Ein historischer Schlosskrimi - süffig, spannend und mit einer Prise Romantik
Wir schreiben das Jahr 1898: Schloss Hof liegt alt und vergessen im österreichischen Marchfeld. Während in Wien das fünfzigjährige Regierungsjubiläum Franz Josephs I. gefeiert wird, obwohl im Umland die Rebellion rumort, ist das Leben hier noch ruhig und urtümlich. Als der Kaiser beschließt, das Jagdschloss ans Militär zu verpachten, wird das Leben von Dienstmädchen Irmi ordentlich aufgewirbelt. Denn außer einer Gruppe fescher Offiziere kündigt auch Kaiserin Sisi ihren Besuch an. Grund genug für ein rauschendes Fest. Doch am nächsten Morgen wird die Leiche eines der Offiziere gefunden. Der geheime Polizeiagent Johann Pospischil wird aus Wien entsandt, um zu ermitteln - und kommt einem Skandal auf die Spur, der bis in die vornehmsten Adelshäuser reicht.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Liselottchen
aus Rankweil
5/5
06.06.2021
eBook (ePUB)
»Na servas.« – Mord in der Kaiserzeit
Der Polizeiinspektor Pospischil hat’s nicht leicht. Er wird zu einem Mordfall nach Schloss Hof gerufen. Tomas Andic, ein schneidiger Offizier, liegt erschossen im Wald. Und es passierte ausgerechnet dann, als Kaiserin Sisi und Graf Andrassy im Schloß nächtigten. Sein Chef sitzt ihm im Nacken, hätte den Fall lieber heute als morgen geklärt. Pospischil stehen im neunzehnten Jahrhundert nur begrenzt kriminaltechnische Mittel zur Verfügung. Zudem versteht sich von selbst, dass man Hochwohlgeborene nicht so einfach zu einem Mordfall befragen darf. Und freilich darf der Schuldige kein Adeliger sein, geht gar nicht. Obwohl Andic eine Liebschaft mit einer Gräfin hatte und der Ehemann derselben über kein Alibi verfügt.
Was für eine ungewöhnliche Geschichte! Die Autorin ließ mich tief in das Ende des neunzehnten Jahrhunderts eintauchen. Ins österreichische Kaiserreich, als die Spanne zwischen arm und reich unendlich weit auseinanderklaffte und sich die Obrigkeit sehr viele Freiheiten herausnehmen durfte. Gemächlich wird die Story aufgebaut, da ist die Irmi, die sich Hals über Kopf in den Offizier Andic verliebt und sich zu einem Schäferstündchen überreden lässt. Und Rosi, ihre beste Freundin, Tochter der Wirtsleute, deren Vater plötzlich der Kaplan sein soll und nicht der Wirt? Jede der Nebenfiguren hatte ihren Platz und wurde mit Liebe ausgearbeitet, sie erstanden vor meinen Augen in einer Lebendigkeit, dass sie fast aus dem Buch herauskrabbelten.
Die Dorfbewohner werden aus ihrer Ruhe gerissen, als Kaiserin Elisabeth sich zu Besuch auf Schloss Hof ansagt. Zusätzliche Dienstkräfte werden benötigt und zur Arbeit angetrieben. Ich fühlte mich mittendrin im Geschehen, die Autorin verstand es, die Atmosphäre so hautnah zu schildern, dass ich Angst hatte, man würde auch mir einen Putzkübel in die Hand drücken. Der Mord an Offizier Andic soll ohne großes Aufsehen aufgeklärt werden. Doch als sich herausstellt, dass das Opfer adoptiert worden war und der leibliche Vater ein ungarischer Aufständischer ist, sinken sein Ansehen und das Interesse an der Wahrheit rapide. Die wenigen Beweisstücke verschwinden auf geheimnisvolle Weise und die Türen der ›Hochwohlgeborenen‹ schließen sich vor dem Polizeiinspektor.
Mit Inspektor Pospischil schuf die Autorin eine faszinierende Figur. Er will nicht so schnell aufgeben, resigniert letztlich aber doch - die österreichische Mentalität von damals. Auch der spezielle österreichische Charme und der kleine feine Tic von Humor fehlen in dieser Story nicht. Beispielsweise wenn Pospischil das herzhafte Essen seiner Schwester Gerti genießt und hofft, dass sie keinen ›Bettgänger‹ aufnehmen müssen, sollte das Geld zu knapp werden. Oder wenn er sich bei der Übernachtung auf Schloss Hof mit einer trächtigen Ratte anfreundet, die er Luna tauft. Oder wenn ihn ausgerechnet während der Audienz beim Kaiser die Blase drückt. Köstlich.
