Ein originelles Zeitbild mit viel Komik und schrulligen Figuren, wie wir sie alle kennen.Mit Sprachwitz und trockenem Humor porträtiert Bettina Gärtner den Mittvierziger Herrmann und sein Mittelschichtsleben zwischen Hauptstadt, Kleinstadt, Heimatgemeinde. In kaum einer Woche überschlagen sich Ereignisse beruflicher wie privater Art. In der Firma möchte der kränkelnde und eigentlich mit bescheidenen Ambitionen ausgestattete Herrmann gerne ein wenig die Karriereleiter hinaufsteigen, wogegen er die Weiterführung der Hundezucht seines unlängst verstorbenen Vaters als Last sieht. Damit aufhören? Aber was würde der Ort nur dazu sagen? Und dann drängen Menschen und Vorfälle aus der Vergangenheit als Unruhestifter in das Jetzt hinein. Allen voran Orban, ein Jugendfreund, der nach der »Friedhofssache« – aus der Gerüchteküche des Ortes nicht wegzudenken – für rund 30 Jahre nach England verschwunden war … Genauso eigenwillig wie diese Milieustudie ist, so schräg mutet auch die Entourage an der Seite des (Anti-)Helden an.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Manfred Fürst
aus Kirchbichl
5/5
02.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein eigensinniger Roman mit viel Sprachwitz und tragischer Komik
„Treffen sich zwei Mittvierziger heimlich im Wald“, erste Zeile, erster Halbsatz, Beginn seines Witzes? Nein, nur der Beginn eines witzigen Romans.
Banalitäten des Alltags für die Einen, persönliche Tragödien für die Anderen.
Warum sollte Herrmann beim Heckenschneiden nicht auf die Schneidblätter der Gartenschäre starren, wenn ihm seine Schwester Lindi von dem durchtrennten Samenleiter ihres Freundes erzählt?
In einer überaus absurden bis grotesken Studie über das privates und berufliche Dasein des Mittvierziger Herrmann schildert Bettina Gärtner sein multiples Mittelschichtsleben zwischen Hauptstadt, Kleinstadt und dem Ort, seiner Heimatgemeinde: Herrmann als von seiner Frau Rieke Verlassener, Bruder von Linde und Sohn von Mutti, Zwingerhalter und Hundezüchter, Revierjäger und Unkündbarer. Bettina Gärtner präsentiert einen Roman eloquent und mit viel Sprachwitz über Herrmanns aktuelle Arbeitswelt, von der man höchstens erahnen kann, dass sie sich im IT-Bereich anspielt und karikiert deren maßlose Selbstüberschätzung mit unzähligen Anglizismen. Ganz nah an der Realität, mit viel tragischer Komik, einer bewundernswerten sprachlichen Ausdrucksschärfe und einer brillanten Erzähl- und Schreibtechnik, die dem Roman zu einem besonderen literarischen Erlebnis macht.
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