Sie sind von der pessimistischeren Sorte, finden ihre Mitmenschen grindig, schiach und deppert– trotzdem hört man ihnen gerne heimlich zu. Ob Gelse, Sandler, Puffn oder Ferdl, die Protagonisten von Harald Jöllinger haben die zutiefst österreichische Kunst des Suderns und Raunzens perfektioniert. Da beschwert sich schon mal eine Gelse über den Geruch ihrer Stechobjekte, die Puffn über die Wortwahl des Bankräubers, der Ferdl über die Sonja – und überhaupt war früher alles besser. Gott sei Dank gibt es solche und andere Geschichten: die süßen, marilligen und die grauslichen, bei denen sogar das Kraut sauer wird.Skurril und makaber, mit einer ordentlichen Prise schwarzem Humor, zeichnet Harald JöllingerFiguren, die oft am Rande der Gesellschaft stehen: zwielichtige Typen, liebenswürdige Trotteloder Hascherl, mit denen das Leben nicht sonderlich gnädig war. Immer bringen uns die Geschichten aber durch gekonnte Überspitzung und Situationskomik zum Schmunzeln. Was für ein Debüt!"So, Silentium, da ist was an der Tür. Jö, ein Blader, die sind immer super. Die schnarchen in der Nacht, da weiß man, dass sie schlafen. Da kann ich's mir aussuchen, wo ich hinstech, riesige Angriffsfläche."
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
aus Bad Krozingen
5/5
03.05.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Weil alle Leute gemeinsam immer depperter werden, merken sie's nicht"
„Weil alle Leute gemeinsam immer depperter werden, merken sie’s nicht.“
Mehr ist eigentlich gar nicht mehr zu sagen über das Buch, oder doch? Weil eigentlich habe ich das Buch gar nicht gelesen, obwohl es vor mir liegt, mit Lesebändchen sogar, und aufgeschlagen. Kaum hatte ich mit den ersten Zeilen begonnen, da wirkt er schon, der Marillenschnaps. Und ich finde mich in einem Beisl, und da sitzt der Harald Jöllinger mir gegenüber mit seinem Bier, schaut hinterkünftig und erzählt und erzählt und hat seinen Spaß. Vielleicht heißt er auch in echt Helmut Qualtinger. Auf jeden Fall stammt er in direkter Linie ab von Alfred Polgar und den vielen weiteren österreichischen Schreibern, die ihr Hirn als Waffe benutzt haben. Ganz sicher. Denn so bös-lustig, wie der Harald Jöllinger den Spiegel vorhält, das können nicht viele. Eine Übersetzung tät ich manchmal brauchen, aber da schau, da gibt es ja sogar ein Glossar. Jetzt weiß ich auch, was „blad“ heißt. Und der Jöllinger erzählt weiter. Es freut ihn, dass ich seinen musikalischen Zanussi so sehr mag. In was sich der Jöllinger alles hineindenken kann, Respekt. Schon allein, was die (ganz und gar nicht) hinige Puffn erzählt, dass sie fast schon romantische Gefühle kriegt, oder dass eine Gelse einen sehr feinen Geschmackssinn hat. Hab ich noch nicht gewusst. Geschichten von vorn (schau mir in die Augen) und von hinten (schau mir auf den Hintern) erzählt mir der Harald Jöllinger, von marillensüß bis sauerkrautsauer, alles da. Wie ein Obdachloser so vor sich hin sinniert über die depperten Leut und den Schnee, also da gfriert mir auch alles. So schlimme Geschichten gibt es, so viel Einsamkeit, so viel Grausiges, in dem sich das Leben mancher Leute verheddert, nicht nur im Gummibaum. „Es rötet mir“ ist eine der schlimmsten Geschichten. Gut hinghört und gut hingschaut hat er, der Harald Jöllinger, und er denkt sich schwer was dabei, nix mit Schneckendenk. Er hat’s halt auch, das Hirn als Waffe.
Und am End all der Gschichten, da hab ich gschaut, dass ich fortkomm, nicht dass der Harald Jöllinger mich plötzlich so anschaut wie all die anderen Leut, und dann anfängt zu erzählen von einer depperten Alten, die ihm von Anfang bis Ende zughört hat und ihm begeistert auf den Leim gegangen ist…
PetziPetra
aus Österreich
5/5
22.02.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Österreich
26 fruchtig vergorte Kurzgeschichten aus dem wunderschönen Österreich. Im Wiener Dialekt flüssig und direkt schreibt er, der Autor Harald Jöllinger seine Geschichten.
Skurrile Geschichten aus dem Leben.
Obdachlose, Alkoholiker oder Grantler Alle kommen sie vor.
Der Autor hat ein gelungenes Werk das teilweise berührt sowie zum Grinsen als auch zur guten Unterhaltung einlädt.
Vor allem für mich als gebürtige Wienerin.
Für Alle Anderen gibt es im Anhang eine genaue Erklärung.
Eine klare Leseempfehlung von mir.
