Vernon Little sitzt im städtischen Gefängnis von Martirio, der "Barbecuesaucen-Hauptstadt von Texas". Er hat ein ernsthaftes Problem: Sein Kumpel Jesus hat soeben 16 Klassenkameraden ins Jenseits befördert und sich anschließend selbst erschossen. Auf Vernon konzentrieren sich nun die gesamten Rachegelüste der Stadt und die Sensationsgier der Medien. Ausgezeichnet mit dem renommierten Booker-Preis, bejubelt von der Kritik und wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste - eine literarische Sensation. "Wütend wie ein Song von Eminem und witzig wie ein Film von Tarantino." Bayerischer Rundfunk. "Raffinierter und treffsicherer als Michael Moore. Wir schwören, etwas Besseres hat man lange nicht gelesen." AMICA. "Die böseste und beste Satire auf Amerika." Die Welt. "Ein perfektes Buch." Literaturen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Dietmar Behneke
aus Wildau
5/5
20.09.2009
Buch (Taschenbuch)
Ein unspektakulär geschriebenes Buch zu einem spektakulären Ereignis
Ein Schulmassaker, durchgeführt von dem Freund des Erzählers, welcher sich gleich noch mit erschoss. Aus diesem Grund gab es keinen mehr zu richten, was den Einwohnern dieses Ortes gar nicht passte und auch dem Medien nicht. Also wurde gleich noch Schuldiger gesucht und in der Person des Erzählers gefunden, dem die Todesstrafe in Texas erwartet. Aus diesem Grund flieht er, obwohl unschuldig. Und so nimmt alles seinen lauf. Erschreckend realistisch.
MonaMayfair
aus karlsruhe
5/5
11.10.2005
Buch (Taschenbuch)
ein MUSS
nachdem ich nun soooo lange auf das buch warten musste (aufgrund eines mir selbst auferlegten buch-kauf-stops), habe ich es - direkt nachdem mann es mir gnädigerweise geschenkt hatte - sofort verschlungen..
sehr ironisch.. teilweise komisch bis witzig.. auf jeden fall ein MUSS - auch wenn manchmal alles ein bisschen zu sehr im nebel blieb..
Polar
aus Aachen
4/5
01.08.2007
Buch (Taschenbuch)
Mitten in Texas und überall sowieso
Nachrichten von Gewalt, die in unsere Schulen gespült wird, Videos, die die jugendlichen Mörder als Rächer überhöhen, in denen sie die Helden ihrer Videogames nachäffen, gehören mittlerweile zum Alltag. Vernon Little hat ein Problem, sein Freund Jesus hat 16 Klassenkameraden erschossen, und er sitzt im Gefängnis und dient als Sündenbock, dem unterstellt wird, von der Tat zumindest gewußt zu haben. Die Naivität, mit der er durch die Welt wandelt, ist von dbc Pierre gut getroffen worden. Nur wer so unschuldig erscheint und sich gleichzeitig so angewidert umschaut, wird das Opfer eigener Machtphantasien, auch wenn sie nicht immer bis zum Letzten reichen müssen. Das Lachen über manche Stellen bleibt einem angesichts des Massakers im Halse stecken. dbc Pierre schafft es, unsere Welt wie eine Kulisse aussehen zu lassen, in der wir selbst schauspielern, uns zum Kaufen wie zum Verkaufen andienen, nur damit es um uns herum glitzert. Ein Junge wie Vernon ist darin verloren. Ein bitterböser Roman, ihn als Satire aufzufassen, beraubt ihn seines harten, realistischen Kerns. Dafür sind die Charaktere, die zwischen den Kulissen auftauchen allzu gegenwärtig.
