Mit seinem Fluchtbericht von Temesvar, Rumänien, nach Graz im Dezember 1989 liefert Milan Radin – damals erst 15 Jahre alt – eine bewegende und aufrüttelnde Momentaufnahme einer Zeit, die von Deportationen, Beschlagnahmungen, Zwangsarbeit, Nahrungsknappheit, willkürlicher Unterdrückung, Kälte und allgemeiner Düsternis gekennzeichnet war. Eine Lebensgeschichte zum Nachdenken: über sich, die Mitmenschen und das weitere Umfeld. „Milan Radins Geschichte, die er in diesem Buch darlegt, ist ein Zeitzeugnis, das die Ereignisse in Rumänien und während des Jahres 1989 besser beleuchtet und sie uns verstehen lässt“. Dr. Heinrich Schnuderl, Ehem. Hochschulseelsorger von Graz
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jam
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28.02.2020
Buch (Paperback)
Nicht nur eine Fluchtgeschichte, sondern eine Geschichte über das Leben, die Vergangenheit und Zukunft!
„Was brauchen wir schon die Zeit Und die Geschichte, die uns ständig vorschreibt, wen wir lieben und wen wir hassen sollen, wer unser Freund und wer unser Feind ist?
Es sind eigentlich die Toten, die uns befehlen, denn wir klammern uns an irgendwelche alten ‚Vorstellungen, Erfindungen und Ideologien.“
Seite 42
1989, kurz vor Ausbruch der Revolution, gelang dem damals 15järigen Autor die Flucht aus Rumänien. Es war sein dritter Versuch, ein Land zu verlassen, das auf der einen Seite seine Heimat, auf der anderen sein Feind war.
In teils sehr kurzen Abschnitten erzählt Milan Radin von seiner Flucht, beginnend mit dem zweiten, endend mit dem ersten Versuch. In Rückblicken lässt er uns teilhaben an seiner Jugend, die auf der einen Seite so normal ablief, mit Fussballspielen auf der Straße, Bandenkämpfen und dem Austesten der Grenzen. Und auf der anderen Seite stark geprägt war von den strengen Vorgaben des allmächtigen Staatsoberhauptes, der Willkür seiner ausübenden Helfer und der ständigen Angst, selbst die engsten Freunde könnten für den Staat spionieren. Von Lebensmittelrationen und Nummern, die man auf dem Oberarm tragen musste, statt Namen. Da muss man nicht lange über Fluchtgründe schreiben, das alltägliche Leben zeigen sie nur zu deutlich.
Viele Aspekte der Flucht glaubt man, zu kennen. Aber was es heißt, nicht mal den besten Freunden, den Nachbarn Lebewohl sagen zu können, auszusortieren, was man mitnimmt, welche eigentümlichen Wertigkeiten da entstehen, Angst, im falschen Land aufgegriffen und zurückgeschickt zu werden… Um das auch nur ansatzweise zu begreifen, braucht es berührende, ehrliche Zeitdokumente, wie Milan Radin es mit „Wir waren Niemand“ geschaffen hat! In Österreich ging sein Kampf weiter, um Anerkennung seiner Ausbildung, um die Finanzierung seines Studiums. Und es freut mich, dass er in meiner Heimat Menschen fand, die an ihn glaubten, ihn unterstützten und ihn aufnahmen. Deshalb hätte ich persönlich gerne mehr über diesen Teil seines Lebens noch mehr erfahren! Beeindruckend auch Milan Radins Reise zurück in seine alte Heimat – die eine andere Stadt voller Fremder wurde. Bedingt durch den Umbruch heißen alle Straßen neu, viele seiner Freunde sind auf der ganze Welt verstreut.
Auch wenn mir der Einstieg in dieses Buch aufgrund der starken Zeit- und Themensprünge sehr schwer fiel, konnte ich es dennoch kaum aus der Hand legen. Das liegt zum großen Teil auch an Milan Radins Erfahrung und den Meinungen seiner Freunde und zufälligen Bekanntschaften, die er immer wieder eindrucksvoll einfließen lässt und die auch uns nachdenklich stimmen sollten, in was für einer „freien“ Welt wir tatsächlich leben.
„Die Welt ist leer… Niemand träumt mehr, niemand läuft mehr irgendwelchen Idealen nach. Statt Gotteshäuser bauen sie riesige Stadien. (…) Und in den Himmel wollen sie auch nicht mehr, sondern alle nur noch ins Fernsehen. (…) Sie leben nur noch, weil sie zu feige sind zu sterben!“ – Maria, Seite 284
Und so können, nein müssen, wir alle aus dieser Geschichte über die Vergangenheit viel über die Gegenwart lernen!
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