»Eine ganz besonders mitreißende Geschichte. Judith Visser weiß genau, wie man den Leser verlockt und seine Neugier entfacht.« Hebban
Jasmijn ist ein ganz normales junges Mädchen. Kontaktfreudig und bei allen Mitschülern beliebt. Ein Sonntagskind, dem die Welt offensteht. Doch es gibt einen Haken: So ist sie nur in ihrem Tagebuch. Denn die wahre Jasmijn ist anders. Sie redet nicht. Nur mit ihrer Hündin Senta. Und mit Elvis Presley, mit dessen Postern sie ihr Zimmer tapeziert hat. Denn beide antworten nicht, und das ist gut. Dann muss Jasmijn sich nicht fragen, was gemeint ist. Oder überlegen, was sie antworten soll. Wie schaffen es andere Menschen bloß, dass sie immer wissen, wie sie sich verhalten sollen? Mit Senta und Elvis an ihrer Seite macht sich Jasmijn auf, dieses Geheimnis zu ergründen und ihr Glück zu finden.
Der Bestseller aus den Niederlanden: ein berührender Roman über das Erwachsenwerden mit Autismus
»Judith Visser trifft den Leser direkt ins Herz.« Noordhollands Dagblad
»In klarer, schnörkelloser Sprache gibt Visser Einblicke in eine autistische Welt, die so anders ist und verwirrend parallel existiert.« Neue Presse
»Auf einfühlsame Weise gelingt es Judith Visser, die selbst am Asperger-Syndrom leidet, die Gefühlswelt eines jungen autistischen Mädchens einzufangen.« Lübecker Nachrichten
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Ein Mädchen, einfach nur ein bisschen anders als der große Rest
LaberLili am 02.02.2021
Bewertungsnummer: 1206469
Bewertet: eBook (ePUB)
Darstellungen von autistischen Menschen in den (fiktionalen) Medien hatten in den letzten Jahren oftmals eine Tendenz zum Komischen: Dr. Sheldon Cooper (wobei dessen vermuteter Autismus niemals von den Serienmachern konkret bestätigt wurde) wirkt nahezu immer unfreiwillig komisch; der Anwalt Jerry Epsenson aus „Boston Legal“, der recht offen mit seinem Asperger-Syndrom umgeht, kommt stets wie ein ziemlich schräger Vogel herüber oder auch Dr. Don Tillmann, ebenfalls Asperger-Autist aus Simsions „Rosie“-Dilogie… All diese Figuren wirken gemeinhin wie komische Käuze, eher dysfunktional, wenn es um soziale, „menschelnde“ Belange geht, abseits davon jedoch hochfunktional und vor Allem hochintelligent.
Es bleibt zwar unklar, inwiefern bzw. wie sehr „Mein Leben als Sonntagskind“ autobiografisch geprägt ist; jedoch macht die Autorin keinen Hehl daraus, selbst Autistin zu sein – was dem Roman schon von vornherein eine größere Authentizität anheim kommen lässt. In einer Gegenwart, die real von einer Autistin, in Form von Greta Thunberg, stark mitgeprägt ist, weist „Mein Leben als Sonntagskind“ eher in diese Richtung: Die ich-erzählende Hauptfigur Jasmijn erzählt von den Schwierigkeiten, die sie von klein auf – bis hin zum Erwachsenwerden - im „ganz normalen Durchschnittsalltag“ zu bewältigen hatte, die auch für ihr Umfeld nicht als „echte“ Schwierigkeiten zu erkennen waren, welches in Jasmijn allenfalls einen eigenbrötlerischen Sonderling, mit ein paar nervigen Marotten, sah. Dabei bleibt in diesem Werk die krasse Überzeichnung wie bei den eingangs erwähnten fiktiven Figuren aber völlig aus und stünde es nicht im Klappentext, wäre das Thema „Autismus“ gar nicht so offensichtlich, denn niemand scheint hier einen solchen Verdachtsmoment auch nur vage auszusprechen und so könnte der Lesende Jasmijn im Grunde genommen auch nur als ein zwar verschüchtertes, unsicheres Mädchen wahrnehmen, das zwar ein paar Spleens hat, aber im Grunde genommen auch bloß ein völlig durchschnittliches Kind ist. Ich fand es sehr wohltuend, dass „Mein Leben als Sonntagskind“ da prinzipiell auf diesen „Das Kind ist krank“-Anstrich verzichtete und die Protagonistin einfach von ihrem Aufwachsen berichtete und wie ihr welche Unterschiede zwischen ihrem Verhalten und dem Auftreten Gleichaltriger auffielen, wie sie sich als kleines Kind auf ihre Hündin stützte und ohne auch ohne dass der Begriff „Emotional Support Animal“ spezifisch fällt, ist sehr schnell klar, dass das Tier exakt dies für Jasmijn bedeutet.
