Produktbild: Opakalypse

Opakalypse Ein bitterböser Altenheimroman | Sarkastisches, menschliches Buch über die Zustände in der Pflege

Aus der Reihe Piper Humorvoll
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16,90 €

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

02.04.2019

Verlag

Piper Taschenbuch

Seitenzahl

368

Maße (L/B/H)

20,5/13,5/1,9 cm

Gewicht

418 g

Farbe

Graugrün

Auflage

66. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-492-50211-5

Warnhinweis

Warnhinweis nicht erforderlich

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

02.04.2019

Verlag

Piper Taschenbuch

Seitenzahl

368

Maße (L/B/H)

20,5/13,5/1,9 cm

Gewicht

418 g

Farbe

Graugrün

Auflage

66. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-492-50211-5

Herstelleradresse

Piper
Georgenstr. 4
80799 München
DE
info@piper.de

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  • Bewertung

    aus Münster

    5/5

    05.03.2020

    Buch (Taschenbuch)

    Ein wichtiges Thema witzig verpackt

    Ingo Bartschs Roman über den Alltag des jungen Pflegehelfers Jules ist äußerst amüsant, während er doch so offen die Missstände in der Altenpflege und soziale Ungerechtigkeit kritisiert. Der Autor hat dieses wichtige, aber sehr ernste Thema so wunderbar verpackt, dass man das Buch so schnell wie möglich durchlesen möchte. Der originelle Titel zeigt bereits, dass der Autor es schafft ein Thema, mit dem sich viele nicht so wirklich auseinander setzen wollen, solange es nicht unbedingt notwendig ist, lustig zu verpacken. Das Cover finde ich ebenfalls sehr ansprechend gestaltet. Der 28-jährige Langzeitstudent Jules, der noch nie in seinem Leben gearbeitet hat, wird plötzlich dazu gezwungen sich einen Job zu suchen, als sein reicher Vater ihm das üppige Taschengeld streicht. Aus Trotz und Faulheit bewirbt er sich auf die erste Stellenanzeige, die er findet: Pflegehelfer in einem Altenheim. Ohne den blassesten Schimmer, worauf er sich da einlässt, unterschreibt er den Arbeitsvertrag einer Zeitarbeitsfirma. Jules als Protagonist gefällt mir sehr gut. Auch wenn ich mich manchmal nicht gut in ihn hineinversetzen konnte, besonders am Anfang, ist er letztendlich eine sympathische Figur und seine charakterliche Entwicklung wirkt sehr glaubwürdig. Er entwickelt sich persönlich weiter, aber nie zu rasant und es gibt auch Rückschläge. Auch die anderen Charaktere sind interessant und gut vorstellbar gezeichnet, wenn auch die meisten von ihnen sehr unsympathisch sind - was natürlich auch beabsichtigt ist. Besonders die Kommentare von Jules Vater konnte ich kaum ertragen und ich fand es sehr gut, dass Jules lernt, für seine Werte einzustehen. Viele Altenpfleger sprechen eher gebrochen Deutsch und so ist es am Anfang etwas anstrengend zu lesen. Daran habe ich mich aber nach einigen Kapiteln gewöhnt und dann ließ sich der Roman sehr flüssig lesen. Die Handlung selbst wirkt nicht zu konstruiert und ich fand es spannend zu erfahren, wie Jules sich weiterentwickelt und ob er jemals aus dieser Schleife „von einem Tag zum nächsten zu leben“ ausbricht. Es gibt eine gute Mischung aus ernsteren und witzigen Szenen und es wird nicht langweilig. Die Haupthandlung im Altenheim bleibt im Vordergrund, allerdings geht es auch um Jules Familie, Freundin und Freunde, sodass man das Gefühl hat, tatsächlich das Leben von jemanden zu begleiten. Die Handlung wirkt gut durchdacht und realistisch. Allerdings fand ich persönlich das Ende nicht so gut, da am Ende noch in kurzer Zeit relativ viel (für mich zu viel) passiert ist, was für mich zu gewollt und nicht mehr komplett realistisch wirkte. Die beschriebenen Zustände im Altenheim kann ich mir so realitätsgetreu vorstellen, Jules wird als ungelernte Kraft beinahe überhaupt nicht eingearbeitet, die Fachkräfte wechseln ständig und es gibt viel zu wenig Personal. Das Management spart an jeder Stelle, um den Gewinn zu maximieren - auf Kosten der Bewohner und des Personals. Hinzu kommen dann weitere Hindernisse wie Sprachbarrieren, weil immer mehr ausländische Fachkräfte, z.B. aus Osteuropa angeworben werden, da man sie geringer bezahlen kann, solange ihre Ausbildung in Deutschland noch nicht anerkannt wurde. Insgesamt wirkt jedes einzelne Probleme realistisch, in ihrer Gesamtmenge wirken diese Probleme äußerst beängstigend. Allerdings denke ich, dass in den meisten Heimen nicht jedes dieser Probleme auftritt, sondern „nur“ einige davon. Trotzdem bleibt es unumstritten, dass sich die Bedingungen in der stationären Langzeitpflege deutlich verbessern müssen. Dies ist zwar mittlerweile in der Politik angekommen, allerdings halte ich die neue generalistische Pflegeausbildung für kontraproduktiv. Insgesamt empfehle ich das Buch definitiv weiter. Ich finde es wichtig sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und dieser Roman ist sicher eine sehr angenehme Art, dies zu tun :)

