Andrea lebt in New York, ist 39, Single und kinderlos. Und sie ist es leid, sich für ihr Leben rechtfertigen zu müssen. Familie, Ehe, Kinder – einfach nicht ihr Ding. Während ihre beste Freundin Indigo gerade Mutter geworden ist, zieht Andrea alleine durch die Clubs, lässt sich auf eine Reihe von schrägen Dates ein und brüskiert mit ihrer unverblümten Art ein ums andere Mal ihr Umfeld. Andreas Rückzugsort ist ihr kleines Apartment. Von dort aus kann sie das Empire State Building sehen, das sie jeden Abend zeichnet. Stück für Stück offenbart sich ihre andere Seite: ihr geplatzter Traum von einem Leben als Künstlerin, ihr Aufwachsen mit einer überforderten Mutter, ihre Unsicherheit im Job, ihre gescheiterten Beziehungsversuche. Vor allem scheut Andrea die Begegnung mit ihrem Bruder und dessen todkranker Tochter, um die sich alle Gespräche der Familie drehen – bis sie sich eines Tages aus ihrer selbstgewählten Einsamkeit in die Wälder von New Hampshire aufmacht. Treffsicher und mit funkelndem Witz porträtiert Jami Attenberg eine Heldin, die keine sein will: unbequem und charmant, kompromisslos und verletzlich zugleich.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Bewertung
5/5
18.04.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was zählt ?
Andrea streift durch New York und durch ihr holpriges Leben. Die Lebensmodelle,die sie selbst erfahren hat, passen einfach nicht für sie. Die großen Fragen stellen sich ihr auf dem Weg zur Selbsbestimmtheit dennoch: Wie will Frau leben,wenn feste Partnerschaft Mutterschaft oder steile Karriere einfach nicht ihr Ding sind ? Wie funktionieren Freundschaften heute ? Was oder wer bleibt auf der Strecke ? Trotz des lakonischen und manchmal sogar zynischen Tons bietet das Buch eine großartige Lektüre. Humorvoll, scharfsinnig und temporeich vermittelt es puren Zeitgeist mit einem tollen Sound !
Bewertung
5/5
13.02.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Nicht mein Ding"
Jeder Mensch hat im Leben Phasen, in denen er nicht weiß, was er will und der Sinn des Lebens nicht greifbar scheint. Bei Andrea ist dieser Abschnitt Lebensprogramm. Nach abgebrochenem Studium arbeitet sie in einem verhassten Job, trinkt zu viel, hat zu viel Sex mit blöden Männern, auch ihre Therapeutin ist keine große Hilfe. Bei all dem ist Andrea völlig reflektiert, sie schaut immer wieder mit Abstand auf ihr Leben, ist frustriert und macht so weiter...
Ich habe diese "Heldin" liebgewonnen und wünsche dem Buch viele Leser*Innen.
Webervogel
4/5
19.02.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was hat sie bloß so ruiniert?
Total mein Ding ist das Cover dieses Buches. Es zeigt das Gesicht einer gezeichneten Frauenfigur, in ihrer Sonnenbrille spiegelt sich das Empire State Building. Durch den ungewöhnlichen Bildausschnitt, den flächigen Zeichenstil und die kräftigen Farben ist das Cover ein absoluter Eyecatcher und noch dazu sehr ungewöhnlich.
Ungewöhnlich ist auch der gesamte Roman von Jami Attenberg, der den Titel „Nicht mein Ding“ trägt. Es geht um all das, was nicht das Ding der 39-jährigen Ich-Erzählerin ist. Hauptfigur Andrea macht sich nichts aus einem konventionellen Leben. Karriere ist nicht ihr Ding, Beziehung ist nicht ihr Ding und Kinder sind schon mal gar nicht ihr Ding. Doch ihr Umfeld denkt zunehmend anders über diese Themen, die Freundinnen heiraten und/oder setzen Kinder in die Welt, während Andrea auf der Stelle tritt. Pläne oder gar Träume scheint sie schon lange nicht mehr zu haben. Mit Anfang 20 wollte sie noch Künstlerin werden, nun malt sie nur noch täglich den Blick aus ihrem winzigen Apartment, von dessen Zimmer aus sie in der Ferne das Empire State Building sieht – bis ein Neubau ihr auch diese Aussicht nimmt.
