Ein Mädchen, das für seinen Traum kämpft, ein Vater, der für seine Tochter alles aufs Spiel setzt, und eine Stadt, in der die Zeit stehengeblieben ist.
Die elfjährige Nedda Pappas träumt davon, Astronautin zu werden - ein Traum, der in Neddas Heimatort nahe einer Raketenbasis an der Küste Floridas fast realistisch erscheint. Sie muss nur möglichst schnell erwachsen werden - doch genau das möchte Neddas geliebter Vater, ein genialer, aber vom Leben überforderter Wissenschaftler, verhindern. Er hat schon einmal ein Kind verloren und möchte Neddas Kindheit am liebsten konservieren. Seit Jahren schraubt er im Keller an einer Maschine, die genau das ermöglichen soll - doch stattdessen löst er eine Katastrophe aus. Zum ersten Mal in ihrem Leben muss Nedda ihrer Mutter vertrauen und sich mit ihr zusammentun, um ihren Vater zu retten - und die ganze Stadt.
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Liebevoller Rückblick auf hausgemachte Naturkatastrophe
autor.michael-kothe@gmx.de am 23.03.2024
Bewertungsnummer: 2161305
Bewertet: eBook (ePUB)
Erster Eindruck.
Nach den Tagen der Marslandung durch einen Roboter der NASA gewinnt der futuristische Blick auf die Besiedlung neuer Planeten wieder an Bedeutung. In der US-amerikanischen Originalversion war der Roman „Light from other Stars“ auch dem Genre Science Fiction zugeordnet. Dazu kam ein Hauch Fantasy. Als Autor eines eigenen Fantasyromans und mancher SF-Kurzgeschichte interessierte mich brennend, was Erika Swyler als Autorin und Astrid Finke als Übersetzerin aus dieser Mischung gemacht hatten. Mein Eindruck vom Buch war ein ganz anderer, als ich ihn von der Leseprobe her erwartet hatte. Aber wie erwartet war er gut.
Inhalt ohne Spoiler.
Nedda Papas ist als Mitglied einer vierköpfigen Raumschiff-Crew unterwegs zu einem fernen Planeten. Ihre Aufgabe ist die Aufzucht von Pflanzen und Saatgut, um den nachfolgenden Siedlern brauchbare Lebensverhältnisse zu schaffen. Vergesst kleine grüne Männchen! In den zahlreichen wochenlangen Schlafphasen während der mehrjährigen Reise lässt Nedda uns an ihren Träumen teilhaben, in denen ihre Erinnerung sie zurückführt nach Florida. Nahe Cape Canaveral führte sie in den 1980er Jahren in ihrer Familie das klischeehafte Leben der Durchschnittsamerikaner auf dem Lande. Als Elfjährige sieht sie in einer Liveübertragung die Explosion der Apollo-Rakete, die ihre und die Gedanken ihrer Schulkameraden, ihrer Familie und anderer Zeitgenossen prägt. Dennoch stehen nach wie vor für ihre Mutter Betheen der hausfrauliche Erfolg einer neuen Kuchenkreation und für ihren Vater Theo, einen Ingenieur, seine Erfindung im Vordergrund. Ein paradoxes Naturphänomen bringt dieses Leben gehörig durcheinander. Anders als für den Leser erhellt sich für die Romanfiguren der Zusammenhang zwischen der Anomalie und Theos Erfindung erst nach und nach.
Stil.
Science Fiction: nüchterne Sprache, Fachausdrücke, actionreiche Ereignisse, Pannen, die dramatisch hochgespielt werden? Mit nichts davon quält uns Erika Swyler. „Der Tag, an dem mein Vater die Zeit anhielt“ ist trotz der raumfahrerischen Zukunftsvision und der buchstäblich umwälzenden Erfindung von Neddas Vater über das erste Drittel des Buches eine recht ruhige Milieustudie über die ländliche Mittelschicht Amerikas, als die Raumfahrt der NASA ihre beste Zeit hatte. Der Raumflug bildet die Rahmenhandlung und lockert durch kapitelweise eingestreute Szenen die seitenmäßig längere und handlungsmäßig wichtigere Rückblende auf. Doch auch in diesen kurzen Schilderungen vom Einsatz der erwachsenen Nedda als Crewmitglied spiegeln sich ihre kindliche Empfindsamkeit, eine gewisse Naivität und jugendlicher Forscherdrang in einer einfühlsamen Sprache wider. Die Dialoge sind eine Abwechslung zwischen Gefühlsausdrücken und Fachgesprächen. Hier gerät sogar die Auseinandersetzung mit einem lebensbedrohenden Defekt anfangs zur sprachlichen Trivialität. Der Schwerpunkt von Inhalt wie vom Stil liegt eindeutig auf Neddas Kindheitserinnerung. In einer lebhaften, authentischen Sprache, die ihrer kindlichen Entdeckerfreude entspricht. Mit sprachlichen Bildern und Vergleichen, die zugleich unerwartet und äußerst treffend sind, begleitet Swyler die Elfjährige durch ein Jahr, in dem die Natur verrückt spielt. Mein Blick auf ihre schriftstellerische Liebe zum Detail lässt mich neidisch werden. Mit der Dramatik hält sich die Autorin bis zum Ende des ersten Drittels zurück. So baut sich das Unheil langsam auf und hält die Neugierde des Lesers am Leben. Dann gewinnt die Geschichte rasant an Fahrt.