  • Elke Seifried

    aus Gundelfingen

    5/5

    28.02.2020

    Buch (Taschenbuch)

    Wenn das das Alter ist: Was zur Hölle will ich damit?

    „Mein Vater schreibt. Letzte Überweisung. Ab August kein Geld mehr. Das Wirtstier dreht den Geldhahn zu.“ Mit diesen Worten beginnt die Geschichte und damit hat der Lebenskünstler, von Beruf Sohn Jules ein richtiges Problem. Denn den Geldspender durch seine erfolgreiche Freundin Nadja ersetzen läuft auch nicht, seine Träume von Arbeitsteilung kommentiert diese nur mit „Bekifft vor der Playstation hocken hat nichts mit Hausmann zu tun.“. Nadja setzt ihm das Messer auf die Brust, er muss sich einen Job suchen oder er bekommt den Flugschein. Mehr alibimäßig bewirbt er sich bei einer Zeitarbeitsfirma. Da die händeringend nach Pflegkräften sucht, hat er schneller ein Jobangebot als ihm lieb ist. Hilfe, „Ich habe keine Lust zu arbeiten. Ich finde Arbeit sch…. Ich bin faul. Ich will nicht. Ich will…“ Nadja und sein bester Kumpel Mirko kennen ihn bestens, schließen deshalb Wetten ab, ob er den Job schon am ersten oder erst am zweiten Tag hinwerfen wird, das nervt und so stolpert Jules am nächsten Morgen zwar nicht aus Arbeitswut, aber aus Trotz in die Seniorenresidenz Haus Nikolaus. Als Leser lernt man zunächst Jules, der mit seiner Lebenseinstellung, Kiffen und auf Der-Faulen Haut-Liegen, auf den ersten Blick wenig sympathisch wirkt, kennen. Darf mit ihm die Auseinandersetzungen mit Nadja erleben, mit ihm zum Vorstellungsgespräch schlappen und versucht dann mit ihm anfänglich doch noch irgendwie die Kurve kratzen zu können, bevor es in Arbeit ausarten könnte. Man begleitet ihn bei seiner Arbeit im Seniorenheim, erlebt mit ihm den ersten Tag, wird von einer Hilfskraft eingewiesen „Ich zeige dir. Du gucken, dann du machen.“, und wird dann Zeuge von ersten Schock- Erlebnissen und Pannen. >>Ich meine… macht die das selber weg? Oder kommt jemand und entfernt das?<<, >>Du Kollege! Du machen Kacka weg!<<, oder „Ich weiß nicht, ob meine Arme zu kurz sind, der Duschstuhl zu breit oder ich mich einfach nur zu dumm anstelle - jedenfalls dusche ich mit.“, sind nur zwei amüsante Beispiele dafür. Nach und nach wird man Zeuge, wie Jules sich an die Arbeit gewöhnt, vielmehr noch, dafür sogar eine Leidenschaft entwickelt. Zudem hat man mit einer intriganten Wohnbereichsleiterin zu kämpfen, muss mit ihm unter Sparmaßnahmen leiden, sich gegen Vorurteile wehren und auch in Liebesdingen läuft es alles andere als rund. Mehr will ich aber gar nicht verraten. „Ich habe ganz einfach keine Chance, diesen Dienst halbwegs anständig über die Bühne zu bringen.“, „Eine Aufgabe für später, wenn ich etwas weniger keine Zeit haben werde.“, Das sind nur ein paar wenige Beispiele mit denen der Autor offen die Probleme bei der Altenpflege und auch soziale Ungerechtigkeiten anspricht. Vielleicht mag die eine oder andere Szene ein wenig überspitzt formuliert sein, aber ich befürchte so weit weg von der Realität, wie ich mir das wünschen würde, ist der Ingo Bartsch hier leider nicht. „Wenn das das Alter ist: Was zur Hölle will ich damit?"Ganz oft habe ich mir beim Lesen auch Gedanken über mein Lebensende gemacht. Denn nichts wäre mir schlimmer als hilfsbedürftig und ausgeliefert enden zu müssen. Deshalb haben mir die Bewohner oft unheimlich leid getan. Der pointiert, kurzweilige Sprachstil des Autors hat mir von Anfang an super gut gefallen. Die Kapitel sind nur so dahingeflogen und ich konnte mich durch die Geschichte schmunzeln. „Warum Philosophie? Weil ich vor rund fünf Jahren der Meinung war, was mit Nachdenken und so, das wäre was für mich. Aber dann anstrengender Sch… mit Mathematik und Latein, sodass mein Interesse weg von….