Neue, schillernde Zeiten brechen in der großen Münchner Brauhaus-Saga von Julia Freidank an. Es ist die Zeit der Weimarer Republik. Die lebenslustige Clara wird 1919 von ihren Eltern zurück in die Stadt gerufen. Nach der Kriegszeit soll sie helfen, das Brauhaus Brucknerbräu zu alter Größe zu führen und es später übernehmen. Zwar glaubt Clara seit dem Tod ihres Bruders an den Segen der abstinenten Gesundheitsbewegung. Doch die Aufgabe ist auch verführerisch. Es ist eine neue Zeit: Frauen können früher Undenkbares tun. Clara ist entschlossen, mit ihrer Freundin Magdalena etwas zu bewegen. Dann aber begegnet sie einem Mann, der so gar nicht zu ihren Plänen passt - mitten in dieser politisch aufgeheizten und zugleich lebenshungrigen Zeit, in der Freundschaft wie Liebe jederzeit zu zerreißen drohen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Sabine
aus Köln
4/5
20.08.2020
eBook (ePUB 3)
Das Brauhaus an der Isar
Der erste Band der Brauhaus-Reihe hatte mich sehr begeistert, so dass ich die Reihe natürlich weiterlesen wollte - jetzt ist die Fortsetzung erschienen und auch dieser Band hat mich gut unterhalten, obwohl ich ihn schwächer fand als den Auftakt.
Es sind ein paar Jahre vergangen und im Mittelpunkt der Geschichte steht jetzt Clara, die Tochter der Bruckners – sie soll das Familienerbe übernehmen, als Frau jedoch hat sie es da nicht leicht, auch wenn die Zeiten sich gerade ändern und Frauen immer mehr Rechte eingeräumt werden. Zunächst hat Clara in diesem Unabhängigkeitskampf noch Unterstützung von ihrer Freundin Magdalena, als diese jedoch Albert kennen- und lieben lernt, verändert sich Magdalena sehr mit ihren neuen, eher nationalistischen Ansichten.
Es ist eine interessante, aber auch schwierige Zeit, in der die Geschichte angesiedelt ist – und in der ersten Hälfte gibt es demnach auch viele Einblicke in das politische System, den Umbruch bei der Frauenbewegung und vor allem auch in das Aufflammen des Nationalsozialismus. So interessant das auch ist, war es mir ein wenig zu langatmig und die Geschichte selber zu wenig spannend. Erst in der zweiten Hälfte war ich richtig gefesselt, als die Differenzen zwischen Clara und Magdalena immer größer werden und ihre Freundschaft auf eine sehr schwere Probe gestellt wird. Da geht es tatsächlich um Leben und Tod, und die Autorin hat den Spannungsbogen langsam steigern, dann aber lange auch hoch halten können.
Clara und Magdalena fand ich als Charaktere sehr gelungen – beide repräsentieren typische Frauenbilder der damaligen Zeit und vor allem auch die großen Unterschiede, die dabei zutage kommen. Clara genießt die neue Unabhängigkeit, und ich mochte sehr, dass sie den Mumm hat, sie zu leben und zu ihr zu stehen, auch wenn sie da an vielen Stellen auf Gegenwehr stößt. Magdalena war anfangs auch stolz auf das neue Selbstbewusstsein, mit ihrer neuen Liebe jedoch wird sie zu einem unterwürfigen, schwachen Menschen, der das, was ihr Verlobter ihr vorgibt, unreflektiert annimmt und auslebt. Natürlich fand ich diese Entwicklung schrecklich, die Autorin hat aber sehr gut gezeigt, wie Magdalena da ungewollt und vor allem auch unbemerkt in dieses nationalsozialistische Gedankengut reinrutscht – so ist es sicher vielen Menschen, und nicht nur Frauen, ergangen. Erwähnen möchte ich noch Tilda DuCourt, eine Varieté-Soubrette, die ich erfrischend und großartig fand und die mit ihrer unverblümten und selbstbewussten Art zu leben, für mich ein richtiger Stern der Geschichte war.
Auch zum Bierbrauen gibt es wieder interessante Einblicke, denn Clara hat sich als Abstinenzlerin auf die Fahne geschrieben, alkoholfreies Bier zu brauen – das gab es bislang noch nicht und sie muss einige Rückschläge einstecken – nicht nur in der von Männern dominerten Brauerei-Welt, sondern auch im Labor, wo sie selber forscht und nach Möglichkeiten sucht, ihre Idee umzusetzen.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, so dass die Seiten rasch dahinfliegen, auch wenn es in der ersten Hälfte einige langatmige Passagen gab, in denen die Geschichte stillzustehen schien und mehr auf die politischen Belange eingegangen wurde.