Berührend gelingt es der Autorin auch, die Missstände aufzuzeigen, wenn sich beispielsweise die Ehefrau eines Internisten (!) mit Wissen ihres Gatten (der sie regelmäßig untersucht) ein Zubrot mit Gefälligkeiten verdienen muss. Wie wenig wert die arbeitende Bevölkerung zu dieser Zeit war, egal welchen Beruf sie ausübten!
Die Sprache ist dem vorletzten Jahrhundert angepasst, für spezielle Ausdrücke gibt es ein Glossar. Dennoch war die Geschichte flüssig zu lesen.
Es hat Spaß gemacht in die Geschichte einzutauchen und ich bin so richtig von Herzen froh, dass ich heute lebe und nicht vor 150 Jahren. Eine klare Leseempfehlung für alle, die gerne gut recherchierte historische Krimis lesen.
Bewertung
5/5
16.05.2020
Buch (Taschenbuch)
Wunderschön
Bei „ Der Offizier der Kaiserin“ von Christine Neumeyer handelt es sich um einen historischen Roman.
Klappentext übernommen:
Intrigen in Zeiten der Donaumonarchie
Wien 1898:
Während die Stadt das Regierungsjubiläum Franz Josephs I. feiert, obwohl ringsherum die Rebellion rumort, ist das Leben auf Schloss Hof ruhig und urtümlich. Als das Anwesen ans Militär verpachtet werden soll, wird Dienstmädchen Irmis Leben jedoch gehörig aufgewirbelt. Denn neben einer Gruppe fescher Offiziere plant auch Kaiserin Sisi einen Besuch. Ein willkommener Anlass für ein rauschendes Fest. Doch am nächsten Tag ist einer der Offiziere tot. Polizeiagent Johann Pospischil übernimmt die Ermittlung - und kommt einem Skandal auf die Spur, der bis in die vornehmsten Adelshäuser reicht.
Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Dieser Roman lässt sich sehr flüssig lesen und der Einstieg ist mir leicht gefallen. Einige Wörter / Sätze werden hier in Wiener Dialekt gesprochen, diese passen perfekt, vermitteln Authentizität und sind gut zu verstehen.
Die Atmosphäre der damaligen Zeit wird gut beschrieben, sodass ich mich gedanklich in das Jahr 1898 versetzen konnte. Die Handlungsorte werden bildhaft beschrieben.
Das Handeln, die Gedanken und die Einstellungen der Protagonisten entspricht ebenfalls dieser Zeit.
Die Ermittlungsschritte der Ermittler haben mir gefallen. Diese sind plausibel, entsprechen der Zeit, sind interessant, spannend und führen letztendlich zum Täter. Durch ein paar Wendungen hat mich die Autorin mehrmals überrascht, sodass ich …., als Täter gar nicht auf dem Schirm hatte.
Die Protagonisten werden ausführlich, authentisch und gut beschrieben. Ihre Entwicklungen im Laufe der Geschichte sind plausibel.
Sehr gut gefallen hat mir , dass die Autorin hier sehr viele versch. Themen aufgegriffen hat ( möchte hier nicht zu viel verraten). Dadurch ist jede Seite lesenswert, abwechslungsreich und spannend.
Ich empfehle dieses Buch weiter.
Zauberberggast
aus München
5/5
14.05.2020
Buch (Taschenbuch)
Krimi mit Kaiserin und K.u.k.-Kulisse
Das Jahr 1898 sollte für Franz Joseph I., Kaiser von Österreich-Ungarn, ein Jahr des Triumphes werden. Sein 50stes Regierungsjubiläum wurde gefeiert und ihm zu Ehren eine Weltausstellung abgehalten. Stattdessen wurde es ein "annus horribilis" mit Rebellionsherden im ganzen Land, das mit der Ermordung der Kaiserin Elisabeth im September durch einen Anarchisten seinen traurigen Höhepunkt erreichte.
In diesem Jahr also lässt Christine Neumeyer ihren top recherchierten historischen Roman spielen. Allerdings zum Großteil nicht in der Kaiserstadt Wien, sondern im niederösterreichischen Marchfeld, wo sich Schloss Hof befindet. Diese ehemalige Sommerresidenz der Habsburger ist der Dreh- und Angelpunkt dieses vielschichtigen Histo-Krimis. Schloss Hof ist zum Zeitpunkt der Handlung nur noch ein Schatten seines ehemaligen prunkvollen Selbst. Überall sind Ratten und Staub und kaputter Putz - K. u. k.-Romantik dekonstruiert gewissermaßen. Das dem Schloss angeschlossene Dorf Groißenbrunn ist geprägt von Arbeitslosigkeit, Armut und Tristesse, seit es keine opulenten Hofgesellschaften mehr zu bewirten, bedienen und betreuen gibt.
