Produktbild: Das Treibhaus
Band 659

Das Treibhaus

Aus der Reihe Bibliothek Suhrkamp
2

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

26.07.2019

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

188

Maße (L/B/H)

18,3/11,8/2,2 cm

Gewicht

193 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-24219-3

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

26.07.2019

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

188

Maße (L/B/H)

18,3/11,8/2,2 cm

Gewicht

193 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-24219-3

Herstelleradresse

Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
Deutschland
Email: verkauf@suhrkamp.de
Url: www.suhrkamp.de
Telephone: +49 30 7407440
Fax: +49 30 740744199

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Epochenroman des literarischen…

Bories vom Berg aus München am 20.05.2025

Bewertungsnummer: 2940264

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Epochenroman des literarischen Kanons «Tauben im Gras» ist der 1951 als erster veröffentlichte Band dreier, von Literaturkritikern als «Trilogie des Scheiterns» bezeichneter, kurz hintereinander erschienener Romane von Wolfgang Koeppen. Alle drei Romane gleichen sich in ihrer Thematik, sie beschäftigen sich mit den Befindlichkeiten und Ereignissen im Nachkriegs-Deutschland kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei knüpfte «Tauben im Gras» im Gegensatz zur damals noch dominanten ‹Trümmerliteratur› bereits deutlich an die literarische Moderne an. Seinerzeit vom Lesepublikum eher verhalten aufgenommen, war dieser Roman bis in jüngste Zeit hinein Abitur-Pflichtlektüre, zog eine beeindruckende Zahl von Sekundär-Literatur nach sich und gehört heute zweifellos zum Kanon deutscher Literatur. Im Anhang der aktuellen Ausgabe des Suhrkamp-Verlags sind umfangreiche Kommentare und ein editorischer Bericht über die vorliegende Ausgabe des Romans enthalten, von dem weder ein Typoskript noch eine erste Satzvorlage existieren. Völlig überflüssiger Weise ist vor Kurzem erst ein Streit über die angeblich rassistische Sprache bei Koeppen entbrannt. So zum Beispiel hier über die Verwendung des ‹N-Worts› für farbige US-Soldaten, für die Koeppen sogar die abwertende amerikanische Form benutzt, mit der GIs damals verächtlich bezeichnet wurden. Ein geradezu absurder, durch eine selbsternannte Sprachpolizei ausgelöster Hype, der, wie auch beim beflissenen Gendern, die deutsche Sprache regelrecht verhunzt! In mehreren Handlungssträngen