Insgesamt fand ich diesen Band etwas schwächer als den Auftakt, trotzdem aber unterhält er sehr gut, gerade weil die zweite Hälfte dann doch spannend ist und ich so gefesselt war, dass ich nicht aufhören wollte zu lesen. Ich gebe wegen der doch eher langatmigen ersten Hälfte 3,5 von 5 Sternen.
Mein Fazit
Auch dieser Band ist sehr unterhaltsam, da er in einer interessanten, aber auch gefährlichen Zeit spielt, die viele Umbrüche, sowohl politisch, als auch in der Frauenbewegung mit sich bringt. Die erste Hälfte fand ich leider etwas zäh und langatmig, die zweite aber ist dann sehr spannend und fesselnd. Ich gebe 3,5 von 5 Sternen.
aebbies.buechertruhe
5/5
09.08.2020
Buch (Taschenbuch)
Gelungene Fortsetzung
In den 1920er Jahren erleben die Bewohner der Stadt München turbulente Zeiten. Die politischen Unruhen kosten viele Leben. Dabei haben die Leute sich gerade erst von den Folgen der spanischen Grippe erholt. Auch die Familie Bruckner hat ihren Sohn und Erben der Brauerei durch die spanische Grippe verloren. Deshalb soll jetzt ihre Tochter Clara die Geschäfte weiterführen. Schon bald kommen Zweifel auf, ob Clara überhaupt geeignet ist eine Brauerei zu leiten, denn sie ist wie ihre Freundin Magdalena überzeugte Abstinenzlerin. Aber Clara reizt diese Herausforderung und sie will der eingeschworenen Männerwelt beweisen, daß sie dieser Aufgabe gewachsen ist. Erst spät merkt sie, daß Magdalena durch den falschen Mann an ihrer Seite in die Fänge nationalsozialistischer Fanatiker geraten ist. Als sie Rene kennenlernt, zögert sie lange, sich einzugestehen, daß sie sich in ihn verliebt hat. Die zwei ahnen nicht, welche Probleme auf sie zukommen, denn Rene ist Jude!
Auch im zweiten Teil der Geschichte der Familie Bruckner und ihrer Brauerei hat Julia Freidank wieder genau den richtigen Ton getroffen. Herrlich finde ich die Tiraden der Kellnerin Angelika in tiefster bayrischer Mundart. Man muß gar nicht jedes Wort verstehen. Schon allein das Bild dieser zeternden Frau vor Augen sorgt für Heiterkeit. Mit den anderen Personen ging es mir genauso. Alle sind so echt beschrieben, daß ich sofort eine bestimmte Vorstellung von ihnen bekam. Die Wirren dieser Zeit werden in der Geschichte sehr deutlich. Die Sehnsucht der Menschen nach Frieden ist verständlich und deshalb bemerken sie auch viel zu spät, daß eine neue Gefahr auf sie zukommt.
Ich bin sehr gespannt, ob und wann es einen dritten Teil dieser Reihe gibt. Ich würde auch diesen, genau wie die anderen zwei, mit großer Begeisterung lesen!
friederickes Bücherblog
aus Berlin
4/5
13.10.2020
Buch (Taschenbuch)
Das Brauhaus in einer neuen Zeit
Das Cover:
Das Cover des zweiten Bandes ist angelehnt an das erste Buch. Die junge Frau im Outfit der Zeit passt perfekt. Der Wiedererkennungswert beider Bücher ist sehr hoch und schafft eine perfekte Buchpräsentation die zusammen mit dem Klappentext neugierig macht.
Die Geschichte:
Die Geschichte setzt sich Jahre später fort. Nachdem der Sohn verstorben ist wird Tochter Clara 1919 zurückgeholt. Sie soll das Brauhaus weiterführen und zur alten Größe verhelfen. Zunächst ist sie sich unsicher, aber da eine neue Zeit angebrochen ist, den Frauen mehr Möglichkeiten einräumt werden, findet sie die Aufgabe verführerisch. Gemeinsam mit ihrer Freundin Magdalene möchte sie einiges bewegen. Doch der Mann dem sie begegnet, der vermeintlich so gar nicht zu ihren Plänen passt, sowie der gewählte Lebensweg ihrer Freundin, das alles droht alles infrage zu stellen.