Fazit.
Der Originaltitel „Light from other Stars“ lenkt die Erwartungen des Lesers mehr als die deutsche Übersetzung auf den Kindheitstraum vom Raumflug, die Hindernisse und seine Erfüllung. Demgegenüber zielt „Der Tag, an dem mein Vater die Zeit anhielt“ mehr auf die Vater-Tochter-Beziehung ab. Wer aus dem Anhalten der Zeit Typisches für die Genres Science Fiction oder Fantasy ableitet, wird lange lesen müssen. Wer aber sich an nostalgischen Erinnerungen, an liebevollen Formulierungen, und an Beobachtungen auch winziger Details erfreuen kann, dem beschert der Roman von der ersten Seite an das Eintauchen in die farbenfrohe Welt eines Kindes, die diesmal nicht durch das Erwachsenwerden, sondern durch den Eingriff in die Naturgesetze zerbricht. Im ersten Drittel präsentiert sich Swylers Werk wie Johanna Spyris „Heidi“ für Erwachsene, aber auch Tom Sawyer und Huckleberry Finn lassen grüßen. Danach mausert sich der Roman zum Thriller über eine energetische Anomalie, deren Überwindungsversuch packend geschrieben ist. Swylers Detailverliebtheit macht das Buch sympathisch und einzigartig.
Zeitlos packend und zauberhaft
lulja aus Recklinghausen am 17.06.2021
Bewertungsnummer: 1457524
Bewertet: eBook (ePUB)
Nedda ist elf Jahre alt als sie mit ansehen muss, wie in ihrem Heimatort beim Start der Raumfähre Challenger etwas schiefläuft und alle Besatzungsmitglieder sterben. Obwohl sie zutiefst geschockt ist, ändert dies nichts an ihrem unbändigen Wunsch so schnell wie möglich Astronautin zu werden. Neddas Vater Theo ist Wissenschaftler und der Gedanke, dass seine kleine Tochter so schnell erwachsen werden will und ihn verlässt, ist für ihn unerträglich. Seitdem seine Frau und er ihren Sohn verloren haben, ist nicht mehr so wie vorher. Daher möchte er, dass Nedda so lange Kind sein kann wie sie möchte. Dafür baut er „Crucible“ – eine Maschine mit der er die Zeit beeinflussen kann. Als es bei dem Raktenabsturz eine Spannungsspitze gibt, entwickelt die Maschine ein gefährliches Eigenleben. Nicht nur Neddas bester Freund Denny wird in einer Zeitblase festgehalten – die ganze Stadt ist in Gefahr und beim Versuch Crucible zu reparieren, wird die Maschine auch Theo zum Verhängnis. Da zeigt sich, dass Neddas Mutter viel mehr kann als nur Kuchen backen und sie tut alles um mit zusammen mit ihrer Tochter Theo, Denny und die ganze Stadt zu retten.
Das Buch spielt in zwei verschiedenen Zeitabschnitten, die sich abwechseln. In der einen Zeit befinden wir uns im Jahre 1986 als das Unglück mit der Challenger passiert. Die andere Zeit beschreibt Nedda Jahre später. Sie ist wirklich Astronautin geworden und befindet sich im All. Das Buch hat mich wirklich umgehauen. Es ist bis zum Schluss sehr spannend geschrieben und man muss lange auf die finale Auflösung warten, so dass man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen. Neben der Spannung ist es aber auch ein Buch über die Liebe. Die Liebe zu Freunden, Familie und dem Weltraum. Wir alle sind Gas, Kohlenstoff, Wärme, Licht – das ist die schönste Botschaft, die ich aus dem Buch mitnehmen konnte. Von mir eine absolute Leseempfehlung!
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