Nietzsche

Biographie seines Denkens

Rüdiger Safranski

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Beschreibung

Wie kaum ein Zweiter hat Friedrich Nietzsche das Denken der Moderne geprägt. Er sei Dynamit, behauptete er von sich selbst. Man kann sich sein Denken als ein Laboratorium vorstellen, in dem mit provozierenden, bisweilen riskanten Argumenten experimentiert wird. Seine Philosophie ergibt kein System, sondern lebt vielmehr von ihrer inneren Dynamik. Eine „Biografie seines Denkens“ nannte Rüdiger Safranski sein bedeutendes, höchst erfolgreiches Nietzsche-Buch, das zum 100. Todestag erschien und in viele Sprachen übersetzt wurde.
Zum 175. Geburtstag am 15. Oktober 2019 erscheint eine Neuausgabe dieses Standardwerks, erweitert um ein Nachwort, das die ungebrochene Aktualität von Nietzsches Denken herausstellt.

Rüdiger Safranski, geboren 1945, studierte Philosophie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Wissenschaftlicher Assistent, Herausgeber und Redakteur der Berliner Hefte, Dozent in der Erwachsenenbildung, seit 1986 freier Autor. Für sein in 26 Sprachen übersetztes Werk wurde er u.a. mit dem Thomas-Mann-Preis (2014), mit dem Ludwig-Börne-Preis (2017) und dem Deutschen Nationalpreis (2018) ausgezeichnet. Zuletzt erschienen: Hölderlin. Komm! ins Offene, Freund! Biographie (2019) und Klassiker! (2019, mit Michael Krüger und Martin Meyer). Er lebt in Badenweiler.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum 28.01.2019
Verlag Carl Hanser Verlag
Seitenzahl 416
Maße (L/B/H) 21,8/14,7/3,8 cm
Gewicht 608 g
Auflage 2. Auflage
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-446-26266-9

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Werde, der du bist !

Jérôme aus Bad Eilsen am 21.12.2013

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Wer diese Biographie über Friedrich Nietzsches Denken zu lesen beginnt, den erwartet eine Reise in die Vergangenheit, zu jener Zeit als sich die Natur in Nietzsche ein Bewusstsein aufschlug und damit die Entfaltung eines Lebewesens einleitete, welches von sich später sagen würde, er sei Dynamit. Safranski beschreibt nun diese Explosivität eines sich zerberstenden Bewusstseins und lässt den Leser in diese Welt eintauchen, um ihn Schritt für Schritt Nietzsches gedankliche Entfaltung nachvollziehen zu lassen. Eine Entfaltung, welche sich ständig zwischen dem dionysischen und dem apollinischen Lebensprozess bewegt, wobei das erste Prinzip für ihn einen essentiellen Bereich des Lebens darstellt, den er durch das wissenschaftliche Zeitalter bedeckt sieht. Beeinflusst durch Schoppenhauer, der eine Art Urwille in allen Lebewesen walten sieht, baut auch Nietzsche sein Fundament auf einer allem zugrundeliegenden Macht auf. Das Dionysische sieht er als die Quelle allen Lebens, ein Wechselspiel von Werden und Vergehen. Dieses tragische Wechselspiel, wie es Nietzsche in " Die Geburt der Tragödie " darstellte, findet im Apollinischen seinen Gegenpart, welches dem Individuum wieder Gestalt und Form verleiht. Mit Sokrates sieht Nietzsche diese Formverleihung am stärksten ausgeprägt, wodurch sich das Leben von seinem Urgrund immer weiter entfernte und den Beginn der Wissenschaften einleitete. Doch gerade diese Gier nach Wissen lässt das eigentliche Leben verkümmern. Speziell Nietzsches Zeitalter war von einer Expansion des Wissens geprägt, die den Menschen unter dieser Flut an neuen Erkenntnissen regelrecht versinken ließ. Halt suchte Nietzsche daher in der Musik, bei der er das wahre Sein glaubt gefunden zu haben, speziell die Wagnerische, die es vermag den Prozess der Selbstreflexion aufzuheben, um in einem Rauschzustand der kollektiven Entgrenzung das wahre Leben wieder zu spüren. Doch wie lässt sich das Leben vor der Überflutung des Wissens retten, fragt sich Nietztsche. Gerade er, der schon viel zu tief in die Welt des Wissens eingedrungen ist, sieht sich vor der unmöglichen Aufgabe " den Stachel des Wissens gegen sich selbst zu kehren " . Dabei stellt für Nietzsche jede Art von Wissen eine Täuschung des Menschen gegen sich selbst dar. Religion, Gesellschaft, Wissenschaft und Moral stellen für Nietzsche lediglich Versuche dar, mithilfe der Selbsttäuschung den dunklen triebhaften Willen zu sublimieren. Nietzsche will sie nicht beseitigen, aber er will dem Menschen seine selbstgeschaffenen Trugbilder aufzeigen und ihm einen Perspektivwechsel seines Denkes aufzeigen. Es geht Nietzsche um das Ja zur Täuschung. Wir sollen Dichter unseres eigenen Lebens werden und die Welt als ein Kunstwerk betrachten, zu welchem wir unseren Beitrag leisten. Lebe so, als würdest du jeden Augenblick noch einmal genauso leben wollen. Doch dieser pathetische Ton wird sich ändern, er wird von Wille zur Macht, vom Recht des Starken über den Schwachen reden. Viele Theorien, die später vom Nationalsozialismus wieder aufgenommen wurden. Rüdiger Safranski führt uns Schritt für Schritt durch das abenteuerliche Denken Nietzsches, beschreibt aber auch seine fürchterliche Leidensgeschichte. Eine Biographie, für die man sich Zeit nehmen sollte, um Safranski bei der Analysierung Nietzsches auch zu verstehen. Es geht ihm in erster Linie nicht um eine Lebensbeschreibung, sondern um das Denken, wobei denken für Nietzsche leben war.