Bories vom Berg
aus München
2/5
09.11.2021
Buch (Taschenbuch)
Bissige Medien-Satire Der…
Bissige Medien-Satire Der unter dem Pseudonym DBC Pierre veröffentlichende, australische Schriftsteller Peter Warren Finlay hat mit seinem Roman-Erstling «Jesus von Texas» 2003 den britischen Booker Prize gewonnen. Also die begehrteste Auszeichnung im englisch-sprachigen Raum, die dort im Ansehen zuweilen sogar noch vor dem weniger publikums-wirksamen Nobelpreis steht. Der ehrt ja bekanntlich den Autor selbst, nicht das einzelne Buch, - die Buddenbrooks waren eine berühmte Ausnahme. Aber davon trennen diesen Roman wirklich Welten! Das Pseudonym steht für «Dirty But Clean Peter» und soll den Lebenswandel des Autors andeuten. Der hat es nämlich, folgt man dem Klappentext, fertig gebracht, «von seinem Nachbarn in Mexico Stadt angeschossen zu werden, Schulden in Höhe von mehreren hunderttausend Dollar anzuhäufen, drogen- und spielsüchtig zu werden und eine Reihe von Frauen zu hintergehen». Sein Roman ist denn auch eine bissige Satire auf die Sensationsgier der amerikanischen Medien-Gesellschaft, deren Auswüchse hier genüsslich auf die Spitze getrieben werden. Ort der Handlung ist eine fiktive Kleinstadt, die den Ruf der Barbecue-Saucen-Hauptstadt von Texas hat. Der fünfzehnjährige Schüler Vernon wird der Mittäterschaft an einem Massaker in seiner Schule verdächtigt. Diesen Amoklauf hat sein bester Freund Jesus während des Physik-Unterrichts begangen, sechzehn Mitschüler sind ihm zum Opfer gefallen, der Täter hat sich anschließend selbst erschossen. Nachdem Vernon ungeschickt ein Gewehr zu verstecken sucht und ihm die Polizei auch rein gar nichts glaubt, flüchtet er nach Mexico, wird dort aber verhaftet und ausgeliefert. Durch unprofessionelle Verteidigung, widrige Umstände und die unheilvolle Mitwirkung eines Klatschreporters bereits massiv von der Bevölkerung vorverurteilt, wird Vernon in einem absurden, schauprozess-artigen Verfahren unschuldig zum Tode verurteilt. Im Todestrakt veranstaltet ein Medien-Konzern die wöchentliche Wahl des jeweils nächsten Delinquenten in Form einer live übertragenen, publikums-wirksamen Reality-Show. Als schließlich Vernon gewählt wird, gelingt es ihm scheinbar durch einige Telefonate, sich doch noch aus der Schlinge zu ziehen. «Irgendjemand hat mal gesagt, es sei heute unmöglich, Amerika satirisch darzustellen, die Wahrheit wäre immer viel lächerlicher als alles, was man sich ausdenken könnte. Ich glaube, dass stimmt weitgehend», hat sich der Autor geäußert. Und als Beispiel nennt er den letzten Wunsch eines Todeskandidaten in Texas, der vor der Hinrichtung noch eine Zigarette rauchen wollte, was ihm «mit dem Hinweis, dass Rauchen schlecht für seine Gesundheit sei», aber verweigert wurde. In diesem Lichte besehen erscheinen die satirischen Überspitzungen des Romans literarisch ebenso angemessen wie der vulgäre, auf Dauer abstoßende Jugend-Slang, in dem der pubertierende Romanheld erzählt. In der Übersetzung ist es weitgehend gelungen, die vielen Wortspiele in ihrem Aberwitz zu erhalten, was nicht wenig beiträgt zum Amüsement des Lesers, wenn er denn eine Antenne dafür hat. Oft versteckt sich in dem unflätigen Primitiv-Jargon des jugendlichen Ich-Erzählers aber auch eine tiefe Ratlosigkeit: «Ich hab wirklich versucht, das Leben zu kapieren, manchmal kam es mir sogar großartig vor. Doch damit hat sich’s jetzt erstmal, nach allem was passiert ist. Ich meine, was soll das denn für ein Scheißleben sein?» Grenzenlose Medienmacht, ausufernder Konsumterror und schreiende Ungerechtigkeit sind die Reiz-Themen, die der Autor in seiner temporeich erzählten Geschichte vehement anprangert, ein offensichtlich in die Irre führender American Way of Life. Und Satire ist sicherlich auch die wirksamste Form, sich mit seiner flammenden Anklage einer breiteren Leserschaft verständlich zu machen, Vernunft im Sinne von Kant ist dafür nun mal nicht geeignet. Auch wenn hier auf amüsante Weise der Finger in die Wunde gelegt wird, ist dieser Roman eine von der Sprache her verstörende, auf Dauer nervige Lektüre.
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4/5
23.04.2019
Buch (Taschenbuch)
Pierre schreibt aus Sicht des...
Pierre schreibt aus Sicht des Ich-Erzählers Vernon und es gelingt ihm überraschend gut, die Psychologie eines 15jährigen einzufangen der Überlebender eines Massakers bleibt.
