem bei der kränklichen Marie Hannes wandelt sich die anfängliche Schwärmerei alsbald in eine tiefe Zuneigung zu ihrem "geliebtesten Onkel Karl", und umso größer ist ihr Schock, als der dieses zunehmend merkwürdige Verhältnis schließlich abrupt beendet. Lu Fritsch hingegen zeigt sich in ihren Briefen vor allem als Bewunderin und Kennerin von Mays Spätwerk. Ihre Verehrung richtet sich nicht so sehr auf Mays Person, ist aber nicht weniger grenzenlos und erreicht manchmal fast religiöse Dimensionen: "Ich verehre Herrn Dr. Karl May, als Prophet, als Mensch, als Reformator und Dichter." Von Willy Einsle, für den Karl May eine Art väterlicher Freund war, gibt es berührende Briefe, in denen er über seine Glaubenszweifel oder seinen Liebeskummer spricht. Auch aus mentalitäts- und sittengeschichtlicher Sicht ist das interessant. Dies gilt auch für das Kuriosum, dass Klara May sich noch zwei Jahre nach ihrer Hochzeit als Mays Schwester ausgibt, um Mays Scheidung von seiner ersten Ehefrau geheim zu halten. Erst 1905 äußert Willy Einsles Mutter den "furchtbaren Verdacht": "Ist May's Schwester, Frau Plöhn, nicht doch eigentlich seine Frau?", woraufhin May dann flugs das Versteckspiel eingestehen muss und darum bittet, "doch ja nicht bös darüber zu sein".
So etwas liest sich durchaus vergnüglich und bringt einem auch den Menschen May näher. Am meisten zeigt der Band aber, wie enorm Mays Wirkung auf einzelne seiner Leser war (und sicher bis heute ist). Diese fünf Jugendlichen standen zwar in engerer Beziehung zu ihm als andere Leser, waren mit ihrer Begeisterung und Verehrung für "Old Shatterhand" aber natürlich nicht allein.
Der Band wird von einem ausführlichen Vorwort eingeleitet und ist mustergültig kommentiert, sodass man beim Lesen stets genug über die Hintergründe der einzelnen Briefe erfährt. Dadurch wird man auch gut über manche Lücke in der überlieferten Korrespondenz hinweggeführt.
Auf Band II, der die Fortsetzung des Briefwechsels ab 1910 bringt, bin ich sehr gespannt.
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