Ein VW-Beetle, die Autobahn Richtung Osten, eine Reise zu viert, eine Familie. Erstmals seit ihrer Vertreibung wagen sich die Eltern in die Dörfer ihrer Kindheit, die Söhne dagegen in eine geheimnisvolle Welt, ein Gespinst aus Erzählungen und Vorstellungen. Die Spurensuche an Orten und in verdrängten Erlebnissen beginnt. Ob in der Enge des Autos oder bei Schweinebauch und Kraut, immer erkennbarer wird das Erinnern zum Verstehen und die Fahrt zu einer Suche nach Grenzlinien, die nur auf dieser Entdeckungsreise überschritten werden können, jetzt und nur noch ein einziges Mal. Oder nie!
Eindringlich, bildhaft und voller Leben, in mitreißenden Gegensätzen, gewürzt mit entlarvendem Humor erzählt Markus Mittmann eine Geschichte von heute, wirft dabei die unausweichliche Macht der Vergangenheit mit der Gegenwart und Zukunft in einen Topf und rührt kräftig um. Eine Geschichte, die bewegt, weil sie so tief in uns verwurzelt ist.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Zimtstern's Bücherregenbogen
aus Mönchengladbach
5/5
31.07.2023
Buch (Taschenbuch)
Absolut Lesenswert
Hier ist mal wieder ein Buch, das ich gelesen habe, die Rezension auf einem Zettel im Block geschrieben & dann leider vergessen habe. Schande auf mein Haupt! 1946 wurden die Eltern aus Schlesien vertrieben. Weil die Söhne die Hoffnung haben, dass es ihren Eltern besser geht, fahren sie in die alte Heimat. Der Autor hat ein eher schwieriges Thema mit Vertreibung & Flucht in seinem Buch erzählt. & dem Leser das leichter rüber gebracht. Der Schreibstil des Autors ist leicht, flüssig, angenehm & detailreich. Ich hatte ein paar tolle Lesestunden.
Bewertung
aus Claußnitz
5/5
05.07.2023
Buch (Taschenbuch)
schwere Reise
Wunderbar bewegend und bildhaft geschrieben, immer wieder der Blick auf wichtige Details. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die traumatischen Erlebnisse werden gefühlvoll und angemessen erzählt. Ich kann gut verstehen, das die Menschen darüber geschwiegen haben und wahrscheinlich damit versucht haben zu verdrängen und zu vergessen. Aber leider hat es nicht funktioniert. Musste immer mal innehalten, bevor ich weiter lesen konnte, so aufwühlend. Habe Angst, dass wir evtl. sowas auch noch erleben müssen. Sehr emotional geschrieben. Ein bewegendes Buch über eine unbegreifliche Zeit.
Bewertung
5/5
03.07.2023
Buch (Taschenbuch)
Die Vergangenheit der Vorgeborenen hat eine Auswirkung auf unser Leben. Wie, das ist eine ganz individuelle Geschichte
In dem Roman „Wodka mit Grasgeschmack“ erzählt Markus Mittmann von einer Reise in einem VW-Beatle zusammen mit Bruder und Eltern nach Polen, Schlesien, ihre Heimat, aus der die Eltern nach Kriegsende als Kinder vertrieben worden sind.
Der Roman hat mich neugierig gemacht. Ich lese gern Reisegeschichten. Dass die Fahrt in einem Käfer sein sollte, zog mich besonders an. Es erinnerte mich an meine eigene Kindheit. Ich ging von einer eher lustigen und unterhaltsamen Roadstory aus. So einen Eindruck gab mir auch das Cover.
Aber es kam anders. Zu Beginn wendet man sich unruhig in dem Beatle, findet auch das Lesen unbequem, genauso wie der Ich-Erzähler hinten auf dem Rücksitz, quält man sich durch die zufälligen Beobachtungen, die sich mit belanglosen Gedanken und tiefgründigeren Erinnerungen mischen. Die Autobahn ist langweilig. Der Bruder bläht. Die Mutter packt Schnitten aus. Jemand muss mal. Und plötzlich sitzt man mittendrin, hinten auf dem Rücksitz mit dem Autor.
Die poetische und bilderreiche Sprache ist ein wahrer Lesegenuss., egal ob es um die Beschreibung einer Raststätte geht oder um die Dörfer der Eltern.
In Breslau treffen sie auf den polnischen Freund Edward, Schlesier wie sie. Er führt sie durch die Stadt, sie essen Kuchen. Die Erinnerungen werden emotionaler.
Als sie dann in den Süden, in die Heimatorte der Eltern reisen, wird man mitgerissen in die hochkommenden Erlebnisfetzen aus der Vergangenheit, die sich immer mehr zu einer Geschichte formen. Ich habe wieder mit drin gesessen, im Beatle, wieder hinten, habe auf Google Maps die Orte gesucht, und alte Fotos. Letzteres aus neugieriger Eigeninitiative. Fast schon war ich Teil ihrer Familie geworden. Eine stille Mithörerin.
