DIE INSEL DES DR. MOREAU - ein Blick auf den Klassiker von H.G. Wells
Im Jahr 1896 wird die junge Ellie Prendick infolge eines Schiffsunglücks auf einer abgelegenen Pazifik-Insel angespült. Hier widmet sich der ebenso fantastische wie brillante Dr. Moreau, der für albtraumhafte Experimente berüchtigt ist, seinen grausamen Studien.
Ellies Anwesenheit verändert alles - für sie selbst, den Doktor und seine bizzaren Schöpfungen...
Wo liegen die Grenzen von Wissenschaft und Hochmut? Eine aufregende Neuinterpretation des topaktuellen Romanklassikers von Science-Fiction-Wegbereiter H.G. Wells (Der Krieg der Welten), inszeniert von Ted Adams und Ausnahmekünsler Gabriel Rodriquez (LOCKE & KEY).
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Meggie
aus Mertesheim
5/5
30.07.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
ein Klassiker im neuen Gewand
Wir treffen auf Ellie Pendrick, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird. Durch eine unglückliche Verkettung von Zufällen landet sie auf einer einsamen Insel mitten im Südpazifik. Montgomery, ein Biologe, nimmt sie auf, aus Mitleid und um sie vor dem Tod auf hoher See zu bewahren. Je länger Ellie auf der Insel bleibt, umso seltsamer wird alles. Plötzlich trifft sie auf eine merkwürdige Kreatur, halb Mensch, halb Tier. Und auf Dr. Moreau, der mit diesen Kreaturen experimentiert.
Das Buch, welches 1896 erschien, ist an sich schon eine spannende Geschichte. Diese nun als Graphic Novel vorliegen zu haben, war für mich etwas Besonderes.
Besonders ist auch, dass - anders wie im Buch - nicht Edward Pendrick die Hauptrolle spielt, sondern Ellie Pendrick. Bei einem Schiffbruch landet Ellie auf eine Insel und wird von dem Biologen Montgomery empfangen und versorgt. Schon kurz darauf fallen Ellie komische Dinge auf.
Den Protagonisten weiblich zu machen, soll ein Zeichen für die Gleichberechtigung setzen, für die Frauen in der Realität sowie in der Fiktion kämpfen.
Kurz darauf drängt sich nun ein neuer Protagonist ins Bild. Dr. Moreau, seines Zeichens ebenfalls Arzt und Biologe, lädt dann aber nach anfänglichem Zögern Pendrick ein, sich so lange auf der Insel aufzuhalten, bis ein Schiff vorbeikommt und sie wieder mit nach Hause nimmt.
Und ab da wird es unheimlich. Denn Ellie erfährt Dinge, die eigentlich nicht für ihre Augen und Ohren bestimmt sind - und dies alles ausgelöst von einem unheimlichen Wesen, halb Mensch, halb Tier.
Die Graphic Novel wird rasant dargestellt, ganz anders wie im Buch, wo alles etwas gemächlicher von statten geht. Auf wenigen Seiten wird die Story voran getrieben und es bleibt kaum Zeit, ihr richtig zu folgen.
Ungewöhnlich war auch die Aufteilung der Panels. Diese reihen sich nämlich über zwei Seiten aneinander. Man liest quasi von links über die Seite hinaus nach rechts. Dies hat mich am Anfang etwas Zeit gekostet, weil ich so manche Seiten mehrmals lesen musste.
Auch wenn die Geschichte schon über 100 Jahre alt ist, scheint sie sehr zeitlos.
Die Protagonisten hatten Tiefe, obwohl man nur wenig über sie erfährt. Und doch hatte man am Ende des Buches das Gefühl, alles über alle zu wissen.
Der Charakter Pendrick hat mit vielen schwerwiegenden Entscheidungen zu kämpfen. Und doch meistert sie fast sämtliche Probleme mit Bravour und versucht, aus der ihr gegebenen Lage das bestmögliche herauszuholen. Und doch merkt man an ihr eine große Veränderung, die ihr Leben derart beeinflusst, dass sie bis zu ihrem Tod nicht vergessen kann, was ihr geschehen ist.
Etwa die Hälfte der Graphic Novel besteht aus der eigentlichen Geschichte. Die zweite Hälfte zeigt die Blaupausen, die der Illustrator vorgezeichnet hat. Ein interessanter Einblick in die Arbeit eines Zeichners.
Am Ende erwartet einem noch ein Interview zwischen Ted Adams und Gabriel Rodriguez mit sehr interessantem Inhalt.
Meggies Fussnote:
Ein Klassiker der Weltliteratur in neuem Gewand.
books and phobia
aus Halle
3/5
19.11.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bis zur Hälfte ein absolutes Highlight, danach leider eine Enttäuschung
Auch wenn ich gestehen muss weder Buch noch die zahlreichen Filmadaptionen gesehen zu haben, war mir die Handlung rund um „Die Insel des Dr. Moreau“ längst ein Begriff. Kein Wunder also, das ich regelrecht Stielaugen bakam, als ich diese Graphic Novel erblickte.
Schon das Cover lockte mit seinem detailreichen Artwork und der Frage „Wo verläuft die Grenze zwischen Mensch und Tier?“. Die anschließende Entdeckung das dieser Band leicht abgeändert war und statt der männlichen eine weibliche Hauptfigur beinhalten würde, machte das Ganze nur noch interessanter für mich.
Bevor es aber an die Hauptgeschichte ging, erfreute ich mich am Vorwort, welches ein paar interessante Fakten zum Buch und seiner Wirkungskraft in der heutigen Zeit beschrieb. Dann ging es aber los und meine Begeisterung steigerte sich innerhalb kürzester Zeit zu purer Ekstase. Sowohl die Handlung als auch die Illustrationen schafften es, mich in ein Abenteuer zu führen, das neben Spannung und Überraschung, auch Angst und Ekel in mir auslöste.
Wer die Geschichte kennt, dürfte zwar wenige Überraschungen erleben, aber wer wie ich die gesamte Story noch nie gelesen hatte, der dürfte eine Reise durch seine Gefühlswelt erleben.
Leider muss ich auch auf etwas hinweisen, was mir weniger gut gefiel. In vielen Graphic Novels und Comics kann man Variantcover oder Vorzeichnungen verschiedenster Künstler betrachten. Diese liebe ich, da man hier ungeahnte Kunstwerke finden kann. Diese Graphic Novel sprengte aber den Rahmen, in dem man die Vorzeichnungen der gesamten Story abdruckte. Dies war für mich deswegen ärgerlich, da es die Hälfte des Bandes einnahm und für mich als Endverbraucher keinen wirklichen Nutzen hatte. Immerhin hatte man es hier nur mit blauen Vorzeichnungen zutun, zu denen es weder Vermerke noch irgendetwas anderes Sehenswürdiges gab. Somit stellte ich auch das Preis/Nutzen-Verhältnis in Frage, welches hier einfach nicht gegeben war. Da war das Interview am Ende mit Gabriel Rodriguez und Ted Adams auch nur noch ein Tropfen auf einem heißen Stein.
Diese Graphic Novel bot mir die Möglichkeit die schaurige aber auch unglaublich spannende Adaption zu H.G. Wells´ Werk zu genießen. Dafür sorgte aber nicht nur die Story selbst, sondern die geballte Kraft der Illustrationen, welche mich einfach nur begeisterten. Weniger begeistert bin ich allerdings von der Beigabe der Originalseiten, welche die gesamte Story noch einmal als Vorzeichnung präsentierten. Diese fühlten sich mehr wie Füllmaterial an und streckten einfach nur das Buch.
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