Generell ist Jasmijn auch eine sehr beobachtende Figur, die sich immer wieder wundert, dass scheinbar alle bis auf sie bestimmte Dinge (und wenn es auch nur rhetorische Fragen sind) direkt nachvollziehen und verstehen können – da ist sie durchaus sehr reflektierend und für mich hat das mitunter auch den größten Reiz dieses Romans ausgemacht: Ohne dass es je belehrend wirkte, bekam man sehr plastisch auseinandergesetzt, was im Kopf der autistischen Hauptfigur vor sich ging, so dass da ein deutliches Verständnis für sie entwickelt werden konnte. Der Autismus wurde/blieb letztlich eine Selbstverständlichkeit und ich sehe „Mein Leben als Sonntagskind“ da als ein hervorragendes Buch an, um der Thematik Fernstehenden Autismus näherzubringen, ohne jenen mit dem Label „Behinderung“ zu verschleiern. Ich habe den Roman da als sehr inklusiv empfunden.
Ich habe „Mein Leben als Sonntagskind“ innert eines Tages gelesen, weil ich es a) vor Allem so interessant fand, so einen direkten Einblick in einen „echten“ Autismusalltag zu erhalten und b) ja, weil ich außerdem gespannt war, ob in diesem Buch letztlich das Thema „Autismus“ überhaupt auch noch ganz konkret angesprochen werden würde, ob Jasmijn (und wenn ja, wann) noch eine offizielle Diagnose erhalten würde.
Dieser Roman ist mir eine echte Lese-Empfehlung wert; neben „Ein Tropfen von Glück“ von Antoine Laurain ist dies das beste Buch, das ich 2019 bislang auf Deutsch gelesen habe (und da habe ich schon so Einiges mehr als nur diese zwei Titel gelesen).
Ein neuer Roman für meine private literarische Buchapotheke
Bewertung am 29.05.2019
Bewertungsnummer: 404035
Bewertet: eBook (ePUB)
Ich liebe es, Bücher einmal auf ganz andere Weise zu entdecken. Den Roman von der Niederländerin Judith Visser habe ich z.B. per Zufall bei der Lektüre der Zeitschrift „Psychologie bringt dich weiter“ Ausgabe Mai/Juni 2019 entdeckt. Da ging es in dem Artikel „Jemanden grüßen, das konnte ich nicht“ um eine junge Frau, die von ihrem Leben als Asperger-Autistin erzählt. Die Diagnose bekam sie allerdings erst, als sie Mitte 30 war. Bis dahin galt sie einfach als seltsam. Zu ihrem eigenen Glück haben ihre Eltern sie so akzeptiert, wie sie ist. Nachdem sie ihre Diagnose bekommen hatte, wurde ihr vieles klarer. Und irgendwann hat sie angefangen, ihre Geschichte zu erzählen. Ihr Roman „Mein Leben als Sonntagskind“ ist stark autobiografisch, allerdings hat sie die Geschichte etwas verkürzt. So bekommt ihre Hauptperson Jasmijn ihr Diagnose bereits mit 21 Jahren.
Judith Visser beginnt ihren Roman mit einem Prolog, der im Jahr 1997 spielt. Da ist ihre Protagonistin Jasmijn 19 Jahre alt und versucht ihren Führerschein zu machen. Sie scheitert kläglich, da sie tatsächlich während ihrer Fahrstunden eingeschlafen ist. Ihr Fahrlehrer ist derjenige, der endgültig den Anstoß gibt, dass Jasmijn zum Arzt geht und sich untersuchen lässt. Bis dahin war sie einfach nur irgendwie anders. Die Diagnose, die letztendlich gestellt wurde, lautete, dass sie an dem Asperger-Syndrom leidet. Das Asperger-Syndrom ist eine Form von Autismus. Und Jasmijn hatte nach vielen irritierenden Jahren für sich selbst und ihre Umgebung endlich eine Erklärung: „Nicht ich war anders, mein Gehirn war anders.“ (Seite 8 e-book).