Bewertung
aus Lichtenstein
5/5
19.02.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Österreich für Einsteiger
Hier handelt es sich um eine bunte Mischung verschiedener Geschichten aus unserem südlichen Nachbarland. Typisch österreichisch, wie ich finde, trifft man den alten Grantler wie den melancholischen alten Säufer und weitere schräge Typen. Alles ist auf eine besondere Art skurril und meist etwas neben der Spur. Mal bitterböse und schwarzhumorig, dann wieder nachdenklich und traurig. Auch zum Schmunzeln ist etwas dabei, und wenn es nur die regionalen Ausdrücke sind, die so herrlich an österreichische Filme und Schauspieler erinnern. Diese sind am Ende für uneingeweihte Leser noch einmal ins Deutsche übersetzt. Also eine Lektüre für alle Leser, egal ob in unmittelbarer Nachbarschaft der Protagonisten oder weiter entfernt.
Eine unterhaltsame Lektüre, nicht nur über österreichische Essgewohnheiten.
Elke Seifried
aus Gundelfingen
5/5
19.02.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Noch fünf Sterne für ganz viel Schwarzen Humor und schräge Fantasie
Sie sind von der pessimistischeren Sorte, finden ihre Mitmenschen grindig, schiach und deppert und für Sie gilt, und überhaupt war früher alles besser? Vielleicht hören Sie solchen Grantlern bzw. Tagträumern auch einfach gerne zu und schwarzer Humor ist ihr Ding? Dann sind Sie hier sowohl bei den süßen, marilligen Geschichten, als auch bei den grauslichen, bei denen sogar das Kraut sauer wird, genau richtig.
Die 26 kurzen Geschichten sind in die zwei Abschnitte „Marillen“ und „Sauerkraut“ unterteilt. Wobei mir der erste Abschnitt besser gefallen hat, da wurde ich mit vielen Geschichten ganz wunderbar, mal amüsant, mal bewegend unterhalten. Im zweiten Abschnitt konnte ich mit zwei, drei nicht ganz so viel anfangen. Aber das ist insgesamt gesehen bei 26 eine gute Ausbeute und ich habe noch kaum eine Kurzgeschichtensammlung in Händen gehabt, bei der mich wirklich alles und jedes begeistert hat. Findig fand ich, dass der Übergang der Abschnitte auch in den Geschichten zu merken ist. So darf man sich z.B. in „Natürlich auf Knien“ einen Heiratsantrag zuerst durch die rosarote Brille geblickt, erzählen lassen und sich dann zum Abschluss der Marillen noch einmal Gedanken über „Zwei Seiten“ machen, um dann mit „Auf Knien“ ganz im Geschmack von Sauerkraut in den zweiten Teil zu starten.
Gschupfte, (verrückt, exzentrisch) und grantige (missgestimmte) Geschichten. Diesen Untertitel trägt diese Anthologie sicher zu Recht.
„Sagt der eine Schneck, dass er blad geworden ist, in letzter Zeit vom vielen Salatfressen. Sagt der andere, dass man vom Salatfressen doch nicht blad wird. Sagt der andere: Doch, weil es war ein Wurstsalat.“ So wird man wird auf witzig, schräge Art schon einmal mit der ersten Geschichte auf Schneckisch begrüßt. Den Genuss am Wurstsalat hat mir das im Übrigen auf keinen Fall geraubt, dafür aber sofort einen Vorgeschmack auf viel Lesevergügen eingebracht.
Für Abwechslung ist gesorgt, ein Nazi im Sterbedelirium, ein Obdachloser, der zu stolz ist Hilfe anzunehmen und auf der Toilette im Stehen schlafen als Selbstbestimmung ansieht, ein Gummibaum, der die Wohnung zuwuchert, wobei das eine der Geschichten war, die mir zu schräg war, eine Ehefrau, die eisern das Zepter in der Hand hat und deshalb entsorgt werden muss, die Probleme einer Stechmücke, bei verbeultem Stechrüssel angefangen, über hopfenschlappe Erschöpfungszustände, bis hin zum ungesund fetten Blut, eine alte Frau, die den früheren Zeiten nachhängt, in denen die „Paprika noch zweimal gebrannt hat“, ein Pfarrer der Debreziner der besonderen Art an Krähen verfüttert, ein Besuch von Gevatter Tod, oder auch eine Story vom Komet, der, wenn schon, dann bitte an der richtigen Stelle einschlagen soll, ist hier im Angebot. Langweilig wird es daher sicher nicht.
