Ein Zelt auf einem Hausdach in Berlin - es ist Sommer und Levi ist abgehauen. Zwar wohnt ein paar Stockwerke unter seinem Lager immer noch sein Vater, aber von dem hat er noch nie viel mitbekommen. Und jetzt, nachdem er die Urne seiner Mutter auf der Beerdigung gestohlen hat, kann er sich sowieso nicht mehr blicken lassen. Tigerschatten springen zwischen den Dächern, sitzen Levi im Nacken und streifen um die Urne - derselbe Tiger, der seine Mutter getötet hat, davon ist Levi überzeugt. Im Kampf mit dem Verlust sucht der Junge sich seine eigenen Verbündeten: Da ist der mysteriöse Vincent und da ist Kolja, der Kioskbesitzer, für den Gedächtnisschwund noch immer die beste Art ist, sein Leben zu bewältigen. Was beginnt, ist ein Trip durch die Großstadt, der sich wie ein Roadmovie anfühlt.
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Ein tolles, melancholisches Hörbuch!
Lia48 am 16.04.2021
Bewertungsnummer: 1292951
Bewertet: Hörbuch-Download
“Wenn Menschen traurig waren, dann taten sie ganz unterschiedliche Dinge (...). Mein Vater tat nichts davon. Und während er das tat, versuchte ich ihn nicht zu stören.“
INHALT:
Levi ist 11 Jahre alt. Auf der Beerdigung seiner Mutter stiehlt er plötzlich die Urne und rennt damit davon.
Er begibt sich auf das Dach des Mehrfamilienhauses in Berlin, in dem er eigentlich wohnt. Dort schlägt er ein Zelt auf, nur wenige Stockwerke über der Wohnung seines Vaters.
Mit seinem Vater kommt er gar nicht gut zurecht. Dieser zeigt einfach kein Verständnis für das Verhalten seines Sohnes.
Dabei hat Levis erst kürzlich seine Mutter verloren. Und er war auch dabei, als sie getötet wurde...
Seitdem wird Levis von einem Tiger verfolgt und Realität & Fantasie beginnen sich nach und nach miteinander zu vermischen...
MEINUNG:
Leider konnte ich mich beim Hörbuchhören mal wieder kaum konzentrieren . Dabei habe ich die ruhige, angenehme Sprechstimme diesmal einfach nur geliebt! Und sie passt so unglaublich gut zu den vielen großartigen poetisch angehauchten Passagen des Buches!
Man erfährt viel vom Innenleben Levis‘, dessen Eltern sich in der Vergangenheit viel gestritten haben, und der nun mit dem Verlust seiner Mutter zurechtkommen muss. Dies wird sehr einfühlsam beschrieben und weckte bei mir viel Mitgefühl für den trauernden Jungen.
Auf seinem Weg durch das Wohnviertel begegnet Levis immer wieder auch Kioskbesitzer Kolja, der als Kriegsfotograf gearbeitet hat, sowie Nachbar Vincent. Mit denen bin ich zwar nicht 100% warm geworden, aber alles andere hat wie die Faust aufs Auge gepasst! Vor allem die Geschichte um Levis habe ich ausgesprochen gerne verfolgt!
Durch das langsame Fortschreiten der Handlung, wirkt diese durchaus authentisch.
Ein etwas düster, melancholisch angehauchtes Buch, welches ich irgendwann auch noch lesen möchte (statt zu hören), da es so viele tolle, bewegende Sätze enthält!
FAZIT: Klare Empfehlung und 4,5/5 !
Ein temporeicher Roman mit dem Thema Trauerbewältigung
MarcoL aus Füssen am 24.04.2022
Bewertungsnummer: 1700889
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Niemand hat mir gesagt, dass sich Trauer wie Wut anfühlt“
Levi begleitete seine Mutter oft an deren Arbeitsplatz in der Pathologie. Er beschäftigte sich selber, spielte, oder versteckte sich manchmal unter dem Schreibtisch. Genau dort war er auch, als seine Mutter und mysteriösen Umständen vor seinen Augen starb, auch wenn er eigentlich nichts davon mitbekommen hatte. Er war sich sicher, dass es ein Tiger war, der nach wie vor durch die Straßen und Gassen der Großstadt schlich um sein Unwesen zu treiben.
Levis Vater kümmerte sich nicht besonders um ihn, weder vor oder nach dem Tod seiner Frau. Die kleine Familie war zerrüttet, von elterlichem Streit geprägt. Manchmal kam Levi der Gedanke, dass es doch kein Tiger war, sondern sein eigener Vater, der Mutter tötete.
Auf der Beerdigung schnappte sich Levi kurzerhand die Urne mit der Asche seiner Mutter und rannte davon. Er flüchtete sich in das mehrstöckige Wohnhaus, und nistete sich tagelang auf dem Dach in einem provisorischen Zelt ein. Als er sich sicher sein konnte, dass sein Vater, ein Rechtsanwalt, nicht im Haus war, traute sich Levi nach draußen. Er unternahm Ausflüge mit seinem Nachbarn Vincent, oder ging in den Kiosk zu Kolja, der selbst mit seinem Schicksal haderte und mit den Traumata seiner Vergangenheit als Kriegsfotograf nicht klar kam.
Der Roman hat ein irres Tempo, die Szenen fliegen vorbei, die Flucht von Levi und seiner zwei „Fluchthelfer“ strömt dahin wie ein reißender Fluss, der kaum mal irgendwo zur Ruhe kommt.
Levi bastelt sich in den paar Tagen eine neue Realität zurecht, abseits seines zu Gewalt neigenden Vaters. Erinnerungen tauchen auf wie kleine Insel, die nur ein Gestrüpp von Streit und Disharmonie aufzuweisen haben.
Trauerbewältigung und die schlimmen Geister der Vergangenheit sind das zentrale Thema des Buches, Levi löst es auf seine eigene, kindlich naive, und dennoch mutige Art. Während Kolja sein Heil im Whiskey und Schlaf sucht. Jeder trauert auf seine Weise.
Ich gebe hier sehr gerne eine Leseempfehlung für diese Achterbahn der Gefühle ab, es ist ein temporeicher Roman, der während des Lesens die volle Aufmerksamkeit fordert; also nichts für Müde Geister spät am Abend.
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