“, „Normalerweise stehe ich auf, wenn die Uhrzeit zweistellig ist“ oder, „Dann schiebt sie mir die Schüssel hin, in der braune Bananen, mit Druckstellen übersäte Äpfel und anderer saisonaler Kompost liegen.“, solch witzige Formulierungen, haben mich stellenweise laut lachen lassen. Gut haben mir auch Wortschöpfungen wie „polygehirnamptuiert“ gefallen. Berührende und nachdenklich machende Szenen kommen ebenfalls nicht zu kurz. Mir versetzt es jetzt noch einen Stich, wenn ich an so manche Schikane denke, die die alten Leute erleben müssen, oder ein Jules mit einem liebevoll geschmierten Marmeladenbrot zu einer motzenden Frau kommt, und die schon längst wieder vergessen hat, dass sie nichts zu essen bekommen hat. Ich empfand auch zunehmend Spannung beim Lesen, weil ich einfach ganz unbedingt wissen wollte, wie es mit Jules, seiner Beziehung, seinem Job und überhaupt im Leben weitergehen wird. Ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Ganz nebenbei bringt er auch andere Schieflagen unserer Gesellschaft aufs Tapet, was mir gut gefallen hat. So kommt da auf ein >>Weil sie uns den Wohnraum wegnehmen.<< schon mal ein >>Du willst vom Altenheim ins Flüchtlingsheim ziehen.?>>, als Antwort. Jules, der an den Job ja nicht aus Nächstenliebe, sondern aus Trotz gelangt ist, macht in dem Roman eine glaubwürdige Veränderung durch. Eigentlich kann ich ja mit solchen Lebenskünstlern, die ihr Leben auf Kosten anderer leben wollen, so gar nichts anfangen, aber Jules ist mir nach und nach so richtig ans Herz gewachsen. Konnte ich anfangs Nadja noch verstehen, hat die bei mir die umgekehrte Entwicklung durchgemacht. Ganz schrecklich fand ich Jules erfolgsverliebten Vater, für den nur der Profit zählt und der sich für seinen Sohn schämt. >>DU putzt also tatsächlich Är… ab?<<. Wie froh war ich da über Jules >> Natürlich. Die Bewohner kacken genauso wie du und ich.<<. So eine richtige Hassfigur wurde für mich auch Margarete Waltenberg, die Wohnbereichsleiterin, die ihm das Leben zur Hölle macht und für die gilt „Ihr Blick ist vergiftet. Man könnte diese Augen in einem kilometertiefen Endlager entsorgen, sie würden noch immer alles Grüne an der Oberfläche zum Welken bringen. Ich begreife allmählich, dass die Bewohner leiden, damit ich leide.“ Die Bewohner mit ihren Krankheiten, Macken und Bedürfnissen sind toll und vielfältig gezeichnet und auch die anderen, die ihren Dienst in der Seniorenresidenz tun, sind authentisch und zeigen die Vielfalt gelungen, von kompetent, engagiert, bis hin zu demotiviert und unfähig. Alles in allem hat Ingo Bartsch hier einen höchst unterhaltsamen, witzigen und zugleich berührenden Roman geschaffen, der mit einem spritzigen, pointierten Sprachstil mit Problemen nicht hinter dem Berg hält. Von mir gibt es dafür begeisterte fünf Sterne.