Ich konnte Andrea lange nicht einordnen. Sie ist eine Art Anti-Heldin, die viele fragwürdige Entscheidungen trifft und einem durch ihren gelegentlich aufblitzenden schwarzen Humor trotzdem ans Herz wächst. Jami Attenberg hat eine sehr ambivalente Figur geschaffen: sensibel und rücksichtslos, verletzlich und verletzend, zurückgenommen und egozentrisch. Wenn es mal gut läuft, scheint Andrea sich selbst zu sabotieren, um bloß kein kleines Stückchen mehr mit sich ins Reine zu kommen.
Eine bequeme Figur ist sie nicht und „Nicht mein Ding“ dadurch auch keine bequeme Lektüre, obwohl sich der Roman bestens lesen lässt. Nach und nach, durch Rückblenden und Erinnerungen, lassen sich Andreas Macken und Dämonen besser einordnen. Die kapitelweisen Zeitsprünge werden dabei nicht groß gekennzeichnet, die Orientierung in der Geschichte klappt aber dennoch erstaunlich gut. Und so füllen sich die Leerstellen von Andreas Lebensgeschichte langsam und es wird etwas klarer, wie sie so werden konnte: keine großen Höhen oder Tiefen zulassend, sich selbst betäubend und ziellos vor sich hin dümpelnd. Doch was passiert, wenn es plötzlich Menschen gibt, die Andreas Unterstützung brauchen?
Jami Attenbergs Roman ist keine Feelgood-Lektüre, aber er lädt zum Nachdenken ein: Über die unsichtbaren Päckchen, die jeder mit sich herumträgt und darüber, wie unterschiedlich Menschen doch sind und reagieren.
Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten.
Xirxe
aus Hannover
4/5
06.02.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Single-Leben
Die fast 40jährige Andrea lebt als Single in New York und erlebt, wie um sie herum Familien gegründet und Kinder geboren werden – etwas, mit dem sie überhaupt nichts anfangen kann und will. Doch mit ihrem Singleleben ist sie ebenso wenig zufrieden wie mit ihrem Job, ohne jedoch konkret zu wissen, was sie tatsächlich möchte. Eine Entscheidung für oder gegen etwas zu treffen vermeidet sie und so vergehen die Tage ohne Sinn und Ziel und mit einem zunehmenden Gefühl der Verlassenheit.
Eigentlich ist es ein trostloses Buch, denn das Leben von Andrea zeigt tatsächlich wenig Erbauliches und sie selbst bietet zudem nur wenig Anreiz, sie sympathisch zu finden. Dennoch lohnt es sich zu lesen, denn die Art und Weise, wie die Autorin uns an Andreas Gedanken und ihrem Leben teilhaben lässt, wirkt derart authentisch und realitätsnah, dass zumindest ich Vieles mit ihr fühlen, wenn auch nicht wirklich Alles nachvollziehen konnte. Haben nicht viele Menschen Zeiten, in denen sie sich unfähig fühlen, Entscheidungen zu treffen und/oder Verantwortung zu übernehmen oder das Leid anderer zu ertragen? Doch darüber redet man nicht, denn es ist ein Zeichen von Schwäche und wer gibt die schon gern zu? Bei Andrea tauchen diese ‚Mängel‘ in geballter Form auf, aber was für sie spricht, dass sie sie klar benennt, zumindest sich selbst gegenüber. Somit mag Jede und Jeder sich in etwas wiederfinden, wenn auch vermutlich nicht in dieser Extremform wie bei Andrea.
Trotz des eher trostlosen Themas gibt es ein versöhnliches Ende, das jedoch sehr unterschiedliche Lesarten zulässt. Und so mag sich Jede und Jeder seine eigenen Gedanken dazu machen, wie es mit Andrea weitergeht.