Der Hauptprotagonist Vernon (God) Little zeitgleich auch der Titel der englischen Originalausgabe, ist umgangssprachlich ausgedrückt im Arsch. Sein bester Freund, Jesus Navarro, hat gerade 16 Klassenkameraden und danach sich selbst erschossen und Vernon ist der einzige der davon gekommen ist. Von Anfang an wird er der Mittäterschaft beschuldigt und kann sich kaum gegen die ständigen Anfeindungen aus der Gesellschaft und seinem Umfeld erwehren. Er flüchtet aus der Polizeidienststelle nach Hause und eine unerbittliche Hexenjagd beginnt.
Jesus von Texas ist mein zweiter Roman von DBC Pierre den ich gelesen habe und es ist zeitgleich auch sein Debütroman, mit dem er auch im Jahr 2003 den Manbookerprize gewonnen hat. Der Schriftsteller, der eigentlich Peter Warren Finley heißt, und dessen ersten drei Buchstaben seines Pseudonyms (DBC) für dirty but clean steht, zeigt uns in diesem Roman die Absurdität einer ungerechten Welt auf, und laut einem Interview, man mag es kaum glauben, hat er die Geschichte in nur fünf Wochen fertig geschrieben. Der erste Roman, den ich von ihm gelesen habe ist Das Buch Gabriel-, oder - Licht aus im Wunderhaus -, je nachdem welche Ausgabe man vor sich hat. Die gebundene Variante ist im Eichborn Verlag erschienen, das Taschenbuch im Aufbauverlag und beide haben unterschiedliche Titel. Letzteres hält sich an den englischen Originaltitel und hat bei der Leserschaft, die dem Schriftsteller sehr angetan sind, für Verwirrung gesorgt. Im schlimmsten Fall, so wie bei mir, hab ich nun diesen Roman doppelt zu Hause, weil ich davon ausgegangen bin, unterschiedliche Romane von DBC Pierre zu haben. Aber bevor ich zu sehr abschweife, zurück zum eigentlichen Thema: Der Rezension von Jesus von Texas:
Die Geschichte spielt, wie der deutsche Titel bereits verrät, in Texas und hierzulande wird man wahrscheinlich zuerst an reiche Ölmagnaten und an einem bestimmten Gouverneur denken, der später einmal Präsident der Vereinigten Staaten wurde, und weniger an Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben und deren einziger scheinbarer Lebensmittelpunkt Gier, Missgunst und Neid ist. Der als wütende Satire gehandelte Roman verliert durch die Übersetzung ins Deutsche, leider in den Dialogen an Esprit und eben an Humor. Sprache als Indikator in der Übersetzung leider verloren gegangen, man kann es aber trotzdem erahnen welch außergewöhnliche Sprachbegabung der Schriftsteller hat. Wenn möglich sollte man diese Geschichte in der Originalsprache lesen. Trotz der Kritik, ziehe ich den Hut vor jenen Menschen die den Beruf als Übersetzer nachgehen. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht gerade einfach ist, den texanischen Slang, diese typische Umgangssprache, in ein rundes Deutsch zu übersetzten.
Man fiebert nun mit Vernon mit, ist von seiner Unschuld genauso überzeugt wie auch von seiner Naivität. Dabei wird er immer wieder mit der oben bereits genannten Ungerechtigkeit konfrontiert und muss, als Teil seines Erwachsenwerdens, eben lernen damit klarzukommen. Gerade im englischen werden Coming of Age Romane gerne mit einem bestimmten Buch verglichen. Mir fällt es schwer mit nun ebenfalls einen Vergleich zu ziehen, und eigentlich mag ich es gar nicht erwähnen, denn ich hab zwar Der Fänger im Roggen gelesen, aber nicht für so sonderlich interessant befunden und schneidet für mich eher mittelmäßig ab. Auch wenn ich erst zwei Romane von dem wirklich genialen Schriftsteller gelesen habe, finde ich seinen Stil sehr gut, er hält den Leser bei Stange und treibt einem gekonnt zu einem Höhepunkt und dem Ende zu. Die Gesellschaftskritik und der Hang Underdogs, als Hauptprotagonisten einzusetzen, gefällt mir ebenfalls sehr gut.
Was mir zudem imponiert hat war, dass ein Bühnenstück von Vernon God Little produziert wurde und die Filmrechte von Regisseur Bernd Eichinger gekauft worden sind. Laut Zeitungsberichten, soll seine Witwe Katja Hofmann mit niemand geringerem als Werner Herzog nun den Film produzieren. Wer nun noch nichts von DBC Pierre gelesen hat, dem kann ich seinen Debütroman wärmstens empfehlen, spätestens wenn er im Kino zu sehen ist, sollte man aber ihn gelesen haben.
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