Im August 1898 soll aber ein kleines Dragonerregiment von fünf Offizieren dort zu Gast sein, um die weiteren Möglichkeiten der Nutzung von Schloss Hof als Reit- und Fahrschule auszukundschaften. Selbst Kaiserin Sisi höchstpersönlich wird in diesen Tagen auf der Durchreise für eine Nacht dort erwartet. Als einer der Offiziere tot aufgefunden wird, nehmen die Geschehnisse von Schloss Hof ausgehend ihren Lauf und der Polizeiagent Pospischil aus Wien muss in der Causa “toter Offizier” ermitteln.
Das Personal dieses Romans könnte einem österreichischen Historienfilm der 1950er Jahre entsprungen sein. Vom Herrn Verwalter über die belesene Küchenmagd, die Gärtnersfamilie und ihre Tochter, den Herrn Kaplan, den feschen Offizier mit ungarisch klingendem Namen, dem österreichischen Staatsbeamten und seinem entomologisch gebildeten Assistenten bis in die höchsten Adels- und Regierungskreise mit den kaiserlichen Hoheiten (“Allerhöchstdieselben”) sind so ziemlich alle Gesellschaftsschichten vertreten, die die österreichische Jahrhundertwende aufbieten kann. Selbst die ganz Armen kommen vor, wenn z.B. von “Bettgängern” die Rede ist, mit denen sich Pospischil demnächst seine bescheidene Kammer in Wien teilen müssen wird, wenn es mit der Wirtschaft noch weiter bergab gehen sollte.
Die Autorin war um große Authentizität bemüht, was man im Roman an fast allen Stellen spürt. Sie hat eine Atmosphäre geschaffen, die einfach lebendig und ungekünstelt wirkt - nicht zuletzt durch die großzügige Verwendung des Altwiener Dialekts (ein Glossar im Anhang erklärt zentrale Begriffe). Auch wenn die Handlung manchmal mit skurrilen Szenen und (unfreiwilliger) Komik aufwartet, war der Humor für meinen Geschmack an keiner Stelle unpassend. Den Ermittler Pospischil - ein ewiger Junggeselle, der sich trotz passablem Beatengehalt eine kleine Wohnung mit seiner Schwester teilen muss, habe ich aufgrund seiner Tierliebe und des leicht träumerischen Wesens, besonders liebgewonnen. Ich würde mich über weitere Kriminalromane mit ihm als Ermittler sehr freuen.
clematis
5/5
11.05.2020
Buch (Taschenbuch)
Verstaubtes Marchfeld?
Wien, 1898, Geheimpolizeiagent Pospischil wird ins Marchfeld gerufen, nahe Schloss Hof liegt eine Leiche im Wald. Was ist passiert in der verschlafenen Gemeinde, in der nur noch ein Wirtshaus offen hat und die Dorfbewohner mit Müh und Not ihr Einkommen bestreiten? Während in der Hauptstadt das fünfzigjährige Regierungsjubiläum Franz Josephs I. gefeiert wird, soll auch im Marchfeldschloss wieder frischer Wind durch die bröckelnden Mauern wehen: nicht nur das Militär schickt eine Gruppe Offiziere zur Vorbereitung von Umbauarbeiten, auch Kaiserin Sisi kündigt sich für eine Übernachtung auf ihrer Durchreise an – und jetzt verursacht auch noch ein Toter Aufregung in der scheinbar ländlichen Idylle.
Mitten in eine Gruppe ungarischer Aufständischer führt uns Autorin Christine Neumeyer im Prolog und deutet schon an, dass nicht nur Schlossmauern verfallen, sondern auch die Donaumonarchie ihrem Untergang zusteuert.