Der pointiert, kurzweilige Sprachstil des Autors hat mir sofort zugesagt. So lässt er einen kleinen Messie hier schon mal mit den Worten, „Ja, das ist interessant, der Artikel zum Tod von Rudi Carrell, der ist so lange aktuell, solange der Rudi Carrell tot ist. Den kann man in zehn Jahren noch lesen.“, davon überzeugen, dass man seine Zeitungsstapel nicht entsorgen darf, oder ein Pärchen mit bitterbösem Humor erkennen: „Und nix mit Kindern. Leute wie wir sollten keine Kinder haben. Medizinisch wär´s möglich, aber besser nicht.“ Ich habe die meisten Geschichten mit einem fetten Grinsen im Gesicht gelesen und amüsant ist nie verkehrt. Harald Jöllinger konnte mich aber durchaus mit der einen oder anderen Geschichte auch so richtig berührend unterhalten. So ist mir so manches Schicksal wirklich nah gegangen, ganz besonders z.B. das geschlossene Fenster, auf das eine demente alte Frau trifft. Eine meiner Lieblingsgeschichten ist sicher „Der Stadtführer. Dem darf man für fünf Euronen hinterherstapfen und wird zwar gewarnt, „Nicht hingehen, da hat ein Hund hinge…. NA Typisch! Reingestiegen. Müssen´S Ihnen halt die Schuhe abputzen. Ja, wo? Im Gras halt. Kann auch nix dafür.“ Aber muss auch selber ackern, „Und da vorne, wenn Sie schaun, ja hinschauen müssen Sie schon selber, da vorn ist der Ölknechtshof.“, und wenn man sich nach der Pause fürs kleine Geschäft auch schön die Hände gewachsen hat, darf man am Schluss auch noch ein Trinkgeld abgeben, aber natürlich Scheine „und bitte kein Kupfer, das ist immer so schwer im Sackerl“
„Und weil alle Leute gemeinsam immer depperter werden, merken sie´s nicht. Bald werden uns die Vögel überholen, die Krähen als Erste. Die sind gescheit, die verwenden keine Handys, drum verblöden die auch nicht.“ Gut hat mir gefallen, dass der Autor hinter seinen Geschichten auf überspitzte, ironische und pointierte Art und Weise auch jede Menge Gesellschaftskritik loswird. Alte Menschen, die ins Heim abgeschoben werden, vegetarisch ernähren, aber den Müll nicht entsorgen, Arbeitslosig- bzw. auch Obdachlosigkeit und wie damit umgegangen wird, sind nur ein paar Beispiele dafür.
Lobend erwähnen möchte ich auch das Glossar am Ende des Buches. Auch wenn ich als bayrischer Leser, der gerne Dialekt liest ein solches selten benötigt, war ich hier froh darum. Dass eine Gelse eine Stechmücke sein muss, habe ich beim Lesen nach ein paar Zeilen zwar noch richtig vermutet, aber „Blader“ hätte ich wohl eher mit dummer als mit fetter Mensch übersetzt und auch bei der leckeren Frittatensuppe war ich mir nicht mehr so sicher, welche das gleich noch einmal war.
Alles in allem bekommt Marillen und Sauerkraut von mir noch fünf Sterne. Auch wenn ich mit zwei, drei der sechsundzwanzig Geschichten nichts anfangen konnte, hatte ich insgesamt wirklich witzig, nachdenklich machende und stellenweise auch berührende Unterhaltung. Ich werde auch sicher die eine oder andere Geschichte bei Gelegenheit noch einmal lesen.
rewareni
aus wien
4/5
10.03.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Österreichische Humor
,, Marillen und Sauerkraut´´- Gschupfte und grantige Geschichten, findet man bei Harald Jöllingers Debüt Roman. Darin sind 26 Kurzgeschichten enthalten, die die verführerische und köstliche Süße der Marille enthalten, sowie die sauren und grausigen des Sauerkrautes.
Der Autor hat sich nicht gescheut, alles und jeden auf die Schaufel zu nehmen und zeigt dabei immer wieder, seinen bissigen und auch zynischen Humor.
Man findet Geschichten, die herrlich amüsant sind, wo man wirklich lachen muss, wenn sich Schnecken darüber unterhalten, dass sie vom Wurstsalat fressen ,,blad´´ werden. Oder ein genervter Stadtführer, der nicht verstehen kann, wie man drei Mal in eine Hundesch.....steigen kann. Er legt seinen Protagonisten viele im Österreichischen Dialekt gesprochene Wörter in den Mund, die seine Geschichten sehr lebendig machen. Aber keine Angst, am Ende des Buches gibt es ein hilfreiches Glossar dazu.
Der Autor ist ein guter Beobachter und es gibt auch berührende Geschichten wie ,, Endlich schneit´s´´, wo aus der Sicht eines Obdachlosen berichtet wird, der sein Leben, so hart es auch ist, selbst bestimmen möchte und auf jede Hilfe verzichtet.
Immer wieder kommt auch das Thema Demenz darin vor, wo man als Leser sehr berührt ist.
Einsamkeit, Mordgedanken, Weltuntergangsstimmung oder Erinnerungen an früher werden vom Autor manchmal feinfühlig und dann wieder mit brutaler Offenheit erzählt. Die meisten Geschichte haben mir gut gefallen, weil sie zum Nachdenken anregen oder witzig originell sind, wie ,, Die Gelse´´, die lieber nicht zwischen den Zehen sticht, weil es dort stinkt.
Manche seiner Geschichten erzählt er auf seine eigene Art, wo es mir leider nicht klar war, was er damit sagen wollte.
Ansonsten ist es ein Buch, wo man einfach ein Auge zudrücken muss, wenn man über Trotteln, Blade und sonstige spezielle Menschen liest.
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