Die unterschiedlichen Reaktionen der Familienmitglieder machen die Geschichte besonders facettenreich. Der Vater traut sich in das Haus seiner Kindheit, wo nun eine Frau wohnt die damals zur selben Zeit aus der heutigen Ukraine vertrieben worden ist. Sie verstehen sich in ihrem Schicksal. Der Vater weint. Wodka wird getrunken.
„Es gibt keine Nationalitäten! Es gibt nur Menschen und einen Himmel über diesen Menschen“, schreibt der Autor. Einer der Leitgedanken dieser Geschichte.
Sie fahren dann zum Dorf der Mutter. Sie möchte lieber schnell wieder weg, versucht die Emotionen fernzuhalten, doch auf einmal beginnt sie zu erzählen, vieles wussten die Söhne nicht, die ebenfalls völlig unterschiedlich reagieren. Der Bruder cool, der Ich-Erzähler anteilnehmend und Fragen stellend.
Tod, Gewalt, Hunger, Grausamkeiten. Den Geruch der Leichen, die vor ihrer Türen aufblähten. Die Schreie der Frauen im Wald. Der Hunger der aus den Lagern Getriebenen. Ihre eigene Vertreibung. Die endlose Fahrt in einem Wagon, ohne wissen wohin, Gestank, Ungeziefer. Ohne ein richtiges Ankommen und dann die Fremdenfeindlichkeit.
Die Erkenntnis des Ich-Erzählers, die Eltern werden nie geheilt werden können von ihrer Sehnsucht zu einer Heimat, die es nicht mehr gibt. Die ganzen Kriegstraumata sind dort mit verstrickt. Die Eltern tragen den Schmerz in sich, für sie gibt es keine Erlösung, aber die Nachkommen können es versuchen zu verstehen und weitertragen an die nächsten Generationen.
Wieder zu Hause in Deutschland, bereitet das gemeinsame Mahl mit dem Polen Edward ein wenig Trost, der die Heimat teilt und auch die kulinarischen Spezialitäten, obwohl sie unterschiedliche Sprachen sprechen.
Ein Licht hinaus oder auch ein Epilog bieten die gemeinsamen Erinnerungsausflüge mit dem Sohn des Erzählers.
Solche Geschichten sollten nicht in Vergessenheit geraten, denn ein Krieg ist immer furchtbar, für alle Menschen, alle tragen ihr Leid, es gibt keine Gewinner, sagt uns Markus Mittmann.
Der Roman hat mich tief bewegt, mich zur Reflexion angeregt und wirft Fragen auf. Auch über meine eigene Geschichte.
Bewertung
5/5
02.07.2023
Buch (Taschenbuch)
Reise in die Verganheit
Wodka mit Grasgeschmack von Markus Mittmann
Nach dem Cover wäre ich nie auf den Gedanken gekommen was für eine Geschichte im Buch steckt. Wo ich den Klapptext gelesen habe ich gedacht es scheint eine Interessante Geschichte zu sein. Aber dass es mich so packt, hätte ich nicht gedacht. Ein sehr besonderer Roman der mich zum Nachdenken angeregt hat.
Vater und Mutter und ihre zwei erwachsenen Söhne machen sich im VW-Beetle auf die Reise in die Vergangenheit der Eltern. Es wird immer wieder im heute geschrieben und vermischt mit der Vergangenheit der Eltern.
Die Eltern sind in Schlesien geboren und ihre Kindheit verbracht. Nach dem Krieg wurden sie vertrieben aus ihrer Heimat und kamen irgendwie nie richtig an in ihrem neuen Zuhause an. Dort waren sie auch auch die neuen oder andereren. Und in der Heimat ist ein anders Land und eine andere Sprache. Ja nicht auffallen und darüber sprechen es könnte ja zu fest weh tun. Die Reise hat viel aufgerüttelt und es war schön zu lesen, wie die Gefühle an die Oberfläche kamen auch die Erinnerung. Man, spürte beim lesen den Schmerz der Vergangenheit.
Eine sehr Interessante Geschichte.
Bewertung
5/5
28.06.2023
Buch (Taschenbuch)
Spurensuche
Die Eltern waren auf der Flucht. Sie wurden vertrieben, ihre Heimat war Schlesien/Polen.
Nun kehren sie zurück, mit ihren beiden Söhnen.
Der Autor versteht es gut, auf einfühlsame Weise die Erinnerungen der Eltern an deren glückliche Kindheit, an Krieg, Angst, Vertreibung und Heimatlosigkeit zu beschreiben.
Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen.
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