"Ein Trieb wird als unwiderstehlicher Drang empfunden. Pflanzen und Tiere denken gar nicht daran, diesem Trieb etwa entgegenzusetzen, wohingegen der Mensch seine Triebe immer häufiger aufschiebt oder umwandelt." Ein Roman über die Schwierigkeit, auf dem Land der Fülle des modernen Lebens zu entkommen und in Ruhe sein Gemüse zu ziehen. Und wenn sich dann zum Mann und den Kindern noch die Mutter, ein Liebhaber, ein Analytiker und Wühlmäuse in den Garten gesellen, weiß selbst die Therapeutin aus der Stadt nicht mehr weiter.
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"Gartenlexikon" einmal anders: Von Flora und Fauna und der merkwürdigen Spezies Mensch
Bewertung am 12.05.2019
Bewertungsnummer: 328701
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Ganz am Anfang hatte ich mit leichten Ladehemmungen zu kämpfen. Es beginnt mit lexikalischen Einträgen wie “Pastinake”, “Samen”, “Saatgutbörsen”, “Triebe”, “Vorziehen”, “Schneeglöckchen” usw. Als Nichtnutzgärtnerin zwar nah am Thema dran, war der allererste Eindruck, dass es auf Dauer ein wenig träge werden könnte, im schlimmsten Fall sogar langweilig.
“Meistens sind die Samen in Tütchen verpackt.”
“Ein Garten ist ein eingefasstes Grundstück, auf dem Pflanzen und/oder Tiere gehalten werden.”
“Ein Trieb ist ein Spross, der aus einem Samen durch den Boden bricht und dann sein grünes Blatt dem Licht entgegenstreckt.”
Mit dem allerersten Eindruck lag ich jedoch komplett daneben. Es lohnt sich unbedingt, sich weiter durchzuackern, denn dieses “Gartenlexikon der ganz anderen Art” nimmt bald schon gehörig an Fahrt auf, folgt entgegen der Befürchtung einem plausiblen Erzählstrang und ist dabei ungeheuer witzig. Lola Randl ist mit ihrem besonderen Roman eine perfekte, von Komik und (Selbst-) Ironie gespickte Kombination gelungen, die über so etwas (scheinbar) Harmloses wie das Gärtnern weit hinausgeht. Zwischen Flora und Fauna, Radieschen und Risograph, wächst sich die merkwürdige Spezies Mensch mit diversen Untergruppierungen aus: Stadt- und Landmenschen, “alte” und “neue Menschen”, Brandenburger und Japaner, Liebhaber und Analytiker, Designer und Minimalisten, Künstlerinnen und Kuratorinnen usw., usf. Klingt verwirrend, ist es aber gar nicht.
Stilistisch changiert das Ganze gelegentlich zwischen Kinderaufsatz (“die Sieglinde und die Linda sind dem Herrmann seine Lieblingskartoffeln”) und einer Fülle herrlich banaler Aphorismen, die mit ihrer Direktheit bestechen: “Manchmal glaubt der Mensch, dass er die Lösung gefunden hat, und dann ist er glücklich. Oft merkt er aber ein wenig später, dass seine Lösung nur eine vorübergehende Lösung war, und dann ist das Glück wieder vorbei.” Der Sinn des Lebens besteht eindeutig aus der Selbstverwirklichung. Doch die Suche nach alternativen Lebensformen gestaltet sich als gar nicht so einfach: “Oft kommen andere Sachen dazwischen oder man merkt, nachdem man sich schon fast oder ganz selbst verwirklicht hat, dass sein Wesen doch ein ganz anderes ist.” Wenn man schon mit der Mutterrolle zu kämpfen hat, kann man sich schließlich nicht auch noch um sein inneres Kind kümmern.
Es ist ein Buch voller verrückter Konstellationen. “Heute soll jeder möglichst individuell sein und seinen eigenen Weg gehen. (…) Mithilfe seiner Individualität kann man sich von anderen Menschen abgrenzen und sich ganz besonders fühlen, noch besonderer als in einer Gruppe. Aber das muss man auch erst mal aushalten, so besonders zu sein.” Da Lola Randl Filmemacherin ist, hat sie aus ihrer Geschichte jüngst auch einen Film gemacht: “Von Bienen und Blumen.”
Mein Lieblingswort aus dem Roman lautet “Gnurpscheligkeit.” Lesen Sie los und viel Spaß dabei!
Randl erzählt von ihrem Rückzug...
Bewertung am 14.11.2019
Bewertungsnummer: 411943
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Randl erzählt von ihrem Rückzug auf's Land, in das Dorf ihrer Kindheit. Erzählt in naiver, kindlich wirkender Sprache und doch voller Poesie von dem Versuch, zurück zur Natur zu kommen, einen Garten anzulegen. Aber irgendwie mischt sich ihr Leben und das der anderen ein.
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