"So bezaubernd war Insektenkunde noch nie." Nature Die Insekten verschwinden. Dabei hängt der Fortbestand des Planeten von ihnen ab. Sie bestäuben nicht nur unsere Pflanzen und sorgen für fruchtbare Böden - mit ihrer Hilfe wird auch Krebs und Welthunger der Kampf angesagt. Mit seinem fulminanten Ritt durch den Kosmos der Insekten hat David MacNeal den Sechsbeinern ein Denkmal gesetzt.
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beleuchtet die Mensch-Insekten-Beziehung; von skurril bis faszinierend findet man hier viele Fakten rund ums Thema
annlu am 17.04.2020
Bewertungsnummer: 1316977
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Für jeden Menschen gibt es 1,4 Milliarden Insekten – wenn wir uns mehr mit ihnen befassen, können wir Schlüsse ziehen, welche wichtige Rolle sie in unserem Leben spielen. Diesem Ziel hat sich Autor und Wissenschaftsjournalist David MacNeal verschrieben und präsentiert in diesem Buch seine Ergebnisse.
Aufgebaut wie Reportagen entführen die einzelnen Kapitel zu Begegnung mit Menschen, die mit Insekten arbeiten. Verwoben mit den Beschreibungen der Besuche, die ihn rund um die Welt führen, werden die wichtigsten und/oder skurrilsten Fakten zum Thema Insekten serviert.
Den Beginn macht ein Besuch bei einem Entomologen und Tierpräparator, der die viktorianische Sammelleidenschaft aufrechterhält und nicht nur Schmetterlinge zu kleinen Kunstwerken präpariert. Der Besuch wird dazu genutzt, das Aussehen der Insekten und die Geschichte ihrer Erforschung bis hin zur gegenwärtigen DNA-Forschung anzusprechen. Als soziale Insekten bieten sich die Ameisen dazu an, Vergleiche zum Menschen zu ziehen. Hier werden ihre Bauten ebenso betrachtet, wie ihre sozialen Strukturen. Als Koryphäe unter den Ameisenforschern dient E.O. Wilson, der öfters zitiert wird.
Das dritte Kapitel startet aufmerksamkeitsheischend mit Schlagwörtern wie Lustmord, Prostitution und Nekrophilie. Die Ausführungen rund um das Sexualleben führen zwar manche der aufsehenerregenderen Praktiken an, zielen dabei aber nicht auf Sensation ab. Im Gegenteil bringt das Thema Fortpflanzung auch das Thema Überleben – und damit das Aussterben – mit sich. Als eines der Schutzprogramme wird hier ein Zentrum besucht, in dem Vogelspinnen zur Paarung angeregt werden sollen (ja, Spinnen sind keine Insekten, aber der Autor erklärt schon zu Beginn, dass er den Begriff Insekten auch auf diese ausweitet).
Woher der schlechte Ruf der Insekten kommt, kann man in den folgenden Kapiteln erahnen. Sie bringen von ihnen übertragene Krankheiten ebenso ins Spiel wie Bettwanzen- und andere Schädlingsbefälle. Die Geschichte der Pestizide führt von antiken mythisch anmutenden Versuchen, über den Einsatz fragwürdiger Chemikalien, bis hin zu heutigen Versuchen genetisch veränderte Arten einzusetzen. Das Gegenteil – die nützliche Wirkung der Insekten wird in den nächsten Kapiteln angeführt. Von der Dungverwertung bis hin zu einer Möglichkeit Plastik abzubauen und über Insektenbefall Mörder zu finden – Insekten und ihre Arbeit beim Abbau und der Verwertung von totem Material spielen hier eine große Rolle. Einen Blick in die Nutzung von Insekten wird nicht nur beim Thema neue Nahrungsmittel gewagt, sondern auch bei der Erforschung von Arzneimitteln mit Insektenherkunft. Die Insektenbionik mutet zwar noch wie Science Fiction an, macht aber immer mehr Fortschritte.
Ein Ausflug nach Asien – und besonders nach Japan – bietet Anlass, sich Gedanken über den Umgang mit Insekten zu stellen. Nicht nur in der Mythologie und Tradition, auch in der Gegenwartspopkultur und im kulinarischen Bereich zeigt Japan seine Liebe zu Insekten. Besonders was die Erfahrungen des Autors mit dem Essen von Insekten angeht, wird deutlich, wie sehr sich die westliche Kultur davon unterscheidet.
Den Abschluss bildet ein langes Kapitel um die Bienen, das sich nicht nur mit dem Bienensterben und möglichen Ursachen beschäftigt, sondern auch mit der Wirkung von Honig und der historischen Bienenzucht/Imkerei.
Die Angst vor Insekten (und hier auch Spinnen), ihr Ruf als Schädlinge wird ebenso angesprochen, wie die vielfältige – und leider oft unterschätzte, da noch nicht erforschte – Einflussnahme auf alle Ökosysteme. Dass das Bienensterben sich negativ auf den Menschen auswirken wird, ist ein Fakt, der sich in letzter Zeit immer mehr durchsetzt. Aber was bewirkt das Aussterben anderer Wirbelloser?
Das Buch stellt weniger die Insekten in den Mittelpunkt, als vielmehr die Mensch – Insektenbeziehung. Die Reportagen verbinden Wissen und Fakten mit persönlichen Erlebnissen und Eindrücken. Die Begegnungen beschreiben jede Menge Personen, die sich mit den unterschiedlichsten Aspekte der Insekten beschäftigen.
Fazit: Das Buch vermischt aufmerksamkeitserregende, da mitunter skurrile, Informationen zu Insekten und Spinnen mit Fakten und Fachwissen auf eine angenehme Art. Allerdings sollte man sich nicht vom Titel in die Irre führen lassen – mehr noch als eine Reise in die Welt der Insekten findet man hier eine Reise zu all jenen Menschen, die sich mit ihnen beschäftigen.
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