wird mit über hundert kurzen, ineinander verwobenen Abschnitten des Plots das Leben der Nachkriegs-Bevölkerung geschildert. Die mehr als dreißig unterschiedlich wichtigen Figuren repräsentieren einen Querschnitt damaliger Normalbürger und vieler als Besatzungsmacht in Deutschland lebender Amerikaner. Dabei gibt es keine einzelnen dominanten Protagonisten, die bestimmend wären für die Handlung. Auffällig ist zudem, dass sie als Charaktere alle wenig markant ausgestaltet sind, man kann sich nach der Lektüre kaum an einen einzelnen von ihnen erinnern. Da gibt es zum Beispiel den frustrierten Schriftsteller, der entfernt an den Autor selbst erinnert, oder dessen alkoholabhängige Frau als reiche Erbin, die mangels anderer Einkünfte im Pfandhaus nach und nach ihre Wertgegenstände zu Geld macht. Es gibt den agilen, farbigen Amerikaner, der eine Kriegerwitwe heiratet und eng mit einem Gepäckträger befreundet ist, einem ehemaligen NS-Mitläufer, und im Verlauf der Handlung wird der GI dann verdächtigt, ihn erschlagen zu haben. Als seine deutsche Frau abtreiben will, weil sie der «Schande» durch ein Mischlingskind nicht gewachsen ist, verhindert er durch ein Gespräch mit dem Arzt diesen Eingriff. Es gibt eine Gruppe von amerikanischen Lehrerinnen, die als Touristinnen die Stadt erkunden. Ein philosophisch veranlagter Dichter, der eine heftig umstrittene Rede hält, stellt sich schließlich als homosexuell aktiv heraus, damals bekanntlich ein Straftatbestand. Die Figuren sind allesamt den titelgebenden «Tauben im Gras» vergleichbar, wie es in einem Gespräch der Lehrerinnen bei einem Spaziergang angesichts einiger im Gras hockender Vögel heißt. «… die Vögel sind zufällig hier, wir sind zufällig hier, und vielleicht waren auch die Nazis nur zufällig hier …». Und weiter: «… vielleicht ist die Welt ein grausamer und dummer Zufall Gottes, keiner weiß, warum wir hier sind, die Vögel werden wieder auffliegen und wir werden weitergehen …». Stilistisch folgen die Szenen des Romans mit harten Schnitten aufeinander, wobei aber stets gewährleistet ist, dass der Zusammenhang mit dem vorher Erzählten durch eine der Figuren oder mit Hilfe von markanten Signalwörtern deutlich wird. Die vorwärts drängende, schnörkellos sachliche Erzählweise ist durch häufig angewandte Parataxe gekennzeichnet. Wegen seiner Gedankenfülle erfordert dieses Werk stets aufmerksame Leser, und als Epochenroman ist es geradezu exemplarisch für ein kurzes, aber wichtiges Kapitel deutscher Geschichte.

