Zwei Jahre lang haben die Schüler*innen auf Staat X, das große Schulprojekt, hingearbeitet. Jetzt werden die Türen geschlossen. Die Lehrkräfte ziehen sich zurück. Wer bekommt die begehrten Posten in der Politik, der Justiz und der Wirtschaft? Adrian, Melina, Vincent und Lara freuen sich darauf, ihre Rollen einzunehmen, jeder von ihnen mit einer ganz eigenen Sicht auf Staat X. Doch schon bald beginnt es, hinter den Kulissen zu brodeln: Wer hat die wahre Macht über die Geschäfte und Unternehmen? Wer wagt es, die Grenzen zu überschreiten? Als einige Schüler*innen merken, wie leicht die Kontrollinstanzen zu hintergehen sind, nimmt eine bedrohliche Katastrophe ihren Lauf.
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Regt zum Nachdenken an
Fabelhafte Bücherwelt am 06.04.2019
Bewertungsnummer: 1200420
Bewertet: eBook (ePUB)
Meine Meinung
Ich denke so ziemlich jeder kennt das Buch „Die Welle“ von Morton Rhue oder zumindest den Film dazu. Beides finde ich großartig und als Unterrichtsstoff in der 8. Schulstufe perfekt. Doch es ist schon älter und das merkt man auch. Carolin Wahl hat dasselbe Thema aufgegriffen, jedoch moderner und an die heutige Zeit angepasst. Staat X berichtet von einem Schulprojekt, bei dem die Schüler und Schülerinnen weit über das Ziel hinaus schießen.
Eine Woche lang gehört die Schule den Jugendlichen. Eine Woche lang verwandelt sich diese in einen Staat. Eine Woche, welche sich komplett anders entwickelt als geplant.
Die anfängliche Atmosphäre hat die Autorin sehr gut dargestellt. Die Charaktere werden wundervoll und detailliert beschrieben und das Projekt beginnt wirklich schön. Plötzlich ändert sich jedoch alles. Doch genau dieser Wendepunkt wird meiner Meinung nach viel zu wenig beschrieben. Auf einmal entwickelt sich alles viel zu schnell und ich hätte mir mehr gewünscht. Mehr Erklärungen, mehr Details, mehr von diesen schrecklichen Sachen, die passieren. Auch frage ich mich, wo die drei Lehrer bleiben? Warum schreiten sie nicht ein?
Die Geschichte wird vorwiegend aus der Sicht von vier Protagonisten geschildert. Laura ist neu an der Schule. Es ist ihr erster Schultag. Durch ihre witzige, ehrliche und mutige Art fand sie jedoch sofort Anschluss. Melina war mir mit ihrem schüchternen und doch freundlichen Wesen sofort sympathisch. Die beiden Mädchen freunden sich sofort an und verbringen gemeinsam mit Olga viel Zeit miteinander. Vincent ist ein sehr interessanter Charakter, der sich im Laufe der Geschichte sehr verändert. Anfangs ist er ein Mitläufer, ein Anhängsel von Adam dem Mädchenschwarm. Doch in Staat X ist er plötzlich jemand. Seine Gedankengänge fand ich einfach toll, weil man die Entwicklung sehr gut verfolgen konnte. Adrian konnte ich nicht wirklich einordnen. Einerseits ist er nett und will nur das Beste für sich und Staat X. Er will beweisen, dass er kein Niemand ist und Macht besitzt. Doch andererseits macht er auch sehr viel falsch.
Der Schreibstil ist wundervoll und den Protagonisten angepassten. Durch die lockere und lebendige Sprache flog ich durch die Geschichte und war regelrecht gefesselt davon.
Fazit
Ein Schulprojekt, das gehört daneben geht und die Leser zum Nachdenken anregt. Ganz im Stile von „Die Welle“ endet die Story mit einem Knall, bei dem die Schüler plötzlich aufwachen und erkennen, was sie alles falsch gemacht haben. Mein einziger Kritikpunkt ist die Schnelligkeit in der zweiten Hälfte des Buches.