Dann springt sie zurück und beginnt mit ihrer Erzählung, die den Zeitraum von 1982 bis 1999 umfasst. 1982 kommt sie in Rotterdam in die Vorschule. Eine sehr schwierige Situation für das Mädchen, das bisher mit ihren Eltern, dem geliebten Hund Senta und ihrem vier Jahre älteren Bruder einfach Zuhause gelebt hat. Ein einziges Mädchen kennt sie bisher. Und das ist Colette. Aber auch das hilft ihr nicht weiter. Der Lärm um sie herum. Das Gewirr aus vielen verschiedenen Kindern, die ganz unterschiedlich spielen und die Lichtreflexe verunsichern sie. Sie sucht das Heil in der Flucht. Und so geht es eigentlich ihr ganzes Leben weiter. Jasmijn kann nicht mit Lärm und Unruhe umgehen. Sie kommt mit der Schule nicht wirklich zurecht. Menschen machen ihr Angst. Und sie versteht sie oftmals nicht. Wirklich glücklich ist sie nur allein mit ihrem Hund. Ganz wenige Menschen schaffen es in ihrer Kindheit und Jugend zu ihr durchzudringen. So schließt sie mit zwei Mädchen Freundschaft, die einfach akzeptieren, dass sie anders ist. Und dies akzeptieren auch ihre Eltern. Wobei ihre Eltern nicht genau wissen, was ihre Tochter während der Pubertät so alles treibt.
Mich hat dieses Buch sehr berührt. Es ist die Geschichte einer Frau, die ihre eigene Geschichte erzählt. Sie öffnet einem die Augen, wie es Menschen geht, die einfach anders sind. Und dabei ist es eigentlich egal, ob es sich um das Asperger-Syndrom wie bei ihr, Autismus oder Hochsensibilität handelt. Ihr Buch hilft, Menschen, die anders sind, besser zu verstehen und zu akzeptieren. Nicht alles lässt sich einfach ändern, wenn man es möchte. Es gibt Grenzen, was das menschliche Gehirn zulässt. Und trotzdem sind diese Menschen genau wie alle anderen lebens- und liebenswert, Und wenn man sie erst einmal versteht, erkennt man auch, was sie den anderen alles zu geben haben.
Auch wenn ich selbst nicht das Asperger-Syndrom habe, hat mir dieses Buch für viele meiner „Macken“ die Augen geöffnet. Es hat mir geholfen, einen klareren Blick für mich zu bekommen und mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Vieles, was Jasmijn Angst macht, kann ich gut nachvollziehen. Und ich habe deutlich länger als die Autorin gebraucht, um es für mich anzunehmen und damit zu leben.
Ich kann dieses Buch jedem Menschen empfehlen, der entweder Mitmenschen kennt, die ihm merkwürdig vorkommen, oder Menschen, die sich selbst merkwürdig fühlen. Dieses Buch liest sich ausgesprochen unterhaltsam. Manches Mal musste ich lachen, weil die Situationen einfach grotesk waren, oder die Protagonistin wirklich auf sehr komische Ideen zur Lösung des Problems kam. Das Buch hat der Autorin sicherlich geholfen, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Es ist aber auch gleichzeitig ein Plädoyer für ein offenes und menschliches Miteinander.
Das Buch läuft als Roman für Erwachsene. Aber ich denke, dass es bereits ab 14 Jahren gut verstanden werden kann.
Ein einfach wundervolles Buch über eine tolle Frau, der ich viel Glück in ihrem weiteren Leben wünsche. Vielleicht lässt sie uns ja weiterhin daran teilhaben. Ich würde mich darüber freuen!
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein einfühlsamer Roman, der einem einen verständnisvollen Einblick in die Komplexität von Autismus bei Mädchen gibt. Wir begleiten Jasmijn vom Vorschulalter an, wo sich recht zügig zeigt, dass diese kluge, sensible Mädchen nicht so ganz zur breiten Masse passen will.
Der Leser strudelt mit der Protagonistin, gemeinsam durch den schwer zu bewältigenden Schulaltag, Freundschaften und die erste Liebe und lernt mit ihr gemeinsam immer mehr im Alltag zurecht zu kommen. Flüchtet sie sich anfangs komplett in die Nähe ihres Hundes und der Musik von Elvis, beginnt sie dank guten Freunden die ihre persönlichkeit akzeptieren, aufzublühen und die Welt nach ihren Vorstellungen zu gestalten.
Ein Buch, welches motiviert hinter die Fassaden zu blicken und über seinen eigenen Schatten zu springen.
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