Kiew 1959. Ein jüdisches Paar bekommt einen Sohn, Anatoli. Er wird ein neugieriger Junge, stöbert in der Vergangenheit. Er interessiert sich für die jüdischen Wurzeln seiner Familie. Dann diese furchtbare Entdeckung: 1941 wurden in einem grausamen Massaker über dreißigtausend Juden hingerichtet, darunter auch seine eigenen Verwandten! Anatoli beginnt die Deutschen zu hassen. Bis ein Ereignis sein Leben verändert – und er den Propheten Jesus noch einmal ganz neu kennenlernt.
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Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt
Bewertung aus Glauchau am 13.02.2020
Bewertungsnummer: 1293080
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„...Ich habe Gott gefragt: Was bedeutet es, ein Jude zu sein, der an Jesus glaubt?...“
Als ich das Buch begonnen habe, hatte ich wenig Ahnung, was mich erwartet. Plötzlich war ich mitten in einer Handlung, die mich zwang, mein bisheriges Denken zu hinterfragen und über eventuelle Vorurteile nachzudenken.
Die Geschichte beinhaltet im Kern drei Problemkreise. Zum einen erzählt der Autor Stationen seines Lebens, zum zweiten geht es um die Aufarbeitung der Gräuel der Nazizeit und zum dritten erfahre ich, was messianische Juden sind. Ich möchte hier nur auf den ersten und dritten Aspekt eingehen.
Anatoli wird im Jahre 1959 in Kiew geboren. Seine jüdischen Wurzeln bekommt er nur dann zu spüren, wenn er mit dem Antisemitismus in der Ukraine konfrontiert wird. Mit 11 Jahren verliert er den Vater. Als Jugendlicher interessiert er sich heimlich für seine jüdische Herkunft. Dann kommt der Schock:
„...Zu Hause fand ich ein Buch, das mir ziemlich eigenartig vorkam. Es enthielt nur Namen. Lauter jüdische Namen und einige wenige Fotos. Ich fand heraus, das es die Namen der Juden waren, die in der Schlucht von Babyn Jar am 29. und 30. September 1941 zusammengetrieben und umgebracht wurden...“
Während seiner Militärzeit heiratet er. Dass ihm dafür allerdings die Reife fehlt, begreift er schnell:
„...Das Eheleben war eine Katastrophe. Ich konnte nicht begreifen, dass Ehe kein Abenteuer ist, sondern mit Verpflichtung zu tun hat...“
Wenn man diesen Satz liest, gleicht es einem Wunder, das der Autor noch heute, 40 Jahre später, mit seiner Frau zusammen ist. Gleichzeitig ist das Zitat ein passenden Beispiel für die Fähigkeit des Autors, sein Leben mit einem gewissen Augenzwinkern und sehr feinen Humor zu erzählen.
Auf der Suche nach der Wahrheit findet er Kontakt zu messianischen Juden. Jesus wird nun auch sein Herr und Heiland, um es mit meinen Worten auszudrücken.
1992 wandert die Familie nach Deutschland aus. Es beginnt ein neues Leben, in dem der Glaube im Mittelpunkt steht.
Gut gefällt mir, dass der Autor, in einem besonderen Schriftstil hervorgehoben, auch andere Personen zu Wort kommen lässt, sei es seine Frau, die oft eine eigene Sicht auf das Geschehen hat, oder Jugendliche mit ihren Gedanken, die an einer von ihm geleiteten Jugendfreizeit teilgenommen haben.
Zu den Höhepunkten des Buches aber gehören für mich die Teile, die wesentliche Unterschiede zwischen jüdischen Denken und westlichen Denken aufdecken.
„...Im hellenistischen – griechischen Kontext bedeutet Studieren akademische Wissensvermittlung. Im Hebräischen bedeutet Studieren: Der Rabbi (Lehrer) teilt sein Leben mit den Schülern – so, wie Jesus seine Jünger gelehrt hat...“
Dadurch ergibt sich auch ein unterschiedliche Interpretation von Bibelinhalten. Bisher war auch ich von dem Standpunkt ausgegangen: Wer zum Christentum konvertiert, gibt seine jüdische Identität auf. Warum eigentlich? Mit dieser Meinung setzt sich der Autor konsequent und nachvollziehbar auseinander. Er bleibt ein Jude, auch wenn er an Jesus glaubt. Besser als als Worte veranschaulicht das folgende Zitat das Problem:
„...In einer Kirche sitzt ein orthodoxer Jude und betet. Da sieht ihn der Pfarrer, geht zu ihm und sagt: „Entschuldigen Sie, Sie haben sich wohl geirrt, das hier ist eine Kirche und keine Synagoge, außerdem haben wir gleich einen Gottesdienst.“ Da steht der Jude auf, läuft zum Kreuz und sagt: „Komm, Jesus, wir gehen. Juden sind hier nicht erwünscht.“...“
Sehr informativ und interessant ist der umfangreiche Anhang.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Das bedeutet nicht, dass ich in allen Dingen mit dem Autor übereinstimme. Er hat mich allerdings zum Nachdenken gebracht. Gerade in einer Zeit des erneut erstarkenden Antisemitismus ist es ein wichtiges Buch, das zudem zeigt, wo die eigentlichen Wurzeln des Christentums liegen.
