Staatsanwältin Marlene Castor zieht sich nach einem beruflichen Rückschlag in die Abgeschiedenheit der Natur im österreichischen Semmering zurück - doch die Idylle währt nicht lange: Marlenes Tochter verschwindet auf mysteriöse Weise. Eine fieberhafte Suche beginnt. Bei ihren Nachforschungen begegnet Marlene immer wieder der unheimliche Ort Tannenfall. Die Zeit drängt, denn nicht nur sie ist auf der Suche nach ihrer Tochter ...
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Heraus- und manchmal überfordernd: Spannender Thriller über die menschliche Psyche
Bewertung aus Nürnberg am 14.02.2020
Bewertungsnummer: 1293332
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Selten habe ich bei der Sternebewertung so mit mir gehadert, wie in diesem Fall. 3 Sterne wären eigentlich zu wenig – immerhin hat mich der vorliegende Thriller von Bernhard Hofer auf so vielen Ebenen beeindruckt – 4 Sterne allerdings würden den Frust und das Stirnrunzeln herunterspielen; beides ständige Lese-Begleiter in weiten Abschnitten des Romans. Warum ich mich letztlich doch für die bessere, also die 4-Sterne Wertung entschieden habe?
Kurz gesagt weil „Tannenfall. Der erste Schnee“ ein verdammt guter Thriller ist. Handlung und Schreibstil extrem anspruchsvoll, bestens für Freunde des intensiven Lesens geeignet. Sowohl die ersten 100 als auch die letzten 50 Seiten haben mir enorm gut gefallen. So gut, dass ich anfangs sogar davon überzeugt war, gar nichts anderes als 5 Sterne vergeben zu wollen. Die wirklich sehr gute Schreibe Hofers wird eigentlich nur noch durch den grandios ausgearbeiteten Plot übertroffen. Selten habe ich eine so vielschichtige, so überraschende, so irritierende Handlung erlebt wie im vorliegenden Thriller.
Genau diese Irritation ist es übrigens auch, die mich so lange mit der abschließenden Wertung hadern ließ. Der Mittelteil des Romans hat mir so viel Kopfzerbrechen bereitet wie schon lange kein Buch mehr. Teils war ich mir nicht sicher, ob ich dem Inhalt intellektuell nicht gewachsen war, teils stellte ich den Verstand des Autors in Frage (natürlich auf eine sehr respektvolle Art und Weise). Über Seiten hinweg baute sich in mir so viel Unverständnis und demnach auch Frust gegenüber der Handlung auf – der ich in diesen Momenten einfach auf logischer Ebene nicht folgen konnte – dass ich mehrfach versucht war, die Lektüre einfach abzubrechen und aufzugeben.
Rückblickend bin ich froh, am Ball geblieben zu sein, denn die Aufklärung all dieser angestauten Irritation hat es wirklich in sich und stellt Hofers Genie eindrücklich unter Beweis. „Tannenfall“ hat mich auf jeden Fall stark beeindruckt und mich auf einen wilden Ritt durch Österreichs Berglandschaft genommen.
Mystisch, düster, verrückt, Tannenfall
peedee am 15.02.2020
Bewertungsnummer: 1293489
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Tannenfall, Band 1: Marlene Castor, Staatsanwältin, zieht sich mit ihrer Tochter Lya in die Abgeschiedenheit im österreichischen Semmering zurück. Dort geschehen jedoch merkwürdige Dinge. Ihre Tochter verschwindet. Und es soll nicht das erste Kind sein, das verschwunden ist. Immer wieder fällt der Name „Tannenfall“ – doch diesen Ort gibt es auf keiner Karte…
Erster Eindruck: Das Cover des Schutzumschlages gefällt mir (obwohl ich kein Fan von Schutzumschlägen bin); ein düsteres Bild.
Dies ist Band 1 einer vierteiligen Saga. Es gibt noch ein Prequel zu dieser Serie, wie ich am Ende des Buches erfahren habe, dazu unten mehr.
Ein mystischer, düsterer, verrückter Thriller. Nach den ersten paar Seiten habe ich gemerkt, dass diese Geschichte weit entfernt ist von dem, was ich kenne. Es prasselten viele Fragen auf mich herein, auf die ich selbst nur mit Gegenfragen antworten konnte: Was ist Wirklichkeit, was ist Fantasie? Was ist beruflich bei Marlene passiert? Wo ist Paul, Marlenes Mann? Warum hat Lya die Schule geschmissen? Warum ist das Verhältnis von Mutter und Tochter so unterkühlt?
„Der Weg ist einfach. Besiege die schwarze Frau, indem du die Wölfe zähmst. Dann können die Hirsche wieder ihren Weg gehen, und du wirst den Rhythmus spüren und die Leere betreten.“ Das ist für mich alles andere als einfach.
Das Nachtvolk; die schwarze Frau; Wölfe; Hirsche; Edden, das Paradies; der Ort, wo der Wind wohnt; Tannenfall, der Ort, den es nicht gibt; das Spektrum; das Panoptikum; Proto-Objekte; die „schwarze Familie“ – dies sind nur einige der behandelten Stichworte.
Das Buch ist verrückt. Völlig verrückt. Ich frage mich ja, wie einem Autor so etwas in den Sinn kommt. Ich habe des Öfteren an mir gezweifelt, dass ich das Buch einfach nicht verstehe. Ich wurde zunehmend verwirrter; trotz allem hatte die Lektüre etwas Sogartiges, was mich dranbleiben liess. Aber: anstrengend, undurchsichtig. Gegen Ende konnte es mir nicht mehr schnell genug gehen, da ich unbedingt wissen wollte, wie es ausging. Immer, als ich dachte, dass es nicht mehr schräger kommen könnte, kam doch noch etwas. Erst am Ende des Buches habe ich gesehen, dass es ja eigentlich eine Vorgeschichte zu dieser vierteiligen Saga gibt. Es wäre für mich wahrscheinlich hilfreich gewesen, diese zuerst zu lesen. Nun denn, dem war halt nun nicht so.
Es war ein Auf und Ab betreffend möglicher Bewertung dieses Buches. Zu Beginn war ich bei drei Sternen, im Mittelteil dann bei zwei Sternen, nach dem Schlussteil dann bei… tja, das ist die Frage, deren Beantwortung für mich länger dauerte. Da keine halben Sterne vergeben werden können, gibt es von mir nun (aufgerundete) vier Sterne. Und: ich bin immer noch verwirrt. Sehr.
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