Grenzüberschreitung Deluxe
Melanie Enns aus L. am 16.03.2019
Bewertungsnummer: 1194068
Bewertet: eBook (ePUB)
"Staat X - Wir haben die Macht" zeigt sehr deutlich die Verstrickungen der Grenzüberschreitungen und Gier nach Macht innerhalb eines Projektes, welches letztendlich komplett aus dem Ruder läuft. Eine geniale Grundidee, wenn Lug und Betrug nicht gleich schon zu Beginn Menschen in ihre Fänge genommen hätte. Ich hatte sehr hohe Erwartungen an das Buch, welches mich schon direkt ab der ersten Seite fasziniert hat. Parallelen zu "Die Welle" sind definitiv vorhanden, dennoch beinhaltet "Staat X - Wir haben die Macht" eine vollkommen andere Story, die dennoch aufzeigen kann, wie schnell wir mit dem Strom schwimmen und uns anpassen wollen. Es ist die Gier nach Anerkennung, die hier zum Tragen kommt und letztendlich wird auch nicht vor Korruption und Gewalt Halt gemacht. Die unterschiedliche Darstellung der Charaktere ist sehr gelungen und gibt dem Jugendbuch recht schnell Authentizität.
Caroline Wahl hat hier eine fiktive Welt erschaffen, die bedrückend wirkt und vor Hochspannung trotzt. Es war nicht vorhersehbar, wie sich Staat X entwickelt, obwohl gleich der Prolog voller Grauen steckt. Relativ schnell wird klar, dass sich manches zu einem Eigenleben entwickelt und nachdem die Ersten festgenommen werden, das Gefängnis seine Gefangenen aufweist und Strafprozesse erfolgen, ist es wie eine Kettenreaktion. Staat X entwickelt ein hohes Gewaltpotential und Bedrohungen, Zerstörung und Wut erfolgt.
Jeder Schüler / jede Schülerin hat eine Aufgabe, die für die jeweilige Person zugeschnitten scheint. Steuern müssen bezahlt werden und selbst eine eigene Währung, der Xeros ist vorhanden. Jahrelange Vorbereitungen auf diese außergewöhnliche Schulwoche prägen diejenigen, die hinter diesem Projekt stehen, aber letztendlich sind ihnen die Hände gebunden und alles scheint aus dem Ruder zu laufen. Die angenehme Atmosphäre des Beginns schwindet relativ rasch und gibt einem angespannten Gefühl Raum. wie schwer muss es sein, niemanden mehr vertrauen zu können? Gelungen ist, dass familiäre Begebenheiten auch ihren Platz finden, um die Personen noch greifbarer zu gestalten. Für manche Menschen ist Anerkennung innerhalb der Gesellschaft oder Familie unabdingbar.
Der Jugendroman "Staat X - Wir haben die Macht" ist für die gewählte Zielgruppe ab 14 Jahren komplett angemessen. Es stimmt nachdenklich, da die Frage immer wieder aufkommt, wie mein eigenes Verhalten innerhalb von Staat X gewesen wäre. Junge Menschen finden sich in einem fiktiv gestalteten Staat wieder, der nicht von Lehrern überwacht wird, diese sind zum Teil nur Zuschauer und lassen die Kids gewähren. Letztendlich ein sehr gefährliches Spiel und eigentlich auch logisch, dass dieses trotz guter Planung ein Eigenleben entwickeln kann. Auch wenn die Grundfesten bestehen, ist es eine Arbeit mit Menschen und das Verhalten dieser lässt sich definitiv nicht planen. Absolut gelungen und treffend dargestellt, daher eine absolute Leseempfehlung, da ich mich gleich ab der ersten Seite des Romans in die Story hineindenken konnte. Ein ungutes Gefühl am Ende bleibt, aber die Tatsache, das Begebenheiten ausgesprochen wurden und Gerechtigkeit einzieht, gibt dem Schrecken eine Wendung, die ich als sehr gelungen erachte.
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