  • Bewertung

    aus Niederdorfelden

    5/5

    27.03.2019

    Buch (Taschenbuch)

    Traurig aber war

    Wenn es nicht so traurig wäre könnte man viel lachen. Julius ist ein Sohn reicher Eltern. Sein Vater finanziert ihm das Studium und streicht seine Bezüge, da das Studium nicht voran geht.. Er hat eigentlich kein Interesse in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Nachdem auch seine Freundin ihm keine Ruhe lässt, weil er kein Geld verdienst, beschließt er einen Job anzunehmen. Er landet in einem Altenheim. Was er Anfangs nur mit Widerwllen tut macht ihm dann doch Spaß. Als Leser muss man wirklich hart im nehmen sein und hoffen dort nie hinzukommen. Sehr gut geschrieben und ich glaube auch sehr nah an der Wirklichkeit.

  • jam

    2/5

    25.03.2020

    Buch (Taschenbuch)

    Anfangs komisch, dann enttäuschend

    „Außerhalb von Altenheimen sind alte Menschen ohnehin meist nicht besonders liebenswert. Im Supermarkt stehen sie im Gang rum und halten an der Kasse den Betrieb auf, weil sie entweder geschwätzig sind oder Kupfermünzen in Zeitlupe sortieren.“ Inhalt: Julien hat sein bisheriges Leben hauptsächlich mit Zocken, Kiffen und nebenbei ein wenig Studieren verbracht – kein Problem, Papa zahlt. Als der den Geldhahn zudreht und seine Freundin Nadja nicht bereit ist, ihn zu unterstützen, meldet er sich bei einer Zeitarbeitsfirma. Die vermittelt ihn als Pflegehelfer ins Haus Nikolaus – eines der schlechtesten Altersheime im Umkreis. Trotzig tritt er seinen Dienst an, will nach dem ersten Tag bereits krankfeiern. Doch er bleibt im Haus Nikolaus und versucht, die Bewohner mehr schlecht als recht zu versorgen. Denn die anderen Mitarbeitenden sind heillos überfordert, das Budget gering und das Essen widerlich bis hygienisch fragwürdig. Mein Eindruck: Ich habe mir einen humorvollen Einblick in ein Altenheim erwartet, die die Härte dieses Berufes zeigt mit schrulligen Erlebnissen dank der Eigenheiten der Bewohner. Im ersten Drittel des Buches habe ich mich wirklich gut amüsiert – Wortspiele unter der Gürtellinie, Kabbeleien im Arbeitsalltag und wirklich entzückend-schräge Bewohner. Ganz mein normalerweise schmerzbefreiter Humor. Da haben wir die zwei Alten am Gang, die alles und Jeden verbal in ihre Einzelteile zerlegen, den alten Säufer, den Dicken, oder die alte Dame, die doch nur will, dass jemand Briefe an ihre Katze schreibt. Um ihnen ihre Leiden etwas zu nehmen, bringt Julien auch schon mal ein paar Haschkekse auf Station, die Manchem das Durchschlafen erleichtern. Beim weiteren Lesen verging mir dann das Lachen. Es tat mir manchmal körperlich weh, all die Misshandlungen und Vernachlässigungen hilfloser Personen zu lesen. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass Jules seinen A… hochkriegt, zu dokumentieren und aufzudecken beginnt. Die Pfleger irren gehetzt durch die Gegend oder stehen rauchend draußen, kiffen auch mal zwischendurch oder vergreifen sich am Alkoholvorrat der Bewohner. Jeder intrigiert gegen jeden, wirklich qualifiziert, motiviert oder auch nur ein wenig menschlich scheint kaum einer zu sein. Dank der liebevollen Pflege haben manche Bewohner blaue Flecken, das Essen ist Müll – und Jules, Anwaltssohn und ehemaliger Jurastudent, sieht weg wie alle anderen wenn Bewohner physisch oder psychisch misshandelt werden. Mir ist durchaus bewusst, dass es im Pflegebereich oft wirklich hart und wie überall kostenorientiert zugeht, Dokumentationen unnötig Zeit fressen und manche in ihrer Überforderung Druck nach unten – also an die Bewohner – ablassen. Dennoch konnte mir keiner meiner Bekannten, die in Heimen arbeiten, auch nur fehlende Waschlappen bestätigenm von all den anderen Verfehlungen gar nicht zu reden. Die Zustände im Haus Nikolaus scheinen also zumindest in meiner Umgebung glücklicherweise nicht zum Pflegealltag zu gehören. „Opakalypse“ will wohl überspitzt Missstände aufzeigen, aber das ist bei mir leider nicht immer so angekommen. Teilweise empfinde ich es als Affront gegen all die vielen Menschen, die sich in der Pflege wirklich aufopfernd und liebevoll um ihre Bewohner kümmern. So sehr ich zu Beginn gelacht habe, am Ende des Buches bin ich enttäuscht.