In den nächsten Kapiteln geht es weniger rebellisch zu: Der Leser lernt das Landleben im Marchfeld kennen, den einzigen Gasthof weit und breit, der bekannt ist für seine gschmackigen Suppen, die zänkische Wirtin, den gutmütigen Kaplan, die Freundinnen Rosi und Irmi in ihren Zwirnstrümpfen. Der Alltag unter den Dorfbewohnern wird lebhaft und anschaulich geschildert, durch viele kleine Details fühlt man sich in die Kaiserzeit zurückversetzt. So dreht Frau Grünanger beständig am Schwungrad ihrer Nähmaschine, um immer noch Hüte mit altmodischen Blumen zu fabrizieren, darf Irmi das moderne Fahrrad mit Kettenantrieb benutzen, welches das mannshohe Hochrad gerade ablöst, dröhnen metallische Johann-Strauß-Walzerklänge aus dem Grammophon durch die Wirtsstube. Auch sonst fließt viel Geschichtliches in den Roman ein, wodurch das Marchfeld noch heute geprägt wird, beispielsweise Maria Theresias Föhrenpflanzungen gegen den steten Wind in der Ebene. Die Beschreibungen des Schlosses selbst wecken Neugier auf aktuelle Ausstellungen oder rufen Erinnerungen an bereits besuchte Präsentationen wach (Schokoladenmädchen und Trembleuse, 2018). So flicht Neumeyer nach ausführlicher Recherche interessante Informationen ganz unaufdringlich ins Geschehen ein, vermischt historische Tatsachen mit perfekt erdachten Mythen und komponiert mit diesen Zutaten eine kurzweilige, unterhaltsame Lektüre.
Die Atmosphäre im Marchfeld, genauso wie die morbide Untergangsstimmung in Wien, wird durch einen angenehm zu lesenden Dialekt noch verstärkt und bei der böhmischen Küche mit malerischer goldgelber Vanillesauce und schwarzviolettem Powidl möchte man sofort Gast bei Gerti sein.
Die gelungene Mischung aus Einblicken ins einfache Dorfleben, Problemen in der Hauptstadt durch die aufstrebende Industrialisierung und den Mordermittlungen rund um Schloss Hof zeichnet diesen Historischen Roman aus. Verschiedene Fährten müssen verfolgt werden, so mancher Skandal kommt ans Licht, das verblüffende Ende ist überaus passend - nicht nur für die damalige Zeit.
So könnten dem sympathischen Ermittler Pospischil mit seinem erfrischend modernen Assistenten durchaus noch weitere Fälle im Rahmen der Spionage zugeteilt werden. Aber auch jede andere polizeiliche Untersuchung mit diesem liebenswerten Team möchte ich gerne mitverfolgen.
Petra Sch.
aus Gablitz
4/5
04.08.2020
Buch (Taschenbuch)
Historischer Roman zur…
Historischer Roman zur Kaiserzeit mit viel Lokalkolorit Kurz zum Inhalt: Wien/Schloss Hof, 1898: Im heruntergekommenen Schloss Hof zieht Rittmeister Andic mit 4 Offizieren ein. Alle Einwohner von Groißenbrunn sind in Aufregung, weil sich das Militär auf dem Schloss einquartiert hat - und es hat sich sogar Kaiserin Sisi angesagt! Die junge Irmi wird als Dienstmädchen angestellt und soll alle Räume für die kaiserliche Ankunft herrichten und von Ratten befreien. Doch am nächsten Tag wird der Rittmeister tot aufgefunden: erschossen. Aus Wien wird Polizeiagent Pospischil mit seinem Assistenten Dr. Frisch entsandt, um den Mord aufzuklären. Dabei deckt er einen Skandal der höchsten Adelshäuser auf. Meine Meinung: "Der Offizier der Kaiserin" ist ein historischer Krimi, der gegen Ende der k.u.k. Zeit spielt. Die Monarchieverdrossenheit der Bevölkerung sowie die Standesunterschiede sind authentisch und lebendig dargestellt. Einerseits sind hier die jubelnden Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des Kaisers, anderseits müssen viele Menschen schon Bettgänger aufnehmen, um sich die Mieten überhaupt noch leisten zu können. Das Kaiserjubiläum in Wien ist lebendig beschrieben und auch die Ängste der kleinen Bevölkerung im Marchfeld sind authentisch. Man lernt viel über die politischen und sozialen Umstände der damaligen Zeit. Das Ermittlerteam Pospischil und Frisch fand ich total erfrischend und sympathisch! Auch war die Ermittlungsarbeit authentisch dargestellt. In der damaligen Zeit wurden einem Polizeiagenten wohl noch Steine in den Weg gelegt, wenn er gegen die Adelige Gesellschaft ermitteln wollte. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Am Ende des Buches gibt es noch ein Personenverzeichnis der vorkommenden historischen Persönlichkeiten sowie ein (für nicht-Österreicher) hilfreiches Glossar der Wiener und Alt-Wiener Ausdrücke, die in die Geschichte eingestreut wurden, was den Lesefluss jedoch nicht stört - im Gegenteil, dadurch wurde die Geschichte noch authentischer und lebendiger. Fazit: Ruhiger historischer Krimi mit viel Lokalkolorit und sympathischen Ermittlern.
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