Meine Meinung:
Mit großer Erwartungshaltung bin nach dem begeisterten Abschluss des ersten Bandes an das zweite Buch gegangen. Die Geschichte schreibt sich mit Tochter Clara und ihrer Freundin Magdalena in den Hauptrollen fort. Die beiden Frauen entwickeln sich aber total entgegengesetzt und haben es sehr schwer. Über viele Seiten hinweg geht es um die Zeitgeschichte, die schwierigen Verhältnisse, die politischen Brüche und die ersten Schritte in Richtung des Nationalsozialismus, was äußerst interessant und zeitgeschichtlich natürlich wichtig ist, aber sehr viel Raum einnimmt und die Geschichte selbst etwas zurückdrängt. Gerade das Spannende aus dem ersten Band, das Bierbrauen, die fortschreitenden wirtschaftlichen Veränderungen und der Kampf um das Brauhaus treten in den Hintergrund, was ich sehr schade finde. Im letzten Drittel aber, kommt wieder Spannung auf, da sich die beiden jungen Frauen ihren unterschiedlichen Herausforderungen endgültig stellen müssen. Mein Fazit: Insgesamt eine gelungene Fortsetzung, die ich ans Herz legen möchte.
Heideline von friederickes bücherblog
Eliza
4/5
30.08.2020
Buch (Taschenbuch)
Gelungener zweiter Teil
Nachdem ich bereits den ersten Teil der Brauhaus Saga mit viel Freude gelesen hatte, war ich gespannt wie die Geschichte um Antonia Pacher weitergeht. Die Geschichte war anders, als ich es erwartet hatte, was aber keinesfalls bedeutet, dass sie mir nicht wieder sehr gut gefallen hat.
Das Cover ist erneut sehr bunt gehalten. Auf diesem ist eine Frau mit Dutt-Frisur und einem blauen Kleid abgebildet, welche nachdenklich zur Seite schaut. Der Klappentext beschreibt kurz die wesentlichen Inhalte der Geschichte, ohne jedoch zu sehr ins Detail zu gehen. Im Mittelpunkt des Handlungsgeschehens steht Clara Bruckner, die Tochter von Antonia und Melchior vom Brucknerbräu aus dem ersten Band der Saga. Sie wird aufgrund der politischen Verwerfungen, welche in Deutschland des Jahres 1919, dem Beginn der Weimarer Republik, sehr schnell in die Verantwortung für die Brauerei hineingedrängt. Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit, welche ihren Weg konsequent verfolgt. Diese starke Hauptfigur der Erzählung hat mir sehr imponiert und sie überzeugt durch ihren starken Willen auch in kritischen Lebenssituationen. Als bedeutsame Nebendarsteller haben sich Claras Freundin, Magdalena Moser, René Kurowsky, Claras Geliebter und Journalist, sowie Alfred Bauer, Magdalenas Ehemann herauskristallisiert. Mich persönlich haben die politischen Themen hierbei sehr fasziniert. Die Autorin geht sehr gut auf die Anfänge der Weimarer Republik ein. Die sogenannte Räterepublik, welche den Konflikt zwischen „Links“ und „Rechts“ sehr gut beschreibt und schon erkennen lässt in welches Drama die Bevölkerung von Deutschland hineingeraten wird. Waren im ersten Teil das Bierbrauen, sowie das Wirtschaften eines Brauerbetriebes die Schwerpunkte des Romans, so sind diesmal die politischen Konflikte in Deutschland der Haupthandlungsstrang der Erzählung. Die Spannung des Romans ist sehr gut und wird durch die problematischen Anfänge des Nationalsozialismus (Alfred) und der Bestrebung Andersdenker zu verfolgen (René jüdischer Journalist) noch zusätzlich verstärkt. Die wesentlichen Schwerpunkte der Erzählung sind Räterepublik, Weimarer Republik, Frauenbewegung, politische Verfolgungen, Nationalismus. Es ist dabei nur ein kurzer Zeitsprung von 1919 auf 1925 innerhalb der Erzählung erkennbar, ansonsten ist die Geschichte sehr stringent und für den Leser sehr gut nachvollziehbar. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, gut lesbar und sehr unterhaltend. Als Zielgruppe für den Roman kommen tendenziell Frauen in Frage. Das erneut abgebildete Personenverzeichnis hat mir erneut sehr geholfen den Überblick über die einzelnen Handlungsfiguren zu behalten. Als Fazit ist dennoch zu sagen, dass mir die Geschichte sehr gut gefallen hat. Julia Freidank hat es geschafft den politischen Zeitgeist in Deutschland sehr gut zu erzählen. Erneut sehr gut haben mir die Nebeneffekte der Zeit gefallen wie z.B. die Bubi-Kopf Frisur der Frauen, welche ein Zeichen der Emanzipation und des neuen Selbstvertrauens darstellten. Genauso haben mich die bayerischen Dialekte der Bierkellnerin Angelika sehr erheitert und für eine gute Kurzweile zusätzlich gesorgt. Ich bedanke mich bei der Autorin für die schönen und sehr lehrsamen Stunden über eine besondere Zeit für die deutsche Geschichte. Des Weiteren bedanke ich mich bei Rowohlt für die Zusendung des Rezensions-Exemplars.