Epochenroman des literarischen…

Bories vom Berg aus München am 20.05.2025
Bewertungsnummer: 2940264
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Epochenroman des literarischen Kanons «Tauben im Gras» ist der 1951 als erster veröffentlichte Band dreier, von Literaturkritikern als «Trilogie des Scheiterns» bezeichneter, kurz hintereinander erschienener Romane von Wolfgang Koeppen. Alle drei Romane gleichen sich in ihrer Thematik, sie beschäftigen sich mit den Befindlichkeiten und Ereignissen im Nachkriegs-Deutschland kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei knüpfte «Tauben im Gras» im Gegensatz zur damals noch dominanten ‹Trümmerliteratur› bereits deutlich an die literarische Moderne an. Seinerzeit vom Lesepublikum eher verhalten aufgenommen, war dieser Roman bis in jüngste Zeit hinein Abitur-Pflichtlektüre, zog eine beeindruckende Zahl von Sekundär-Literatur nach sich und gehört heute zweifellos zum Kanon deutscher Literatur. Im Anhang der aktuellen Ausgabe des Suhrkamp-Verlags sind umfangreiche Kommentare und ein editorischer Bericht über die vorliegende Ausgabe des Romans enthalten, von dem weder ein Typoskript noch eine erste Satzvorlage existieren. Völlig überflüssiger Weise ist vor Kurzem erst ein Streit über die angeblich rassistische Sprache bei Koeppen entbrannt. So zum Beispiel hier über die Verwendung des ‹N-Worts› für farbige US-Soldaten, für die Koeppen sogar die abwertende amerikanische Form benutzt, mit der GIs damals verächtlich bezeichnet wurden. Ein geradezu absurder, durch eine selbsternannte Sprachpolizei ausgelöster Hype, der, wie auch beim beflissenen Gendern, die deutsche Sprache regelrecht verhunzt! In mehreren Handlungssträngen wird mit über hundert kurzen, ineinander verwobenen Abschnitten des Plots das Leben der Nachkriegs-Bevölkerung geschildert. Die mehr als dreißig unterschiedlich wichtigen Figuren repräsentieren einen Querschnitt damaliger Normalbürger und vieler als Besatzungsmacht in Deutschland lebender Amerikaner. Dabei gibt es keine einzelnen dominanten Protagonisten, die bestimmend wären für die Handlung. Auffällig ist zudem, dass sie als Charaktere alle wenig markant ausgestaltet sind, man kann sich nach der Lektüre kaum an einen einzelnen von ihnen erinnern. Da gibt es zum Beispiel den frustrierten Schriftsteller, der entfernt an den Autor selbst erinnert, oder dessen alkoholabhängige Frau als reiche Erbin, die mangels anderer Einkünfte im Pfandhaus nach und nach ihre Wertgegenstände zu Geld macht. Es gibt den agilen, farbigen Amerikaner, der eine Kriegerwitwe heiratet und eng mit einem Gepäckträger befreundet ist, einem ehemaligen NS-Mitläufer, und im Verlauf der Handlung wird der GI dann verdächtigt, ihn erschlagen zu haben. Als seine deutsche Frau abtreiben will, weil sie der «Schande» durch ein Mischlingskind nicht gewachsen ist, verhindert er durch ein Gespräch mit dem Arzt diesen Eingriff. Es gibt eine Gruppe von amerikanischen Lehrerinnen, die als Touristinnen die Stadt erkunden. Ein philosophisch veranlagter Dichter, der eine heftig umstrittene Rede hält, stellt sich schließlich als homosexuell aktiv heraus, damals bekanntlich ein Straftatbestand. Die Figuren sind allesamt den titelgebenden «Tauben im Gras» vergleichbar, wie es in einem Gespräch der Lehrerinnen bei einem Spaziergang angesichts einiger im Gras hockender Vögel heißt. «… die Vögel sind zufällig hier, wir sind zufällig hier, und vielleicht waren auch die Nazis nur zufällig hier …». Und weiter: «… vielleicht ist die Welt ein grausamer und dummer Zufall Gottes, keiner weiß, warum wir hier sind, die Vögel werden wieder auffliegen und wir werden weitergehen …». Stilistisch folgen die Szenen des Romans mit harten Schnitten aufeinander, wobei aber stets gewährleistet ist, dass der Zusammenhang mit dem vorher Erzählten durch eine der Figuren oder mit Hilfe von markanten Signalwörtern deutlich wird. Die vorwärts drängende, schnörkellos sachliche Erzählweise ist durch häufig angewandte Parataxe gekennzeichnet. Wegen seiner Gedankenfülle erfordert dieses Werk stets aufmerksame Leser, und als Epochenroman ist es geradezu exemplarisch für ein kurzes, aber wichtiges Kapitel deutscher Geschichte.