5/5

Werde, der du bist !

Jérôme aus Bad Eilsen am 21.12.2013
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Wer diese Biographie über Friedrich Nietzsches Denken zu lesen beginnt, den erwartet eine Reise in die Vergangenheit, zu jener Zeit als sich die Natur in Nietzsche ein Bewusstsein aufschlug und damit die Entfaltung eines Lebewesens einleitete, welches von sich später sagen würde, er sei Dynamit. Safranski beschreibt nun diese Explosivität eines sich zerberstenden Bewusstseins und lässt den Leser in diese Welt eintauchen, um ihn Schritt für Schritt Nietzsches gedankliche Entfaltung nachvollziehen zu lassen. Eine Entfaltung, welche sich ständig zwischen dem dionysischen und dem apollinischen Lebensprozess bewegt, wobei das erste Prinzip für ihn einen essentiellen Bereich des Lebens darstellt, den er durch das wissenschaftliche Zeitalter bedeckt sieht. Beeinflusst durch Schoppenhauer, der eine Art Urwille in allen Lebewesen walten sieht, baut auch Nietzsche sein Fundament auf einer allem zugrundeliegenden Macht auf. Das Dionysische sieht er als die Quelle allen Lebens, ein Wechselspiel von Werden und Vergehen. Dieses tragische Wechselspiel, wie es Nietzsche in " Die Geburt der Tragödie " darstellte, findet im Apollinischen seinen Gegenpart, welches dem Individuum wieder Gestalt und Form verleiht. Mit Sokrates sieht Nietzsche diese Formverleihung am stärksten ausgeprägt, wodurch sich das Leben von seinem Urgrund immer weiter entfernte und den Beginn der Wissenschaften einleitete. Doch gerade diese Gier nach Wissen lässt das eigentliche Leben verkümmern. Speziell Nietzsches Zeitalter war von einer Expansion des Wissens geprägt, die den Menschen unter dieser Flut an neuen Erkenntnissen regelrecht versinken ließ. Halt suchte Nietzsche daher in der Musik, bei der er das wahre Sein glaubt gefunden zu haben, speziell die Wagnerische, die es vermag den Prozess der Selbstreflexion aufzuheben, um in einem Rauschzustand der kollektiven Entgrenzung das wahre Leben wieder zu spüren. Doch wie lässt sich das Leben vor der Überflutung des Wissens retten, fragt sich Nietztsche. Gerade er, der schon viel zu tief in die Welt des Wissens eingedrungen ist, sieht sich vor der unmöglichen Aufgabe " den Stachel des Wissens gegen sich selbst zu kehren " . Dabei stellt für Nietzsche jede Art von Wissen eine Täuschung des Menschen gegen sich selbst dar. Religion, Gesellschaft, Wissenschaft und Moral stellen für Nietzsche lediglich Versuche dar, mithilfe der Selbsttäuschung den dunklen triebhaften Willen zu sublimieren. Nietzsche will sie nicht beseitigen, aber er will dem Menschen seine selbstgeschaffenen Trugbilder aufzeigen und ihm einen Perspektivwechsel seines Denkes aufzeigen. Es geht Nietzsche um das Ja zur Täuschung. Wir sollen Dichter unseres eigenen Lebens werden und die Welt als ein Kunstwerk betrachten, zu welchem wir unseren Beitrag leisten. Lebe so, als würdest du jeden Augenblick noch einmal genauso leben wollen. Doch dieser pathetische Ton wird sich ändern, er wird von Wille zur Macht, vom Recht des Starken über den Schwachen reden. Viele Theorien, die später vom Nationalsozialismus wieder aufgenommen wurden. Rüdiger Safranski führt uns Schritt für Schritt durch das abenteuerliche Denken Nietzsches, beschreibt aber auch seine fürchterliche Leidensgeschichte. Eine Biographie, für die man sich Zeit nehmen sollte, um Safranski bei der Analysierung Nietzsches auch zu verstehen. Es geht ihm in erster Linie nicht um eine Lebensbeschreibung, sondern um das Denken, wobei denken für Nietzsche leben war.

5/5

erhellend

Eine Kundin/ein Kunde aus Bern am 23.02.2013

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Für mich ein extrem erhellendes Buch. Die ganze Tragödie Nietzsches und damit ein Grossteil auch unserer Zivilisation bis heute, wird hier äusserst subtil aufgezeigt. Es ist nicht leichte Kost, es lohnt sich, aufmerksam zu lesen. Schon das Heidegger-Buch von Safranski hat mich hellhörig gemacht auf diesen Autor. Safranski schafft es, anhand der Schriften aus der Distanz eine erweiterte Sicht auf unsere Kultur(en) zu eröffnen, wie ich sie selten finde in solchen "Biografien".

5/5

erhellend

Eine Kundin/ein Kunde aus Bern am 23.02.2013
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Für mich ein extrem erhellendes Buch. Die ganze Tragödie Nietzsches und damit ein Grossteil auch unserer Zivilisation bis heute, wird hier äusserst subtil aufgezeigt. Es ist nicht leichte Kost, es lohnt sich, aufmerksam zu lesen. Schon das Heidegger-Buch von Safranski hat mich hellhörig gemacht auf diesen Autor. Safranski schafft es, anhand der Schriften aus der Distanz eine erweiterte Sicht auf unsere Kultur(en) zu eröffnen, wie ich sie selten finde in solchen "Biografien".

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