Nach seiner Flucht aus Syrien erzählt Scharif von seiner Freundschaft mit Sami und ihrer Kindheit in den verwinkelten Gassen von Damaskus. Von ihren teuflischen Tricks, die Schule zu überstehen, und ihrem Beschützer, dem weisen Postboten Elias. Wie Sami sich mutig in jedes Abenteuer stürzt, weil er Unrecht nicht erträgt, und wie er für seine große Liebe Josephine sein Leben aufs Spiel setzt. Im Laufe der Jahre holt er sich so viele Narben, die jede wieder ihre eigene Geschichte hat.
Unnachahmlich in seiner Art entfaltet Rafik Schami in diesem Roman Geschichten einer innigen Freundschaft, der Sehnsucht zweier Jungen nach Freiheit und dem Ausbruch der syrischen Rebellion.
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Der Autor Rafik Schami
Bewertung aus Morges am 29.06.2020
Bewertungsnummer: 1346081
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Guten Abend,
Von den verschiedenen Büchern von Rafik Schami, die ich bei Ihnen erworben habe, konnte ich bis anhin nur gerade Sami und der Wunsch nach Freiheit, sowie eine Handvoll Sterne lesen.
Wir wohnen in Barcelona und eine Freundin, welche in einer Bibliothek tätig ist, hat uns diesen Autor empfohlen.
Die 2 erwähnten Bücher habe ich allerdings dazumal in Ktatalanisch gelesen und wollte auch wissen, wie er in seiner adoptierten deutschen Sprach schreibt.
Rafik Schami gefällt mir ausserordentlich gut und habe ich bereits einige seiner Werke verschenkt.
Freundliche Grüsse
Raymond Hoechli
Vom Traum, ein Schmetterling zu werden
Igelmanu66 aus Mülheim am 18.01.2021
Bewertungsnummer: 1048825
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
»Inzwischen ist in Syrien so viel passiert, dass man damit Bücher füllen könnte, doch selbst eine Bibliothek würde nicht ausreichen, um alles zu erklären. Es wird Politiker und Historiker noch Jahrzehnte beschäftigen.
Ich aber wollte nur Samis Geschichte aufschreiben, so wie Scharif sie mir erzählt hat. Ich habe es ihm fest versprochen.«
Scharif und Sami wachsen in Damaskus auf. Die beiden Freunde sind unzertrennlich, haben von klein auf alles Schlimme und Schöne miteinander geteilt. In den Wirren des Krieges verschwindet Sami und Scharif gelingt die Flucht nach Deutschland. Dort erzählt er die Geschichte von Sami und seinen Narben
Was für ein wundervolles Buch hat Rafik Schami hier wieder geschrieben! Als ich es zuhause auspackte, hatte ich eigentlich noch viel anderes zu tun, wollte ich eigentlich nur mal kurz reinschauen. Doch wie ein Sog packte mich die Geschichte und ließ mich nicht mehr los.
Der Autor versteht es, einen neugierig zu machen. Kleine eingestreute Andeutungen machten es mir unmöglich, das Buch wegzulegen. Dazu diese großartige Sprache, in der ich versinken könnte! Ich notiere mir beim Lesen immer Sätze und Ausdrücke, die mich besonders ansprechen und bewegen. Diese Liste wuchs im Rekordtempo!
In einzelnen Episoden berichtet der Erzähler über das alltägliche Leben in Syrien. Hochinteressant und sehr berührend! Die Welt, in der Sami und Scharif aufwachsen, erscheint völlig fremdartig und vertraut zugleich. Wenn beispielsweise über die unfassbare Gewalt und Unterdrückung berichtet wird, der die Kinder schon in der Schule begegnen, ist ihre Welt ganz weit weg. Dieselben Kinder und Jugendlichen sitzen aber später vor ihren Computern oder Smartphones und chatten im Internet und schon ist die Welt wieder ganz nah.
Die einzelnen Episoden wirken so lebendig, so echt ich hatte wirklich das Gefühl, ich sitze neben Scharif und höre ihm zu. Diverse Abschweifungen verstärken diesen Eindruck, sie machen alles noch realistischer, denn genau so erzählen Menschen, vor allem, wenn sie viel zu erzählen haben. Sami und Scharif wirken schnell so vertraut, als würde man sie schon lange kennen. Natürlich stellt man kulturelle Unterschiede fest, aber auch so viel Verbindendes, die gleichen Wünsche, Hoffnungen und Lebenspläne, die die meisten Menschen umtreiben. Nur dass der Wunsch nach Freiheit für Sami und Scharif ein sehr viel existenziellerer ist.
Dieses Buch, so unterhaltsam und fesselnd es geschrieben ist, kann helfen, Nähe zu schaffen. Der Krieg in Syrien geht ständig durch die Medien, jeder hat schon erschreckende Bilder voller Not und Zerstörung gesehen. Aber sicher hat nicht jeder präsent, wie die Verhältnisse dort vor dem Krieg waren. Oder dass es Kinder waren, die 2011 den Aufstand ausgelöst haben. Nach dem Lesen des Buchs ist man schlauer und erkennt, dass die restliche Welt sich nicht aus der Verantwortung stehlen darf.
»Ein Diktator braucht und schätzt niemanden mehr als die Gleichgültigen.«
Eine perfekt treffende Aussage, denn ohne eine große schweigende Mehrheit gäbe es für viele Verbrechen keine Durchführungsmöglichkeit, sowohl im eigenen Land als auch in der Welt.
Der Albtraum der Menschen in Syrien ist noch lange nicht zu Ende, aber diese Geschichte bewegt die Herzen und schafft es vielleicht, ein bisschen Hoffnung zu machen.
Rafik Schami wurde selbst in Damaskus geboren und verlebte dort seine Kindheit und Jugend. Als junger Mann kam er nach Deutschland und hat im Lauf der Jahrzehnte viele großartige Bücher geschrieben und zahlreiche Auszeichnungen erlangt. Ich empfinde sein Werk als ungeheuer wertvoll und habe auch dieses Buch, trotz des ernsten Themas, sehr genossen.
Fazit: Unbedingt lesen! Eine großartige Geschichte, mal faszinierend und lustig, mal traurig und schockierend. Und immer sehr berührend.
»Wir träumen alle davon, Schmetterlinge zu werden, doch man will uns nur als Raupen leben lassen.«
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