Suizid im Bonner Ghetto Als…

Bories vom Berg aus München am 26.10.2015

Bewertungsnummer: 2708429

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Suizid im Bonner Ghetto Als Mittelteil der «Trilogie des Scheiterns» gehört der 1953 veröffentlichte Roman «Das Treibhaus» von Wolfgang Koeppen zu den bedeutendsten Werken der deutschen Nachkriegsliteratur, er markiert gleichzeitig auch den Höhepunkt im Werk dieses Schriftstellers. Es folgte nichts Vergleichbares mehr, und so wurde es auch nichts aus den hochgespannten Erwartungen von Siegfried Unseld, der sich in Koeppen den Autor eines deutschen «Ulysses» erhofft hatte. Womit ein Stichwort schon gesagt ist, denn mir waren vor vielen Jahren beim ersten Lesen dieses Buches ebenfalls stilistische Ähnlichkeiten mit dem berühmten Roman von James Joyce aufgefallen. Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg haben viele deutsche Autoren Werke geschrieben, die unter dem Begriff Trümmerliteratur subsumiert wurden, Koeppen gehörte wie auch Arno Schmidt zu den wenigen Schriftstellern, die sich im Duktus damals schon von deren sprachlicher Verknappung und thematischen Rückwärtsgewandtheit gelöst hatten. Protagonist des Romans ist der ehemalige Journalist Felix Keetenheuve, der während des Dritten Reiches im Exil gearbeitet hatte, nach Kriegsende zurückkehrt war und später Abgeordneter des Deutschen Bundestages wurde. Die Handlung ist zeitlich auf wenige Tage begrenzt, in denen der Mittvierziger im D-Zug in die Hauptstadt fährt, um als Oppositionspolitiker an der wichtigen Abstimmung über die Wiederbewaffnung Deutschlands teilzunehmen. Die Beerdigung seiner jungen Frau Elke liegt da gerade hinter ihm, er hatte sie, deren Vater Gauleiter war und sich bei Kriegsende mit seiner Frau umgebracht hat, als herumstreunendes Mädchen in einem zerbombten Haus aufgegriffen, sie schließlich auch geheiratet. Durch seine politischen Verpflichtungen immer wieder vernachlässigt, war sie später alkoholsüchtig geworden, er fühlt sich nun schuldig ihr gegenüber. Für die Debatte wird ihm brisantes Material zugespielt, das er als pazifistisches Aushängeschild seiner Partei in der Rede überraschend einsetzen soll, um einen Eklat auszulösen. Gleichzeitig aber wird ihm seitens der Regierung ein geruhsamer Botschafterposten in Guatemala angeboten, offensichtlich nur um damit einen unbequemen Gegner loszuwerden. Keetenheuve ist ein parlamentarischer Sonderling, ein Schöngeist mit Sinn für Gedichte von Baudelaire, der sich keinem Fraktionszwang beugt, ein Freigeist, der die alten Strukturen restaurativ wieder hervorbrechen sieht im neuen Staate, und der resigniert erkennen muss, dass er daran rein gar nichts ändern kann. Er hält seine Rede, deren Zündstoff nicht mehr wirkt, weil die Regierung längst informiert ist und schon vorab dementiert hat mit allen ihr zu Verfügung stehenden Mitteln. Nach einem abendlichen Streifzug durch seine Stammlokale steht er auf der Rheinbrücke. «Er war sich selbst eine Last, und ein Sprung von dieser Brücke machte ihn frei.» heißt es dann im letzten Satz. Natürlich ist dieser Roman auch ein Schlüsselroman, allen Dementis des Autors zum Trotz, dessen Camouflage natürlich nicht verdecken kann, dass Bonn gemeint ist als Regierungssitz (welche Stadt denn sonst?), Adenauer als Kanzler (es gab damals keinen anderen!), und auch Theodor Heuss und Kurt Schumacher sind selbst für politische Laien unschwer erkennbar. Das Bild, das da gezeichnet wird vom parlamentarischen Alltag und von den Ränkespielen im Hintergrund ist überaus desillusionierend, ein Ghetto von Berufspolitikern, Beamten, Journalisten, das wie ein Treibhaus hermetisch abgeschlossen ist von der Außenwelt, von der Lebenswirklichkeit. Und mittendrin Keetenheuve, der einsam und frustriert keinen Ausweg mehr weiß. Koeppens assoziationsreiche Sprache ist nicht gerade flüssig zu lesen. Der systemkritische Roman aus den parlamentarischen Anfängen der Bundesrepublik ist gleichwohl ein wertvolles Zeitzeugnis aus diesem sehr speziellen Milieu, ein äußerst rares obendrein. Die Lektüre lohnt sich aber nicht zuletzt auch gerade wegen des unkonventionellen sprachlichen Stils.