Miro
aus Wels
4/5
05.02.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Alles gewachsen
Andrea ist fast 40 und Single. Sie wollte Künstlerin werden, doch von diesem Wunsch ist nur das Zeichnen geblieben. Täglich zeichnet sie den Ausblick aus ihrem Apartment, bis ihr ein neues Gebäude die Sicht verstellt.
Sie arbeitet in der Werbung und fühlt sich da nicht wirklich gefordert. Ihren Job macht sie gut, kann ihn aber ohne viel Aufwand erledigen. Eine Beförderung will sie nicht. Sie will keine Verantwortung.
Überhaupt scheint sie mit Verantwortung nicht viel am Hut zu haben. Sie hat keine längeren Beziehungen, lebt in den Tag hinein und ihre beste Freundin trifft sie auch kaum mehr, seit diese ein Kind bekommen hat.
Andreas Bruder und seine Frau haben ein todkrankes Kind, das sie einige Jahre pflegen. Die Lebenserwartung liegt ungefähr bei 5 Jahren. Um sich ausschließlich um ihr Kind kümmern zu können, ziehen sie in ein altes Haus in New Hampshire. So können sie Miete sparen und ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem Kind widmen.
Andrea fühlt sich von allen zurückgelassen. Ihre Freundinnen heiraten werden Mütter, ihr Bruder und später auch ihre Mutter verlassen die Stadt. Sie bleibt irgendwie immer die gleiche. Erwachsen an Jahren, ein Teenager im Kopf. Sie wirkt egozentrisch und manchmal auch zynisch.
Doch langsam lässt uns Jami Attenberg etwas tiefer in die Seele ihrer Protagonistin blicken und wir erkennen, was sie genau zu der Frau gemacht hat, die sie geworden ist. Ich denke, sie hat ihre Protagonistin nicht ohne Grund etwas eckig und kantig geschrieben. Sie ist definitiv nicht Everybodys Darling und sie fordert uns LeserInnen heraus, nicht zu rasch über sie zu urteilen. Sie führt ein unbeschwertes Leben mit schnellem Sex, Drogen und Alkohol, aber sie leidet auch unter ihrer Einsamkeit und sie trägt ganz klar ihr Päckchen aus der Kindheit mit sich.
Ihr 40. Geburtstag gibt ihr zu denken. Alle scheinen sie irgendwie zurückgelassen zu haben. Alle haben sich weiterentwickelt. Doch auch hier sehen wir, dass Andrea eigentlich eine beliebte und umgängliche Frau ist, denn ihre Freunde wissen eine Menge Gutes über sie zu sagen.
Und als es beginnt schlechter um ihre Nichte zu stehen, beginnt Andrea endlich, sich mit ihrer Familie auseinanderzusetzen. Sie lernt, dieses Leid zuzulassen und sie vergibt ihrer Mutter. Sie versöhnt sich mit ihrer Kindheit, trägt keine Bitterkeit mehr in sich und hofft, dass die Liebe siegt. Es ist eine schöne Entwicklung, die sich am Ende anbahnt. Wie es weitergeht, bleibt offen. Das Buch ist eine Momentaufnahme aus dem Leben einer Singlefrau, die gerne lebt und lacht und mit ihren Sorgen und Wünschen hadert.
Jami Attenberg zeichnet ein Porträt, vielleicht steckt autobiographisches dahinter und sie setzt sich mit dem Leben als Single(frau) auseinander. Sie bedient Klischees, denen sich Single(frauen) ausgesetzt sehen und sie regt uns an, unser Weltbild wieder ein Stück zu öffnen, damit wir Andrea Andrea sein lassen können. Denn das ist es, worauf es meiner Meinung nach ankommt.
„Nicht mein Ding“ ist ein Buch, dass sich ein bisschen setzen muss. In den letzten Tagen hat es mich immer wieder beschäftigt und mit jedem Mal nachdenken, mochte ich die Geschichte etwas mehr. Es braucht eben etwas Zeit, wenn man über den Rand des Tellers schauen möchte. Gefällt mir gut, was dieses Buch mit mir macht.
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