Toni und Moni sind wie füreinander geschaffen. Das findet zumindest der Toni. Und als die Moni auch noch schwanger wird, findet das auch der Rest des Dorfs. In ihrem gefeierten Roman blickt Petra Piuk hinter die Fassade einer Alpenidylle, zerlegt bitterböse und zugleich höchst unterhaltsam das Genre des Heimatromans in seine Einzelteile und erzählt von einer unvergesslichen Liebe.
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Toni und Moni ans Herz gelegt
Luis Stabauer aus Wien am 18.08.2017
Bewertungsnummer: 1041882
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Herzhaft lachen ist befreiend, wenn das Lachen steckenbleibt bringt es dich weiter.
Und wie ich gelacht habe (am Anfang), und wie das Steckenbleiben immer mehr zum Würgen wurde!
Vor Jahren wurde mir während einer Kur von Therapeutinnen das Lesen von Karl Valentin verboten, mein Lachen hatte die Kojen zu stark geschüttet. Ich glaube, Toni und Moni Oder: Eine Anleitung zum Heimatroman hätten sie mir auch verboten.
Im zweiten Teil die Schluckbeschwerden: Tief in der Kehle und zu spüren über die Ohren, bis hinab in die Zehen habe ich sie wahrgenommen und sie regen mich immer noch an.
Wie die Schriftstellerin, wie Petra Piuk, wie Toni und Moni und auch ein wenig wie die Lektorin, bemühe ich auch einen alten Hadern: Ich sprenge alle Ketten grölten sie alle und ließen nicht ein Kettenglied eingehängt in diesem Mysterien- ups, Literaturspiel. Vielleicht habe ich noch nie ein Buch gelesen, in dem die Fußnoten, das Personenverzeichnis (beinahe alle Alphabet Buchstaben), die Perspektivenwechsel, ein Dorf und meine Erinnerungen als Leser so treffend eingesetzt, beziehungsweise angestoßen wurden.
Herzliche Gratulation Petra, Frau Schriftstellerin und Tanja
Eine Idylle auf dem Land oder vielleicht doch nicht so ganz?
Sikal am 03.09.2017
Bewertungsnummer: 1045528
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Bücher von Kremayr & Scheriau lese ich immer besonders gerne, weil sie immer etwas anders sind. Und so darf man sich als Leser natürlich auch nicht erwarten, hier leichte Kost zu bekommen. Am Cover ein Dorf, Berge, der Kirchturm und der Titel Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman damit assoziiert man gleich mal sämtliche Klischees, wie ein idyllisches Dorf, gemütliche Menschen, Zusammenhalt und einen bösen Quertreiber gegen den sich alle solidarisieren, eine große Liebe und natürlich ein Happy-End, bei dem alle Dorfbewohner zur Hochzeit bei strahlendem Sonnenschein geladen werden. Das diese Erwartung nicht erfüllt wird, dem muss man sich bewusst sein, wenn man dieses Buch zur Hand nimmt.
Die Autorin Petra Piuk schreibt ungewöhnlich, fordernd und provokant. Sie lässt den Leser schmunzeln, auch mal Lachen bevor es ans Eingemachte geht und der Leser nicht genau weiß soll man überhaupt weiterlesen oder das Buch zuklappen. Besonders gelungen finde ich die Fußnoten, in denen die Dialoge zwischen der Autorin und der Lektorin eingebunden sind und so die Entstehung der Geschichte mitbeeinflusst wird.
Während man am Anfang noch vermehrt schmunzelt ob der satirischen Herangehensweise und der Aufarbeitung von Klischees, bleibt dem Leser oft das Lachen im Hals stecken und man kann nur mehr den Kopf schütteln was sich in Schöngraben an der Rauscher alles so abspielt. Doch dieses fiktive Dorf kann für jede Gemeinschaft stehen, die nach außen hin versucht Idylle zu zeigen, in deren Inneren aber nichts so läuft wie es sollte. Und so konfrontiert uns die Autorin mit vielen Themen, die eine Herausforderung beim Lesen sind, unter anderem kommen hier Fremdenhass im Zusammenhang mit Fremdenverkehr zur Sprache (Den Fremdenverkehr schätzen wir im Gegensatz zu den Fremden nämlich sehr.). Weiter geht es mit geduldeter Gewalt, Alkoholproblemen, Sexismus, Missbrauch, Massentierhaltung Untermalt wird das Ganze von einer Großcousine aus der Stadt, die dem idyllischen Landleben ganz schön aufmischt, bis hier die Solidarität der Familie durchgreift.
Alles in allem ist es keine Nebenbei-Literatur, sondern ein forderndes Buch, das nachhallt, das man am liebsten an die Wand klatschen würde und doch fasziniert ist. Die Themen sind nicht von weit hergeholt und verfehlen die Wirkung nicht, dass man nachdenklich wird. Vielleicht wird dies durch den lapidaren Plauderton unterstützt, vielleicht durch die kurzen prägnanten Absätze oder auch durch die Zeitungsmeldungen (bei denen man nicht weiß ob real oder fiktiv) oder auch durch die nicht ausgesprochenen Ergänzungen, die man nur zwischen den Zeilen wahrnimmt.
Es ist eine bitterböse Satire mit schwarzem Humor, der sicherlich nicht für jedermann/frau geeignet ist und so ist es ein ziemlich polarisierendes, ungewöhnliches Buch.
Warnung: Nicht für zartbesaitete Leser geeignet!
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