Suizid im Bonner Ghetto Als…

Bories vom Berg aus München am 26.10.2015
Bewertungsnummer: 2708429
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Suizid im Bonner Ghetto Als Mittelteil der «Trilogie des Scheiterns» gehört der 1953 veröffentlichte Roman «Das Treibhaus» von Wolfgang Koeppen zu den bedeutendsten Werken der deutschen Nachkriegsliteratur, er markiert gleichzeitig auch den Höhepunkt im Werk dieses Schriftstellers. Es folgte nichts Vergleichbares mehr, und so wurde es auch nichts aus den hochgespannten Erwartungen von Siegfried Unseld, der sich in Koeppen den Autor eines deutschen «Ulysses» erhofft hatte. Womit ein Stichwort schon gesagt ist, denn mir waren vor vielen Jahren beim ersten Lesen dieses Buches ebenfalls stilistische Ähnlichkeiten mit dem berühmten Roman von James Joyce aufgefallen. Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg haben viele deutsche Autoren Werke geschrieben, die unter dem Begriff Trümmerliteratur subsumiert wurden, Koeppen gehörte wie auch Arno Schmidt zu den wenigen Schriftstellern, die sich im Duktus damals schon von deren sprachlicher Verknappung und thematischen Rückwärtsgewandtheit gelöst hatten. Protagonist des Romans ist der ehemalige Journalist Felix Keetenheuve, der während des Dritten Reiches im Exil gearbeitet hatte, nach Kriegsende zurückkehrt war und später Abgeordneter des Deutschen Bundestages wurde. Die Handlung ist zeitlich auf wenige Tage begrenzt, in denen der Mittvierziger im D-Zug in die Hauptstadt fährt, um als Oppositionspolitiker an der wichtigen Abstimmung über die Wiederbewaffnung Deutschlands teilzunehmen. Die Beerdigung seiner jungen Frau Elke liegt da gerade hinter ihm, er hatte sie, deren Vater Gauleiter war und sich bei Kriegsende mit seiner Frau umgebracht hat, als herumstreunendes Mädchen in einem zerbombten Haus aufgegriffen, sie schließlich auch geheiratet. Durch seine politischen Verpflichtungen immer wieder vernachlässigt, war sie später alkoholsüchtig geworden, er fühlt sich nun schuldig ihr gegenüber. Für die Debatte wird ihm brisantes Material zugespielt, das er als pazifistisches Aushängeschild seiner Partei in der Rede überraschend einsetzen soll, um einen Eklat auszulösen. Gleichzeitig aber wird ihm seitens der Regierung ein geruhsamer Botschafterposten in Guatemala angeboten, offensichtlich nur um damit einen unbequemen Gegner loszuwerden. Keetenheuve ist ein parlamentarischer Sonderling, ein Schöngeist mit Sinn für Gedichte von Baudelaire, der sich keinem Fraktionszwang beugt, ein Freigeist, der die alten Strukturen restaurativ wieder hervorbrechen sieht im neuen Staate, und der resigniert erkennen muss, dass er daran rein gar nichts ändern kann. Er hält seine Rede, deren Zündstoff nicht mehr wirkt, weil die Regierung längst informiert ist und schon vorab dementiert hat mit allen ihr zu Verfügung stehenden Mitteln. Nach einem abendlichen Streifzug durch seine Stammlokale steht er auf der Rheinbrücke. «Er war sich selbst eine Last, und ein Sprung von dieser Brücke machte ihn frei.» heißt es dann im letzten Satz. Natürlich ist dieser Roman auch ein Schlüsselroman, allen Dementis des Autors zum Trotz, dessen Camouflage natürlich nicht verdecken kann, dass Bonn gemeint ist als Regierungssitz (welche Stadt denn sonst?), Adenauer als Kanzler (es gab damals keinen anderen!), und auch Theodor Heuss und Kurt Schumacher sind selbst für politische Laien unschwer erkennbar. Das Bild, das da gezeichnet wird vom parlamentarischen Alltag und von den Ränkespielen im Hintergrund ist überaus desillusionierend, ein Ghetto von Berufspolitikern, Beamten, Journalisten, das wie ein Treibhaus hermetisch abgeschlossen ist von der Außenwelt, von der Lebenswirklichkeit. Und mittendrin Keetenheuve, der einsam und frustriert keinen Ausweg mehr weiß. Koeppens assoziationsreiche Sprache ist nicht gerade flüssig zu lesen. Der systemkritische Roman aus den parlamentarischen Anfängen der Bundesrepublik ist gleichwohl ein wertvolles Zeitzeugnis aus diesem sehr speziellen Milieu, ein äußerst rares obendrein. Die Lektüre lohnt sich aber nicht zuletzt auch gerade wegen des unkonventionellen sprachlichen Stils.

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Tauben im Gras

von Wolfgang Koeppen

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