Erstmalig in einem deutschsprachigen Lehrbuch werden Geschichte, Akteure, Institutionen und Prozesse der internationalen Arktispolitik vor dem Hintergrund verschiedener Politikfelder sowie Theorien der internationalen Beziehungen anschaulich und verständlich analysiert. Fragen wie "Was macht die Arktis als Region in den internationalen Beziehungen aus?", "Welche Akteure und Institutionen spielen eine Rolle in der Arktispolitik?", "Welche Bedeutung kommt den Ressourcen und Schifffahrtswegen in einer zugänglich werdenden Arktis zu?" und "Welche umwelt- und sicherheitspolitischen Bedenken gehen mit einer wärmeren Arktis einher?" stehen im Zentrum aktueller wissenschaftlicher wie politischer Debatten, welchen sich dieses Buch annimmt. Es bietet damit für Einsteiger ebenso wie für fortgeschrittene Arktiskundige eine Orientierung zwischen den Extremen der historischen Romantisierung der Nordpolarregion als Niemandsland und ihrer aktuellen Charakterisierung als drohendem Konfliktraum. Das Buch beleuchtet verschiedene Konzepte und Theorieansätze aus den internationalen Beziehungen, dem internationalen Recht und der politischen Geografie und unterzieht sie einem Eignungstest für die Erklärung arktispolitischer Vorgänge in den Bereichen Ressourcen-, Umwelt- und Sicherheitspolitik. Damit liefert es akademische wie praxisrelevante Orientierung für jeden, der politische Prozesse in der Arktis anhand konkreter theoretischer Annahmen zu verstehen sucht, und gibt Anregungen und Impulse für zukünftige Forschungsarbeit.
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07.09.2018
Buch (Taschenbuch)
Der eisige Norden wird warm!
Die Arktis rückt durch 2 Phänomene des Anthropozäns in den Mittelpunkt des globalen Interesses:
1. Der Klimawandel erwärmt die Arktis doppelt so schnell wie andere Regionen, hier wird eine Erwärmung von +4 Grad erwartet. Deshalb geht das Meereis seit den Siebziger Jahren drastisch zurück, vor allem das mehrjährige Eis. Im September ist fast die Hälfte der arktischen Meeresoberfläche eisfrei und friert nur im Winter wieder zu. Die Eisdrift von Sibirien in Richtung Kanada öffnet vor allem die Nordost-Passage vor Sibirien. Die Fauna der Arktis verliert ihre Lebensgrundlage, Eisbären verhungern, Robben haben zu wenig Eisschollen zur Aufzucht ihrer Jungen. In Sibirien zieht sich der Permafrost immer weiter zurück, dadurch werden riesige Mengen Methan frei, die den Klimawandel ebenso verstärken, wie der der Rückgang der Albedo (Schnee und Eis reflektieren Licht, Meerwasser nimmt es auf und erwärmt sich. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird die Arktis im Sommer nahezu eisfrei sein. Fischarten dringen nach Norden vor und verdrängen die polare Fauna.
2. Die Globalisierung macht vor der Arktis nicht Halt, Firmen wittern dort Gewinnmöglichkeiten. Große Öl- und Gasvorkommen, reiche Fischbestände aber auch militärische Nutzung ruft diverse Länder auf den Plan. Vor allem die Schifffahrt wird sowohl Nordost- als auch Nordwestpassage nutzen, da beide im mehr als 1000 km kürzer sind als die Routen in Äquatornähe. Am kürzesten wird die Mittelroute direkt über den Pol sein.
Auf Grund dieser wirtschaftlichen Interessen bringen sich die arktischen Länder in Stellung. Das sind vor allem die 5 Küstenanrainer Russland, USA, Kanada Dänemark und Norwegen (A5). Viele Länder wie Deutschland, Schweden Frankreich England, China und Brasilien haben bei Arktischen Rat der A5 Beobachterstatus und bringen dort ihre Interessen ein. Besonders China, das ein vitales Interessen an den Schifffahrtsrouten hat, argumentiert die dem globalen Allgemeininteresse aller Länder an der Arktis, während die A5 versuchen, ihre territorialen Ansprüche zu schützen. Sonderfälle sind Grönland, das von Dänemark vertreten wird, aber aus den dänischen Königreich austreten will, und Island, das am Rande des Polarkreises situiert ist, der als Rand der Arktis gilt.
Einen Sonderstatus haben auch die indigenen arktischen Völker (Inuit, Athapasken, Samen, sibirische Völker, Aleuten) die durch ihre Räte im Arktischen Rat Initiativrecht haben. Bereits vor 5000 Jahren gab es auf der Tschuktschen-Halbinsel Vorfahren der Inuit, deren Nachkommen sich bis 1000 nach Chr. bis nach Westgrönland ausbreiteten. Sie sibirischen Völker litten unter den wirtschaftlichen und militärischen Nutzungen ihrer Gebiete durch die UDSSR, u.a. fand in Sibirien die größte Atombombenexplosion aller Zeiten statt.
Alle versuchen derzeit noch, politische und diplomatische Lösungen für die Zukunft zu erreichen, da militärische Optionen wenig attraktiv sind und vor allem Angst und Selbstverteidigung provozieren.
Das Buch ist sehr klar und übersichtlich geschrieben und bietet einen exzellenten Überblick über diese letzte vom Menschen eroberte Erdregion.
Dr. Rüdiger Opelt, Autor von „Wasser und Eis. Ein Alpen-Klima-Krimi.“
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