Diese Frage stellt man Paaren gern. Und ebenso gern erinnert man sich als Paar, wo die Liebe ihren Anfang nahm. Frank Berzbach macht aus einem Anfang viele und erzählt in 32 Variationen, wie ein Mann und eine Frau sich erstmals begegnen. Und lässt daraus das Mosaik einer leidenschaftlichen Liebe entstehen.
"Was für ein Experiment! Nach 32 Variationen über das Kennenlernen haben wir keine Ahnung, wie es wirklich war. Aber wir wissen ganz viel über diese Liebe und meinen, die Beziehung zu kennen. Sie hat auf jeden Fall großartig angefangen." Isabel Bogdan
„Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt? Diese Frage stellt man Paaren gern. Und ebenso gern erinnert man sich als Paar, wo die Liebe ihren Anfang nahm.“ So beginnt hier auf thalia.de die Inhaltsangabe für dieses Buch. Dann habe ich nur noch oberflächlich weitergelesen und habe ursprünglich deswegen ein ganz anderes Buch erwartet. Ich dachte, dass der Autor 32 Paare gefragt hätte, wie ihre Beziehung begonnen hat. Aber da war ich natürlich auf einem falschen Dampfer, wie ich schnell beim Lesen gemerkt habe. Es geht nicht um 32 verschiedene Paare, sondern immer um ein und dasselbe Paar – den Autor Frank und seine vietnamesische Ehefrau, die im Buch Linh heißt.
Es sind 32 kurze Geschichte, die fast immer in einem Happy End enden, aber eben nicht alle. Sie spielen in unterschiedlichen Zeiten, aber fast immer in den beiden Orten, in denen der Autor auch heute noch lebt – Hamburg St. Pauli und Köln. Die beiden Hauptpersonen sind in diesen Geschichten unterschiedlich alt, so dass sie nicht alle wirklich etwas mit den realen Persönlichkeiten zu tun haben können. Aber wenn man die Biografie des Autors liest, dann merkt man schon, dass der Autor wohl doch auch einiges aus seinem eigenen Leben in die Geschichten integriert hat.
Was aber an den Geschichten ganz klar erkennbar ist, ist, dass Frank Berzbach Philosophie studiert hat und die fernöstliche Kultur auf jeden Fall z.T. sehr liebt. So ist er ein leidenschaftlicher Teetrinker. Er legt anscheinend keinen Wert auf eine Karriere, die ihm viel Geld einbringt. Er lebt sein Leben so, dass er sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser halten und seine Leidenschaften pflegen kann.
Mir haben die Geschichten gut gefallen, weil sie so vielfältig waren. Und weil sie eine besondere Liebe zum Leben aufzeigen. Es muss nicht alles der Karriere oder dem Kommerz geopfert werden. Zufriedenheit, eine gewisse Freiheit und Liebe sind viel wichtiger im Leben. Allerdings sollte man diese Geschichten nur häppchenweise genießen, sonst ist man davon schnell übersättigt. Ich habe jeden Tag eine Geschichte gelesen, d.h. in 32 Tagen hatte ich das Buch beendet. Ich würde Ihnen allerdings empfehlen, dass Sie sich dafür doch etwas mehr Zeit lassen. Mir haben die Geschichten zwar jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und mich gut in den Tag starten lassen, aber letztendlich fand ich es dann doch etwas ermüdend, dass es in fast jeder Geschichte sehr schnell dazu kam, dass die beiden entdeckten, dass sie anscheinend Seelenverwandte sind. Und sehr schnell kam es immer auch gleich zum äußersten, obwohl es nie genauer beschrieben wird. Deshalb lassen Sie sich Zeit für dieses Buch. Einfach immer einmal wieder hervornehmen, wenn Ihnen nach einer schönen ersten Begegnung ist.
Ich hätte dem Buch ein anderes Cover gewünscht. Es ist nicht hässlich, aber ich glaube nicht, dass es die Leser darauf neugierig macht, was es mit diesem Buch auf sich hat. Und es ist zu dunkel für so ein schönes Thema. Da hätte ich mir etwas helles, luftiges gewünscht. Und ich bin nach wie vor nicht sicher, in welches Genre ich dieses Buch einordnen soll. Roman? Sachbuch über die Liebe? Geschenkbuch?
Nach der Lektüre bekommt man auf jeden Fall Appetit auf Pommes, Averna und Tee. Und vielleicht werden sie neugierig auf einige der Komponisten und Interpreten, die der Autor regelmäßig in seinen Geschichten erwähnt. Und das ist eine, wie ich finde, sehr gewagte Mischung! Vielleicht sollte der Autor dazu noch eine Playlist hinzufügen.
Schenken Sie sich das Buch selbst, oder schenken sie es einem Menschen, den Sie sehr lieben. Und dann schreiben Sie vielleicht hinterher getrennt voneinander Ihre eigene erste Begegnung auf. Ich wäre gespannt, ob sich ihre Geschichten jeweils gleichen.
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