  • Bewertung

    aus Mainz

    5/5

    03.02.2021

    eBook (ePUB 3)

    Witzig, menschlich, anrührend

    Ein humorvolles Buch über die Zustände in Altenheimen – geht das überhaupt? Ja, es geht. Definitiv. Und das sogar, ohne die menschliche Seite der Thematik zu verlieren. Das Buch ist mit einem sehr feinen und scharfsinnigen Humor geschrieben und nimmt so einiges aufs Korn, und dass, ohne dass Autor Ingo Bartsch in verbitterten Sarkasmus abgleitet. Es beschäftigt sich zum einen mit den Zuständen in Altenheimen aber zum anderen auch mit der Frage, was den Wert eines Menschen - nicht zuletzt den des Protagonisten – ausmacht. Der hat nämlich nicht nur mit seinen Erfahrungen im Altenheim und in seiner Beziehung zu kämpfen, sondern auch mit dem Verhältnis zu seinem Vater und dem „Stand in der Gesellschaft“, dem er dessen Meinung nach gerecht werden sollte. In diesem Kontext taucht für Protagonist Jules immer wieder die Frage auf, wie er leben möchte und dann zunehmend auch, wie er als Mensch sein will, um morgens mit gutem Gefühl in den Spiegel schauen zu können. Und während er sich zunächst nur auf seine Lebensumstände konzentriert und Ersteres zu Anfang des Buches ganz klar mit „bekifft Playstation spielen“ beantworten würde, tritt die Frage nach seinen Lebensumständen nach und nach hinter die Frage, was für ein Mensch er sein möchte, zurück. Aber es geht natürlich nicht nur um Jules, sondern auch ganz stark um das Altenheim und seine Bewohner. Und die traten mir wunderbar bildlich vor Augen. Ob es nun Frau Kohlmeier und die Schackeline sind, die in ihren Rollstühlen im Foyer sitzen, ätzende Kommentare abgeben und dabei so unterhaltsam sind wie Waldorf und Statler in der Muppet Show, oder das „Männeken“ Herr Schurig, der wegen seiner nächtlichen Krämpfe als Erster in den Genuss der THC-haltigen Cookies kommt und auf einmal überall Schmetterlinge sieht. Anrührend, komisch, menschlich. Auch die Mitarbeiter bekommen ihren Platz, ob es Olafs Wurstfinger sind, die das Frühstück kontaminieren oder die Träne, die Gerti entschlüpft, als wieder mal ein Bewohner stirbt. Die Handlung an sich ist einfach strukturiert und kommt ohne künstlich aufgebauschte Dramatisierung aus. Obwohl es keine Cliffhanger im eigentlichen Sinne gibt, konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen und habe mich im Heim – so unbemerkt, wie es auch Jules ging – bald zuhause gefühlt. Und als das Buch sich dem Ende zuneigte, ging es mir ebenfalls ähnlich wie ihm: Auch mir viel der Abschied schwer. Die eine oder andere Figur wird mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben - und mich zum Schmunzeln bringen, wenn auch vielleicht mit einer etwas traurigen Note. Hut ab vor allen, die in der Pflege arbeiten. Sie verdienen Respekt. Und Hut ab vor diesem Buch, das so menschlich daherkommt und auf wunderbare Weise die Tragikomik der menschlichen Existenz einfängt. Klare Leseempfehlung.

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