Wie ein Jude, Christen und Juden versöhnen möchte
claudi-1963 aus Schwaben am 26.02.2020
Bewertungsnummer: 1297739
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
"Nur dann, wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei." (Johannes 8,36)
Am 8. April 1959 kommt Anatoli Uschomirski in Kiew zur Welt, der neugierige Junge wird schon recht früh mit seinen jüdischen Wurzeln konfrontiert. In der Schule verprügelt und als "Stinkender Jude" tituliert, merkte er schnell, dass er anders ist als die anderen. Ständig hatte er Angst als Jude aufzufallen und verprügelt oder verspottet zu werden. Recht früh stellt er seinen Eltern Fragen, wie: "Was heißt es, ein Jude zu sein? Ist es etwas Schlechtes, ein Jude zu sein? Kann ein Jude ein Nichtjude werden, um sich alle Unannehmlichkeiten im Leben zu ersparen?" Doch seine Mutter kann ihm diese Fragen nicht beantworten. Recht jung und unerfahren heiratet er Irina Kaz und muss schnell feststellen, dass die Ehe kein Abenteuer, sondern ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist. Weiterhin will er mehr über seine jüdischen Wurzeln wissen und entdeckte dabei, das viele seiner Verwandten 1941 bei einem schrecklichen Massaker in Babyn Yar (Babyn Jar) ums Leben kamen. Er beginnt die Deutschen zu hassen und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit für sein Leben. Antworten jedoch findet er nicht im Judentum, Philosophie oder Esoterik. Erst als er ein Buch von Stan Telchin entdeckt und liest, werden ihm die Augen geöffnet, wo er Hilfe und Erlösung findet. Er nimmt Jesus als Erlöser an, besucht Gottesdienste von messianischen Juden und reist schließlich 1992 mit seiner Familie nach Deutschland aus, wo sie heute noch leben. Seit 1994 engagiert er sich dort beim Evangeliumsdienst für Israel (EDI), gründete eine jüdisch-messianische Gemeinde und hält viele Vorträge in ganz Europa. Immer davon das sich Juden und Christen annähern und versöhnen sollen. ---
Meine Meinung:
In dem Buch von Anatolis Lebensgeschichte geht es sehr viel um Versöhnung von Juden und Christen. Es geht darum, wie sein Weg zum Glauben an Jesus geführt hat. Er zeigt Ängste auf, die einige Juden haben, falls sie Jesus als ihren Erlöser annehmen. Schildert von seinen Schwierigkeiten als Jude unter Christen und ebenso als messianischer Jude unter Juden. Anatoli schildert, wie er Menschen hilft die noch immer unter ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit leiden und spricht ihnen so weit möglich Vergebung zu. Er berichtet von seinem Theologiestudium und was dieses bei ihm auslöst. Schildert über seinen Glauben an Jesus, wie er befreit und er trotzdem noch Jude sein darf. Auch seine Frau Irina, mit der er inzwischen über 40 Jahre verheiratet ist, kommt mehrmals zu Wort und zeigt, ihre unterschiedliche Sicht. Schön fand ich den Bildteil in der Buchmitte, der das Ganze noch etwas auflockert. Interessante Leserbriefe bei dem es um Belastung und Vergebung geht und er beantwortet Fragen wie:
"Was bedeutet es, ein Jude zu sein, der an Jesus glaubt?
Hellenistisches oder hebräisches Denken?"
Im Anhang befindet sich eine Zusammenfassung und weitere Themen:
- Wie Juden und Christen die Bibel verstehen
- Messianische Juden und die christliche Kirche
- Die Verfolgung der Juden im Mittelalter
- Die Aufklärung und die Neuzeit
- Jüdische Wurzeln des christlichen Glaubens ....
Besonders diesen Teil fand ich ein wenig trocken und theoretisch, zudem hatte ich mich über diese Themen schon früher informiert. Jedoch für Leser, die sich mit dieser Thematik noch nicht befasst hat, ist der Anhang sehr wertvoll. Ich für meinen Teil hätte allerdings lieber noch etwas mehr über seine jüdische Familie erfahren. Zusammengefasst ist es ein gutes Buch, dass helfen könnte den Riss zwischen Juden und Christen, etwas schmaler werden zu lassen, darum von mir 4 von 5 Sterne.
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