The four volumes, with numerous color photographs and drawings, contain the first complete study of Protestant church building in Early Modern Europe (16th–18th centuries). The variety of building materials and the abundance of spatial solutions show how great the innovative and entrepreneurial potential was that was released with the spread and stabilization of the Reformation. It broke with the autocracy of the Southern and Western countries, which imposed their cultural patterns on the rest of Europe. The Northern and Eastern Central European countries have since been equally involved in creating new values. Their architectural heritage, still too little known, occupies a worthy place here.
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VolkerM
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27.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die frühe protestantische Kirchenarchitektur im Spannungsfeld europäischer Bautradition
Die Autoren bieten in dem vorliegenden Werk erstmals eine systematische Gesamtdarstellung der protestantischen Kirchenarchitektur der frühen Neuzeit in Europa. Untersucht werden 1.176 Kirchen in 25 heutigen Staaten und 41 historischen Ländern – von Island, Schottland und Skandinavien bis nach Rumänien, Slowenien und Serbien, wobei nicht nur lutherische und reformierte Kirchen berücksichtigt werden, sondern sämtliche Konfessionen, die aus der Reformationsbewegung hervorgingen.
Die Monografie bestätigt, dass die religiösen Umwälzungen nicht nur die Theologie, sondern auch den Kirchenraum veränderten. Zwar entwickelte sich dieser aus dem bis dato relativ einheitlichen Konzept des katholischen Kirchenbaus, aber er passt diesen konsequent an die neue Bedeutung von Predigt und gemeinschaftlichem Hören der Bibel an: Kanzel, Altar, Taufstein und Orgel gewinnen liturgisch und funktional eine erweiterte Bedeutung und rücken räumlich in den Mittelpunkt.
Die Untersuchung findet keinen einheitlichen Bautypus, sondern eine außerordentliche Vielfalt verschiedener Grundrisse, vom quadratischen Zentralbau über langgezogene Längsbauten bis hin zu runden oder ovalen Strukturen. Diese Sicht korrigiert das bisher vorherrschende Bild einer einheitlichen „protestantischen“ Kirchenarchitektur, deren Impulse aus den kulturellen Zentren in West- und Südeuropa kommen. Durch den enzyklopädischen Ansatz wird nun erkennbar, dass auch die östlichen Länder eigene materielle und innovative Lösungen fanden, bei denen politische Randbedingungen, konfessionelle Besonderheiten oder lokale Bautraditionen eine Rolle spielten. Die Bauten bestehen dort nicht nur aus Stein und Backstein, sondern auch aus Holz, Lehm und anderen regional verfügbaren Materialien. Die Autoren betonen, dass die Materialwahl von ökonomischen Möglichkeiten, lokalen Bautraditionen und politischen Vorschriften abhing, allerdings gilt das in ähnlichem Umfang auch für den frühen katholischen Kirchenbau, der aufgrund seiner langen Tradition natürlich vorwiegend in monumentaler Steinarchitektur überlebt hat. Dieses Argument wird aus meiner Sicht ein wenig unterbewertet, wahrscheinlich um das „besondere“ der protestantischen Bautradition hervorzuheben. Der grundsätzlich andere Zugang zur Raumnutzung hinterließ zweifellos eigene, typisch protestantische Strukturen, aber es gibt eben auch zahlreiche Beispiele, bei denen im Zuge eines Konfessionswechsels ursprünglich katholische Bauten überformt werden. Es gibt sogar seltene Fälle friedlicher paralleler Nutzung desselben Kirchenraums für katholische und protestantische Glaubensgemeinschaften. Nicht immer kam es also mit dem Konfessionswechsel zum „Bildersturm“.
Der Aufbau der vierbändigen Enzyklopädie folgt einem gleichbleibenden Schema, mit fotografischen Außen- und Innenansichten, einem Grundriss und spezifischen Angaben zur Lage in der jeweiligen Stadt, zu Baumeistern, Baugeschichte, Ausstattung sowie mit einer kurzen Beschreibung des Bautypus. Vorangestellt sind den jeweiligen geografisch-historischen Einheiten Essays, die Gemeinsamkeiten und Besonderheiten der jeweiligen Bautradition herausarbeiten, mit einem besonderen Fokus auf den politischen und regulatorischen Randbedingungen. Inhaltliche Schwerpunkte sind in Deutschland, Polen und Schlesien zu finden, in auch heute noch hauptsächlich katholischen oder orthodoxen Ländern und Regionen gibt es entsprechend weniger frühe protestantische Architektur. Band 4 enthält die umfangreiche Bibliografie. Ein Stichwort-, Namens- oder Ortsverzeichnis fehlt dagegen, wobei die streng geografische Ordnung das Wiederfinden einzelner Bauten unkompliziert macht. Die englischen Texte sind eingängig geschrieben und trotz der unterschiedlichen Autoren stilistisch homogen.
Die Monografie richtet sich bevorzugt an die Forschung, ist aber auch für Leser zugänglich, die sich für die protestantische Baugeschichte interessieren und liefert einen umfassenden Blick auf ein bislang verzerrt wahrgenommenes Gebiet der Architekturgeschichte. Protestantische Kirchenarchitektur entwickelte sich als ein breites europäisches Experimentierfeld, nicht als „reduzierte Version“ katholischer Bautradition.
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