MarySophie
4/5
25.07.2020
Buch (Taschenbuch)
Das Brauhaus an der Isar - Im Sturm der Zeit
Durchweg herrscht eine einfache und umgangssprachliche Schreibweise vor, die immer wieder gespickt wurde mit dem bayrischen Dialekt, der ernste Abschnitte aufgelockert hat und dem Roman Authentizität verliehen hat. Übrigens gibt es am Ende des Romans noch eine Art Wörterbuch, in dem bayrische Begriffe und Wendungen ins Hochdeutsche übersetzt werden. Fand ich gut und passend, gerade wenn man sich in dieser Mundart nicht auskennt!
Und zuletzt wird man auch durch die Einbindung von politischen Geschehnissen gefordert. Diese treten in einer hohen Anzahl auf und um sich Zusammenhänge zu merken ist es ebenfalls wichtig, dass man genau liest und manches in Gedanken nochmal Revue passieren lässt.
Anhand all dieser genannten Komponenten entsteht eine anspruchsvolle, trotzdem leicht lesbare Sprache, die mir hervorragend gefallen hat. Ich bin der Geschichte mit viel Interesse gefolgt und bin mit dem Lesen schneller vorangekommen, als anfangs gedacht.
Die Autorin hat verschiedene Sichtweisen genutzt, um dem Leser die Ereignisse näher zu bringen. Dabei wird die Geschichte stets von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben. Auf diese Weise entstehen viele Einblicke und man kann sich ein wenig besser in die Gedanken- und Gefühlswelt der Charaktere einfinden. Teilweise konnte ich dadurch manche Personen und Aktionen besser verstehen, teilweise hat diese Art der Erzählsituation dazu beigetragen, dass sich mein negativer Eindruck von Situationen oder Protagonisten verstärkt.
In ihren Roman hat die Autorin allerhand historische Informationen eingebunden. Angefangen von der Mode, über die Politik bis hin zur Entwicklung der Frau. Es wurden viele Themen angesprochen, sodass ein breites Bild von dem Leben und den Handlungen von Politikern entsteht. Ich finde es richtig gut, wie vielfältig sich der Roman in dieser Hinsicht erweist, man konnte einen zarten Eindruck von dem Leben in den 1920er Jahren erhalten. Doch leider war es mir ein bisschen zu viel Politik, die eingebunden wurde. Es ist ein wichtiges Thema und ich mag es, dass verschiedenste Sachverhalte eine Erwähnung finden, doch oft sind Clara und ihr Brucknerbräu in den Hintergrund geraten. An diesen Stellen hätte es mir gefallen, wenn der Text kürzer und prägnanter gewesen wäre.
Die Protagonisten lassen mich etwas zwiegespalten zurück. Mir hat es gefallen, dass manche, allen voran Clara, sehr lebendig daherkommen und man sie richtig gut kennenlernt. Außerdem wurden auch wenige, historisch verbürgte Personen eingebunden, was der Geschichte, vermischt mit den politischen Geschehnissen, einen angenehmen Wahrheitsgehalt gegeben hat, zudem wurde Authentizität vermittelt.
Doch leider fand ich manche Protagonisten etwas schwierig und anstrengend.
Fazit:
Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich von dem ersten Band geschwärmt habe und dieser hat definitiv zu meinen Jahreshighlights gehört. Und dementsprechend hatte ich an die Fortsetzung hohe Erwartungen, die leider nicht vollkommen erfüllt wurden. Und obwohl das Buch viele gute Facetten hat, konnte es mich diesmal nicht hundertprozentig begeistern.
Dafür war mir das Verhältnis zwischen politischen Ereignissen und der eigentlichen Geschichte nicht ausgewogen genug und ich hatte mit einigen, wenigen Protagonisten ein paar Problemchen. Leider haben mich diese zwei Punkte immer mal wieder gefuchst und ich konnte nicht so einfach darüber hinwegsehen.
Ansonsten hat Julia Freidank einen interessanten Roman geschaffen, der viele Informationen und eine lesenswerte Geschichte beherbergt. Und ich weiß nicht weshalb, aber irgendwie schreit für mich das Ende nach einer Fortsetzung... Mal schauen, ob mein Gefühl hinhaut:)
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